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Kapitel IV: Pforte des Grauens
#51
(Sitzung vom 10.3.2012)
16. Rondra 26 Hal, Lager des Haranydad

Firudan und Messana sind mit Alwijida früh aufgebrochen, um das Revier der Spinne zu kundschaften. Wir anderen vier blieben zurück und ich zumindest erfreute mich daran, mir einen geruhsamen Tag zu machen. Ich war zum Glück nicht so erschöpft, dass ich der Ruhe bedurfte.
Ich sah die Ausrüstung durch, aber mit der waren wir soweit durch. Ich fettete meine Krötenhaut ein und genoss es, mich nicht durch den Dschungel zu hacken, als es regnete, unter einem Dach zu sitzen und einen soweit entspannten Tag zu machen.
Zwischendurch machte ich ein paar Waffenübungen, zu denen sich dann auch mal Dela gesellte.
Die unterhielt sich viel mit den Maraskanern über Maraskan, Herdin, die Besetzung Maraskans durch das Mittelreich, unsere Steckbriefe (und dass diese bedeuten, das Herdin nicht immer nur das macht, was das Mittelreich befiehlt) und ließ durchklingen, dass sie von der moralischen Richtigkeit der Besetzung auch nicht überzeugt ist.
Das habe ich ja schon öfter bei Messana heraus gehört und gibt mir auch durchaus zu denken. Es ist mein Heimatland, das zu verteidigen auch meine Aufgabe als Ritterin sein wird und daher fiele es mir nicht ein, die Rechtmäßigkeit zu hinterfragen, aber dass es andere tun, ließ mich das dann auch hinterfragen. Eigentlich ist hier ja nichts, außer Hitze, giftigen Tieren und viel Dschungel, in dem kein Mittelreicher leben möchte. Außer dem Endurium. Aber ist das wirklich eine Besatzung wert, all die Götterläufe und Dekaden des Kampfes, Besatzung und der vielen Toten auf beiden Seiten? Für die wenige Stein Endurium, die aufgeteilt werden und dann kaum der Rede sein werden?
Aber dann sind die Kirchen damit einverstanden und die Kirchen handeln im Namen der Zwölfe. Ist die Besatzung dahingehend dann nicht doch rechtens?
Ich finde das sehr schwierig.

Der gelehrte Herr dagegen lief viel im Lager herum und blickte sich nachgerade misstrauisch um. Er klappte auch seine Augenklappe dazu hoch, was dazu führte, das die Leute Bogen um ihn machte. Er seinerseits ging gerade auf sie zu und suchte nacheinander immer mehr in Gespräche zu verwickeln. Er fragte sie, ob in den letzten Monden Fremde hier gewesen wären, etwa ein Mann mit Bucker und sechs Fingern an jeder Hand. Dies machte die Maraskaner ihrerseits noch etwas misstrauischer und sie wollten ihn um so mehr meiden, wie zu sehen war. Das hielt ihn aber nicht davon ab, sie weiter zu befragen.

Ich ging zu Dela und sprach aus, wie unbehaglich mir das wäre, diese plötzlichen Aufflammen von dieser Paranoia und dass ich Sorge hatte, dass sein Verhalten die Leute gegen uns einnehmen könnte. Sie hatte ähnliche Sorgen, daher gingen wir zu dem gelehrten Herrn und Dela bat ihn, unter sechs Augen zu sprechen. Er folgte er unwillig, da er, wie er sagte, mitten in seinen Befragungen wäre.
Entsprechend schwierig gestaltete sich das Gespräch. Dela bat ihn, nicht einfach alle zu verdächtigen und dass es nicht nötig wäre, fast jeden einzelnen nach Fremden zu fragen. Allein die von ihm genannten körperlichen Details könnten die Maraskaner verschrecken. Ich ergänzte noch, dass, wenn schon keine Fremden hier waren, auch keine Fremden mit einem Buckel oder sechs Fingern gesehen worden waren. Er meinte, Borbarad könnte ja Gestalt eines Maraskaners inne haben. Wir wiesen ihn daraufhin, dass es dann völlig müßig ist, nach Fremden zu fragen.
Das überzeugte ihn bestenfalls nur halb, und er bestand darauf, dass Borbarad zur Strecke gebracht werden muss und ihm Furcht gelehrt werden muss. Er sah aber Delas Rat, nicht alle Karten auf den Tisch zu legen durch die genauen Beschreibungen, ein.

Als er wieder zurück ging und immer noch Leute weiter befragte (wohl um nur nach Fremden zu fragen) sagte ich zu Dela, er sei manchmal wie eine andere Person.

Später am Tag meditierte er noch. Diese Zeit nutzten die Maraskaner, Dela, Marech und mich in ihre eigentlichen Refugien einzuladen. Wie wir schon selbst erkannt hatten, war in der einen Hütte, in der so viele Leute verschwanden und oft lange nicht wieder heraus kamen, ein Eingang zu unterirdischen Bereichen.
Ich war dennoch erstaunt, um was es sich genau handelte und wie groß das war. Unten war ein natürliches Höhlensystem aus mehreren Höhlen, die groß genug waren, um 60 bis 70 Personen großzügig zu beherbergen. Es gab Wohnhöhlen, eine Versammlungshöhle und noch eine kleinere, in der Vorräte gelagert wurden. Auch Ställe und Gatter für Schweine und Hühner gab es hier. Diese Tiere wurden immer nach oben gebracht für einige Tage und die von oben im Gegenzug nach unten. Ein unterirdischer Fluss floss hier entlang, der im Laufe der Zeit die Höhlen ausgespült hatte und die Menschen mit Trinkwasser versorgte. Es gab nur das Notwendigste an Mobiliar und Beleuchtung gab es durch Fackeln und schwach leuchtende Pilze an den Wänden direkt am Fluss. Es war angenehm kühl in den Höhlen im Kontrast zu der Hitze oben und draußen.
Als ich fragte, warum ein Großteil der Tiere immer unten gehalten wird, erfuhr ich, dass es aus Schutz geschah, falls beispielsweise Rebellen vom Diskus von Boran das Lager finden und angreifen sollten.

Am späten Nachmittag kamen die drei vom Erkundungsgang zurück. Dela und ich waren zu dem Zeitpunkt wieder oben und auch der gelehrte Herr wurde hinzu geholt.
Messana berichtete, dass es in der Tat etwa ein halber Fußmarsch durch den Dschungel war. Die ersten Netze finden sich kaum eine Viertelstunde vom Lagerrand und auf dem Weg zur Felswand waren sie immer wieder auf ausgesaugte Tierkadaver gestoßen, die der Spinne zum Opfer gefallen waren. Die Spinne hatte so etwas wie einige Pfade angelegt, mit ihrem riesigen Leib hatte sie genügend Astwerk niederdrücken können. Dann wieder war sie in die Bäume gewechselt und hatte sich dort ihren Weg gebahnt.
Die Höhle liegt in etwa fünf Schritt Höhe der Felswand, die insgesamt wohl das dreifache an Höhe betragen mag. Die Felswand hält sie für erkletterbar, wenn auch nicht ganz einfach. Der Höhleneingang schätzt sie auf weniger als zwei Schritt Breite, eher anderthalb und die Höhe etwa genauso. Der Boden vor der Wand ist frei von Dschungel. Etwas Farne und niedriges Pflanzenwerk wächst dort, aber vor allem sind Fels und Gras zu finden.
Messana fuhr gleich fort, dass sie die Höhle selbst für keinen guten Kampfplatz hielt. Wir würden nicht wissen, wie sie von innen beschaffen ist, groß und weit genug für uns oder nicht, ob es nur eine Höhle oder es Gänge oder gar mehrer Nebenhöhlen gibt. Die Spinne würde sich dort auskennen und vielleicht auch dort ein oder mehrere Netze haben.
Draußen vor der Felswand dagegen hätten wir Platz zum kämpfen und uns ungehindert zu bewegen, zudem hat dort die Spinne keine Vorteile auf ihrer Seite.
Das fand soweit Zustimmung und damit stand unser Vorgehen fest und dass wir morgen früh aufbrechen werden.

Messana wandte sich dann noch an den gelehrten Herrn und riet ihm, sich seinerseits aus dem Nahkampf herauszuhalten, da er keine Waffe hat, um der Spinne ernsthaften Schaden zuzufügen. Außerdem wäre es sinnvoll, wenn er seine astralen Kräfte nicht alle im Kampf verbrauchen würde, da wir anschließend auf seinen Balsam oder Klarum Purum angewiesen sein könnten. Zuletzt bot sie ihm noch ihren Kurzbogen für den Kampf an, wenn er sich nicht damit in ein Versteck zurück zieht.
Das Angebot nahm er an, stimmte auch dem weiteren zu und bot seinerseits an, mit einem magischen Rüstungsschutz für einen für uns auszuhelfen.
Dafür bestimmte Messana Dela, die ja ganz ohne Rüstung unterwegs war. Der gelehrte Her schaute skeptisch drein und er brachte die Bedenken vor, dass Dela seiner Meinung nach zu zögerlich sei!
Das führte zu einigem Aufruhr und Empörung und Dela musste erst einmal die Ereignisse des Nachmittags kurz wiedergeben, damit Firudan und Messana sie in Gänze verstanden. Der gelehrte Herr fand sich jedoch in der Meinung gegen sich, denn natürlich war es eine wenig freundliche Unterstellung Dela gegenüber und seine Begründung, dass Borbarad gerissen sei und überall sein könnte, half ihm auch nicht gerade. Obendrein fanden alle, dass es ungeschickt war, wie er vorgegangen war, auch wenn Messana, wie sie sagte, dem Haran ohnehin die Hintergründe für unser Hiersein noch darlegen wollte.
Das hielten Firudan und Dela wieder für unklug. Das würde sich über Maraskan verbreiten, auch auf das Festland und das wollten wir verhindern, weshalb wir es bislang nur ausgewählten Personen erzählt hatten. Messana fand, dass der Haran auf Maraskan zu höhergestellten Personen zählte und dass auch auf Maraskan darüber Bescheid gewusst werden sollte. Schließlich aber willigte sie, nicht so recht überzeugt, ein.
Ich erwähnte noch die Höhle, der gelehrte Herr horchte auf und war empört. Dela verwies darauf, dass er ja vielleicht ohne Grund nichts davon wusste und er sprach sogleich davon, wie verdächtig das sei.
Ich hoffe sehr, dass es wieder besser mit ihm wird, wenn wir Maraskan erst wieder verlassen haben. So ist ja kein Auskommen mit ihm, wenn er diese Momente hat.

Messana suchte noch den Haran auf und wurde dafür auch über die steinerne Treppe hinab geführt. Als sie wieder kam, berichtete sie von den Ergebnissen einiger Fragen, die sie an ihn gehabt hatte. Bevor die Spinne aufgetaucht war vor gut einem Götterlauf, war nichts Bemerkenswertes geschehen. Einige Wasserschläuche können wir haben und das Haranydad hat leider keine Verbindungen zu Freibeutern oder sonstige zur Küste. Ergänzend zu dem, was uns der gelehrte Herr über die Örtlichkeit der Mine hat sagen können, gibt es dort in der Tat mehrere Werksgebäude, denn das Endurium wird vor Ort nicht nur abgebaut, sondern auch zerkleinert und zu Barren geschmolzen. Damals waren innerhalb des Erdwalles fünf bis sechs Dutzend Soldaten stationiert, aber seit dem Überfall war er selber nicht mehr dort gewesen und auch niemand, mit dem er Kontakt hatte. Das gestohlene Endurium hatte der Haran an den Tempel in Tuzak gespendet, was sie damit gemacht haben, wusste er nicht.
Außerdem hatte sie ihn über unser morgiges Vorhaben informiert.
Kämpfer vom Haranydad mitnehmen werden wir nicht, denn sie wären eher selber in Gefahr, als uns unterstützen zu können, darauf ließen die Erfahrungen ihrer Begegnungen mit der Spinne schließen. Das schloss Marech mit ein.

Sie erkundigte sich bei Firudan, ob er bei sich selber seit der „Verschmelzung“ irgendwelche Veränderungen bei sich festgestellt hatte, außer, dass er die Verletzungen und Vergiftungen vom gestrigen Tag erstaunlich gut verkraftet hatte. Aber etwas anderes außerdem war ihm bislang nicht aufgefallen und er konnte sich auch nicht erklären, warum das so war.

Firudan wandte sich an Dela, ob sie ihm den Kampf mit zwei Waffen beibringen könnte. Sie sah etwas überrascht drein, meinte aber, das würde sie gerne tun. Das würde allerdings geraume Zeit benötigen, eine zweite Waffe und würde anfänglich dann primär Übungen für die linke Hand beinhalten.
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#52
17. Rondra 26 Hal, Lager des Haranydad

Es war noch dunkel, als Messana uns weckte, nur Marech durfte weiter schlafen. Wir frühstückten und füllten unsere Wasserschläuche am unterirdischen Fluss. Bereits gestern hatten wir unser Gepäck durchsortiert, es wurden Verbände, unsere Kräuter und Tinkturen, die Seile, ein Schlauch mit Heilwasser und etwas zu Essen und zu Trinken mitgenommen werden.
Wir verließen das Dorf und außerhalb davon rief uns Messana zum Morgengebet. Wir sprachen gemeinsam ein Gebet und sie sprach ein paar kurze, prägnante Sätze darüber, dass wir schon gegen andere und gefährlichere Kreaturen gekämpft und gesiegt hatten, auch wenn die Spinne sicherlich ebenfalls nicht natürlichen Ursprungs ist. Wir würden siegen, sprach sie, denn Rondra ist mit uns und wir werden Rondra zum Wohlgefallen kämpfen. Wir endeten mit einem weiteren gemeinsamen Gebet, dann wandten wir uns mit dem ersten Licht dem Dschungel zu. Wieder hinein in das dämmrige Grün, uns den Weg freihackend, schwitzend und bei jeden Schritt darauf achtend, wo wir hintraten. Aber da wir alle erholt waren und es auch nicht soweit war und wir weniger mit uns führten, hielt sich die Anstrengung in Grenzen.
Sehr bald stießen wir auf das erste Netz, oder vielmehr dessen Überreste, ein wahrlich riesiges Gespinst. Die einzelnen Fäden dagegen kamen mir überraschend schmal vor, sie hatten wohl kaum Wollfadendicke. Bei einer Spinne solcher Größe hatte ich mir eher so etwas Fingerdicke vorgestellt.
Wir stießen im Weiteren noch auf weitere Netzüberreste, auf dem Boden wie hoch in den Bäumen, ebenso wie auf die Kadaver in verschiedenen Verwesungsstadien von Tieren, die zur Beute geworden waren. Einige Male zogen wir auch auf jenen von der Spinne angelegten Pfaden dahin, wenn sie Richtung Süden führten, andere kreuzten unseren Weg.
Messana ging voran, denn sie fand sich von uns allen bei weiten am besten im Dschungel zurecht, wir anderen folgten ihr hintereinander. Einmal, als Messana Äste auseinander bog, standen wir plötzlich vor einem Netz, das geschickt hinter dem Sichtschutz gewebt worden war. Wir achteten sorgfältig darauf, auch dieses nicht zu berühren. Da es jedoch mit am frischesten und unberührtesten aussah, machten wir einige Versuche, um einen Eindruck über die Stärke der Fäden und Klebrigkeit zu bekommen. Dazu benutzten wir Äste und selbstverständlich nicht unsere Waffen. Die Fäden waren unglaublich elastisch, stellten wir fest, und unsere Äste wollten sich von ihnen gar nicht mehr lösen lassen. Nicht einmal Firudan konnte sie mit aller Anstrengung seiner gewaltigen Muskeln abbekommen, und das will schon eine Menge heißen.
Dann lichtete sich nach wenigen Stunden der Dschungel vor uns und wir konnten die Felswand ausmachen. Wir kamen aus dem Norden und sie verlief in grob nord-südlicher Richtung. Messana wies uns auf die Höhle hin, die noch im Süden gute 50 Schritt von uns entfernt war.
Sie schlug vor, dass wir uns am Waldrand bis auf Höhe der Höhle bewegen, dort unsere Rucksäcke auf Bäumen ablegen und dann auf die Höhle zu bewegen sollten, Dela und der gelehrte Herr ganz hinten, der bei Sichtung der Spinne den Armatruz wirken sollte.
Firudan und ich zogen hier schon unsere Waffen, denn dafür mussten wir die Rucksäcke abnehmen und falls uns die Spinne überraschen sollte bliebe dafür keine Zeit mehr. Messana reichte dem gelehrten Herrn Köcher und Bogen und dann zogen Dela und sie ihr auch ihre Säbel. Er spannte den Kurzbogen gleich. Sie sagte, er solle nach Möglichkeit nicht mehr als 10 Pfeile verschießen, die übrigen würde sie noch für die Jagd benötigen.
Mich nahm sie auch noch kurz zur Seite. Ich befürchtete schon, sie wolle mir befehlen mich ganz aus dem Kampf heraus zu halten, aber das tat sie nicht. Sie riet mir, ich solle erst gar nicht versuchen, mit der Waffe zu parieren, die Länge der Klinge möglichst ausnutzen, in Bewegung bleiben und nicht zögern, den Ring mit dem Armatruz-Zauber zu nutzen.

Dann machten wir uns auf, bis wir der Höhle gegenüber waren. Nachdem wir das Gepäck zurück gelassen hatten, gingen wir in der vorher ausgemachten Formation auf die Höhle zu.
10-15 Schritt vor der Felswand blieb Messana stehen. Firudan und sie hoben Steine auf und warfen gegen die Felswand und in die Höhle hinein, dazu stießen wir laute Rufe aus. Nichts regte sich bei der Höhle. Um nicht überrascht zu werden, schauten wir auch immer wieder nach hinten und in die anderen Richtungen.
Doch entweder war die Spinne nicht in ihrer Höhle, oder sie war so nicht herauszulocken. Messana verkündete, sie würde hinein gehen. Etwaige Zweifel daran wischte sie beiseite. Vielleicht müsse die Spinne hinaus gelockt werden und sie sah bei sich die besten Chancen, rechtzeitig wieder heraus zu kommen.
Sie ging zurück zum Gepäck, holte eines der Seile (um mit dessen Hilfe, so sie es oben befestigen konnte, im Zweifelsfall schneller herabzukommen) und kletterte an der Felswand nach oben.
Gebannt sah ich ihr nach, jeden Moment das riesige Ungetüm erwartend.
Kurz unterhalb der Kante stockte sie kurz, vermutlich um zu lauschen, dann blickte sie kurz über die Kante. Hätte einer von uns die Spinne gesehen, hätten wir schon gerufen, aber Vorsicht in einer solchen Situation kann nicht schaden.
Sie schwang sich über die Kante und stand damit direkt in der Höhle. Sie blickte geraume Zeit hinein und danach untersuchte sie das Gestein am Rand. Dann drehte sie sich zu uns um und zuckte mit den Schultern. Das sollte wohl bedeuten, dass sie nichts von der Spinne ausgemacht hatte. Aber wohl auch nichts gefunden, um das Seil zu befestigen, denn sie trug es noch immer über der Schulter, als sie mit gezogenen Waffen hinein trat. Kurz darauf sah ich es bläulich aufleuchten, als sie den Flim Flam ihrer Armschienen aktivierte.
Mir kam es etwas länger vor, aber vermutlich waren es nicht einmal 30 Herzschläge, dass sie aus der Höhle rannte, an der Kante geschmeidig in die Hocke ging, sich mit den Fingern festhielt und den Rest des Körpers über die Kante schwang, sich mit den Füßen abfing und nach unten fallen ließ.

Hinter ihr kam die Spinne. Sie war riesig, ein gewaltiger Leib von mehreren Schritt Länge und gut der Hälfte in der Breite, schrittlange Beine, alles schwarz glänzend und am Leib von schwarzen Borsten bedeckt. Die vielen Augen waren schwer in der dunklen Masse des Leibes auszumachen, obwohl sie auch entsprechend groß waren. Und sie war wirklich schnell!
Mir entfuhr unwillkürlich ein „Bei Rondra!“

Messana zog im Laufen wieder ihre Waffen und rief uns zu, jeder soll sich ein Bein vornehmen. Der gelehrte Herr sprach schon seinen Zauber auf Dela, die dann mehrere Schritte zurück rannte. Auch der gelehrte Herr lief zurück, damit er mit dem Bogen etwas Abstand gewinnen konnte. Ich hörte ihn dabei „Ich wusste!“ rufen, aber es war keine Zeit, mir Gedanken zu machen, worauf sich das denn nun bezog. Ich sprach das Wort, um meinen Ring zu aktivieren.

Noch bevor Messana bei uns war, landete die Spinne mit einem riesigen Satz vor uns und Firudan gelang es so gerade noch, zur Seite zu springen, als eines ihrer Beine speerähnlich auf ihn zuschoss.
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#53
Fortsetzung des Eintrages "17. Rondra 26 Hal, Lager des Haranydad"




Es war ein harter Kampf. Dela landete gleich zu Anfang mit ihrem Anlauf eine tiefe Wunde auf einem Bein, das fast durchtrennt wurde. Messana schlug ein Bein mit ihrem zweiten Hieb, einem gewaltigen Angriff, glatt ab. Mit meinem ersten Schlag, in den ich viel Kraft und keine Finesse legte, kam ich tatsächlich durch die Panzerung durch. Was heißt tatsächlich – ich kam so gerade durch! Jede Gestechrüstung muss bei weitem dünner und weniger hart sein als diese Panzerung der Spinne!
Acht Beine hatte das Monster, so dass das eine fehlende und das andere eingeschränkte leider nicht viel ausmachten. Dela gelang es, das schon arg verletzte endgültig zu zermalmen.
Die Spinne stieß mit ihren spitz zulaufenden Beinen zu, hatte aber noch mehr Möglichkeiten.
Messana, die in ihr Augenmerk gekommen war, weil sie ihr das erste Bein abgetrennt hatte, und schon auf das nächste einschlug, war nicht schnell genug, als Spinne mit ihren riesigen gewaltigen Mandibeln zugriff. Messana befand sich plötzlich in einiger Höhe zwischen den Kiefern der Spinne!
Dela rief besorgt ihren Namen, ließ von dem nächsten Bein ab und rannte zum Kopf des Untiers, um darauf einzuschlagen.
Firudan wechselte auf den Leib über und schlug eins um andere Mal ein mit seinem Zweihänder zu, und eins um andere Mal riss er tiefe Löcher in den schwarzen Panzer und den Leib darunter, aus denen es widerlich troff.
Doch die Spinne hielt Messana und wollte nicht von ihr ablassen. Messanas Arme waren frei und soweit es ihr gefangener Oberkörper zuließ, stach sie immer wieder mit den Säbel gezielt auf den Kopf ein. Einmal dabei rief sie die Herrin Rondra an und zielgenau landete der eine Säbel im Schädel des Tieres. Aber die Spinne wankte nicht.
Ich blieb an meinem Bein und schlug immer wieder zu. Einmal kam ich noch – so gerade! - durch die Panzerung, denn ich sah es herauslaufen. Aber meine anderen Treffer gingen neben die beweglichen Beine oder waren von mir in meiner Anstrengung zu ungenau gesetzt, oder hatten einfach zu wenig Wucht, um durch die Panzerung zu kommen.
Ein oder zweimal sah ich Pfeile auf die Spinne zufliegen, aber sie prallten am harten Leib ab oder zersplitterten gar daran. Ich sah, wie Messanas Bewegungen schwächer und ungezielter wurden, während Dela und Firudan noch immer heftige Treffer auf das Untier setzten. Diese hatte immer noch ihre Beine, mit denen sie blitzschnell zutreten konnte.
Und sie war schnell, bei Rondra. Dela und Firudan konnten ihren Angriffen beide nicht entgehen und auch mir erging es nicht anders. Ich sprang geschwind weg und manch anderem Angriff wäre ich damit wohl gar entgangen, aber nicht dieser Spinne. Trotz meiner zwei Rüstungen hatte ich wohl Glück, denn später stellte es sich als eine sehr oberflächliche Verletzung heraus.
Dann landete Firudan einen unglaublichen Treffer, einen wahren Rondratagshieb, der mit immenser Wucht geführt worden war. Die Spinne hatte bereits viele Treffer erhalten und sie blutete (oder was auch immer Spinnen tun) aus den meisten Verletzungen, doch dieser Hieb riss ihren Unterbauch so weit und tief auf, dass sie nun – endlich! – zusammenbrach.
Rückwirkend kann ich abschätzen, dass der Kampf nicht lange gedauert hatte, sicherlich keine 30 Herzschläge. Aber in meiner Erinnerung erlebe ich ihn gefühlt länger.

Dela, ebenso ich und auch Firudan, lief sogleich zu Messana, die sich mühsam und etwas wankend erhob. Sie vor allem war mit Schleim und Innereien der Spinne bedeckt. Auf die Frage nach ihrem Befinden sagte sie, recht gut, aber ihr Oberkörper würde sich ganz taub anfühlen.
Recht gut sah sie nicht unbedingt aus, da die Spinne wieder und wieder auf sie eingebissen hatte und dabei wohl auch ihr Gift in sie gespritzt hatte. Gift!

Dela führte Messana an die Seite und sie und ich halfen ihr, ihre Rüstung abzulegen. Firudan lief, die Rucksäcke zu holen und der gelehrte Herr kam herbei.
Wir spülten die Reste der Spinne ab und legten diverse Biss- und Einstichstellen am Oberkörper fest. Dann ließen wir das Heilwasser über ihre Verletzungen laufen.
Da wir seine Wirkung in kleinen Mengen nicht abzuschätzen wussten, hielt Firudan den Daumen drauf, ließ es aber sonst recht großzügig über die Verletzungen laufen. Und es war schon unglaublich, als sich Verletzung um Verletzung schloss und verschwand und binnen Minuten einfach nichts mehr von den Verletzungen zu sehen war! Das Taubheitsgefühl blieb jedoch, und das war nicht gut.
Sie nahm eine Portion, ihre letzte von zweien, des Menchalkaktussaftes ein und der gelehrte Herr wirkte einen Klarum Purum noch zusätzlich auf sie. Direkt danach änderte sich aber auch nichts am Taubheitsgefühl.

Auch wir anderen wuschen gegenseitig unsere Verletzungen aus und Firudan und Dela verbanden sich gegenseitig (als der Armatruz auf Dela nicht mehr wirkte), denn ihre Verletzungen waren nicht so gravierend, dass dafür das Heilwasser aufgewendet werden sollte. Firudan verband auch mich, sobald der Ring mich nicht mehr schützte, aber es war keine sonderlich tiefe Wunde, mehr ein Kratzer.

Als wir uns soweit versorgt hatten, schickte mich Messana, danach zu schauen, ob ich noch unversehrte Pfeile fand. Einen fand ich abseits, nachdem er abgeprallt war und brachte ihn Messana.
Sie berichtete davon, dass sie in der Höhle seltsame Malereien gefunden hatte. Nicht ganz frisch, aber auch nicht alt. Sie zeigten in sehr einfacher Ausführung Menschen und riesige Spinnen. An anderer Stelle war ein riesiges Netz aufgemalt.
Das klang seltsam genug, dass Dela sagte, sie wolle sich das mal ansehen. Ich war hin und her gerissen, da mich das auch interessierte, ich aber nicht Messana allein lassen wollte. Was nun, wenn die Giftwirkung schneller wurde, oder sich verschlimmerte?
Messana sagte, wenn sich etwas ändern würde, würde sie es gleich sagen, bis jetzt wäre auch keine Veränderung zu spüren und so machten Dela und ich uns dann auf, nachdem Dela Messanas Armschienen, die noch immer leuchteten, erbeten hatte.

Wir kletterten hinauf (ich hatte vorher meine Krötenhaut abgelegt) und sahen uns um. In der Tat, nahe beim Eingang begannen diese Zeichnungen. Sie waren mit Erdfarbe aufgetragen und als ich sie vorsichtig mit einem Finger berührte, bröckelte es leicht ab. Menschen, die vor riesigen Spinnen, die etwa unserer entsprachen, niederknieten und Spinnen, die Menschen angriffen. Obwohl die Gestalten eher mit Strichen dargestellt wurden, denn wirklich gemalt, war alles eindeutig zu erkennen.
Wir mussten uns ducken, denn die Höhle blieb konstant auf einer Höhe, die ein aufrichten ausschloss. Sie wurde auch nur wenig breiter, mit ausgestreckten Armen konnte ich die Wände zu beiden Seiten berühren. Es roch streng.
Hinter diesen Darstellungen fanden wir die erwähnte Netz-Zeichnung. Es sah aus wie die Netze, die wir im Dschungel gesehen hatten und war so groß, wie die Wand es zuließ.
Auf die Zeichnung vom Netz folgte eine wirklich unerwartete Zeichnung: die eines Frauengesichts (etwas größer, als ein Gesicht tatsächlich ist), auf dessen linker Gesichtshälfte eine Spinne gemalt war. Auch diese Zeichnung war einfach gehalten, aber sehr detailliert.
An der Stelle, an der die Höhle endete und die Wand sich wieder Richtung Eingang wandte, fanden wir Reste alter und aufgesprungener Kokons und diverse Knochen: Das eigentliche Lager der Spinne. Dela und ich wussten zwar beide nichts über Spinnen, aber wir hatten beide den Eindruck, dass es sich bei den Kokons eher um Behältnisse für eingewebte Nahrung gehandelt hatte denn um Kokons für die Aufzucht von Nachwuchs.

Nach nur wenigen Minuten waren wir wieder unten, denn groß war die Höhle nicht und es hatte auch keine Nebenhöhlen oder –gänge gegeben.
Dela erzählte von dem Frauengesicht. Wir konnten jedoch bei keiner der Zeichnungen erahnen, wer sie aufgetragen hatte oder warum.
Der gelehrte Herr überlegte und sagte, in seinen Augen würde das nicht nach Borbarad klingen. Na, immerhin etwas, während zuvor ja selbst Schlangenbisse und Trichterwurzgifte auf diesen Magier zurückgehen sollten nach seinen Behauptungen.

Messana verspürte keine Besserung bei ihrem Taubheitsgefühl, aber auch keine Verschlechterung und da ihre Verletzungen vollständig verschwunden waren, traute sie sich (natürlich, und wenn nicht, würde sie das womöglich auch nicht zugeben) zu, den Rückweg anzutreten.
Firudan ging zu der Spinne und hob eines der abgeschlagenen Beine auf. Messana fragte ihn, was er damit wollte und er antwortete, dass es ein Beweis und eine Trophäe wäre. Sie fand, dass ein Beweis ja wohl nicht nötig wäre, wenn wir von Erfolg kündeten, aber er meinte leichthin, dann wäre es immer noch eine Trophäe.

Wir machten uns auf. Da ich Messana kannte, konnte ich wohl erkennen, dass sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war, ich sah deutlich, wie unsicher ihre Bewegungen und Schritte für sie waren, während ein Fremder, der sie nicht kannte, wohl nichts bemerkt hätte.
Da aber auch das Bein, das Firudan trug, lang und sperrig war, kamen wir auch deshalb nicht ganz so schnell voran.
Ich war sehr beruhigt, als ich sah, dass Messana trotz des Marsches durch den Dschungel ein wenig zu Kräften kam.
Doch da der Kampf und die Vor- und Nachbereitungen nicht lange gedauert hatte, waren wir trotz der beiden mehrstündigen Märsche am frühen Nachmittag wieder im Dorf.
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#54
Fortsetzung des Eintrages "17. Rondra 26 Hal, Lager des Haranydad (allerdings Sitzung vom 24.3.2012)"


Der Haran saß vor seiner Hüter und sah uns aufmerksam entgegen, während die Dorfbewohner sich um uns versammelten. Das Spinnenbein, das Firudan trug und unsere Verbände sprachen eine deutliche Sprache. Der Haran äußerte seine Freude über unseren Erfolg und bot uns Bandagen und weitere Verbandsmittel an, die wir gerne annahmen. Messana fragte noch, ob ihre Lederrüstung bis morgen geflickt werden könne, was sogleich zugesagt wurde.
Wir einigten uns darauf, dass später im Einzelnen erzählt werden sollte und wollten uns erst noch etwas erholen und versorgen.
Messana fragte Marech, der sich natürlich auch eingefunden hatte, ob ihm das Gift, das die Spinne in sie verspritzt hatte, kennen würde und beschrieb die Auswirkungen, ein Gefühl der Taubheit und Schwäche und Unkoordiniertheit der Glieder, aber nicht so stark wie die Auswirkungen dessen, was der Diskus von Boran verwendet hatte, aber ihm sagte das so weit nichts und er konnte nicht einschätzen, ob die Wirkung nun, da sie kaum noch etwas davon fühlte, endgültig vorbei war oder irgendwelche Nachwirkungen zu erwarten seien.

Kaum hatten wir die uns zugewiesene Hütte betreten und unsere Sachen abgestellt, als Essen und Getränke, Früchte, Obst und Fleisch, herein getragen wurden, dazu Verbände und einige Kräuter. Messana legte ihre Rüstung ab und übergab den Torsoteil und ihr ledernes Hemd und legte statt dessen ihr kurzärmeliges Hemd an, das sie nachts trug. Ich fragte, ob ich meine Krötenhaut und Hemd dazu tun durfte, denn auch ich war einmal getroffen worden, allerdings war die Beschädigung nicht sehr gravierend.
Die Leute, die uns die Sachen brachten und die zu flickenden Stücke mitnahmen, bedankten sich bei uns vielmals für die getötete Spinne.
Mir war das schon ein wenig unangenehm, hatte ich doch das Gefühl, selber kaum etwas beigetragen zu haben. Messana erwiderte, es sei selbstverständlich zu helfen, wenn Menschen der Hilfe bedürfen und da diese Kreatur dazu ganz gewiss nicht natürlichen Ursprungs war. Wir seien am rechten Ort gewesen.
Marech sagte zu ihr, sie solle nicht so bescheiden sein, was sie verwunderte (da es für sie halt nichts mit Bescheidenheit zu tun hatte, sondern tatsächlich mit der Selbstverständlichkeit zu helfen, wo es nötig ist). Marech führte aus, dass der Tod jener, die im Kampf gegen die Spinne gefallen waren, dadurch herabgesetzt werden würde.
Messana war über eine solche Interpretation ganz erstaunt, aber auch merklich getroffen, denn, wie sie auch sagte, sie würde durchaus um die Gefahr durch die Spinne wissen und würde den Tod jener aufrichtig bedauern. Aber für sie war es eine Selbstverständlichkeit, diesen Leuten hier zu helfen und gerade ihr Tod zeigte, wie notwendig unsere Hilfe gewesen sei. Das verstand er.

Frisch gemacht und gut gegessen, traten wir hinaus. Jetzt hatten sich womöglich noch mehr Leute versammelt, die uns auch folgten, nachdem Dela ihnen sagte, wir würden dem Haran berichten und ein jeder sei dazu eingeladen, mit zuhören.

Der Haran begrüßte uns als „maraskanische Panther“, weil Panther mit die gefährlichsten Jäger auf Maraskan sei und dafür gefürchtet.
Wir ließen uns bei ihm nieder und Dela erzählte die Geschichte. Ohne dass sie etwas dazu erfand oder übertrieb, erzählte sie die Ereignisse farbenprächtig und spannend. So sehr ich meine Schwertmutter schätze und ehre, weiß ich, dass sie das nicht ansatzweise so gut hätte erzählen können – oder wollen.
Alle hörten gebannt zu und ich hörte ab und an beeindrucktes Gemurmel und Geraune. Als Dela endete, nannte der Haran es eine „schöne und spannende Geschichte“ und sagte, dass die Spinne vielleicht gar das Ende des Haranydads bedeutet hätte und er und die Seinen uns dafür sehr dankbar sind.
Weil aber der Weg morgen beschwerlich werden würde, mahnte er noch an, sollten wir nicht zu spät schlafen gehen. Es wurde noch ausgemacht, dass Alwijida und vier weitere Freischärler und begleiten und führen werden. Wenn wir von der Mine aus wieder hierher zurück wollten, wäre das möglich, ansonsten würden die fünf ohne uns hierher zurückkehren.
So zogen wir uns denn zu unterschiedlichen Zeiten zurück, ich etwas früher, um den heutigen Eintrag schreiben zu können.

Messana stand mit mir auf und sagte zu mir, sie wolle mit mir etwas bereden. Wir gingen etwas abseits und es zeigte sich, dass ihr durchaus aufgefallen war, dass ich seit unserem Rückweg etwas zurückhaltender war, denn darauf sprach sie mich an.
Ich sagte, dass es mir zu schaffen machte und enttäuschte, dass ich beim Kampf – wieder einmal – nur so wenig erreicht und beigetragen hatte und ich mir dadurch etwas unnütz und mehr wie Ballast vorkam. Mir ist natürlich bewusst, das ich nicht so kämpfen kann wie sie oder Dela und Firudan, aber gefühlt ist das doch erneut wieder deprimierend.
Sie sagte, dass diese Spinne ein mehr als harter Gegner für uns alle gewesen war, gerade auch durch ihre immense Panzerung. Und es hatte sich ja gezeigt, dass da schon zuvor dran gescheitert worden war und wir alle heute waren gefordert worden. Der Unterschied zwischen mir und ihr, oder Dela oder Firudan, wird vielleicht immer bestehen bleiben, so lange sie an sich arbeiten, aber er wird unweigerlich geringer werden und dann werde ich auch gegen solche Gegner besser werden. Sie sei jedenfalls sehr stolz, als sie gesehen hatte, wie ich mich heute geschlagen hatte.

Das munterte mich auf, nahm mir aber nicht so gänzlich die Enttäuschung. Ich wollte in die Hütte gehen, als Dela zu mir kam und auch mit mir sprechen wollte. Wie sich zeigte, wollte sie das gleiche ansprechen wie Messana zuvor.
Sie brachte sogar einige ähnliche Punkte an, dass die Spinne ein besonders starker Gegner gewesen war und dass die Maraskaner auch nichts hatten ausrichten können. Sie wies auch daraufhin, dass die Spinne ja auch mich angegriffen hatte und mich damit sehr wohl als Gegner wahrgenommen hatte. Sie war ebenfalls überzeugt, dass andere Gegner, deutlich „normalere“ als Riesenspinnen oder Vampire, kommen werden und ich gegen die auch anders bestehen werde.
Ich aber kenne solche „normalen, menschlichen Gegner“ nur als Ausnahme, während sie sagte, dass sie in ihrem Leben hauptsächlich gegen solche gekämpft hatte und andere Gegner nur als Ausnahme kennt. Früher waren die Untoten bei Dragenfeld ein Problem für mich gewesen, und heute, da ich mir durchaus zutraue, sie erfolgreich bekämpfen zu können, sind andere Gegner da, gegen die, obwohl ich mich verbessert habe, genauso schlecht dastehe.
Dela erinnerte mich daran, dass ich gegen den Freischärler vom Diskus von Boran gesiegt hatte (aber das war ja eben einer dieser Ausnahmen) und sie fand, dass ich eine verschobene Wahrnehmung meiner eigenen Fähigkeiten hätte, aufgrund solcher Gegner, auch wegen sich und den anderen beiden.
Ich habe mich gegen einen Freischärler durchgesetzt, sagte sie, gegen den manch mittelreichischer Soldat nicht gesiegt hätte, wie ja auch der jahrzehntelange Kampf zeigte. Diese Freischärler sind dazu viel älter als ich und trotzdem nicht besser oder mutiger als ich. Ich habe schon viel erreicht und ich soll mir auch weiterhin viel vornehmen und auf meine selbst gesteckten (zugegeben hohen) Ziele weiter verfolgen. Sie war überzeugt, dass mehr Vergleichsmöglichkeiten für meine Fähigkeiten kommen werden und ich noch viel mehr leisten werde.
Es war ein sehr langes Gespräch, das wir führten, und wenn ich auch nicht gleich völlig optimistisch nach vorne schaute, dafür hatte ich zu viel Niederschmetterndes gerade hier auf Maraskan in Bezug auf mich erlebt, fühlte ich mich nach den beiden Gesprächen doch etwas besser und konnte wieder hoffnungsvoller für mich nach vorne sehen.

Für ein gemeinsames Abendgebet, bei dem wir der Herrin für ihre Unterstützung dankten, gingen wir fünf noch an den Rand des Dorfes, bevor sich zurückgezogen wurde oder noch etwas Geselligkeit mit den Dörflern gesucht wurde.



18. Rondra 26 Hal, im Dschungel

Vorsichtshalber hatten wir gebeten, uns zu wecken, denn mit dem ersten Licht sollte es losgehen.
Zusammen mit dem Frühstück wurden uns die reparierten Rüstungen und Kleidungsstücke gebracht, dazu auch Proviant, so dass wir insgesamt für eine Siebenspanne verproviantiert waren.
Die Zeit für ein Morgengebet nahmen wir uns natürlich noch.

Dann ging es wieder in den Dschungel, in dem es dämmrig-grün war, warm und jeder Schritt erst frei gehackt werden musste und hingeschaut, wo er hingesetzt wird.
Wir wurden nach Norden geführt, also die Richtung, aus der wir gekommen waren.

Wir waren noch nicht lange unterwegs, als Alwijida sagte, wir würden bald auf einen „Buddler“ treffen. Ich dachte zuerst, sie meinte ein Tier (und war damit vermutlich nicht die einzige), aber es zeigte sich schnell, dass sie einen Mittelreicher meinte, der hier Ausgrabungen tätigte. Aber alles, was sie über ihn sagen konnte, war, dass er kein mittelreichischer Spion war und sein Name Hilbert von Puspereiken lautet.
Messana erinnerte sich, das der Name in dem Brief von Wiedbrück erwähnt wurde. Wir hielten kurz und sie las die entsprechende Stelle vor.
Laut Alwijida würden wir die Grabungsstelle morgen gegen Mittag erreichen, wenn wir einen kleinen Umweg in Kauf nehmen würden von je etwa einer Stunde hin und zurück. Das war ein vergleichsweise kleiner Umweg, den wir gerne auf uns nehmen wollten, um mit Puspereiken zu sprechen. Er hatte von Wiedbrück getroffen und schaden kann es sicherlich nicht, mit ihm zu sprechen.
Der gelehrte Herr befürchtete, dass wir wenig erfahren würden, weil Puspereikens Lehrmeister Muntagonus sehr wirr im Kopf sein soll (davon hatte ja Seine Gnaden ibn Nasreddin mal gesprochen), aber Messana sah wenig Anlass, dies dann auch bei seinem Schüler zu vermuten.

Beim Weitermarsch bot sie an, auch vorne zu gehen und den Weg eine Zeitlang frei zuschlagen. Da sie über einen guten Orientierungssinn und auch fundierte Maraskan-Kenntnisse verfügte, wechselten sie sich dann zu fünft vorne ab, was uns ein vergleichsweise gutes Vorankommen bescherte.

Mittags regnete es und damit würde es danach eine Zeitlang wieder so schwül-heiß.

Heute Abend haben wir dann ein richtig großes Hängemattenlager und es wird ununterbrochen Wasser abgekocht, um genügend Wasser für morgen zu haben.

Die Maraskaner wollten allein diese und die nächste Nacht wachen, Messana fand aber, dass wir genug seien, damit jeder mal eine Nacht durchschlafen könne und so einigten wir uns darauf, dass wir fünf in der nächsten Nacht wachen werden.
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#55
19. Rondra 26 Hal, im Dschungel

Ich konnte die Nacht, trotz des immensen Lärms im Dschungel, zum Glück durchschlafen.
Nach dem kurzen Frühstück marschierten wir weiter

Gegen Mittag, noch vor der Pause und dem Regen, hörten wir vor uns Geräusche von hämmern und graben.
Dennoch waren es kaum 15-20 Schritt (auch wenn wir für diese entsprechend lange benötigten), bis wir aus dem dichten Dschungel auf eine frei geholzte Lichtung traten, auf der uns Sonnenlicht und ein sehr betrieblicher Anblick begrüßten. In der Mitte der Lichtung stand ein großer Monolith und ab der Höhe, ab der ein Mensch, selbst wenn er auf einem Schemel oder vergleichbarem Stück Fels steht, auch mit ausgestreckten Armen nicht mehr gelangt, war er bis nach oben hin bemoost, unten herum jedoch gesäubert. Seltsame Zeichen waren in den Stein gemeißelt. Vor dem Monolithen war im Boden ein großes Loch freigelegt. Die Lichtung war nicht natürlichen Ursprungs, wie die Baumstümpfe bewiesen. Gut 10 große Zelte waren aufgestellt und etwa ein Dutzend Leute, zum Teil mit Lederschürzen vorgebunden und in robuste, staubige Arbeitskleidung gekleidet, waren auf der Lichtung mit Hammer, Schaufel, Hacke oder gar auch Pinsel in der Hand zugange.
Alwijida wies auf einen Mann um die 30 Götterläufe, mit einer braun gebrannten Glatze und einem Schnauzbart und sie sagte, dass er von Puspereiken wäre.
Messana marschierte sogleich los und um unsere Ankunft kundzutun, rief sie ein „Rondra zum Gruße“ über die Lichtung, was uns sogleich aller Aufmerksamkeit eintrug. Sie begrüßte den Magister (das er das war, wussten wir aus dem Brief) namentlich, stellte sich vor (auch als Geweihte der Leuin, er schaute irritiert drein) und wir anderen taten das ebenfalls. Als er den gelehrten Herrn ebenfalls als Magier erkannte, erklärte er, dass er erfreut war, hier einen gebildeten Mann zu treffen. Messana nahm diese Bemerkung nicht gerne wahr.
Er fragte uns natürlich, was uns herführte und bot uns Führer an, weil er dachte, wir hätten uns im Dschungel verlaufen, doch wir konnten ihm schnell klarmachen, dass letzteres nicht der Fall war und ersteres daher nicht nötig.
Er erklärte sich bereit, sich etwas Zeit für einige Fragen zu nehmen. Er hatte von Wiedbrück in der Tat getroffen, als er in Begleitung seines Assistenten Borotin Almachios gewesen war. Dieser Mann wäre ihm sehr auffällig in Erinnerung geblieben, nicht nur wegen der sechs Finger an jeder Hand, sondern auch, weil seine Haut sehr seltsam ausgesehen hätte, als wenn er Metall unter der Haut gehabt hätte, so fleckig war sie gewesen. Almachios hätte jedoch sehr viel Wissen über Echsenmenschen und deren Kultur gehabt, das war ihm positiv aufgefallen.
Der Reihe nach war es so gewesen: Von Puspereiken hatte damals sein Ausgrabungslager im Norden der Insel, in der Nähe von Jergan gehabt. Von Wiedbrück und Almachios hätten auf einmal im Lager gestanden, ganz allein, ohne Führer. Seinen Grund, allein durch den Dschungel zu ziehen und überhaupt auf Maraskan zu sein hatte er damit erklärt, dass er auf der Suche nach Artefakten gewesen war und sich für Ausgrabungen interessierte. Er hatte sich sehr für die bisherigen Forschungsergebnisse von Puspereiken interessiert, was auf Puspereiken soweit einen guten Eindruck machte, wie er sagte. (Ganz im Gegenteil zu einem Mann namens Horatio di Bravaldi, den er als „Grabräuber“ bezeichnete und der sich nicht darum scheren würde, woher Artefakte und Fundstücke stammen würden, sondern sich nur für ihren Wert interessieren würde – wer auch immer dieser di Bravaldi war, Puspereiken konnte ihn überhaupt nicht leiden, so, wie er über ihn wetterte.)
Aber gerade mit Almachios hatte sich Puspereiken gerne unterhalten, denn gerade dieser war auf dem Gebiet recht versiert gewesen (im Gegenteil zu von Wiedbrück). Dabei hatte es sich ergeben, dass Almachios wusste, wo eine besondere echsische Kultstätte war, die Sel’Althach (oder so ähnlich) heißt, Puspereiken war daran sehr interessiert, weil er dort ein Siegel von Akrabaal vermutete. Akrabaal wiederum soll eine besondere echsische Stadt sein, die verschollen ist. Von Wiedbrück und Almachios waren nur zwei Tage, also für eine Übernachtung, in Puspereikens Lager geblieben
Deshalb hat Puspereiken mit seinem Trupp dann dieses Sel’Althach aufgesucht, das etwa auf Höhe Borans in der Maraskankette liegt und dort Ausgrabungen gemacht. Dort (und etwa 3-4 Monate nach dem Treffen mit von Wiedbrück) war auf einmal ein Trupp Drachengardisten aufgetaucht unter Kommando eines (laut Puspereiken sehr arroganten) Oberst von Rallerau (dessen Namen wir auch aus dem Brief kannten). Sie hätten angegeben, dass ihr Auftrag direkt von Delian von Wiedbrück kam und lautete, die Ausgrabung zu beschützen, aber nach Puspereikens Einschätzung „schnüffelten“ sie vorrangig herum. Puspereiken hatte sich über ihre Ankunft sehr gewundert, denn dass er nach Sel’Althach wollte, hatte von Wiedbrück gar nicht gewusst, da er bei dem Gespräch mit Almachios gar nicht bei gewesen war.
Bei diesem Trupp waren neben den Soldaten auch zwei Schmuggler (Puspereiken hielt sie wenigstes dafür) und mit diesen beiden Männern drang von Rallerau dann eines nachts in die frei gelegten Katakomben ein. Bei ihnen war ein schwarzer Echsenmensch, von dem Puspereiken nicht wusste, von wo und wann der aufgetaucht war. Überstürzt waren sie aus den Katakomben heraus gekommen und hatten das Lager so fluchtartig verlassen, dass sie die Drachengardisten zurückgelassen hatten. Ihnen nach folgte ein riesiges, vier bis fünf Schritt großes Echsenwesen (unwillkürlich nahm ich an, dass es sich um eines der Art handelte, gegen das Firudan gekämpft hatte), das unter den Grabungsmitarbeitern und Gardisten blutig und furchtbar gewütet hatte. Puspereiken vermutete, dass die vier Männer ein in Sel’Althach verstecktes Akrabaal-Siegel gesucht und gefunden hatten und dadurch die Wächter-Echsenkreatur erweckt hatten.
Zu den Siegeln konnte er uns sagen, dass es angeblich insgesamt 11 Siegel geben soll, die in verschiedenen alten Stätten versteckt sind und die zu der Stadt Akrabaal führen, oder auch den Weg dorthin zeigen. Wie diese Siegel aussehen, weiß er aber nicht.
Er selber sei während des Gemetzels mit anderen geflohen und nach Boran zurückgekehrt, hatte sich dort neu ausgerüstet und dann hierher gekommen.
Vom Friedhof der Seeschlangen hatte er schon mal gehört, er war sogar dort gewesen, aber ob dieser Ort in Bezug auf echsische Kulte bekannt sein könnte, davon hatte er noch nie gehört.
Mit mittelreichischen Soldaten hatte er in diesem Lager noch keinen Kontakt, wohl aber vereinzelt mit Rebellen, aber die betrachtete er als harmlos.
Messana wies mich an, die Zeichen, die der gelehrte Herr vom Brunnenrand kopiert hatte, hervor zu holen. Von Puspereiken konnte sie tatsächlich entziffern und er sagte, dass es heißen würde: „Der Lebenssaft Akrilas, der Tochter Kr’Thon’Chh s“.
Lebenssaft? Ich hoffe, dass das nur sinnbildlich gemeint ist!
Er wollte natürlich wissen, wo wir auf diese Zeichen gestoßen waren. Messana sagte ihm, dass wir mitten im Dschungel auf einen Brunnen echsischer Art gestoßen waren, den er aber voraussichtlich nicht selber finden würde. Er meinte, das müsse sich erst zeigen und bekam noch die Information, dass wir je zwei halbe Tage und einen ganzen vom Brunnen aus nach Süden gegangen waren und nun wieder seit anderthalb Tagen nach Norden gingen, er also nicht so weit von hier gen Norden entfernt sein müsse (aber was ist schon eine reine Richtungsangabe hier im Dschungel, wo man etwas hoffnungslos verfehlen kann, wenn man auch nur zwei Schritt dran vorbei geht? Und der Brunnen vermutlich nicht für jedermann zu finden sein soll?). Das reichte ihm dann auch soweit.
Der gelehrte Herr erkundigte sich zuletzt noch, ob der Magister wüsste, wann er wieder in Festum sein würde oder in einer anderen Akademie, aber das wusste Puspereiken noch nicht. In einem Götterlauf oder zwei, wie es sich so mit den Ausgrabungen ergeben würde.

Während unseres Gesprächs hatte es angefangen zu regnen und wir hatten uns in eines der Zelte begeben.
Als der Regen aufhörte, bedankten wir uns für die Auskünfte. Es wurde uns angeboten, dort zu übernachten, aber den halben Tag, den wir hatten, wollten wir noch nutzen und so brachen wir auf.

In der heute Nacht werden wir fünf wachen und die Maraskaner können schlafen. Morgen Abend sollen wir laut Alwijida die Mine in der Maraskan-Kette erreichen.
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#56
21. Rondra 26 Hal, Minengelände Amran-Anji

Diesmal gelang es mir nicht, durchzuschlafen.
Während des kargen Frühstücks fragte Dela, wie wir an der Miene vorgehen sollten, da wir ja zwar den Ring des Reichsbehüters haben, aber auch Steckbriefe von uns verbreitet waren. Messana fand, dass der Ring auch ausreichend legitimieren wird, erst recht auch, wenn wir offen und zielgerichtet dorthin gehen und vorsprechen würden. Dela sah das recht ähnlich, dazu baute sie auch noch auf unsere Adelsränge, mahnte aber auch zur Vorsicht.

Nach kaum einer Stunde Marsch durch den Dschungel stießen wir auf eine „Straße“, was also hier auf Maraskan als Straße gilt: etwa ein Schritt breit und matschiger Boden.
Sie verlief in Ost-West-Richtung und Alwijida sagte, wir müssten auf ihr gen Osten weitergehen. Wohin die Straße nach Westen führte, wusste sie nicht, da sie sie noch nie benutzt hatte, aber eigentlich kam ja nur am Ende Tuzak in Frage.
Es war sehr angenehm, wieder ausschreiten zu können und sich nicht jeden Schritt erarbeiten und erkämpfen zu müssen. Es ging nun beständig bergauf, bis wir nach dem Mittag ödes, steiles Felsland betraten und damit den Dschungel vorerst hinter uns gelassen hatten. Also liegt Amran-Anji tatsächlich in der Maraskan-Kette.
Eine irgendwie geartete „Straße“ konnte ich auf dem Felsboden nicht mehr ausmachen, aber Alwijida wusste, wo es langging und schwenkte nach Nordosten ab. Dela fragte nach der Richtungsänderung und die Maraskanerin erwiderte, dass die gut versteckte Mine nicht an der Straße liegen würde, wo sie jeder finden könnte.
Wir zogen nicht besonders lange so bergauf, als wir an eine Felswand kamen, die über und über mit Klüften, Spalten und Löchern in verschiedenen Höhen übersät war. Alwijida mahnte uns an, dass nicht alles sei, wie es scheint
Hier musste auch sie sich erst orientieren und nachdenken, bis sie entschlossen auf eine dieser Klüfte zuging und drin verschwand. Wir folgten.
Mal war sie breiter, mal schmaler. Wir stiegen gut eine Stunde lang durch weitere Klüfte und auch Schluchten, die sich labyrinthartig anschlossen, mal ragten neben uns Wände auf, mal fielen sie ab.
Immer wieder blieb Alwijida stehen, orientierte sich an der Sonne oder an anderen Steinmarken (ich bemerkte so manches mal auffällig angehäufte Steinhaufen). Besonders faszinierend war, dass es gleich mehrere Male so aussah, als würde es nicht weitergehen, weil eine Wand vor uns war, aber die Maraskaner gingen einfach hindurch und wenn wir es auch taten, zeigte sich, dass es nur so aussah, wäre dort eine abschließende Wand, tatsächlich aber waren es zwei hintereinander liegende Wände, die nur so aussahen wie eine.
Dann kamen wir auf einen Gebirgspfad, dem anzusehen war, dass er zumindest zum Teil künstlich angelegt worden war. Auf diesem schritten und kletterten (aber im Grunde war er recht gut begehbar) wir die nächsten Stunden bis zum frühen Abend weiter bergauf. Hier war die Luft zunehmend weniger drückend und heiß. Warm wohl, aber kein Vergleich zu der drückenden Hitze des Dschungels.
Dann blieben Alwijida und die ihren stehen. Bis zu Mine wäre es nicht mehr weit, sagte sie, und sie würden hier auf uns warten.
Wir gingen allein weiter und nach kaum dem vierten Teil einer Stunde erblickten wir das Minengelände vor uns im Norden (zwischendurch hatten wir einige Richtungsänderungen gefolgt und näherten uns nun von Süden her)

Wie es der gelehrte Herr schon gesagt hatte: eine sehr breite Klamm (gewisslich 20 oder 30 Schritt breit) zog sich vor einer Talsenke entlang. Eine hölzerne Brücke führte hinüber. Statt eines Erdwalles gab es mittlerweile eine hohe Holzpalisade und zwei Tortürme standen rechts und links des jenseitigen Brückenendes und zwischen ihnen war das zweiflügelige Tor.
Auf der Brücke vor dem Tor stand ein Soldat, merkwürdig auf seine Hellebarde gestützt, als würde er im Stehen schlafen. Auf einem der Tortürme wehte eine mittelreichische Flagge aus. Kein Rauch und kein Geräusch war von hinter den Palisaden zu vernehmen. Es herrschte fast völlige Stille bis auf den Wind und manchmal ein Vogelruf über uns.

Messana ging auf die Brücke zu, betrat sie, und unsere Schritte auf dem Holz pochten vernehmbar. Der Soldat regte sich nicht und hielt seine zusammengesunkene Stellung bei. Es war sehr seltsam.
Nur wenige Schritt vor dem Soldaten blieb Messana stehen und er bewegte sich noch immer nicht. Ich konnte sehen, dass das Tor aufstand und dies war endgültig kein gutes Zeichen. Ebenso, als Messana uns eine Warnung zuflüsterte, aber auch ich bemerkte den süßlichen, eindeutigen Geruch, der von dem Soldaten ausging. Sie zog einen Säbel und berührte den Mann ganz leicht nur an der Schulter. Er sank sofort zusammen und prallte auf dem Boden auf, ohne sich zu regen. Sie nahm seinen Helm ab und darunter waren verschrumpelte und zurückgezogene Haut zu sehen, eingetrocknete Augen und darunter bewegten sich Maden. Es war ein widerlicher Anblick.
Und das Gelände lag in völliger Stille und nun unnatürlicher Ruhe vor uns.

Wir betraten es durch die beiden aufstehenden Torflügel. Dahinter senkte sich das Gelände noch etwas ab. Zu unserer Linken waren drei Gebäude aus Stein, eigentlich vier (eines war kaum so groß wie ein Außenabort), die beiden kleineren aus Stein verdeckten zum Teil das größere dahinter. Beim vorderen waren die Fensterläden offen, bei dem zweiten verschlossen. Rechts vom Tor war ein L-förmiges Gebäude, das vorne offen war und Einblick in Schmiede und auf Schmelzofen gab, wie wir sehen sollten. Daneben war ein recht großes Gebäude aus Holz und auf der rechten Seite der Senke war noch ein Gebäude aus Stein. Dem Tor gegenüber in der dortigen Felswand, die den Abschluss des Tales bot, war ein weiteres Tor – der Eingang zur Mine, wie ich annahm. Sieben Gebäude, von sechs hatte der gelehrte Herr gesprochen, aber das ganz kleine Gebäude war in Aufregung wohl zu übersehen und obendrein zu klein, um in dem Sinne als Gebäude bezeichnet zu werden.
Vor allem aber waren es die Toten, die wir zuerst sahen. Im vorderen Teil des Hofes nahe am Tor des Minengeländes lagen an die anderthalb Dutzend Tote, die im Kampf gefallen waren. Die meisten trugen Lederrüstungen und mittelreichische Wappenröcke, und erst bei einem zweiten Hinschauen wurde deutlich, dass es zwar auch mittelreichische Wappenröcke waren, aber keine Rüstungen darunter, wir sahen aber statt dessen vereinzelt Hartholzharnische oder zusammengestückelte Rüstungsteile. Also hatten hier maraskanische Rebellen gegen mittelreichische Soldaten gekämpft?
Einige der Toten hielten ihre Waffen noch in Händen, doch zumeist lagen die Waffen zwischen ihnen verstreut. Wir besahen sie etwas genauer und fanden bei einigen von ihnen, jenen ohne Rüstungen ohne nicht die hier regulären Lederrüstungen die farbigen Bänder maraskanischer Rebellen, aber speziell diese Farben kannten wir nicht.
Der Geruch des Todes hatte sich in der Senke verfangen.

Kurz besprachen wir, was wir tun sollten. Messana war dafür, die Kommandantur zu suchen und zu sehen, ob es noch ein Dienstbuch gab. Dela wollte später noch einen Blick in die Schmiede/Schmelze werfen, die wir von da, wo wir nun standen, mitten im Hof, gut sehen konnten, aber das wir uns hier umfassend umsehen würden, stand ohnehin außer Frage.
Und die Toten würden wir auch nicht so liegen lassen, daran zweifelte ich nicht.

Wir nahmen in dem großen Steingebäude ganz rechts die Kommandantur an und gingen dorthin.
Wir betraten eine große Schreibstube, die völlig in Trümmern lag. Es war noch mit einigen Mühen zu erkennen, welche Trümmer einmal Tisch, Regale oder Stühle gewesen waren. Eine abgeschlagene Hand lag auf dem Boden und es gab an mehreren Stellen Blutflecken, doch keine Leiche lag hier. Es gab eine Treppe nach unten und eine weiter führende Tür, durch diese traten wir und fanden uns in einer Schlafstube wieder, die ebenfalls verwüstet war. Weitere Räume gab es nicht in dem Gebäude. Messana trat an die Trümmer des Schreibtisches in der Schreibstube und tastete darin vorsichtig herum. Sie fand tatsächlich etwas, nämlich das Dienstbuch. Sie schlug es auf, las und blätterte kurz darin und las uns dann einige Stellen aus dem letzten Tsa vor, die die letzten Einträge überhaupt beinhalteten. Es war das Dienstbuch des hiesigen Hauptmannes, Hagen von Rakelsborn, des 3. Banners der Drachengarde.
Er berichtete Anfang Tsa von der ausstehenden Ablösung, auf die alle hier stationierten Soldaten sehnlichst warteten. Ein paar Tage später gab es einen Eintrag über eine Begegnung mit Rebellen und dass auf die Ablösung noch immer gewartet wurde. Mitte Tsa sank die Moral der Soldaten weiter, weil die Ablösung nicht kam und im Dschungel bei einer Patrouille zwei Leute verloren wurden.
Am 18. Tsa endlich war die Ablösung gekommen zur großen Freude des Hauptmannes, das 4. Banner des Drachengarderegiment. Er sah sich jedoch sehr schnell enttäuscht, als sich herausstellte, dass Oberst Praiotin von Rallerau, der Kommandant, mit seinen Leuten lediglich in einer Sondermission das Endurium abholen sollte, während die 3. Drachengarde weiterhin hier aushalten sollte, bis der Trupp des 4. wieder hierher zurückkehren würde. Diese Nachricht hatte eine Meuterei heraufbeschworen, die von Rakelsborn und ein Leutnant vom 4. niedergeschlagen haben. Der Rädelsführer der Meuterer wurde von Rallerau gefoltert.
Da von Rallerau Befehle hatte, die von Wiedbrück persönlich unterzeichnet waren, ein Siegel des Fürsten trugen und besagten, dass eben das 4., die eigentliche Ablösung, das Endurium mitnehmen würde, musste von Rakelsborn das pflichtergeben hinnehmen.
Zwei Tage später, am 20., war das 4. Banner Richtung Süden aufgebrochen (zur Enttäuschung der Männer und Frauen des 3., die sehnlichst auf Ablösung warteten), und es war vorher erwähnt worden, dass sie nicht die Straße nach Tuzak nehmen wollten, sondern Dschungelpfade. Allerdings hatte von Rallerau zwei Bergbauspezialisten zurückgelassen, die jedoch nach Einschätzung von Rakelsborn noch nie eine Hacke in der Hand hatten. Von Rakelsborn vermutete (vielleicht aufgrund des unplanmäßigen Abtransports?), dass ein Angriff auf die Mine zu erwarten war, aber er hatte ausdrücklich keine Befehle erhalten, Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen. Das wiederum führte zu weiteren Unruhen unter seinen Leuten, die sich als „Köder“ sahen.
Der 21. Tsa war zwar mit seinem Datum eingetragen, hatte aber sonst keine Bemerkungen.
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#57
Fortsetzung des Eintrages "21. Rondra 26 Hal, Minengelände Amran-Anji (allerdings Sitzung vom 6.4.2012)"



Messana verstaute das Buch in ihrem Rucksack und kündigte an, dass sie in den Keller ginge, um dort nachzuschauen. Ich ging mit. Wir fanden eine Arrestzelle, in der eine Leiche war. Die Tür zur Zelle war noch verschlossen, der Mann darin war mit einem Armbrustbolzen getötet worden. Vermutlich der Korporal, der die Meuterei angeführt hatte und im Dienstbuch erwähnt worden war.
Da es keine weiteren Türen gab, leuchtete Messana mit ihrer Kerze in alle Winkel, aber sonst war hier unten nichts, und wir gingen hoch und teilten kurz mit, was wir gefunden hatten.

So gingen wir als nächstes zu dem Holzgebäude neben der Schmiede/Schmelze, die aussah wie eine Scheune oder ein Stall. Und das war es dann auch. Unten gab es Verschläge für Hühner, Ziegen und Schweine, im Einzelnen erkennbar, weil natürlich nach all den Monden die Tiere auch tot waren. Sie waren an fehlender Nahrung und Wasser verendet, denn sie trugen keine äußerlichen Verletzungen. Es gab auch einige Boxen, in denen wohl mal Pferde untergebracht gewesen waren, aber sie waren leer.
Vielleicht hatte das 4. Banner sie als Lasttiere mit genommen? Im Dschungel mochte ich mir das selbst auf den Pfaden, die hier als Straßen galten, kaum vorstellen, aber im Dienstbuch hatte doch etwas von Dschungelpfaden gestanden und auf denen, das wusste ich aus eigener Erfahrung, war mit einem Lastentier gar nichts zu machen.
An der Seite standen viele gefüllte Säcke aufgereiht. Firudan und Messana öffneten zwei und schauten hinein: Hafer und Futtermittel für die Tiere. Während die anderen die restlichen Säcke durchtasten oder reinschauen prüften, kletterte ich auf den Heuboden hinauf. Heu- und Strohballen erwarteten mich hier, aber eben so wie unten kein Blut und keine menschlichen Leichen.

Danach gingen wir zur Schmiede und Schmelze. Wir fanden zwei Öfen und zwei Essen, ein Wasserbasin samt Pumpe und gut gefüllte und sortierte Werkzeugregale. Es sah aus, als wäre die Schmiede noch in Betrieb gewesen, als das Verhängnis hier losbrach, dazu lagen Kohlen und Werkzeug über den Boden verteilt, dazwischen Blutflecken, als auch hier Zerstörung gewütet hatte.
Es gab nur eine weiter führende Tür und hinter der fanden wir uns in einem Raum mit Arbeitstischen und seltsamen Gerätschaften mit Röhrchen aus Glas und anderen Dingen wider, die ich nicht kannte. Auch hier gab es ein Becken mit Wasser und Regale, die jedoch leer waren. Der gelehrte Herr erkannte die Gestelle mit dem Glas als Destillationsanlage (jedoch nicht für Schnaps, wie ich auf eine Frage von mir erfuhr).
Auf dem Weg nach draußen schaute Dela auch noch in den Öfen nach, aber von vergessenem Endurium fand sich dort nichts.

Das in der Richtung folgende nächste Gebäude war das ganz kleine aus Stein, das kaum mehr von der Größe her ein Unterstand war, da es bestenfalls zwei Schritte in Breite wie Länge betrug. Es stand links und etwas nach hinten versetzt vom Tor. Die Tür, die horizontal in der Mitte geteilt war wie so einige Pferdeboxentüren, hatte entsprechend zwei Schlösser, Fenster oder Schießscharten gab es keine.
Und doch, was fanden wir in diesem unscheinbaren Gebäude, das fast zu übersehen war!
Firudan schlug einmal kraftvoll mit der Axt auf das obere Schloss und es fiel zerschmettert herunter. Er öffnet die obere Türhälfte – und Gold fiel uns entgegen!
Es war unglaublich, doch der Raum dahinter war bis knapp über die Türmitte mit Gold und Steinen gefüllt. Zuerst dachte ich, da wären Edelmetall und Kieselsteine gleichermaßen abgelegt worden, doch der Reaktion und den Worten der anderen entnahm ich, dass es sich um ungeschliffene Edelsteine handelte.
Was für ein Vermögen!
Ich sah so manchen andächtigen, glänzenden Blick, der sich auf diesen gewaltigen Reichtum richtete, der hier gelagert war wie Abfall. Abfall, vielleicht nicht ganz ohne Wert, immerhin wurde es behalten und mit Schlössern gesichert, aber eine gut gesicherte Schatzkammer war dies nicht.
Messana nahm die Dinge, die herausgefallen waren, und warf sie wieder hinein, machte die Tür zu und schon ein Stück Holz durch die Schlosshalterung, damit die Tür nicht von selber aufging.

Wir gingen weiter zu dem ersten Steingebäude, das wir für eine Mannschaftsbaracke hielten und damit ganz richtig lagen. Ihre Tür stand offen und führte direkt in den Schlafraum, der auch der einzige Raum war, in dem ein Dutzend Etagenbetten stand und an deren Füßen sich Kisten für persönliche Habe befanden. Diese standen alle offen und ihre Inhalte waren teilweise verstraut. Kampfspuren waren hier nicht auszumachen, aber auf jedem Bett waren Blutflecken.
Waren sie hier alle in ihren Betten gemordet worden und dann heraus geschafft?

Die zweite Mannschaftsbaracke daneben war die mit den vorgelegten Fensterläden (von innen), auch ihre Tür stand auf. Schon bevor wir die Tür erreicht hatten, schlug uns bestialischer Gestank entgegen und das Fliegengesumm Innen war so laut, dass wir es draußen noch vernahmen.
Ich machte bei dem Gestank, süßliche Verwesung, unwillkürlich einen Schritt zurück. Messana war es, die entschlossen die Tür ganz aufstieß und eintrat. Wir anderen folgten mit etwas Zögern. Ich schlug mir den Unterarm vor Nase und Mund und blieb im Eingang stehen. Trotz meiner Bemühungen, nur durch den Mund zu atmen, musste ich würgen und Galle schlucken.
Messana tastete sich zum nächsten Fenster und zog die Läden zurück und wiederholte das beim Fenster auf der anderen Seite der Tür, so dass der furchtbare Anblick um so deutlicher zu sehen war
Anblick und Geruch waren zu schrecklich.

Hier lagen in dem Dutzend Etagebetten Leichen, und auf dem Boden noch mehr, gerade an der hinteren Wand des Raumes waren sie achtlos aufeinander geworfen worden. Ich blinzelte erst einmal nur fassungslos in den Raum hinein und versuchte zu begreifen, dass ich wirklich all dies sah.
Die zu den Betten gehörigen Kisten standen auch hier offen und waren durchwühlt worden. Ich sah blutige Oberkörper und aufgeschnittene Kehlen in all den Flüssigkeiten und in der Wärme aufgedunsenen und weich gewordenen Leichen. Dutzende von Leichen, ich zählte nicht und wollte dies gar nicht, aber auf Betten und Boden … 40 oder 50 Leichen werden es bestimmt gewesen sein.
Ich sah den Gesichtsausdruck bei den anderen und wusste, dass der meine ebenso Erschrecken und Abscheu über die hier begangenen Freveltaten zeigte.
Messana war etwas weiter in den Raum getreten, auch wenn sie nicht nah an den hinteren Leichenberg heranging und rief uns plötzlich eine Warnung zu. Sie sagte, hier würden Pilze wachsen, die Marasken als Futter diente und die angefressen waren.
Wir blickten uns um, konnten aber nichts sich Lebendes und Regendes entdecken, was größer als Fliegen und Geschmeiß war. Aber zwischen und unter den Leichen oder Betten … wer weiß.
Firudan sagte, er wolle einmal ums Haus gehen, kehrte aber sehr bald zurück, dass er draußen keine Hinweise auf Marasken oder etwas Lebendes gefunden hatte auch auf keine Hinweise von Marasken gestoßen war.

Ich ging eilig hinaus und atmete erst einmal tief ein, spürte den ekligen Geschmack im Mund, Tränen in meinen Augen und wusste, dass ich diesen Anblick nicht so schnell vergessen würde.
Doch es würde nicht der einzige Schrecken in Amran-Anji bleiben.

Das dritte Gebäude in Reihe mit den beiden Baracken war das Küchen- und Speiseraumgebäude. Ebenfalls aus Stein und eingeschossig enthielt es den Speisesaal, in den wir durch die Tür nach draußen eintraten. Hier fanden sich lange Tische und Bänke, die alle an Ort und Stelle standen. An einer Wand waren diverse Decken unordentlich aufeinander geworfen worden.
Daran anschließend war die Küche mit Feuerstelle, Regalen und Arbeitsfläche. Töpfe und Pfannen fanden sich an Ort und Stelle. Es gab eine Treppe nach unten, die in einen Vorratskeller führte. Es gab haltbaren Proviant, Käse, Würste, gepökeltes, geräuchertes und gedörrtes Fleisch, Fässer mit eingelegten Fisch. Das Mehl und das Obst und was sonst noch lange haltbar war, dagegen war schon längst schlecht geworden. Firudan überlegte, hier vielleicht unsere Vorräte aufzustocken je nachdem, wo wir hin aufbrechen würden.
Im gesamten Haus gab es keine Hinweise auf hier statt gefundene Kämpfe oder hier umgebrachte Leute.

Messana sagte, sie wolle sich draußen die Toten etwas genauer anschauen. Ich blieb hier drin, ich wollte nicht schon wieder auf Leichen schauen.
Der gelehrte Herr ging in den Speiseraum und hob die Decken an, um darunter zuschauen. Plötzlich stutzte er und nahm seinen Stab, um die weiteren Decken anzuheben. Er fand etwas unter den Decken: zwei Leichen.
Aber was für welche! Die Haut der Frau war bläulich, wie gefroren und von ihr ging auch ein kühler Hauch aus und der Mann trug anstelle von menschlichen Füßen rote, gespaltene Hufe!
Entsetzt starrte ich darauf. Dass die beiden Überreste von Roben trugen und keinerlei militärische Abzeichen, bemerkte ich daher nicht ganz sofort.
Der gelehrte Herr rief Messana herein, die schnell dazu kam. Er wies auf die beiden Toten. Sie würden Beschwörerroben tragen, sagte er, und anhand der gefrorenen Haut und der Hufe nahm er an, dass die beiden Paktierer waren, also ihre Seelen an Erzdämonen verpfändet hatten und daher diese Male erhalten hatten.
Die Frau hatte sich dem Gegenspieler Firuns angeschlossen und der Mann wohl jenem unserer Herrin Rondra.
Ich holte unwillkürlich Luft, sah ich doch zum ersten mal solche Personen. Ich hatte natürlich schon von Velea und Messana gehört, dass es so etwas gab, Paktierer und ihre Dämonenmale, aber auch von den unheiligen Kräften, die sie dafür erhielten.
Messana starrte finster auf den Mann, eigentlich auf beide, auf ihn noch mehr. Vermutlich sah sie gerade in ihm so etwas wie einen persönlichen Feind.
Was ich gut verstehen konnte.
Was hatten sie hier gemacht? Warum lagen sie hier tot im Speiseraum unter Decken? Woran waren sie überhaupt gestorben, denn Spuren eines gewaltsamen Todes konnten wir soweit nicht entdecken?
So viele Fragen mehr, auf die wir wie auch auf die anderen bislang keine Antworten gefunden hatten.

Messana hatte aber auch etwas zu berichten. Sie hatte sich die toten Soldaten draußen näher angeschaut und festgestellt, dass alle Toten dort die Abzeichen des 4. Banners der Drachengarde trugen, nicht des 3. Bei den vermutlichen Maraskanern hatte sie nur die Farben einer Gruppierung gefunden.
Aber das 4. war doch abmarschiert?
Messana ging noch einmal in die Baracke mit den Toten und sah sich deren Uniformen an und sagte bei ihrer Rückkehr, dass sie nur die Abzeichen des 3. Banners trugen.

Mit den Gebäuden waren wir soweit durch. Wir hatten jede Menge toter Soldaten gefunden, von zwei Bannern, von denen eines gar nicht hätte hier sein dürfen, einige tote Rebellen, die einen Angriff auf die Mine gestartet hatten (oder waren sie nur zur Tarnung hier deponiert worden? Aber das sah schon tatsächlich nach Kämpfen draußen aus.), aber noch keine Bergarbeiter, die es ja auch geben musste. Auch kein Endurium, aber das hatte ja auch das 4. Banner abtransportiert. Aber hier war danach viel geschehen, das wir uns überhaupt nicht erklären konnten.

Einen Ort gab es noch, an dem wir noch nachschauen würden: die Mine selber.
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#58
Fortsetzung des Eintrages "21. Rondra 26 Hal, Minengelände Amran-Anji"



Die Tür in den Fels war doppelflügelig und aus massivem, starkem Holz. Es befanden sich Brunnen vor ihr, und der Blick hinein belehrte mich, dass es sich keineswegs um Brunnen handelte, bei denen Winde und Eimer vergessen wurden, sondern wohl um Luftschächte, denn es war kein Wasser zu sehen und es wehte warme Luft herauf.
Als die eine Seite der Tür geöffnet wurde, kam uns ein abgestandener, säuerlicher Geruch entgegen und das hereinfallende Licht zeigte einen breiten und hohen Gang, der in die Dunkelheit führte. Wir benötigten Licht.
Da bei der Tür weder Fackeln noch Lampen hingen (was ich in einer Mine nun erwartet habe), gingen wir in das Küchengebäude, denn dort hatten wir Öllampen gesehen. Jeder nahm eine Lampe und wir füllten aus verbleibenden Lampen noch etwas Öl nach.
Solcherart gerüstet, betraten wir nun gänzlich die Mine. Messana und Dela hielten brennende Lampen hoch, die anderen sollten erst einmal unangezündet bleiben.

Während wir den Hauptgang entlang gingen und nach wenigen Schritten an Nebengängen auf beiden Seiten passierten, hörten wir ein Geräusch. Ein Grollen, obwohl diese Bezeichnung nicht ganz richtig ist. Vielleicht könnte es ein Stück Gestein sein, dass irgendwo brach, vielleicht etwas anderes. Doch dieses Geräusch war schon unheimlich in der stillen Mine.
Wir blieben stehen, doch es wiederholte sich erst einmal nicht. Firudan und ich setzten unsere Rucksäcke ab und nahmen unsere Waffen vom Rücken.

Nach einem kurzen Stück, denn die Eingangstür lag wohl kaum 20 Schritt hinter uns, erweiterte sich der Gang zu einer größeren Höhle. In ihrer Mitte war ein großes Holzkonstrukt mit zwei sehr breiten hölzernen Rädern zu beiden Seiten und einer Plattform in der Mitte, Gewinde und Seile – ein Aufzug nach unten. Daneben auf dem Boden lag ein Mann in zerlumpten, Fetzen, tot und eingetrocknet, mit einer Kette um ein Bein, deren anderes Ende an einer Wand befestigt war.
In verschiedenen Nischen der Höhlen fanden sich diverse Spitzhacken, Schaufeln, schwere Vorschlaghämmer und anderes Werkzeug, Kisten mit Verbänden, dazu noch Fässer mit Lampenöl. Fackeln und Lampen befanden sich auch in großer Anzahl dort. Tja, wenn wir das gewusst hätten …
Firudan und Dela griffen noch, für den fall der Fälle, wie sie meinten, jeder nach einer Spitzhacke.

Auch wenn wir im Einzelnen nicht verstanden, wie der Aufzug funktionierte, machte eine oberflächliche Betrachtung deutlich, dass er dadurch betrieben wurde, dass ein oder zwei Personen in den breiten Rädern liefen und so die Plattform hinab, bzw. hinauf kurbelten. Dela erklärte sich bereit, zu treten und Messana wollte sich probeweise herabfahren lassen.
Doch sie betrat die Plattform nicht, sondern verhielt vorher, kniete nieder und beleuchtete sie eingehend. Sie vermeldete, das hier ein Bannkreis eingeritzt war.
Der gelehrte Herr sah sich das sogleich an und erkannte, dass es sich um einen Bannkreis handelte, der sich auf den Gegenpart Ingerimms bezog und dazu diente, einen entsprechenden Dämon daran zu hindern, die Plattform zu betreten oder zu verlassen (also wohl ersteres in diesem Fall). Mir wurde etwas unbehaglicher, als ich an das Geräusch dachte. Aber ein Grund mehr, die Mine zu erforschen. Ein Dämon durfte hier nicht herumstreifen!

Messana trat auf die Plattform, Dela und Firudan ließen sie vorsichtig herab. Sehr bald hörten wir ihre Stimme, es sollte gestoppt werden und dann, dass sie sich einen Gang anschauen würde. Kaum ein oder zwei Minuten darauf wollte sie wieder herauf gezogen werden. Ihr Gesicht war hart und betroffen.
Sie fasste zusammen, dass nach etwa 15 Schritt zwei Gänge vom Schacht abzweigten, einer nach vorne, einer nach hinten (also Richtung Minengelände), es aber im Schacht selber noch weiter nach unten ging. Ihr war aufgefallen, dass der Fels an Boden und Wänden der Gänge seltsam rau und porig war, vor allem aber war ihr aufgefallen und hatte daher anhalten wollen, weil ihr ein starker Geruch nach Blut aus dem nach hinten führenden Gang in die Nase gestiegen war. In diesen Gang war sie daher gegangen, nach zwei Schritten hatte sich der Gang zu einem aus dem Fels gearbeiteten Raum erweitert. Der Boden dieses Raums war dick mit getrocknetem Blut bedeckt. Der Raum selber war gefüllt mit Leichen, die schon merklich mumifiziert waren. Es war die Unterkunft der Minenarbeiter mit Betten und Kochnischen. Und alle waren sie ermordet worden, mehrere Dutzend Arbeiter. Ihr Blut war geopfert worden, denn in den Felsboden war ein Siebenstern gearbeitet worden, ein Symbol, in dem Dämonen beschworen worden. Hinter dem Beschwörerstern war noch ein kleinerer Schutzkreis (für den Beschwörer) und verschiedene Symbole waren des weiteren auch noch zu finden. Sie wollte, dass sich dies der gelehrte Herr mal ansah. Je mehr wir über den Dämon wissen konnten, desto besser konnten wir uns darauf einstellen. Außerdem hatte sie eingetrocknete Fußspuren gefunden, so wohl solche von Füßen als auch von gespaltenen Hufen.

Blieb die Frage, wer oben bleiben sollte. Messana überlegte, ob ganz unten auch eine Windenstation sein würde, aber Dela war sich sicher, dass das nicht der Fall sein würde, weil dafür nicht genügend Seile im Aufzug zu finden waren. Daher entstand die Idee, dass sie uns andere runter lassen und selber am Seil nachklettern würde.
Daher stellten wir uns gemeinsam auf die Plattform und wurden hinab gelassen. Dela hatte ihre Lampe oben stehen gelassen und noch eine der vorhandenen Lampen angezündet (und wir unsere Lampen komplett mit Öl gefüllt).
Unsere nun zwei angezündeten Lampen warfen Licht und Schatten auf die Schachtwände. Vielleicht war es der Bericht der vielen Leichen gewesen, aber ich hatte einmal das Gefühl, im Schacht ein seltsames Flüstern zu hören. Später wurde uns klar, dass dem tatsächlich so sah und was es war.

Wir stiegen in den Gang und Dela kletterte zu uns am Seil herab. Ich konnte das Blut riechen, auch wenn es schon lange nicht mehr frisch war.
Der gelehrte Herr ging voran, wir anderen warteten erst einmal im Durchgang.
Ich sah vierundzwanzig Drei-Etagenbetten, eine Nische mit einer Feuerstelle, Kochkessel und gestapelte Schalen und die Spuren auf dem Boden. Die beiden Beschwörer waren also hier gewesen, sie hatten all die Arbeiter getötet, geopfert, um einen Dämon zu beschwören. Die bleichen, eingetrockneten und toten Gesichter, so hatte ich das Gefühl, sahen mich an, baten darum, dass dieses Unrecht gesühnt werden möchte. Vermutlich waren es meine eigenen Gefühle und Überzeugungen, die mich dies denken ließen, aber das Böse, das hier geschehen warm, wurde immer drückender und greifbarer für mich. An den Spitzen des Siebensterns befanden sich Aschehäufchen.
Währendessen ging der gelehrte Herr um den Siebenstern und später um den dahinterliegenden Schutzkreis herum, hockte sich hier und dort hin, um bestimmte Stellen genauer zu betrachten, gerade auch die Aschehäufchen und Symbole im Boden.
Als er zu uns zurückkehrte, konnte er uns sagen, dass hier eine große Beschwörung stattgefunden hatte und ein Dämon aus der Domäne des Gegenspielers Ingerimms beschworen worden war, und aus der Menge des verwendeten Blutes ließ sich schließen, dass es entweder einer mit vielen Hörnern war, oder einer, der sehr lange bleiben sollte, oder eine Mischung aus beiden. Der besagte Erzdämon ist der Pervertierer der Elemente, daher würde der beschworene Dämon etwas mit Erz zu tun haben und sei möglicherweise mehrfach gehörnt.

Messana löste ihre Armschienen und reichte sie Dela mit den Worten, sie solle nicht zögern, sie einzusetzen, wenn nötig, aber nicht zu voreilig. Dankend nahm Dela sie an. Bevor sie sie anlegte, nannte Messana ihr die Auslöser für den Armatruz-Zauber und für den Flim Flam.

Wir erkundeten zunächst den anderen Gang auf dieser Ebene. Sein Boden war mit Geröll und Staub bedeckt und es war deutlich, dass hier schon sehr lange niemand mehr gewesen war. Deshalb kehrten wir recht schnell um, um nach unten zu fahren.
Dela hangelte sich am Seil hinauf und kurz darauf ruckelten wir weiter den Schacht herab.

Die nächste Ebene kam nach weiteren geschätzten 15 Schritt. Der seltsam raue, irgendwie porige Fels, den wir im Gang zur Unterkunft der Arbeiter bemerkt hatten, war auch im Schacht und in diesem Gang. Wir stiegen aus, warteten auf Dela und gingen voran. Meine Hand umfasste den Griff von Ar’Kan’Thos, dessen Klinge ich mir über die rechte Schulter gelegt hatte. Der Gang war gerade mal zwei Schritt breit und nur wenig höher, Firudan konnte so gerade aufrecht stehen. Definitiv zu schmal, um Rubinklaue oder Ar’Kan’Thos schwingen zu können. Wir steckten diese Waffen notgedrungen zurück und nahmen statt dessen Axt und Reitersäbel zur Hand.
Unsere Schritten hallten auf Fels in der sonst so stillen Mine wider. Ab und an war das zu hören was ich am ehesten als „flüstern“ bezeichnen würde. Manchmal war es recht schnell zu hören, manchmal verging viel Zeit. Auch diese seltsame Grollen war ab und an zu vernehmen. Wenn in dieser Mine nicht ungewöhnlich irgendwo Fels zusammenbrach, war das wohl der Dämonen, der hier irgendwo wirkte.
Wahrlich bedenklich war, dass diese Veränderung am Fels - als wir im Lichte genauer hinschauten, sah es aus, als wenn da eine Flüssigkeit aufgetragen war – die ganze Breite des Ganges ausfüllt und an den Wänden ebenfalls hoch reichte - samt Decke! Der Dämon war gewaltig groß. Aber er hinterließ eine Spur, die es vielleicht leichter machen würde, ihn zu finden.
Wir kamen auf beiden Seiten zusammen an vier Abzweigungen vorbei, hielten uns aber erst einmal auf dem Hauptgang geradeaus, weil hier auch die Spur entlang führte. Der folgten wir dann einmal doch nach links und nach einem Stück noch einmal. Hier waren die Wände dicker beschichtet und es sah schon wahrlich schleimverkrustet aus. Selbst auf dem Boden hatten sich Pfützen davon angesammelt und weil Wände und Pfützen säuerlich-beißend rochen, achteten wir darauf, so etwas möglichst nicht zu berühren oder hinein zu treten. Wir erreichten eine Erweiterung des Gangs und schauten auf schwarze, metallisch-glänzende Kugeln. Groß waren sie nicht, sie hatten wohl einen Durchmesser von etwa einem halben Spann, aber sie waren massiv und sehr schwer, als wir sie berührten. Was wir hier sahen, das nahmen wir schnell an, war echtes, reines Endurium! Insgesamt neun Kugeln fanden wir, und jede wog viele Stein, gewisslich mehr als 10 Stein … ein Vermögen, was für ein Vermögen!
Es hieß doch, das hier etwa fünf Stein pro Götterlauf abgebaut wurden. Hier lag das Vielfache davon. Binnen Monden! Und es lag hier schon gleich in reiner Form, musste nicht erst geschmolzen und vom Fels getrennt werden.
Der gelehrte Herr betrachtete eine der Pfützen und dann eine der Kugeln und kam zu dem Schluss, dass wir es mit einem Dämon namens Achorhobai (da er vernichtet ist, kann ich den Namen wohl schreiben) zu tun hatten. Er hatte vier Hörner, wird als weißer, riesiger Wurm beschrieben und als „der große Alchemist“ bezeichnet, dazu kann er Erz abbauen.

Überzeugt erklärte Messana, dass wir schon gegen stärkere und mächtigere Dämonen gekämpft hatten und daher auch diesen bezwingen würden.
Für einen Kampf, da verwies sie drauf, wären magische oder geweihte Waffen jedoch besser geeignet als profane. Grundsätzlich machen profane Waffen deutlich weniger Schaden. Es könnte natürlich Ausnahmen geben und es könnte geschehen, dass es auch umgekehrt der Fall sein könnte, doch anzunehmen war das nicht, da hier mit kaum bewaffneten Ankömmlingen zu rechnen war, schon gar nicht mit welchen mit magischen oder gar geweihten Waffen.
Daher bot sie tatsächlich einen ihrer Säbel an. Firudan überlegte kurz, lehnte dann aber ab und wollte bei seiner Axt bleiben, mit der er besser umgehen konnte.
Da zog Messana Drachentöterin und reichte sie mir! Ich war ganz bass erstaunt und nachgerade ehrfurchtsvoll nahm ich die Waffe.

Wir beschlossen, auf der nächsten Ebene nach dem Dämon zu suchen. Hier endete die Spur und damit waren wir hier überall gewesen, wo er auch gewesen war.
Die Enduriumkugeln nahmen wir mit. Jeder nahm zwei, Firudan gar gleich drei auf einmal. Sie waren schon ordentlich schwer, aber es war auch erst einmal zum Aufzugschacht. Mit nach oben wollten wir sie nehmen, wenn wir später ganz hoch fuhren.
Dela kletterte hinauf und wir fuhren kurz darauf eins tiefer. Die „Schleimspur“ führte noch weiter im Schacht nach unten, das war zu sehen, aber auf dieser zweiten Ebene war sie auch zu finden.
Mit Dela folgten wir diesem Hauptgang. Auf dieser Ebene war der Dämon nicht nur dem Hauptgang gefolgt, sondern auch in verschiedene Nebengänge. Wir nahmen erst einmal den Hauptgang. Dieser wurde schließlich verlassen und da der gelehrte Herr Kreide mit führte, markierten wir die Abzweigung. Die Spur endete mitten im Nebengang, bei mumifizierten Überresten einer Leiche. Bei Boron, es waren tatsächlich nur die Überreste, nämlich Arme und Beine.
Wir gingen zurück, markierten dies, folgten einer anderen Abzweigung, die in einem Hohlraum endete, in der der Dämon wohl viel „abgebaut“ hatte, denn hier war die ätzende Schicht besonders dick auf Wänden und Boden.
Als wir schließlich alle Gänge abgesucht hatten, in denen der Dämon sich entlang bewegt hatte, konnten wir sicher sein, dass er sich auf dieser Ebene nicht befand.
Wie groß die Mine war! So viele Ebenen, wie viele noch kommen würden, die vielen Nebengänge … hier wurde wahrlich schon lange Endurium abgebaut.

Wir beschlossen, diesmal bis ganz nach unten zu fahren und dabei dann zu sehen, wie viel Ebenen es noch gab. Womöglich hatte sich der Dämon von oben nach unten gearbeitet und war weiter unten. Sollten wir unterwegs konkrete Hinweise finden, konnten wir immer noch halten.
Diesmal kletterte Messana hinauf und ließ uns alle mit dem Aufzug runter. Es folgten noch fünf weitere Ebenen, die alle in ähnlichen Abständen begannen. Alles in allem deutlich über 100 Schritt, die wir uns nun unter der Oberfläche befanden.
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#59
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Es gab vier Nebengänge auf der rechten Seite, fünf auf der linken. In jedem dieser Gänge wie auch dem Hauptgang war der Dämon auf dieser untersten Ebene aktiv gewesen. Wir nahmen erst den Hauptweg, dieser endete in einer halbrunden Höhlung, in der sich Wasser wie in einem Becken angesammelt hatte, auffälligerweise war es heißes Wasser.
Auf dem Weg zurück fingen wir mit dem ersten Gang rechts in der Richtung an. Er endete in einer Sackgasse, wenn es in dieser auch ein Loch von etwa 2 Schritt Durchmesser im Boden gab. Dela warf ein Stück Gestein hinein, als es unten aufprallte, waren nur drei oder vier Herzschläge vergangen. Unten war es still und dunkel. Da es hier keine Möglichkeit gab, ein Seil zu befestigen, verschoben wir eine etwaige Untersuchung des Loches erst einmal.
Wir nahmen den nächsten Nebengang auf der gleichen Seite. Dieser hatte seinerseits mehrere Abzweigungen, die wir alle nacheinander abgingen, die aber alle in vergrößerten Höhlungen endeten. Es war zu vermuten, dass der Dämon solche Stellen geschaffen hatte, um umzudrehen.
Wieder auf dem Hauptgang, nahmen wir den nächsten Gang auf der Seite. In diesem fanden wir ein Loch in der Decke zur nächst höheren Ebene. Nach einer Abzweigung stießen wir auf ein zweites solcher Löcher.
Wir hörten auf dieser Ebene bei unserem Marsch durch die Mine widerhallende Geräusche. Also war der Dämon hier unten? Ich spannte mich unwillkürlich an.
Wir stießen auch auf ein Loch im Boden. Hier fiel ein Stein etwas länger als im anderen nach unten.

Wir waren bereits geraume Zeit hier unterwegs, aber Schwärze, die vom Licht der Lampen erhellt wurde und hinter uns verschwand, unsere Schritte, das Flüstern und manchmal das Grollen … mir fehlte jegliches Zeitgefühl hier unten.
Als wir im vorletzten Nebengang vor dem Aufzug waren, stießen wir nach einem kurzen Stück auf eine Weggabelung und entschieden uns für links. Dieser Gang machte einen Bogen und wir fanden uns auf dem breiten Hauptgang wieder.
Aus Richtung Aufzug hörten wir Geräusche, wir verlängerten unsere Schritte, um dahin zu gehen. Als wir den zweiten Nebengang auf der anderen Seite passierten, stieß Messana ein „Zurück“ hervor und Firudan einen Warnruf. Messana sprang vor und an der Einmündung vorbei. Wir anderen wichen ebenso eilig zurück.
Eine gewaltig große und übel stinkende, ätzende Wolke kam aus der Einmündung hervor. Ich taumelte etwas, fühlte beißenden Schmerz in meinem Mund und meinem Rachen und auf meinem Gesicht und dann gingen die Lampen aus.
Ich hörte Klirren, als unsere Lampen zu Boden fielen oder unsanft abgesetzt wurden, Schritte und das Geräusch schneller Bewegungen. Ich hob Drachentöterin, blind in der Dunkelheit, vor mich.

Ich sah einen Lichtschein von der anderen Seite der Gangeinmündung, als Dela den Flim Flam in den Armschienen aktivierte und noch, dass sie und Firudan zu Messana geeilt waren. Etwas Großes und Weißes kam aus dem Gang heraus und verdeckte das Licht, denn es füllte den Gang komplett aus und der gelehrte Herr und ich standen wieder im Dunkeln.
In meinem Hals brannte es, besonders bei den Atemzügen und auch auf meinem Gesicht und Händen brannte es, wo mich Teil der dämonischen Wolke getroffen hatte.
Nach dem Kampf erfuhr ich, dass Messana mit ihrem ersten Schlag eine tiefe Wunde riss und Firudans Hieb fast gänzlich an der harten, weißen Haut abprallte.
Ich schlug, im Dunkeln stehend, blindlings zu. Drachentöterin prallte auf den Boden, ich hatte den großen Dämon verfehlt. Der gelehrte Herr jedoch reagierte schnell und ein Licht flammte über seiner Hand auf. Endlich konnte ich wieder sehen!
Der Dämon hatte sich mit seinem Oberteil aus dem Nebengang bewegt und sich Firudan, Dela und Messana zugewandt, so dass ich vor seiner Seite stand. Das war zwar nicht gänzlich im Sinne der Herrin, aber ein Dämon musste bekämpft werden und war wider die göttliche Ordnung.
Also schlug ich mit viel Kraft zu. Fast hatte ich das Gefühl, dass Drachentöterin in den weißen Leib wie durch Butter schnitt. Dieser Vergleich hinkt sicherlich, aber mein Hieb drang tiefer ein, als ich es zu hoffen gewagt hatte.
Der Dämon schlug mit zwei der Tentakeln, die aus seinem Kopf erwuchsen, schnell und heftig zu und traf Firudan mit beiden Tentakeln. Nachdem sein Angriff nachgerade abgeprallt war, zog sich Firudan nun zurück, um seinen Rucksack abzusetzen und Rubinklaue zu ziehen. Messana und Dela schlugen erneut zu, Messana rief die Kraft Rondras dazu, denn der Kampf durfte nicht zu lange dauern. Der Dämon war vorne, wie mir später gesagt wurde immens stark gepanzert, so dass es gewaltiger Hiebe bedurfte, da durch zu dringen und dem Dämon merklichen Schaden zuzufügen.
Ich machte mich bereit, selber zuzuschlagen, da zog sich der Wurm etwas zusammen, als würde er tief Luft holen – und verschwand.

Schlagartig gab es mehr Licht, als der Flim Flam der Armschienen bis zu mir hin trug. Messana sah sich kampfbereit um und warnte, dass der Dämon womöglich jeden Moment wieder auftauchte, daher hielt ich auch den Säbel bereit. Firudan nahm Rubinklaue zur Hand.
Es wurde vorgeschlagen, dass wir uns nach oben zurückziehen sollten um uns zu erholen und später wieder zukommen, aber Messana war dagegen. Dela und Firudan bewegten sich vorsichtig Richtung Aufzug, um dort aufzupassen und nach dem Dämon zu suchen, Messana blickte ein die Einmündung, aus der der Dämon zuletzt heraus gekommen war.

Da erschien das Ungetüm wieder, und zwar im Gang, das Vorderteil Firudan und Dela zugewandt. Und es war gänzlich unverletzt!
Messana brüllte ihm ein „Feigling!“ entgegen, denn sie befand sich nahe des Hinterteils und rannte los. Ich auch, aber etwas langsamer, weil ich das noch nicht mit einem damit einhergehenden Angriff verbinden kann.
Firudan und Dela rannten zur nächsten Einmündung und sprangen hinein. Gerade rechtzeitig, denn der dämonische Wurm hatte ihnen eine seiner Wolken hinterher gespuckt.
Messana, obwohl der Dämon eigentlich gar nicht zu verfehlen war, geriet bei ihrem Heranstürmen fast ins Schleudern, so dass ihr Angriff misslang. Dela setzte ihrerseits auch dazu an, während Firudan, wie danach zu erfahren war, einen magischen Heiltrank besaß und diesen hastig einnahm. Solcherart gestärkt, warf er sich auch wieder in den Kampf.
Ich hatte mittlerweile dann auch den Wurm erreicht und schlug kraftvoll zu.
So konnten wir den Dämon von zwei Seiten in die Zange nehmen, während dieser nur nach vorne angreifen konnte. Zum Glück für Firudan und Dela konnten sie seinen Angriffe auch entgehen.
Leider missglückte mir einer meiner Angriffe, aber einen weiteren konnte ich setzen, unter dem es widerwärtig aus dem Leib herausquoll. Noch einmal rief Messana Rondra an und wieder riss sie ein gewaltiges Loch in den hinten nur wenig gepanzerten Leib.
Zwischen ihr und mir schoss dann auf einmal eine dünne Flammenlanze hindurch, die den Dämon traf.
Der Dämon löste sich auf.
Er verschwand nicht, er verfiel zu stinkendem Schleim.
Zurück blieben drei glänzende Kugeln makellosen Enduriums.

Wir hatten Glück gehabt, nach dem Säureangriff ganz zu anfangs war keiner von uns weiter verletzt worden außer Firudan, der sich aber durch den Trank komplett geheilt hatte.
Dafür spürte ich das Brennen nun, als die Anspannung durch den Kampf abflaute, um so mehr.
Wir entzündeten die Lampen, die nicht zerbrochen waren und gingen mit den Kugeln zum Aufzug, griffen dort nach dem Heilwasser, und, da wir dessen überaus starke Wirkung nun abschätzen konnten, gingen wir sparsam damit um. Wir nahmen kleine Schlucke und es war wahrhaft erstaunlich, wie wohltuend es meinen Schlund herabrann und das Brennen und Ätzen mit sich fortnahm. Auch auf den Gesichtern, Händen und anderen Stellen tupften wir damit herum und die verätzten Stellen verschwanden.

Das Geflüster war wieder zu hören. Der Dämon war es nicht. Waren es die Geister der Gemordeten? Messana bekundete ihre Entschlossenheit, die Geister zur Ruhe zu geleiten.

Diesmal wollte Firudan zur Winde hinauf klettern.
Er war lange unterwegs, natürlich, und ich beneidete ihn nicht für das lange Stück. Doch schließlich setzte sich der Aufzug in Bewegung. Wir hielten auf der zweiten Ebene, um die anderen neun Kugeln einzuladen.
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#60
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Die Enduriumkugeln lagerten wir erst einmal neben dem Aufzug. Dann traten wir hinaus. Dunkle Nacht und Sternenhimmel begrüßten uns. Hinein waren wir am frühen bis mittleren Abend gegangen, nun war es gewiss schon Mitternacht.

Messana erklärte, sie würde draußen beten gehen und noch die ersten der Toten in der Mine einsegnen. Dela gab mit einem weiteren Dank, auch wenn sie sie zum Schutze gar nicht benötigt hatte, die Armschienen zurück und ich Drachentöterin mit großen Dank.

Ich schloss mich den anderen, als wir zurück in die Mine gingen, wir wollten noch die vierte Ebene absuchen und fanden drei Leichen dort, eine davon vom Dämon angefressen und unvollständig, eine ganz weich und die dritte ohne Extremitäten, so dass wir annehmen konnten, die Arme und Beine eine Etage weiter oben gehörten zu dieser Leiche.
Wir hörten das Flüstern und einmal meinten wir auch Licht an einer entfernten Wegkreuzung zu sehen, doch als wir nachschauten, war dort nichts. Der gelehrte Herr schob die Augenklappe hoch, als einmal dieses Flüstern zu hören war, und zuckte zurück: er sah überall Geister, oder deren magische Matrix, wie er das ausdrückte. Gruselig!
Wir fanden noch eine zerstörte Lore und gewannen insgesamt den Eindruck, dass der Dämon gewusst hatte, wo er nach Endurium zu suchen hatte, den erschien gezielt die Gänge aufgesucht zu haben, in denen er gewesen war und hatte andere ebenso absichtlich vermieden.

Dann fuhren wir wieder hinauf und schlugen draußen unter freiem Himmel, leidlich abseits der Gebäude und der Leichen beim Tor unser Nachtlager auf. Messana war noch nicht zurück.

In den frühen Morgenstunden des neuen Tages, des heutigen 21. Rondras, weckte sie mich jedoch. Ich ließ sie in die Mine hinab und kletterte ihr nach. Gemeinsam stimmten wir uns mit einem Gebet ein und sprachen zweimal hintereinander den Grabsegen für die ersten zwanzig Toten.
Vielleicht bildete ich es mir ja nur ein, aber ich hatte den Eindruck, dass danach das geisterhafte Geflüster in der Mine merklich abgenommen hatte.

Als wir uns zum schlafen niederlegten, wies sie mich an, sie in sechs bis sieben Stunden zu wecken, also bis spätestens Mittag.

Ich fühlte mich beim Erwachen recht erholt. Als mir wieder einfiel, wo wir waren, was geschehen war und was noch zu tun war, änderte sich das etwas, aber körperlich ging es uns allen dank des Heilwassers und des Schlafes wieder sehr gut.
Ich ließ Messana noch etwas schlafen und weckte sie später, denn sie war ja auch erst nach uns anderen schlafen gegangen.
Ich erzählte den anderen, dass wir die ersten Toten schon eingesegnet hatten.
Dela ging hinaus zu Alwijida und deren Gefährten, damit diese erfuhren, wie die Lage war. Als sie wieder kam, sagte sie, sie hätte nur das Notwendigste erzählt, nämlich dass hier viele Tote gefunden worden waren und es Kämpfe gegeben hatte, es noch ein bis zwei Tage dauern würde, bis wir hier fertig waren und dass sie sich erkundigt hatte, ob es für die toten Maraskaner bestimmte Beerdigungsriten zu beachten gab. Außerdem hatte sie von Alwijida erfahren können, dass die gefundenen Rebellen-Farben den Uljaykim zuzuordnen sind (laut dem Haran erklärte Todfeinde des Haranydad und seine Einschätzung, dass sie es wagen würde, die Mine anzureifen, war wohl berechtigt gewesen). Alwijida hatte gesagt, außer den 16 guten Ratschlägen sei eine Feuerbestattung erwünscht, und dass sie die Zeit noch auf uns warten würden, bis wir hier fertig sein würden.

Ich weckte Messana und sie verschwand schnell zum beten. Als sie nach mehreren Stunden wiederkam, nötigte ich ihr etwas zu Essen fast schon auf und erzählte ihr von unserem Gang auf die vierte Ebene und dass Dela bei Alwijida gewesen war.
Messana ging danach wieder beten und ich blieb bei unseren Sachen. Die anderen waren schon Stunden früher in die Mine hinab gefahren, um die verbliebenen drei Ebenen zu durchforsten.
So hatte ich die Zeit, mit meinem Tagebuch aufzuholen.

Sie kamen am frühen Abend wieder herauf. Sie hatten weder weiteres Endurium gefunden, noch, den Göttern sei Dank, Leichen. Das Loch im Boden der untersten Ebene war nur dies gewesen: Der Dämon hatte sich durch den Fels gegraben, eine Höhlung geschaffen, in der er sich drehen konnte und den gleichen Weg wieder zurück genommen. Räume oder gar Gänge hatte er nicht erschlossen.
Die gefundenen Toten und deren Überreste hatten sie mit Hilfe der Decken aus dem Speiseraum herauf geschafft und ebenfalls in der Höhle mit dem Aufzug erst einmal abgelegt.

Wir sprachen auch darüber, was hier geschehen sein konnte, konnten uns aber schlussendlich keinen Reim darauf machen. Mittelreichische Soldaten hatten gegen Maraskaner gekämpft, aber es hatte auch noch eine dritte Partei gegeben, zu der mindestens die beiden Paktierer angehörten. Dazu waren einige Soldaten vom 4. Banner zurückgekommen. Waren die vom 3. da schon tot gewesen, da nur welche vom 4. gegen die Maraskaner gekämpft hatten? Die vom 3. waren auch alle in die Baracken geschafft worden, währen die von 4. noch da lagen, wo sie gefallen waren, was diese Vermutung bestärken könnte.

Dela sah einmal nach Messana, doch die war ganz in ihre Gebete und Säbeltänze versunken.
Als sie zurückkam, versenkten wir vier uns im Hof auch in Gebete und machten dann aus den Überresten von Mobiliar und ähnlichem improvisierte Boronsräder.

Der Abend war schon fortgeschritten, als Messana zurückkam. Ihr wurde kurz von der Durchsuchung der weiteren Ebenen berichtet, und sie sagte, sie wollte jene Toten in der Mine als auch die anderen Leichen, die alle in die Baracke sind oder noch gebracht werden sollten, einsegnen und dann jeweils verbrennen.
Soweit wir es bislang einschätzen konnten, handelte es sich insgesamt um weit über hundert Tote, wohl eher an die 130 oder 140. Daher ging Messana davon aus, dass wir auch noch zwei oder drei Tage hier bleiben würden.
Dela tat kund, dass sie es für klug hielt, wenn wir einige der Edelsteine mitnehmen würden, denn vielleicht würden noch einige Ausgaben auf uns zukommen, da wir ja auch noch zum Friedhof der Seeschlangen mussten. Sollten wir sie nicht benötigen, fügte sie hinzu, würden wir sie später dem Reichsbehüter zukommen lassen. Messana war von der Idee nicht sehr angetan, das war ihr anzusehen, aber sie wandte nichts dagegen ein. Da stimmte der gelehrte Herr zu und wollte ebenfalls noch einige nehmen mit der gleichen Begründung. Davon hielt Messana noch weniger, aber nachdem bestätigt worden war, dass auch er alles an nicht benötigten Steinen zurückgeben würde, fand sie sich damit ab. Wir gingen zu dem Gebäude und Dela und der gelehrte Herr wählten beide einige der Steine aus, die nicht zu klein oder zu groß waren und von denen sie annahmen, dass sie sich recht gut verkaufen lassen würden und nicht zu wenig an Geld einbringen würden.

Dann ging es einmal mehr hinab in die Mine. Firudan bewegte uns alle hinunter und folgte uns nach. Wir versammelten uns in der Höhle mit den Leichen. Messana sprach ein Gebet vor und dann sprach sie den Grabsegen, den wir alle mit intonierten, auch zweimal. Jeder von uns hätte die Toten am liebsten nach oben verbracht. Sie hier zu bestatten, wo sie ihr hartes Leben fristen mussten, wo sie geopfert worden waren und ihre Leichen noch immer so achtlos lagen, wie sie gestorben waren, war geradezu brutal. Aber sie waren schon so lange tot und verwest, mumifiziert und es wäre wohl eine mehr als harte und schwierige Aufgabe gewesen, diese vielen Leichen zu trennen und nach oben zu transportieren, dass es eine mindestens ebenso brutale und grausame Angelegenheit gewesen wäre, da es sicherlich zu unzähligen Leichenteilen geführt hätte.
Daher verteilten wir das mitgebrachte Heu und Stroh, Kohlen und Lampenöl über die Leichen. Messana zündete es an und sehr bald schlugen die Flammen hoch auf.
Wir eilten nach oben zu kommen, denn der Rauch drohte uns schnell die Luft zu nehmen.

Wieder draußen, holte Messana den Toten aus der Arrestzelle und auch die Hand aus der Kommandantur, dazu wurden die Toten im Hof getrennt und die Soldaten ebenfalls in die Baracke gebracht, während die Maraskaner draußen neben ihr abgelegt wurden. Wir versammelten uns zu zwei weiteren Grabsegen in der Baracke.

Ich bin einmal mehr dankbar, dass die Götter ausgewählten Menschen ihre besondere karmale Kraft verleihen, gerade auch, um Tote zur Ruhe zu betten, aber zugleich ist es auch zuweilen deprimierend und fordernd, diesen düsteren Aufgaben nachzukommen.



22. Rondra 26 Hal, Minengelände Amran-Anji

Heute standen wir wieder alle früh auf und Messana war fast den ganzen Tag fort zum beten. Vorher hatten wir noch darüber gesprochen, wie wir mit dem gefundenen Endurium verfahren sollte. Es war eher nicht zu vermuten, dass in nächster Zeit hier jemand hin käme, aber einer etwaigen Rebellentruppe wollten wir es nicht zuspielen, da wir in unserem Wort standen, Endurium sicher zu stellen. Mittragen konnten wir es aber auch nicht, dafür war es viel zu schwer und der Weg zu lang und zu hart. Messana schlug vor, es draußen an einem ausgewählten Ort in einer der vielen Felsspalten zu verstecken. So sollte es geschehen.

Am Nachmittag versammelten wir uns zum gemeinsamen Grabsegen und Gedenken an die Gemordeten.
Anschließend ließen sie und ich uns in die Mine hinab fahren, um sich zu vergewissern, dass das gestrige Totenfeuer seiner Aufgabe ganz nachgekommen war. Das war es und hatte die toten Körper mit verbrannt.
Wir blieben stehen und lauschten eine Weile: Das Flüstern war verstummt.
Rondra sei Dank!

Sie betete innig weiter und spät in der Nacht segneten wir die nächsten 20 Toten ein.



23. Rondra 26 Hal, Minengelände Amran-Anji

Messana dazu zu bringen, sich niederzulegen, wenn sie ihrer Herrin so nah war und den ganzen Tag gebetet hatte, war nicht so einfach gewesen.
Doch ich wusste, dass sie es bitte nötig hätte und dass es sich rächen würde, wenn sie auf Schlaf verzichtete, außerdem war sie dadurch heute Morgen wesentlich ansprechbarer. Ich achtete darauf, dass sie über den Tag einige kleine Pausen einlegte und etwas aß.

Am Abend, als die Dämmerung schon nahte, sprachen wir die Segen für die letzten 30 Toten. Dann verteilten wir über sie, was wir an Stroh, Heu, Kohlen, Lampenöl und Holz nur hatten finden können und zündeten diesen riesigen Scheiterhaufen im Innern der Mannschaftsbaracke an.
Etwas weniger zeremoniell verfuhren wir, was die Feuerbestattung betraf, kurz darauf auch mit den toten Maraskanern.

Den Tag über hatten wir anderen uns draußen umgesehen nach einem passenden Versteck für die zwölf Enduriumkugeln. Viel Platz nahmen sie ja nicht ein, aber eine kleine Spalte tat es für sie auch nicht. Außerdem sollten wir sie wiederfinden können.
Dank einiger Felsformationen, auch in Bezug auf Gebirgspfad und Minengelände, fanden wir einen guten Platz. Sorgfältig schoben wir die Kugeln (bis auf eine, denn die wollten wir tatsächlich mitnehmen, Firudan würde sie tragen) hinein und bedeckten sie mit Stein und etwas Gestrüpp, so dass nichts daraufhin wies, was für ein Schatz dort liegt.
Wie gerieten in Versuchung, auch das Gold und die Edelsteine dort zu verstecken. Aber es war einfach zu viel davon. Sollte es an seinem derzeitigen Ort entdeckt werden, dann war es so und dieser Reichtum war fort. Aber es bestand auch die Chance, dass in nächster Zeit niemand herkommen würde, weil die Rebellen, die überhaupt von der Lage der Mine wussten, hier nicht hinkommen würden, in der Annahme, dass im Moment nichts zu holen wäre. Es würde sich in der Zukunft zeigen, was zutreffen würde.
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#61
24. Rondra 26 Hal, Lager im Gebirge

Heute ist Delas Tsatag. Messana gratulierte ihr herzlich am Morgen, ich schloss mich an und dann auch Firudan und der gelehrte Herr.

Wir saßen beim Frühstück und hatten vor, danach aufzubrechen, als wir unerwarteten Besuch erhielten. Wir sahen eine Bewegung beim Tor und als wir aufsprangen, entdeckten wir zu unserer Überraschung drei Echsenmenschen, die auf uns zukamen. Angesichts meiner ersten und bislang einzigen Begegnung mit Vertretern dieser Art, unten im Brunnen, legte ich meine Hand unwillkürlich auf den Waffengriff.

Alle drei waren recht groß, ein paar Halbfinger größer als ich. Ihre Schuppen waren hellgrün, zwei hatten am Bauch gelb getupfte Schuppen und einer rote. Ihre irgendwie starrenden Augen waren golden, sie trugen so etwas wie ärmellose Westen aus Pflanzenfasern (oder so sah es für mich aus) und Gürtel, an denen Beutel und Messer gingen. Einer hielt einen Speer in der Hand, aber mit der Spitze nach oben gerichtet.
Drei Schritt vor uns blieben sie stehen. Dann sprach einer von ihnen, und ich machte die Entdeckung, dass ich kaum etwas verstehen konnte. Es zischelte so dermaßen, dass es sein Garethi furchtbar verzerrte. Das einzige, was ich raus verstand, war, dass uns etwas erwartete. Der Sprecher, einer der beiden mit gelblichen Bauch, stellte sich vor und auch die beiden Begleiter, aber ich verstand die Namen nicht, außer dass sehr viele „ssssss“ drin sein mussten. Wir stellten uns auch vor. Der Sprecher fuhr fort, dass die drei Gesandte in Zeiten der Not waren und über etwas, was mit Stärkung des Schutzes Akrabaals zu tun hatte.
Wir fragten zuweilen nach, wenn wir etwas gar nicht verstanden hatten, aber wirklich hilfreich war das meist nicht. Er erzählte uns etwas über Sel’Althach, dem Siegel, einem Szepter und Wächter. Immerhin wussten wir dank der Begegnung mit Magister von Puspereiken, auf was sich das bezog und konnten den Zusammenhang leidlich herstellen, auch ohne im Einzelnen zu verstehen, was er zischelte. Außerdem war herauszuhören, dass das Siegel ein Szepter war.
Als wir erwähnten, dass wir davon gehört hatten und dass ein schwarzer Achaz dabei gewesen war, gerieten die drei in helle Aufregung und auf dem Kopf des Roten stellte sich ein roter Kamm steil auf, ich meinte etwas von „Charyb’Achazzz“ (oder etwas in der Art) herauszuhören, aber ob das ein Name oder eine Bezeichnung war, wusste ich nicht. Der Name klang aber bedenklich nach jener echsischen Gottheit aus dem Tempel, die wiederum sehr viel Ähnlichkeit mit dem erzdämonischen Widerpart von Efferd hat.
Der Achaz, der als einziger mit uns sprach (den anderen schien er manchmal zu übersetzen, obwohl die Teile von dem, was wir sagten, ihrerseits zu verstehen schienen), fuhr fort, dass wir helfen sollten, das Szepter zu finden und nach Sel’Althach zu bringen. Dabei blickte er vor allem Firudan eindringlich an, der sogleich erklärte, dass wir das Szepter zurückbringen würden.
Auf die Einwände hin, das wir zum Friedhof müssten und nicht erst ein Szepter suchen könnten, zischelte der Achaz etwas von einem Ort der Macht und etwas von H’Rangar. Er wollte wohl sagen, dass das Szepter am Friedhof der Seeschlangen war, denn dies soll ja ein Ort der Macht sein.
Er drängte, dass wir es schnell finden sollten, bevor es verdorben werden kann und es würde uns den Weg nach Sel’Althach schon weisen. Es sei wichtig, das Szepter zu retten, um das Gefüge der Macht zu bewahren.
Auf die Frage hin, was das Szepter zu tun vermöge, erfuhren wir, dass Charyb’Achazzz großes Verderben damit entfesseln will.
Und wir erfragten, wie das Szepter überhaupt aussah: Aus schwarzem Holz, lang wie ein Achaz-Arm und mit Gold verziert, ein Lapislazuli-Stein an der Spitze und mit echsischen Zeichen verziert.
Sie betonten, wie wichtig es für Echsen und Menschen sei, dass wir es zurückbringen würden und Messana bestätigte noch mal, dass wir es ja tun würde. Der mit den roten Tupfen wurde dadurch beruhigt und sein Kamm legte sich wieder etwas. Er löste einen Beutel vom Gürtel und hielt ihn uns entgegen. Der Sprecher des Trios sagte, dass dies für uns sei. Messana erwiderte natürlich, dass sie eine Bezahlung nicht annehmen würde, er zischelte von einem Geschenk und dann griff sie nach dem Beutel. Als sie reinschaute, nahm sie wohl an, sie hätte etwas falsch verstanden und wiederholte noch mal, dass sie keine Bezahlung annehmen würde. Er wiederholte ebenso, dass es ein Geschenk sei, damit gab sie drein.
Dann reichte er selbst ebenfalls einen Beutel zu uns und sagte dazu, wir sollten den Inhalt vor dem Kampf mit dem Sohn von einem unaussprechlichen Wort schlucken.
Messana öffnete es und ließ sich einige kleine, geschliffene Edelsteine auf die Hand gleiten. Dela fragte, was sie machen würden. Sie würden uns beschützen und unser Ende abwehren, lautete die kryptische Antwort.
Firudan erklärte forsch und nachdrücklich, dass wir uns geehrt fühlen würden und wir nicht versagen werden.
Worauf sich die Achaz ohne ein Wort umdrehten und weggingen.

Zu schade, dass wir sie selbst mit nachfragen so schlecht verstanden hatten. Woher sie von uns oder der Mine wussten, wo sie überhaupt herkamen, was es genau mit dem Szepter oder diesem schwarzen Achaz auf sich hatte. Vor allem, woher sie wussten, wovor sie uns schützen sollten, also was sie davon wussten oder vermuteten, was uns da erwarten würde.

In dem Beutel mit dem Geschenk waren übrigens mehrere beeindruckend große und schöne geschliffene Edelsteine. Der gelehrte Herr fragte, ob er sie sich mal anschauen könne und betrachtet sie mit seinem Rubinauge. Er konnte feststellen, dass sie nicht magisch waren und ebenso, dass sie vermutlich ein Vermögen wert sein würden sowohl wegen ihrer Größe und Art, als auch wegen ihrem besonderen Schliff.
Er meinte, er hätte so etwas wie einen Beherrschungszauber auf den Steinen erwartet. Auf die Frage, warum er das erwartet hatte, erklärte er, er würde da aus Erfahrung urteilen und weil es hier nun mal um Echsenmenschen ginge. Ich erinnerte mich, dass er mal erzählt hatte, dass er als Kind von Achaz entführt worden war und für irgendein Ritual missbraucht werden sollte.

Messana meinte, die Echsenmenschen würden also Borbarad als „Verderber“ kennen (von so etwas hatte der gelb Getupfte auch mal gezischelt) und dass dies interessant sei, der gelehrte Herr sagte, dass würde seine Theorie, dass Borbarad deutlich älter als sein überliefertes Wirken sei, bestätigen.

Dann führte Messana zu der Frage über, welchen Weg wir nun einschlagen sollten. Zur Option stand, den Weg über den nördlichen Pass zu nehmen und von Boran aus zum Friedhof zu segeln. Das war der Weg, den wir her gekommen waren und auch unter Berücksichtigung, dass wir nun kein Haranydad und riesige Spinnen suchen mussten, würde uns allein die Strecke bis nach Boran drei bis vier Siebenspannen kosten.
Oder aber wir gingen durch den Dschungel nach Süden und nahmen den dortigen Pass, der uns ebenso nach Boran führte. Bis zu ihm würden wir aber ohne Dschungelpfade unterwegs sein, was uns immens verlangsam würde.
Blieb als dritte Möglichkeit, die erstmals von Dela vorgebrachte Idee, zur Küste zu gehen und dort ein Boot oder Schiff aufzutun. Bis dahin war es aber auch ein Stück und wie Messana sich zu erinnern meinte, führte die Küstenstraße streckenweise von der Küste sehr entfernt vorbei. Dazu ergab sich das Problem, ein Fischerboot zu mieten oder zu kaufen und an Tuzak vorbei zu kommen und überhaupt die ganze Zeit die Blockade zu unterlaufen.
Am vermutlich schnellsten, wenn auch immer noch viel zu zeitaufwendig, wäre der Weg, den wir hergekommen waren, wir wollten aber auch noch mal Alwijida und Marech darauf ansprechen, denn die kannten sich hier zweifellos am besten aus.

Wir füllten unsere Wasser- und Proviantvorräte im Küchengebäude noch auf, so dass wir für eine Siebenspanne Proviant hatten, dann verließen wir das unselige Gelände.
Wir zeigten Messana die Stelle, an der wir das Endurium versteckt hatten und sie prägte sich ihre Lage und Landschaftsmerkmale in der Nähe ebenfalls gut sein.

Dann ging es ein Stück weit den Bergpfad hinauf, bis wir auf die sechs Maraskaner stießen. Wir legten unsere Überlegungen bezüglich des schnellsten Weges nach Boran dar und Alwijida meinte, dass der kürzeste und schnellste Weg der direkte sei: geraden Wegs über die Berge nach Osten, denn wir seien hier annähernd auf einer Höhe mit Boran. Sie erklärte auch, dass das durchaus möglich wäre. Eine Gebirgsausrüstung sei nicht nötig, es würde zwar einige schwierigere Stellen geben, aber die sollten zu schaffen sein, wenn man leidlich klettern konnte. Sie schätzte die Reiserzeit auf etwa acht Tage. Fünf über die Berge, drei durch den Dschungel.

Acht! Und wir waren da fast 30 durch den Dschungel gezogen, und wir hätten es so viel kürzer haben können? All der Schweiß, Dreck, Hitze, Anstrengungen, meine Zusammenbrüche … und wir hätten es so viel kürzer haben können?!
Ich glaube, ich knirschte vor Frust mit den Zähnen.

Marech sagte, den direkten Weg würde er nicht kennen, Alwijida bot sich da als Führerin an bis auf die andere Seite der Berge.
Wir konnten auch sofort los, denn erst mit dem Haran besprechen oder eigene Ausrüstung holen musste sie nicht. Sie verabschiedete sich von ihren Gefährten, die an sie etwas Proviant abtraten, und dann waren wir aufbruchbereit. Marech würde mit uns kommen.

So kletterten wir den Rest des Tages bergauf. Da es ja außerhalb des Dschungels war und es zunehmend höher ging, war die Luft ganz angenehm, auch wenn es einige schon schwere Stellen gab. Wenn schon auf dem Pass es manchmal schwer gewesen war, so etwas wie einen Weg zu finden, so war hier endgültig weit und breit davon nichts zu bemerken.
Von unserer letzten Gebirgsübersteigung wussten wir, dass wir mit dem Wasser sparsam sein mussten.


(Sitzung vom 7.4.2012)
26. Rondra 26 Hal, Lager im Gebirge

Heute erreichten wir den höchsten Punkten Punkt unserer Überquerung. Erneut bot sich uns ein beeindruckender Anblick nach vorn wie nach hinten, erst die je abfallenden Berge und dahinter jeweils der dichte, grüne Dschungel, hinter diesem wiederum war das Meer zu erahnen. Zu unseren Seiten ragten höhere Gipfel auf.
Zeit zu verweilen blieb aber nicht, denn wir mussten nach Boran.

Bei den abendlichen oder mittäglichen Lagern hatte sich Zeit ergeben, etwas mit Alwijida zu sprechen. Gerade Messana ist immer an unseren maraskanischen Begleitern interessiert und ich halte es auch nicht für falsch, mehr über die eigenen Führer zu wissen, außerdem ist es ja auch eine gewisse Form der Höflichkeit.
Alwijida sprach durchaus über sich und ihr Leben und so erfuhren wir, dass sie die Tochter von Bauern ist. Ihr Dorf wurde, als sie noch jung war, von mittelreichischen Soldaten angegriffen und so heimatlos geworden, schloss sie sich später dem Haranydad an. Es war deutlich, dass sie das Mittelreich und seine Soldaten hasste oder wenigstens verabscheute. Verdenken konnte ich es nicht und wieder wurde ich damit konfrontiert, in wieweit die Besetzung dieser Insel moralisch rechtens war. Warum und wofür? Für die wenigen Stein Endurium, die unter so viel Opfern und Anstrengungen von Sträflingen aus dem Fels geholt wurden? Dafür wurde seit über 20 Götterläufen gekämpft, Menschen verfielen in der schwülen Hitze des Dschungels und seiner Gefahren dem Wahnsinn, oder fielen den Gefahren und Maraskanern zum Opfer und im Gegenzug überfielen Soldaten Dörfer und töteten „aufständische“ Bauern und deren Kinder? Und die Maraskaner wiederum bekämpften sich, warum auch immer, gegenseitig und die Mittelreicher und griffen dabei aufgrund mangelnder Truppen meist auf hinterhältige Methoden zurück.
Alwijida hatte ihre „Ausbildung“ an der Waffe erst beim Haranydad erhalten, vorher hatte sie noch nie eine Waffe in Händen gehalten. Der Haran legte Wert darauf, erzählte sie, dass diejenigen, die gut genug mit einer Waffe seien, alle anderen gezielt unterrichteten.
Das ist natürlich sinnvoll, aber eine richtige Ausbildung ist das noch nicht und einen Vergleich mit den mittelreichischen Soldaten hält das sicherlich auch nicht aus.
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#62
28. Rondra 26 Hal, Lager im Dschungel

Heute hat sich Alwijida von uns verabschiedet. Wir waren noch in den Ausläufen der Berge und die ersten Bäume empfingen uns, als sie stehen blieb und erklärte, dass sie hier umdrehen würde. Nach Boran müssten wir immer weiter nach Osten durch den Dschungel gehen.
Wir dankten ihr und verabschiedeten ebenso. Dann ging sie wieder zurück und wir schlugen uns in den Dschungel.

Messana empfahl, nun den Proviant zu rationieren, dann würden wir damit bis Boran auskommen und müssten nicht unterwegs Zeit durch jagen verlieren.

Und wieder waren wir im grünen, feucht-schwülen Dschungel. Diesmal nur wenige Tage, so machte ich mir Mut, auch wenn ich noch immer darüber frustriert war, dass wir auf dem Hinweg so dermaßen viel Mühen auf uns genommen hatten.



30. Rondra 26 Hal, Lager an der Dschungelstraße

Heute sind wir auf die Dschungelstraße nach Boran gestoßen, also ein wenig im Südwesten der Stadt ausgekommen. Wie angenehm, auf dem breiten Pfad zu marschieren, statt sich jeden Schritt frei zu kämpfen. Der schlammige Weg war gewiss breit genug für einen Karren, so dass wir auf einmal sehr schnell voran kamen, als wir tüchtig ausschritten.

Der gelehrte Herr hat sich seit unserem Aufenthalt im Haranydad nicht mehr seltsam verhalten. Dabei hatte es sich bis dahin doch tatsächlich gehäuft … aber nun scheint es, wenigstens, zeitweilig, vorbei zu sein. Seltsam.



1. Efferd 26 Hal, Boran

Ja, Boran! Endlich waren wir wieder in der Hafenstadt, nachdem wir am fortgeschrittenen Vormittag hier eingetroffen waren.
Wir waren verschmutzt, unsere Kleidung war (obwohl wir sie bei seltenen Gelegenheiten gesäubert hatten und sie hatten flicken lassen) arg mitgenommen, wir rochen nach Schweiß und dem stinkenden Fett, dass die Insekten leidlich abhielt, unser aller Haar war lang und nicht mehr so recht gepflegt und die Bärte der Männer waren wieder ungehindert gewachsen. Aber erst einmal hatten wir den Dschungel hinter uns. Auch wenn wir ja später noch nach diesem Sel’Althach müssen, das irgendwo grob auf unserem zuletzt zurückgelegten Weg liegen muss (westlich von Boran in den Ausläufern der Maraskankette), endgültig haben wir – leider - den Dschungel erst einmal nicht hinter uns gelassen.

Erst einmal gingen wir zu der Tavern’uuzak, dem Wohnturm namens „Haus der Bruderschwestern“, in der wir bei unserem ersten Aufenthalt Quartier bezogen hatten. Wir wurden zwar kritisch angeschaut, aber man gab uns Zimmer. Wir nahmen wie bei beim letzten Mal ein Viererzimmer für Dela, Messana und mich und der gelehrte Herr und Firudan nahmen je ein Einzelzimmer.
Marech verabschiedete sich dort von uns. Wir dankten ihm vielmals für seine Führung und Unterstützung, ohne die wir es sicherlich nicht zum Haranydad gefunden hätten.
Dann brachen wir zu einem Badehaus auf. Ach, es war so wunderbar, in dieses warme, saubere Wasser einzutauchen, Seife zu benutzen, mich von Grund auf abzuschrubben und mich anschließend mit gut riechenden Ölen einreiben zu lassen! Dann ließen wir uns auch noch das Haar schneiden und beiden Männer die Bärte stutzen, bzw. rasieren.

Ich hatte mich lange nicht mehr körperlich so wohl gefühlt. Wir kauften auch noch neue Sachen ein, denn jegliches waschen und flicken würde nichts daran ändern, dass unsere Dschungelkleidung nun mal sehr abgetragen und schäbig war.

Unsere Rüstungen mussten wir noch säubern und pflegen, aber das stand für den Abend an.
Jetzt ging es erst einmal zum Hafen, denn es galt ja ein Schiff zu finden, das uns zum Friedhof der Seeschlangen brachte. Dela und ich begleiteten Messana, die ja einige Bekanntschaften zu den Freibeutern besaß, während der gelehrte Herr und Firudan andere Dinge tun wollten.

Wir gingen zum Teil des Hafens, in dem die Freibeuterschiffe angelegt hatten. Messana besah sich die Schiffe um zu sehen, ob eines dabei war, dass sie kannte. Und tatsächlich, wir hatten Glück! Die „Seeschwalbe“ war zwar nicht da, doch vor einer Thalukke namens „Parder von Maraskan“ blieb sie stehen und rief das Schiff an, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Matrose erschien und sie fragte ihn, ob Kapitän Kodnas Han an Bord war.
War er nicht, aber er befand sich in einer Taverne, die gleich neben an der „Parder“ lag. Wir gingen also in den „Blattkelch“, einer lauten, derben Seefahrer-Kneipe.

Der Mann, auf den Messana nach einigem umschauen zuhielt, war ein wenig größer als ich, hatte grüne Augen und einen beeindruckenden Schnauzbart. Er brauchte einen Moment, als Messana ihn ansprach, sie wieder zu erkennen, dann freute er sich, sie zu sehen und erkundigte sich danach, was sie herführte.
Er war deutlich ein Mann niederer Herkunft, das hörte ich an seiner Aussprache und an seiner derben Wortwahl.
Messana legte ihm umgehend dar, sobald sie an einen anderen Tisch gegangen waren, um etwas ungestörter zu reden, dass wir eine Passage zum Friedhof der Seeschlangen benötigten (bei dem er damals auch gewesen war). Er wollte natürlich wissen, warum und Messana legte ihm die Hintergründe (über einen Schwarzmagier, der dort ein Ritual durchführen will und der mit Dämonen im Bunde ist, dass daraus Gefahr für Mittelreich wie Maraskan entstehen kann und dass Fürst Herdin und sein Berater freiwillig oder beherrscht mit ihm im Bunde sind) grob dar.
Da Kodnas Han merklich angetrunken war, brauchte er ein paar Anläufe, die Quintessenz für sich zu begreifen und zusammenzufassen. Für ihn war von Belang und Interesse, schien es mir, dass ein Schwarzmagier ein Ritual durchführen will, der Herdin und dessen Berater beherrscht, die wiederum gerade Maraskan in einem Bürgerkrieg zu stürzen drohen. Nachdem ihm das bestätigt worden war, sagte er, dass er uns gerne dorthin segeln wolle, aber zu befürchten stand, dass sein Schiff dabei beschädigt werden würde oder gar einige Leute verletzt werden.
Das war der Punkt, in dem Dela in das Gespräch eingriff und das Feilschen um den Preis übernahm. Man sollte meinen, dass ein Mann, der sein Leben der Freiheit Maraskans verschrieben hatte, nicht zögern würde, gerade bei einer solchen Sache beherzt einzugreifen, aber er wollte tatsächlich Geld dafür haben.
Dafür wollte er auch mitkommen und persönlich uns beistehen und die Möglichkeit auf Schaden für Schiff und Mannschaft besteht ja gut möglich tatsächlich, aber dennoch, im Vorfeld um Geld schachern?
Dela aber handelte seine Forderung mit flinken Worten runter, so dass wir schließlich statt bei der ursprünglichen 100 D bei 75 standen (und Dela legte noch zwei Bier drauf).
Am heutigen Tag würden wir nicht mehr in See stechen können, denn seine Mannschaft hatte Landurlaub und er hatte keine Ahnung, in welchen Schenken sie sich herum trieben, aber morgen Vormittag sollten wir uns halbwegs früh einfinden. Messana bat ihn noch einmal eindringlich, nicht weiter von dem Vorhaben und Ziel herum zu erzählen.
Es gab in dem Gespräch auch noch die Stelle, in der Messana ihn, der sie duzte, nachdrücklich bat, sie zu ihrzen, wie sie das auch bei ihm tat. Das wollte er erst gar nicht verstehen, aber als sie darauf beharrte, tat er das, obwohl sich ihm ganz deutlich der Sinn und Zweck immer noch entzog.

Statt danach zu unserer Unterkunft zu gehen, begleiteten wir Dela auf der Suche nach einer passenden Rüstung. Und noch immer war uns Phex hold, denn wir stießen auf eine Iryanrüstung, die Dela sogar passte, auch wenn sie dafür mit 20 Dukaten einen vergleichsweise schon königlichen Preis dafür zahlte.

Wieder zurück in der Unterkunft, beratschlagte sie sich mit dem gelehrten Herrn über Edelsteine, von denen einige verkauft werden mussten, um Kapitän Han zu bezahlen. Dazu brachen sie dann umgehend auf.

Messana und ich blieben zurück und säuberten und fetteten unsere Rüstungen und dann gingen wir vor die Stadt, um dort Waffenübungen zu machen.
Als wir zurückkamen, war Dela schon im „Blattkelch“, um ihre versprochenen Biere bei Han einzulösen. Messana und ich kamen nach, denn obwohl uns beide ein solcher Ort nicht wirklich reizt, gehörte es sich doch, sich vorher zu treffen, schon um der alten Bekanntschaft Willen. Außerdem war ja vielleicht noch etwas Wichtiges zu erfahren.

Im „Blattkelch“ war es schon mächtig laut. Wir fanden unsere Gefährten bei Han und anderen Seeleuten an einem Tisch beim Würfelspiel wieder, wobei Han selber Phex auf seiner Seite zu haben schien, denn der Haufen Heller vor ihm wurde im Laufe der Spiele immer größer. Auch Dela und der gelehrte Herr kamen gut weg.
Han war immer noch oder schon wieder angetrunken und ich fragte mich, ob er über den Tag überhaupt die Taverne verlassen hatte.
Er begrüßte Messana lautstark (und ihrzte sie auch immer noch) und erkundigte sich bei ihr, was so nach ihrer Begegnung eigentlich noch geschehen war. Hier reagierte Dela wieder schnell und übernahm den Bericht. Sie war zwar erst in Fasar zur Phileassons Mannschaft gestoßen, aber die vorherigen Erlebnisse waren ihr aus Erzählungen ausreichend bekannt, so dass sie eine Geschichte erzählte, die zwar der Wahrheit entsprach, aber eben spannend genug erzählt war, um Han und die anderen am Tisch zu fesseln.

Zu lang wurde der feucht-fröhliche Abend von unsere Seite jedoch nicht hinaus gezogen, da wir die Gelegenheit, in Betten zu schlafen, wahrnehmen wollten und morgen für die Fahrt gut ausgeruht sein wollten. Messana und ich hatten uns ohnehin an Saft gehalten.
Auf dem Rückweg erkundigte sich Messana noch nach dem Erfolg des Edelstein-Verkaufes: Sie hatten vier der kleineren Steine verkauft, für 73 Dukaten, und konnten sich damit noch glücklich schätzen, denn es gab wenig Absatzmöglichkeiten, wie der Juwelier überzeugend dargelegt hatte, denn von einem nennenswerten Adel konnte in Boran ja nicht die Rede sein.
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#63
2. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan“

Messana und ich standen als erste auf und hatten schon unser Morgengebet und erste Übungen im Namen der Herrin hinter uns, als sich die anderen wecken ließen.
Was mir früher nichts Besonderes war, schlafen in einem Bett, eine Waschschüssel für das morgendliche Waschen und ein gedeckter Frühstückstisch, erschien mir nun nach unserem Dschungel-Marsch als eine außerordentliche Bequemlichkeit.

Als wir um die 9. Stunde herum an Bord der Thalukke eintrafen, herrschte bereits rege Betrieblichkeit. Fässer und Kisten wurden an Bord getragen, Matrosen liefen herum und ein gleichermaßen gut gelaunter wie nüchterner Kodnas Han begrüßte uns aufgeräumt.
Unsere Plätze würden wir mit den anderen Matrosen in deren Unterkunft im Zwischendeck bekommen, daher hingen wir unsere Hängematten dort gleich auf und verstauten unsere Sachen dort.
Han erkundigte sich noch, in wieweit wir willens uns fähig seien, an Bord auszuhelfen. Firudan und Messana hatten schon gute Erfahrungen auf Segelschiffen, Dela und ich boten uns für Kleinigkeiten an, die keine besondere Sachkenntnis erforderten, beides war willkommen.

Bald stachen wir in See, verließen den gut bewaffneten Hafen und der Bug wandte sich nach Süden. Das Wasser gischte nur so auf, denn ein guter Wind trug die schnelle Thalukke geschwind voran. Wir hielten uns nah an die Küste, um uns der auf See stehenden Blockade nicht zu sehr anzunähern und sie auf uns nicht aufmerksam zu machen.

In einem ruhigen Moment erkundigte sich Messana bei Kodnas Han, was er so in den letzten 11 Götterläufen getan hatte. Grinsend erzählte er von ein paar geenterten oder gar versenkten mittelreichischen Schiffen. Er hätte gern mehr erfolgreiche Aktionen gesehen, sagte er noch, gerade auch an Land. Seit der Blockade schmuggelte er viel.
Ich dachte mir, dass unsere Steckbriefe, auf denen wir wegen Hochverrat gesucht worden, in mancherlei Blickwinkel vielleicht nicht ganz unberechtigt waren, aber dann, was konnte ich Kodnas Han vorwerfen, als dass er für die Freiheit seines Landes kämpfte? Jeder Albernier würde ebenso handeln und unsere Zugehörigkeit zum Mittelreich war auch nicht jedermanns Geschmack.

Messana fragte ihn auch, was er am Friedhof der Seeschlangen genau zu tun gedenke. Er erwiderte, dass er persönlich mitkommen würde, es aber seinen Matrosen freistellen will, ob sie mitkommen oder an Bord bleiben wollten. Sie fragen würde er aber erst bei Ankunft vor Ort.

Sie bot an, seinen Leuten Waffenunterricht zu geben, um sie für die Aktion etwas zu stärken, was er sehr gerne annahm.
Der gelehrte Herr nahm die Gelegenheit wahr, sich an sie zu wenden, um zu erfragen, ob sie während der Überfahrt die Übungen mit dem Stockkampf wieder aufnehmen könnten, was sie natürlich tat.
Und mit mir übte sie auch weiter, vor allem das Manöver, mit gezogener Waffe auf einen Gegner zuzulaufen und aus diesem Ansturm heraus einen sicheren Angriff zu schlagen. In einigen Ansätzen hatten wir das bei früheren Gelegenheiten schon angeübt, aber auf der Dschungelreise hatte sich für solche Übungen natürlich wenig Zeit und Platz gefunden.
Dela übte mit Firudan die ersten Bewegungen und Grundlagen ein, um den Umgang mit seiner linken Hand besser zu kontrollieren.



3. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan“

Wie am Vortag nahm sich Messana nach und nach kleinere Gruppen der Mannschaft vor, um mit ihnen den Nahkampf etwas zu üben, dazu übte sie mit dem gelehrten Herrn und mir weiter. Später setzte sie sich an den Bug und betete für einige Stunden.
Wenn es nötig war, packten wir bei der Bedienung des Schiffes mit an.

Wir machten auch heute schnelle Fahrt, dennoch war ich überrascht, als Kapitän Han am frühen Abend mitteilte, dass wir die Bucht, die den Friedhof der Seeschlangen beherbergte, bald erreichen würden.
Er würde dann Anker werfen und beidrehen und erst Morgen weiter hinein segeln, denn des nachts möchte er nicht über eine Seeschlange stolpern.
Außerdem hielt er nach dem beidrehen seine Rede an seine Leute, damit sie, wie er augenzwinkernd zu uns meinte, über Nacht nachdenken können, was sie tun wollen. Sie war schmissig und mit einfachen wie derben Worten gespickt, und er erklärte, dass er persönlich uns zu jenem gefährlichen Ort, den er nur kurz und ungenau umriss, begleiten werde und er es ihnen freistellen wird, mitzukommen, oder zu bleiben.
Die Männer und Frauen tuschelten anschließend viel miteinander und ich sah immer wieder Gruppen zusammen stehen.

Der gelehrte Herr trat zu uns vier und erklärte leise, er hätte die Sicht seines Rubinauges benutzt, um sich den Küstenstreifen anzuschauen. Die ganze Küste sei hoch magisch, so stark, dass er hatte wegschauen müssen, weil es ihn geblendet hatte!
Da die Bucht ziemlich lang gestreckt ist und es über Land wohl bald an die 100 Meilen zur Höhle sind (der direkte Weg über das Wasser wohl eher an die 30 Meilen), hieß das also, dass eine riesige Fläche Landes unter magischer Auswirkung stand!
Wir beschlossen, dass einer von uns die Nacht über je mitwachte, Dela, Messana und ich meldeten uns zuerst für die drei zu vergebenen Wachen.



4. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan“

Die Nacht verlief jedoch ruhig, Keine besonderen Bewegungen, Farbenspiele oder auffällige Phänomene waren zu bemerken. Der Lärm des nächtlichen Dschungels war auf dem Schiff nur angenehm leise zu bemerken.

Mit dem ersten Licht segelte die „Parder“ weiter an der Küste entlang, tiefer in die Bucht hinein.
Plötzlich, wir waren noch nicht lange unterwegs, meldete der Ausguck ein Schiff voraus, das beigedreht mit eingeholten Segeln dalag. Messana kletterte gleich hinauf, um mit dem Fernrohr des Ausgucks (dem einzigen Fernrohr an Bord) sich das anzuschauen.
Sie kam wieder mit der Nachricht, dass es sich um ein sehr großes Schiff handelte, vermutlich ein Kriegsschiff, das aus schwarzem Holz gemacht war und dessen aufgetuchte Segel ebenfalls schwarz waren. Sie hatte an Bord keine Regung gesehen, auch keine Flagge. Das Schiff lag etwa 10-15 Meilen vor uns und etwa 5 Meilen vor dem Land. Vor allem aber hatte sie auf Höhe des Schiffes auf einer steilen Klippe eine grüne Stufenpyramide entdeckt, an die sie sich vage von ihrem letzten Besuch zu erinnern meinte.
Die Klippe ragte über das Wasser hinaus, die Pyramide stand aber auf dem Teil, der noch über Land aufragte.

Kapitän Han bedauerte, dass das Schiff so groß war, denn er hätte es gerne angegriffen. Messana sah den Vorteil in der Eroberung des Schiffes, weil dessen Besatzung uns dann nicht unverhofft in den Rücken fallen könnte, aber der schwerer wiegende Nachteil war nun mal, dass das Schiff viel zu groß und zu stark bewaffnet war, ein Gefecht ganz bestimmt alles und jeden im Umkreis auf uns aufmerksam gemacht hätte und unsere Stärke geschwächt hätte. Daher verbat sich ein Angriff von selber.
Statt dessen wollten wir beidrehen, vor Anker gehen und dann an Land setzen. Die Pyramide schien uns nun das Ziel zu sein, nicht die Höhle der Seeschlangen.
Die „Parder“ wendete, um wie das schwarze Schiff ebenfalls mit dem Bug seewärts zu liegen und warf Anker. Nun war der Zeitpunkt gekommen, an dem sich die Mannschaft entscheiden musste, was sie tun wollten. Zu meiner Freude erklärten sich gut 30 der 50 Leute bereit, mitzukommen und sich dem zu stellen, was uns erwarten mochte. Das passte gut, denn so blieb eine ausreichende Grundbesatzung zurück, die die „Parder“ im Bedarfsfalle auch selber segeln konnte.
Es gab zwei Beiboote, in die je etwa 15 Leute passten, mit einigem Zusammenrücken auch ein paar mehr. Obendrein waren es kaum 100 Schritt zum Land hin, so dass wir die eine Überfahrt schnell schafften.
Vorher hatte Messana noch alle angewiesen, die mitkamen, auf jeden Fall Waffen und Rüstungen mitzunehmen, Wasser und etwas Proviant, Verbandszeug und ebenso Fett zum Schutz gegen Insekten, da wir zumindest doch einige Stunden an Land bleiben würden. Wir selber hatten auch unsere Rucksackinhalte durchgesehen und an Bord gelassen, was nicht unabdingbar nötig schien, um leichtes Gepäck zu haben. Jeder von uns fünf trug einen kleinen Wasserschlauch mit Heilwasser zusätzlich am Gürtel.

Die Küste bestand hier aus Mangrovensümpfen, so dass wir mit den Booten an der gewählten Stelle gar ein wenig weiter hinein fahren konnten und die Boote daher von Pyramide wie dem schwarzen Schiff aus nicht zu entdecken sein sollten.

Dann setzten wir die ersten Schritte in die Sümpfe. Sogleich stürzten sich Mücken und Insekten auf uns, aber das Fett und auch Anwendungen von Egelschreck hielten sie uns doch größtenteils vom Leibe.
Wir kamen zwar schneller voran als im tiefsten Dschungel, aber das war insgesamt dennoch nicht so schnell auf dem weichen Boden, um Sumpflöcher herum und zwischen den Mangroven hindurch.
Daher fanden wir uns erst am Nachmittag etwa eine Meile vor der Pyramide auf ihrer Klippe wieder. Messana hieß uns zu halten, erbat sich das Fernrohr und betrachtete Pyramide und Schiff eingehend. Von hier aus war zu erkennen, dass die Klippe selber nur ein paar Schritt hoch war.
Messana teilte uns mit, dass sie auf dem Schiff rege Betriebsamkeit ausmachen konnte und dass sie dort Menschen sah, die ungewöhnlich groß waren, zwei Schritt und deutlich mehr. Sie zählte grob 20 dieser Riesen und 50 eher normal große Menschen. Alle, die sie sehen konnte, trugen Schwarz.
Auf der Klippe bei der Pyramide sah sie zwei schwarz Gekleidete, die dort wohl als Wächter fungierten.
Sie kündigte an, sie wolle näher heran kundschaften und Dela schloss sich ihr an.

Beide blieben gut eine Stunde weg. Als sie wiederkamen, berichteten sie, dass sie bis auf 150 oder 100 Schritt herangegangen waren und einen Bogen auf die dem Meer gegenüberliegende Seite geschlagen hatten. Auf jener Seite hatten sie den Eingang in die Pyramide gesehen, der auf halber Höhe der Pyramide liegt und dass der Hang von der Klippe herab fast 100 Schritt weit sanft fällt. Er sei dicht und hoch bewachsen und es führe nicht einmal ein Trampelpfad nach oben. Die beiden Wächter drehten einzeln ihre Runden um die Pyramide und es stand zu befürchten, dass sie Dela und Messana wenn auch nicht entdeckt hatten, so aber doch einmal auf sie aufmerksam geworden seien, denn sie hätten sehr lange, gut eine halbe Stunde lang, einmal in ihre Richtung geschaut. In der Zeit hatten Dela und Messana sich nicht gerührt und auch darüber hinaus noch etwas gewartet, bevor sie sich weiter zurück bewegt hatten.

Da wir bald zur Tat schreiten würden, hängte sich jeder von uns ein Endurium-Medaillon um und die übrigen fünf wurden an Kapitän Han und seine vier besten Kämpfer gereicht. Dela erbat sich das Diadem aus dem Tempel unter dem Brunnen. Das Krakenarmband verstaute Messana in ihrer Gürteltasche, um im Bedarfsfalle schneller daran gelangen zu können und jeder von uns fünf erhielt seinen kleinen Edelstein, die wir ja im Notfalle schlucken sollten.
Es wurde beratschlagt, wie wir vorgehen könnten. Dela machte den Vorschlag, dass unser ganzer Trupp geeint den Hang hinauf stürmen sollte, um so die Wachen zu binden und zu überwältigen. Es bestand so aber die Gefahr, dass sie ein Signal zum Schiff angeben könnten, oder in die Pyramide flüchten oder der Kampfeslärm die Aufmerksamkeit jener, die vielleicht gerade in der Pyramide waren, erwecken könnten.
Einen anderen Vorschlag machte Messana, nämlich dass unser ganze Trupp in Deckung und leise bis an den Fuße des Hangs rücken sollte, von dort dann nur ausgewählte vier oder fünf sich hinaufpirschten, um zu versuchen, die Wachen still und leise zu überwältigen, also niederzuschlagen und zu fesseln.
Sollte dies nicht gelingen und wir entdeckt werden oder doch Lärm entstehen, dann sollte der Rest des Trupps so schnell es geht zum Eingang hinauf stürmen.
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#64
Fortsetzung des Eintrages "4. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan“ (allerdings Sitzung vom 20.4.2012)"



Sie erkundigte sich beim gelehrten Herrn danach, ob er den Stillezauber Silentium beherrschen würde, doch das war nicht der Fall.
Daraufhin schlug sie noch ein par Details vor. Diejenigen, die hinauf gingen (sie selber, Dela, und der gelehrte Herr (als quasi Rückendeckung), mich wählte sie leider nicht aus, Firudan blieb von selbst zurück, weil er, wie er sagte, gar nicht in der Lage wäre, sich da irgendwie heranzupirschen, Kapitän Han schloss sich an und einen Matrosen bestimmte er auch noch), sollten in einer Reihe hintereinander gehen und sich ein Hemd hinterher ziehen, um ein wenig des hohen Grases wieder aufzurichten, das sonst den ganzen Hang hinauf eine eindeutige Spur hinterlassen würde. Zwei der Seeleute sollten von Kapitän Han ausgewählt werden, die dann zeitnah den Platz der überwundenen Wachen einnehmen sollte. Wenn Anstalten gemacht werden sollte, von dort an Land überzusetzen, sollten sie uns im Pyramideninnern Bescheid geben. Außerdem sollten wir uns mit trockenen Ästen versehen, die wir als improvisierte Fackeln benutzen könnten, falls im Innern keine Fackeln zu finden sein sollten.
Zuletzt sagte sie zu Han, dass es wichtig sein würde, dass seine Leute auf uns hörten, denn es mochte der Zeitpunkt kommen, an dem keine Zeit war, einen Befehl erst über ihn laufen zu lassen. Han wandte sich in seiner, nun, robusten und einfachen Art an seine Leute und sprach ein paar Sätze zu ihnen, dass sie auf unsere Anweisungen hören sollten.
Messana stellte sich neben ihn und als er geendet hatte, adressierte sie die Matrosen und Matrosinnen ebenfalls direkt, dass sie auf sie und uns anderen hören sollte und nicht zurückschrecken sollten bei etwaigen Gefahren und Schrecknissen, die uns erwarten mochten.
Sie sprach von Einigkeit und einander beistehen, dass und daraus zu ziehendem Mut und Standhaftigkeit und dass es galt gegen jene zu kämpfen, die Maraskan in einen Bürgerkrieg stürzen wollten. Sie beendete die wenigen Sätze damit, dass es an uns allen liegen würde, wie es ausgehen würde, und dass sie füreinander, für Maraskan und ihre Familien kämpfen sollten. Das letzte, was sie sagte, war ein „Preiset die Schönheit, Bruderschwester“ und ich war ganz erstaunt, dass sie nicht einmal den Namen der Herrin genannt hatte.

Dann brachen wir, bereits jetzt schon in einer langen Reihe hintereinander marschierend, ins Landesinnere auf. Wir gaben uns Mühe, möglichst mit der Deckung durch die Mangrovenbäume zu verschmelzen. Ich tat mich damit sehr schwer, hatte ich in meinem ganzen Leben doch noch nie irgendwo Sichtdeckung gesucht.
Als wir etwa die Höhe der Stelle erreicht hatten, an der der Hang zur Pyramide in Mangrovensumpf überging, schwenkten wir unter Messanas Führung nach Nordwesten, Richtung Pyramide, um. Dann gab sie das Zeichen zu halten, obwohl wir noch ein gutes Stück entfernt waren.
Sie wandte sich zu uns um und sagte, sie wolle ein paar Worte sagen. Sie wandte sich primär an Firudan, Dela, den gelehrten Herrn und mich.
Vorweg sprach sie ein Gebet an die Herrin. Sodann bezog sie sich auf Dragenfeld und den Zeitensturm und den Nachtschattenturm, wo seine Wiederkehr und leibliche Wiederkehr nicht verhindert werden konnten, auf Arras de Mott, wo seinen Plänen tatsächlich hatte Einhalt geboten werden können. Wenn Teclador Recht hatte, sagte sie, werden wir ihn auch an diesem Tag nicht besiegen, aber wir würden erneut seine Pläne vereiteln können, und das wäre ein wichtiger Teilsieg. Auch uns forderte sie auf, im Namen der Herrin nicht zu weichen, vor Dämonen und Gefahren nicht zurückzuschrecken. Die Donnernde wäre mit uns, sprach sie nachdrücklich, die nie besiegt wurde. Niemand könne Rondra widerstehen und auch sie würde unsere Klingen heute führen.
Sie schwor, Rondra zu Ehren zu kämpfen, zu leben und zu sterben, bis in alle Ewigkeit und dass ihr Wille ihre Waffe sein soll und ihr Glaube ihre Rüstung.

Sodann erklärte sie, sie wolle einen Segen auf uns und jene sprechen, die dies wollten. Dela und ich knieten vor ihr nieder.
Unter den Matrosen gab es Getuschel und Geraune, dann trat Han vor und ihm folgten einige seiner Leute, was wiederum noch einige nach sich zog. Schlussendlich traten gut die Hälfte der etwa 30 Leute vor.
10 Leuten legte Messana nacheinander die Hand auf die Stirn, während sie ihre Augen schloss und die Nähe zur Rondras Kraft in ihr suchte, dann machte sie eine umfassende Bewegung mit den Armen, die alle mit einschloss und sprach ein Gebet, das eine Bitte und ein Schwur war, an Rondra.
Ich fühlte das mir bereits bekannte und geliebte Gefühl der wirkenden Kraft der Göttin, fühlte mich gestärkt und ungeheuer ermutigt. Ich zweifelte nicht, dass wir Erfolg haben würden und uns keine Gefahr mehr schrecken konnte.
Messana wiederholte das bei den restlichen. Sie endete mit einem Gebet an die Herrin, das ich mitsprach, und auch die anderen fielen in das „So sei es!“ am Ende mit ein.

Dann setzten wir unseren Weg weiter fort, nun in schrägem Winkel auf den Fuß des Hangs zu. Messana, in der Nähe ihrer Göttin, achtete nun etwas weniger darauf, sich leise und unauffällig zu bewegen und ging zuweilen gerade aufgerichtet.
Dela schob sich hinter sie und legte ihr zuweilen die Hand auf die Schulter, erinnerte und mahnte sie daran, dass es wichtig war, dass wir alle uns unauffällig verhielten.
Als es daran ging, dass sich die Fünf nach oben pirschen wollten, sprach Dela Messana an, dass sie nun besser unten bleiben sollte. Als Anführerin würden wir sie später noch brauchen, aber im Moment sei sie wohl nicht gut geeignet. Gerade jetzt, da sie in Rondras Gunst stand, sollte sie nicht etwas tun, was gegen diese Prinzipien verstoßen würde. Auch Firudan sprach sich dafür aus und dass wir eine Gemeinschaft seien und jederseine Aufgaben und Stärken hätte. Er selber ginge ja auch nicht mit, weil er sich kaum unauffällig hinauf bewegen könne.
Messana stimmte schließlich zu, da sie ohnehin nicht viel davon gehalten hatte, sich hinauf zu schleichen und erst im letzten Moment vor einem der Wächter aufzufahren, es aber für ihre Pflicht gehalten hatte, ein solches Vorgehen nicht jemand anderen zu überlassen, zumal Dela und Firudan sehr gute Begründungen im rechten Tonfall vorbrachten.

So begaben sich denn geduckt und eng hintereinander laufend, ein geborgtes Hemd zum Gras aufrichten nutzend, Dela, Han, zwei Matrosen und der gelehrte Herr nach oben.
Sie hatten den schnellen Aufstieg gut abgepasst, als die beiden Wächter so halbwegs neben oder hinter der Pyramide waren. Und doch … einer der beiden entdeckte sie, als sie schon fast oben waren. Er stieß einen Warnruf aus und hob eine Armbrust, der andere Wächter fuhr herum und zog einen Zweihänder. Dela zog den Hakendolch zum Säbel und spurtete los, um die letzten zwei oder drei Dutzend Schritt zurückzulegen. Auch Han und die Matrosen liefen los, um sich auf den Wächter mit der Armbrust zu stürzen, während der gelehrte Herr etwas zurück blieb, weil er einen Nahkampf vermeiden sollte.

Als sie entdeckt wurden, gaben Firudan und Messana zugleich das Kommando an uns anderen, loszustürmen. Die improvisierte Fackel hatte ich gleich in den Gürtel geschoben, beide Hände fest um den Anderthalbhänder geschlossen, rannte ich hinter Firudan und Messana, die am schnellsten von uns war, her.

Dela war im vollen Lauf auf den Mann mit dem Zweihänder geprallt, der eine Plattenrüstung trug. Ich sah noch, wie der mit der Armbrust, der zwei noch ungezogene Schwerter trug, auf den einen heran eilenden Matrosen schoss, der zu Boden fiel und dann seine Schwerter zog, nachdem er die Armbrust hatte fallen lassen, um Han und dem anderen Matrosen zu begegnen.

Der Spurt den Hang hinauf ... war lang. 100 Schritt im vollen Lauf, aber es kam mir vor wie eine Ewigkeit.
Firudan rief, er nähme den mit dem Zweihänder, so lief Messana zu dem anderen. Ich rannte hinter ihr her, aber hielt auf den Eingang zur Pyramide zu und sprang die Stufen hinauf. Falls von dort Verstärkung nahte, dachte ich mir, sollten wir das frühzeitig erfahren.
Ich wandte mich um, um den Kampf und den Eingang in die Finsternis (es brannte kein Licht dahinter) sehen zu können.

Dela und Firudan kämpften gegen den Gerüsteten mit dem Zweihänder, der groß und breitschultrig war (wenn auch bei weitem nicht so riesig wie einige auf dem Schiff).
Der Andere mit den zwei Schwerstern traf erst den Matrosen und dann Han mit je einem Schlag, der beide zu Boden sinken ließ. Aber da war Messana bereits heran, die früh mit einem langgezogenem „Rondra“ auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Ich wunderte mich, denn ein Treffer hätte die Seeleute eigentlich nicht so kampfunfähig machen dürfen, doch sie lagen am Boden und wanden sich vor Schmerzen.

Der gelehrte Herr eilte auf Han und dessen Matrosen zu. Ich bemerkte, dass die Wächter ihre bloßliegenden Oberarme mit Hautbildern übersäht hatten, die selbst auf die Entfernung, auf der ich nichts genaueres erkennen konnte, unheimlich erschienen. Aus der Pyramide vermochte ich nichts zu hören.

Firudan erhielt einen heftigen Treffer, doch er blieb stehen und kämpfte weiter. Meine Augen wurden groß: Messana – die bei jedem eigenen Angriff und jeder Parade ein Teil eines Gebets an die Herrin rezitierte - hatte ihren Gegner bereits zweimal gut getroffen, doch seine Verletzungen schlossen sich! Messana stolperte zweimal und wurde dadurch ihrerseits beide Male getroffen, beim zweiten Mal sah ich sie heftig taumeln, doch sie blieb, wenn auch mit etwas Anstrengung, wie es schien, kampfbereit auf den Beinen. Dann rief sie meinen Namen und klang dabei gepresst, als wenn sie großen Schmerz unterdrücken würde.
Sofort rannte ich die Treppe herab, gute 15 Schritt weit, um mich in den Kampf zu werfen. Die restlichen Matrosen standen bereit, einzugreifen oder hielten bereits auf den Eingang zu. Messana stand und kämpfte noch, doch waren ihre Bewegungen deutlich eingeschränkter und unsicher als sonst. Seltsam, dabei sah der Treffer gar nicht so heftig aus.

Messana und ich kämpften nun zusammen gegen den Wächter mit den zwei Schwertern, dessen bisherige tiefe Verletzungen sich bereits zum Teil wieder geschlossen hatten. Nach meinem ersten Treffer wandte er sich mir zu. Auch er traf mich zweimal, doch meist konzentrierte er seine Angriffe auf Messana, die er als die gefährlichere Gegnerin erkannte.
Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Firudan mit einem gewaltigen Hieb mit Rubinklaue den Schädel des Zweihänderkämpfers spaltete und als dieser zu Boden sank, noch einmal zuschlug. Dela rannte bereits zu uns hin, um den Mann ebenfalls aus dem vollen Lauf heraus zu rammen.
Ich machte es, wie ich es gerade bei Firudan gesehen hatte: Ich schlug auf den Kopf des Wächters, alles in meine Schläge legend. Es war auf der einen Seite nicht sehr rondrianisch, zu warten, bis er Messanas Angriffe pariert hatte und dann zuzuschlagen, aber dann war deutlich, dass dies kein normaler Mensch war.
Unter unser aller Hieben und Angriff brach auch er zusammen und um sicher zu gehen, schlug Messana ihm am Boden den Kopf ab.

Beim Schiff und aus der Pyramide heraus waren keine Anzeichen zu entdecken, dass man auf uns aufmerksam geworden war. Ich warf einen genaueren Blick auf die Hautbilder: welch Abscheulichkeiten! Ich erkannte einige Dämonensymbole, aber das reichte mir völlig.
Der Matrose, der von dem Armbrustbolzen getroffen worden war, war leider tot. Han und der andere lebten noch, wobei es letzteren schlimmer erwischt hatte. Der gelehrte Herr kam zu Messana und wollte nach ihren Verletzungen sehen. Da hatte sie nichts gegen, war aber doch erstaunt, als er sie gar nicht versorgen wollte, sondern mit seinem Auge betrachten. Er sagte, er habe eine chaotische Aura in der Verletzung des Matrosen entdeckt und als er nun bei Messana nachsah, entdeckte er sie auch bei ihr.
Unheiliges Dämonenpack!
Firudan dagegen, den es heftig erwischt hatte, war gar nicht anzumerken, dass er Schmerzen hatte und er erklärte auf eine Frage hin auch, dass es ihm gut gehen würde. Das sorgte für einige Verwunderung und Skepsis, aber das hatte er ja auch gehabt, als er vom Diskus von Boran vergiftet worden war, war also womöglich eine Auswirkung seiner „Verschmelzung“.
Wir benutzten das Heilwasser, um uns weitestgehend wieder herzustellen. Auch Han und der verletzte Matrose bekamen davon.
Zweihänder und Schwerter legten wir zusammen an die Kante des Hanges nach unten. Zwei Matrosen, die in etwa den Staturen entsprechen, legten die Rüstungsteile an (bis auf eine Beinschiene des Zweihandkämpfers, die Firudan in seinen Rucksack steckte) und drehten als Wächter ihre Runden um die Pyramiden, ein weiterer blieb auf der Rückseite zurück.

So im Nachhinein denke ich, dass ein Drängen des gelehrten Herrn, oder Hassgefühle auf die Wächter, oder etwas in der Art, durchaus zu erwarten gewesen wären. Er hatte bislang immer mal wieder Fallen und Komplotte Borbarads vermutet und hatte im Falle Süleymans ihn als Borbarads Freund vernichten wollen. Nun waren wir dabei, an einem Ort einzudringen, von dem wir vermuteten, dass hier Borbarad selber gewesen war oder doch zumindest seine Verbündeten sein Wirken fortführten, aber, so gesehen zum Glück, war nichts von einem nachteiligen Einfluss des Auges zu bemerken.
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#65
Fortsetzung des Eintrages "4. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan""



Wir traten ein und im Licht der entzündeten improvisierten Fackeln (von den 30 Ästen hatten wir 10 entzündet) sahen wir eine nach unten führende Steintreppe. Die Stufen und Wände, soweit sie uns vom Licht enthüllt wurden, waren aus dem Stein heraus geschlagen worden. Unten führte ein ebenerdiger Gang geradeaus. Nach etwa 10 Schritten kamen wir an eine Kreuzung und hatten die Wahl, links, rechts oder geradeaus zu gehen. Links und rechts befanden sich Türen, die mehr improvisiert aus Latten zusammengenagelt worden waren. Wir hörten keinerlei Geräusche hinter ihnen.
Wir nahmen zuerst die linke Tür. Wir sprachen uns mit wenigen Worten leise ab, dann öffnete Firudan die Tür, während Dela und Messana mit gezogenen Waffen bereitstanden. Dahinter empfing uns eine aus dem Stein geschlagene Räumlichkeit, in der sich rund 15 Strohsäcken und Schlafstätten befanden, ein Haufen aus aufeinander geworfenen Uniformteilen, eine Feuer- und Kochstelle und Kisten mit Vorräten. Es gab eine weiter führende Tür. Messana trat an den Haufen der Uniformteile und hob Wappenröcke des 4. Banners der Drachengarde auf.
Als wir uns der Tür näherten, war dahinter Keuchen und Husten zu vernehmen, es klang ganz schön ungesund.
Wir nahmen wieder die gleiche Aufstellung wie zuvor ein. Ein Geruch wie nach faulen Eiern und saurem Fleisch schlug uns entgegen, als Firudan die Tür öffnete. Auf einem Strohsack lag eine nackte Gestalt – und wie nackt sie war! Was ich im ersten Moment für vielleicht abgeschälte Apfelschalen oder derartiges gehalten hatte, die daneben lagen, erkannte ich dann zu meinem tiefsten Erschrecken als menschliche Haut. Die Gestalt war mit roten und violetten Stellen bedeckt, wo die Haut fehlte. Wer immer das war (Mann? Frau?) hustete und keuchte ganz erbärmlich und reagierte auch gar nicht auf unser Erscheinen. Der gelehrte Herr, der seine Augenklappe noch immer hochgeklappt hatte, betrachtete die arme Gestalt und er stellte auch dort eine chaotische Aura fest. Ob es sich um einen Paktierer handelte, oder um jemanden, der mit dämonischer Magie belegt worden war, konnte er nicht feststellen, aber er war ganz und gar von chaotischer Magie durchdrungen und durchsetzt. Wir alle waren uns einig, dass niemand näher heran gehen sollte und wir so schnell wie möglich gehen sollten.
Messana nahm ihren Bogen zur Hand und spannte ihn. Sie legte auf die reglose, keuchende Gestalt an und ließ den Pfeil nach geruhsamen Zielen fliegen. Die Person zuckte einmal und lag still. Kein Keuchen war mehr zu vernehmen.
Ob eine arme, missbrauchte Seele oder ein Paktierer – von den Qualen erlösen, erschien nur gnädig zu sein, eine Rettung war bei dem körperlichen Zustand wohl nicht möglich und auf einem Schiff konnten wir sie schon gar nicht mitnehmen.

Wir gingen nun zur Tür auf der anderen Gangseite. Dahinter fanden wir eine Schmiede, mit Esse, Amboss, Werkzeugen, Kohlevorräten und Werkbank. Auf dieser lagen drei Barren schwarzen Metalls, Enduriums, wie wir wussten, und eine lederne Mappe mit Papieren darin. Die Felswände waren rußgeschwärzt. Es gab auch einen Rüstungsständer mit einem schwarzen Kürass. Über die vordere Platte lief ein geborstener Riss, ein näherer Blick ließ jedoch annehmen, dass sie schlecht geschmiedet war und deshalb geborsten, und nicht etwa durch äußere Gewaltreinwirkung.
Messana schickte einen Matrosen mit der Platte nach oben, wir steckten die Barren ein. Dann schauten wir in die Mappe hinein. Ich sah nur irgendwelche merkwürdigen Zeichen, aber der gelehrte Herr konnte diese Zhayad-Zeichen lesen und wir erfuhren über ihn, dass in dieser Schmiede drei Schwerter aus Endurium geschmiedet worden waren, die dann je einem Erzdämon geweiht worden und dämonisch beseelt waren. Die Mappe nahmen wir natürlich auch noch mit.
Aus diesem Raum führte ebenfalls noch eine weitere Tür. Hinter der fanden wir den Schlafraum des Schmiedes. Ein großes und vergleichsweise bequem aussehendes Bett, eine geräumige Truhe mit einem Vorhängeschloss, ein gepolsterter Stuhl, ein leerer Tisch mit einem Kerzenständer und eine kleine Truhe waren zu finden.
Wir holten Werkzeug aus der Schmiede und so wurde die große Truhe ohne viel Federlesens aufgebrochen. Viel war nicht drin, nur vier schwarze Beutel.
In einem fanden wir schwarzes Eis, das rauchte (ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das zu erklären sein kann), schwarze Kristalle und große Tierzähne, die als Bärenzähne erkannt wurden. Der gelehrte Herr stellte fest, dass dies Beschwörungshilfen, Paraphernalien, für die Beschwörung von Dämonen von Firuns erzdämonischen Widerpart waren.
In einem zweiten Beutel befanden sich schwarze Perlen, abgeschnittene Flossen und in einer Phiole Seesterne in einer dunklen Flüssigkeit – Paraphernalien zur Beschwörung aus der Gegendomäne Efferds.
Im nächsten Beutel fanden wir rußgeschwärzte Holzsplitter, bröseliges und verschleimtes Gestein, ein kleines Säckchen mit roter Asche und einen kleinen Tontopf mit grün-braunem Granulat. Die Beschwörungsmittel für den Gegenpart des Ingerimm.
Was für ein unheiliger Ort! Damit war auch klar, welchen drei Erzdämonen die Schwerter zugedacht waren.
Es gab noch einen vierten Beutel in der großen Truhe, in dem sich acht noch volle gläserne Fläschchen befanden.
Wir schickten einen Matrosen mit den Säckchen hinauf, um sie zu den Waffen und dem Kürass zu legen, den all dies wollten wir später mitnehmen, um es als Beweise zur Hand zu haben, aber auch, um sie dann an sicheren Orten zu bewahren oder zu zerstören.

Die kleine Truhe war ebenfalls abgeschlossen, ihr Schloss war gleich in die Kiste eingearbeitet. Mit Hilfe des Werkzeugs wurde das Kistchen aufgebrochen. Als Dela den Deckel hob, schoss ihr eine kleine Stichflamme entgegen, die schnell größer wurde und binnen Herzschlägen auf das Holz der Kiste übergriff. Sie ergriff das Ding und warf es in der Schmiede in das Fass mit Wasser zum abkühlen. Sie konnte lediglich sagen, dass sie noch so gerade hatte erkennen können, dass Papiere in der kleinen Truhe aufbewahrt worden waren.

Da wir in der Schmiede und im Schlafraum Fackeln gefunden hatten, nahmen wir die, entzündeten die und gingen den ursprünglichen Gang weiter geradeaus.
Ich staunte nicht wenig, als nach einigen weiteren Schritten das Fackellicht uns einen von Algen verhängten Durchgang enthüllte, vor dem vier Achaz Wache standen! Sie hatten unser Licht und auch unser Stimmen sicherlich schon seit betreten der Pyramide bemerken müssen, und doch standen sie ganz ruhig da und sahen uns an. Sie trugen Waffen und Rüstungen, machten aber keine Anstalten, uns entgegenzutreten. Dela sprach sie auf Garethi an, erhielt aber keine Reaktion. Ich erfasste das Medaillon, das ich trug und hielt es ihnen entgegen. Einer legte den Kopf schief, aber abseits davon regte sich keiner.
Also gingen wir auf sie zu und, als sie nichts taten, zwischen ihnen durch. Waren wir etwa einfach beliebige Menschen für sie und wussten sie gar nicht, dass wir Eindringlinge waren? Was für seltsame Wachen!
Wie betraten einen weiteren aus dem Fels geschlagenen Raum, es roch nach Salzwasser und an den Wänden hingen Algen, es sah so aus, als wären sie als Verzierung dort aufgehängt. Dominiert wurde der Raum von einem gewaltigen Block Gwen Petryl-Stein, gut zwei Schritt lang und etwa zweieinhalb Spann in Breite und Höhe. Für einen Altar war er viel zu niedrig und ich habe keine Idee, was sein Sinn und Zweck war.

Messana ging um den Stein herum und Firudan, der gelehrte Herr und Dela folgten, ich jedoch wurde von einem plötzlichen Widerwillen und Unbehagen ergriffen und blieb stehen. Ebenso die Matrosen, bis auf ihren Kapitän und drei seiner Leute.
Han und Messana sprachen den Leuten zu, dann kam Messana zu uns, nahm mich und den nächststehenden Matrosen an der Hand und führte uns herum. Das war dann plötzlich einfach und ich schämte mich, dass ich mich überhaupt gefürchtet hatte.
Ein paar der Seeleute nahmen sich dies als Beispiel, andere nahm Messana wieder an die Hand, so dass wir alle schließlich um den Gwen Petryl-Stein herum gegangen waren. Ich sah, dass sich hinter ihm ein Loch im Boden befand, aus dem gleichmäßiger Trommelschlag zu hören war, und noch ein Geräusch, vielleicht eine Art Stöhnen, ich konnte es nicht einordnen. Eine Treppe aus Stein führte auch hier hinab. Wir folgten, leise einer nach dem anderen. Sie hinab zu gehen bereitete weder mir noch sonst jemandem Probleme.
Unten folgten wir einem Gang, ich machte etwas über 20 Schritte, als wir an einen großen Steinblock kamen, der den weiteren Gang anstelle einer Tür versperrte. Ein Ring befand sich auf unserer Seite.
Firudan packte ihn, wir anderen machten Platz, er stemmte die Beine gegen den Boden und zog. Der Block rührte sich nicht. Was für ein Koloss! Dela steckte ihre Waffen zurück und ergriff ebenfalls den Ring. Gemeinsam konnten sie den Block wegziehen.

Der Trommelschlag wurde lauter und wir blickten in eine Höhle von großen Ausmaßen. Bläulich beleuchtet wurde sie durch Gwen Petryl-Steinen an den Wänden, so dass die ganze Höhle zu erkennen war.

Wir standen auf einem etwa zwei Schritt breitem Sims. Der Boden der Höhle war fast 10 Schritt unter uns und etwa knietief mit Wasser bedeckt. Das war daran eindeutig auszumachen, weil mehrere Personen im Wasser standen. Auch diese Höhle war von Menschen (oder vielmehr wohl Echsenmenschen) geschaffen, oder mindestens deutlich nachbearbeitet worden. Sie war mindestens 50 Schritt lang und an die 15 hoch, denn die Decke spannte sich gut noch mal die Strecke, die der Boden unter uns lag, über uns. Eine Treppe führte je rechts und links von uns hinab. Ich sah Bilder und Überreste von Bildern auf den Wänden, mir unbekannte Symbole oder Schriftzeichen und Bilder, die Echsenmenschen zeigten. Viele davon waren nicht mehr zu erkennen, weil irgend etwas mit brachialer Gewalt gegen die Wände geschlagen hatte.
In der linken Wand war eine Art Portal, fast 10 Schritt hoch, in dem es unbestimmt grau wirbelte. Auf der rechten Seite befand sich ein anderes Portal von gleicher Größe, in dem ein schwarzer Wald zu sehen war, in dem es rot gloste. In der hinteren Wand, uns also gegenüber, war ein drittes, das grün-bläulich glühte. Dahinter konnte ich noch schemenhaft das Meer erkennen.
In der Mitte der Höhle ragten aus dem flachen Wasser sieben gebogene Gegenstände auf, bleiches Gebein, ähnlich wie Rippen, nur um ein Vielfaches größer: Rippenstücke von Seeschlangen. An jeder der Rippen stand eine Gestalt in grauer Kutte. In der Mitte der Rippen lag ein ebenfalls grün-bläulich schimmernder Gegenstand auf dem Boden, aber aufgrund des Leuchtens gut im Wasser zu erkennen. Das war vermutlich das Szepter der Achaz.
In eine dunkelblaue Kutte gekleidet, aber mit zurückgeschlagener Kapuze und daher gut zu erkennen, stand ein schwarzer Achaz Zentrum davon. Vor jedem Portal stand je noch jemand in grauer Kutte.
Vor dem gegenüberliegendem Portal schwammen drei … irgendwas im Wasser, sie sahen aus wie eine Mischung aus drei stark verästelten Bäumen und Spinnen und waren je ein paar wenige Schritt lang. Auf jedem dieser Dinge lag je ein schwarzes Schwert.
Um die Rippenbögen standen noch mal sechs bekuttete Gestalten, jeder vor sich eine Trommel, die sie schlug. Und zuletzt gab es noch ein Dutzend widerwärtig aussehender Wasserleichen, die im Raum verteilt standen, bewaffnet mit Knüppeln und Schwertern und in Leder- und Kettenrüstungen gerüstet.

Da haben wir uns siebenspannelang durch den Dschungel gekämpft, an der Mine lagen die Ereignisse schon Monde zurück – und hier treffen wir gerade richtig ein, als ein Ritual abgehalten wird! Den Göttern sei Dank!

Als wir in die Höhle blickten, löschten wir zuerst unsere Fackeln und gaben die Anweisung nach hinten durch. Leise beratschlagten wir uns, wie vorzugehen war, die Kultisten, die so in ihr Tun vertieft waren, dass sie unser Kommen nicht bemerkt hatten, aufmerksam im Auge behaltend.
Die Seeleute unter Kapitän Han sollten sich die Untoten vornehmen. Sie seien langsam und behäbig, sagte Messana, aber da sie tot sind, schwer zu „töten“. Es sollte auf ihre Beine und Arme gezielt werden, um sie noch langsamer zu machen. Auf den Kopf zielen oder enthaupten wäre sehr effektiv gegen sie. Vier Matrosen sollten beim gelehrten Herrn bleiben, für den Fall, dass sich die vier Achaz-Wachen in den Kampf mischen sollten, sollten sie sie aufhalten.
Ich wurde nach rechts geschickt, um den Kultisten vor dem von uns aus rechten Portal anzugreifen. Dela würde den auf der linken Seite nehmen und dann auf den hinteren zuhalten, ebenso wie ich. Firudan und Messana wollten auf das Zentrum zulaufen, Firudan sich den schwarzen Achaz vornehmen. Als letztes sollte auf die drei schwimmenden Dämonen (keiner von uns hatte so etwas zuvor gesehen) gehalten werden.
Das Krakenarmband sollte nur, wenn es unbedingt nötig werden sollte, ins Wasser geworfen werden.
Bei dem umschauen war mir aufgefallen, dass soweit niemand mit einer silbernen Hand zu sehen war, aber dann trugen alle weite Kutten und da konnte eben auch so etwas drunter versteckt sein.

Der gelehrte Herr hatte Messana zwischenzeitlich gefragt, ob er den Bogen wieder benutzen könnte. Sie reichte ihm Bogen und den Köcher. Er wollte auf den schwarzen Achaz zielen und danach weitere Ziele anvisieren.
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#66
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Die Planung war schnell aufgestellt und wir gingen sogleich an die Umsetzung.
Ich gehörte zu jenen, die die rechte Treppe hinabliefen. Das konnte nun natürlich nicht mehr unbemerkt von statten gehen, in der Menge, in der wir runter liefen und die ersten Kultisten hoben die Köpfe und drehten sich zu uns um.
Der am rechten Portal, mein voraussichtlicher Gegner, gehörte dazu. Er fing an, zurückzuweichen, als ich durch das Wasser zwar eilig, aber nicht zu hastig, auf ihn zuwatete.
Die Trommler sprangen auf, der Rhythmus wurde gestört und das Trommeln erstarb gänzlich kurz darauf. Die Seeleute stürzten sich in kleineren Gruppen auf die Untoten, die ihrerseits langsam auf sie zuhielten.
Der schwarze Achaz blieb ungerührt in der Mitte stehen. Ich sah noch, wie einer aus der Mitte einen Kriegshammer unter seiner Kutte hervor holte und sich Messana in den Weg stellte. Hinten am Portal blitzte etwas in der Beleuchtung silbern auf – der Kultist dort hatte einen silbernen Arm! Dela hielt nun direkt auf ihn zu. Teclador hatte ihr diesen Gegner prophezeit und zugesprochen und so sollte er nun ihr Gegner werden statt jener am linken Portal. Doch eine Gestalt in einer Kutte stellte sich ihr in den Weg.
Der Kultist vor mir wich weiter zurück und als er seine Hände unter seiner Kutter hervorzog, hielten sie nicht etwa eine Waffe, sondern er machte eine werfende Geste und vermutlich ein Pulver fiel vor ihm ins Wasser.

Ich verlor bald jeglichen Überblick über den Kampf und kann auch nur dank einiger späterer Auskünfte einen ungefähren Überblick geben.
Messana kämpfte gegen den Kultisten mit dem Hammer und Herzschläge später kamen erst einer und dann noch ein zweiter mit einem Schwert dazu.
Firudan lief auf den schwarzen Achaz zu, doch an dem schoss plötzlich eine Wasserwand schützend auf, aus der Tentakel aus Wasser zuckten, als er sich zu nähern versuchte.
Der erste Pfeil des gelehrten Herrn prallte wirkungslos daran ab und er suchte sich danach andere Ziele.
Dela besiegte einen Kultisten, der sich ihr in den Weg stellte, mit wenigen Schlägen, dann lief sie weiter nach hinten und der Mann mit der Silberklaue zog ein Schwert und stellte sich ihr seinerseits. Ein unglaublicher Kampf entbrannte und Dela sagte hinterher, sie hatte noch nie jemanden mit solch unglaublich schnellen Bewegungen mit dem Arm gesehen. Er konnte Angriffe parieren, bei denen sie sich sicher gewesen war, dass sie niemand hätte parieren können.
Firudan war von einem unsichtbaren Zauber schmerzhaft getroffen worden, was ihn fast von den Füßen gerissen hatte. Er sagte hinterher, dass er sich gefühlt vor die Wahl gestellt sah, die Verschmelzung anzunehmen oder auch nicht, und er nach ganz kurzem Zögern das angenommen hatte. Daraufhin wuchs er von einem Moment auf den nächsten in die Höhe, gewiss einen Spann und seine Haut überzog sich mit grünlichen Schuppen. Er sagte später, dass er sich unglaublich stark gefühlt hatte, auch etwas mutiger, dass seine Haut wie eine Rüstung gewirkt hatte und er nur durch das Zeichen den Kampf überstanden hatte.

An der Stelle, an der mein Gegner, der sich nicht zum Kampf stellen wollte, etwas ins Wasser geworfen hatte, brodelte es auf und Nebel entstand. Ich wollte im Halbkreis herum gehen, um endlich den Kultisten zu stellen. Da sprang eine riesige, entfernt raubkatzenähnliche Gestalt mit gestreiften Fell aus dem Nebel. Ich hatte noch einen solchen Dämonen leibhaftig gesehen, aber erkannte ihn aus den Beschreibungen. Eine widerliche Verhöhnung des heiligen Tieres Rondras!
Ich riss Ar’Kan’Thos hoch, um dem Angriff zu begegnen.

Noch zwei andere Kultisten hatten etwas ins Wasser geworfen und so zwei weitere dieser Dämonen herbei gerufen. Der eine sprang unter die Matrosen, die keine echte Chance gegen diesen Dämon hatten, der andere auf Firudan zu.

Ich löste meinen Armatruz-Ring aus, keinen Herzschlag zu früh. Die Bestie sprang und schlug nach mir, erst mit einer Tatze, dann mit beiden Pranken. Einen dieser Angriffe konnte ich ja zumeist noch abwehren, doch der andere Angriff traf mich dann zu oft. Ich fühlte, wie das Blut trotz der unsichtbaren Rüstung aus diversen Verletzungen an mir herabrann, während ich meinerseits den Zant kaum ernsthaften Schaden zufügen konnte! Ich traf ihn zwar des öfteren, was mich mit einigem Stolz erfüllte, gerade auch, weil ich im Wasser kämpfte, was mich doch etwas behinderte, aber mein guter Ar’Kan’Thos war weder verzaubert noch geweiht und entsprechend drang er nur schwach durch das dämonische Fell.
Immerhin, solange der Dämon auf mich eindrang, konnte auch er nicht unter die armen Seeleute fahren.

Firudan war mit seinem Raubkatzendämon bald fertig geworden, in dem er ihn mit einem abschließenden Hieb halbiert hatte und mit einem gutturalen Brüllen, denn Worte konnte man nicht mehr verstehen, warf er sich auf den anderen und gab so den Matrosen die Gelegenheit, sich zurückzuziehen.

Messana hatte erst dem Hammerschwinger den Waffenarm so schwer verletzt, dass er sich aus dem Kampf zurückzog und dann kurz nacheinander die beiden Schwertkämpfer zu Boden geschickt. Sie sah, dass ich Probleme gegen meinen Dämonen hatte und Firudan sich des anderen angenommen hatte und lief, so schnell es durch das Wasser ging, auf mich zu. Sie rief mir zu, ich solle weggehen und ich nutzte einen passenden Moment, mich aus dem Kampf zurückzuziehen.

Hastig griff ich an den Gürtel, um den Wasserschlauch im Heilwasser zu lösen. Dessen dürfte ich wohl bitter gebrauchen, denn das Kampfgetümmel ließ nicht nach.
Ich riss die Augen auf, als Messana direkt mit dem ersten Hieb, einem wahrlich beeindruckenden Schlag, den Dämon mit ihrer geweihten Klinge zerteilte.

Während ich am Gürtel nestelte, sah ich, dass in der Mitte der Höhle einer der Kultisten sich als Zwerg entpuppt hatte, eine andere bekuttete Gestalt krabbelte auf allen vieren an der Decke entlang und einer der schwimmenden Dämonen schwamm langsam weiter in das Höhleninnere, während die beiden anderen in der Nähe des Portals nach draußen blieben. Der Achaz hatte die Arme hochgerissen und ausgebreitet und intonierte immer wieder dasselbe Wort und Firudan, der den zweiten Raubkatzendämon vernichtet hatte, hob das leuchtende Szepter aus dem Wasser und schob es in seine nun bestimmt fürchterlich eng sitzende Rüstung.
Dela zerbrach mit ihrem Hakendolch das Schwert ihres Gegners, doch auch ohne Schwert war der noch immer ein nicht zu unterschätzender Gegner, wie er bewies als er ihr mit der Silberklaue gegen die Brust schlug und sie mehrere Schritt zurück ins Wasser warf! Der gelehrte Herr erschoss eine bekuttete Gestalt vor dem linken Portal und holte kurz darauf auch den von unter der Decke weg.
Firudan, mit seiner Größe, mit der veränderten Haut und dem wilden Gebrüll eine wahrlich fürchterliche Erscheinung, packte den Zwerg und warf ihn gegen den Achaz. Aus dessen Wasserwand schoss ein Tentakel hervor, packte den Zwerg und warf ihn durch das Portal an der Rückwand hinaus und noch ein Stück weiter ins freie Wasser – also bestimmt gut 50 Schritt weit!
Der Achaz intonierte weiter und jeder der Kultisten, der noch irgendwie stand und nicht in einen Kampf verwickelt war, wiederholte das Wort mit. Es klang wie „Yo’Naho“.
Dela war ihren Gegner erneut angegangen, hatte ihrerseits Säbel und Hakendolch fallen gelassen und ihn mit einer Ringerbewegung ins Wasser niedergerungen, selber auf ihm liegend mit niedergehend.
Während ich den Schlauch löste, sah ich es …

Draußen, auf dem Meer erschien etwas, etwas von gewaltiger Größe, mit viel zu vielen Tentakeln, die das Meer aufpeitschten und aus dem Wasser sah ich blutrote Hörner herausragen.

Der gelehrte Herr rief vom Sims herab eine Warnung, aber auch Messana hatte es bereits gesehen. Ihre Hand flog an ihre Gürteltasche und sie holte das Krakenarmband heraus und dabei fischte sie noch nach dem Stein, mir zurufend, das auch zu tun.
Ich schluckte einige Schlucke des Heilwasser und fühlte, wie sich meine Verletzungen schlossen, dann schob ich mir den Stein in den Mund.
Ich stopfte den Schlauch oben in meine Krötenhaut, denn wieder an den Gürtel hängen würde zu lange dauern.
Messana warf das Armband ins Wasser, rief unseren Seeleuten zu, sie sollten sich zurückziehen und war dabei schon auf dem Weg zur dem schwimmenden Dämon (die anderen zwei paddelten durch das Portal nach draußen), ich folgte ihr etwas langsamer.

Auch Firudan hielt auf diesen Spinnen-Baum-Dämon zu.
Die riesenhafte Kreatur draußen näherte sich dem Eingang. Doch meine gelinde Hoffnung, dass das flache Wasser in der Höhle uns schützen würde, war vergebens. Ein Tentakelarm, der mit Leichtigkeit durch die riesige Höhle reichte, schlug in die Reihen der sich zurückziehenden Matrosen. Ich schluckte den Stein.
Dela hatte ihren Gegner unter Wasser gedrückt und dort gehalten. Selber nass erhob sie sich und nestelte ihm seine Arm- und Handschiene vom Arm und legte sie sich kurz entschlossen selber an.
Messana sprang dem Dämon auf den Rücken und balancierte das kleine Stück, um nach dem schwarzen Schwert zu greifen. Firudan schlug mit Rubinklaue auf den Dämon ein, der keine Anstalten machte, das abzuwehren. Auch ich kam an und schlug ebenfalls zu. Ich war erstaunt, als im Vergleich zu dem Kampfdämonen ich ein Stück abschlagen konnte. Messana, darauf stehend, attackierte ebenfalls und rief Rondra an, was dazu führte, dass sie ein großes Stück herausschlug.
Dela schlug auf den riesigen Tentakel drauf, um ihn von den Seeleuten abzuhalten. In gewisser Hinsicht gelang das auch, denn die riesige Gliedmaße schlug nach Firudan und nach ihr und sie schafften es knapp, auszuweichen. Dann hielt Firudan wieder auf den kleineren Dämon zu und ein letzter Schlag von ihm zertrümmerte ihn.
Messana landete sicher auf den Füßen und schob sich das erbeutete Schwert in den Gürtel, um beide Hände für den Kampf frei zuhaben.
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#67
Fortsetzung des Eintrages "4. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan""



Wir sahen uns um, für einen Überblick – gerade zurecht, um zu sehen, wie der Tentakel Dela erwischte und sie mit gewaltiger Wucht gegen die Steinwand schmetterte. Wäre es nicht so laut gewesen, hätten wir wohl Knochen bersten hören. Leblos fiel ihr Körper ins Wasser zurück, eine Blutspur hinter sich herziehend. Etwas in mir schrie auf und Messana rief entsetzt „Dela!“, als sie ihre Freundin sterben sah, denn überlebt haben konnte sie das nicht!
Messana eilte zu ihr hin, der gelehrte Herr kam vom Sims herab, ich stolperte blind vorwärts und eilte dann auf die Treppe zu.
Hier herrschte der niederhöllische Tod!

Ein weiterer Riesententakel ergriff den schwarzen Achaz, sah ich noch, der sich nicht wehrte, und zerschmettert ihn. Der gelehrte Herr kam bei Dela an und ergriff ihren zerschmetterten Körper, Messana wandte sich mit ihren Säbeln dem Tentakel zu, um so etwas Rückendeckung zu geben. Firudan hatte sich mit seinem Zweihänder ebenfalls aufgebaut. Er musste wirklich über die Verschmelzung gewaltige Kräfte aufgebaut haben, denn es gelang ihm mit einem Gegenangriff tatsächlich, den Tentakel abzuwehren, der für jeden anderen Menschen zu groß und schwer gewesen wäre.
Ich lief zur nächstgelegenen Treppe, denn ich wusste, dass ich keine Chance gegen diesen Dämon hatte.
Wie wir anderen auch.
Da wurde ich gepackt, etwas drückte mit Urgewalt zu, ich wurde durch die Luft geschleudert, die Waffe fiel mir aus der Hand, dann spürte ich einen schrecklichen Schmerz – und dann nichts mehr.

Was mir als nächstes widerfuhr … Doch erst, was weiter in der Höhle geschah.

Messana wich einem Tentakelangriff aus und rief erneut die Macht Rondras an, als sie zuschlug. Der folgenden Attacke konnte sie aber nicht mehr ausweichen und auch sie wurde gegen die Wand geschmettert.
Der gelehrte Herr hatte Glück und konnte rechtzeitig wegspringen, dann gelang es ihm, Delas Leichnam hinter den Fortifex zu ziehen, den er vorher gewirkt hatte.
Firudan wurde von nun zwei Tentakeln angegriffen, die er weder abwehren noch ihnen ausweichen konnte und so fand auch er seinen Tod.

Der gelehrte Herr konnte hinter seinem Schutz heraus sehen, wie etwas wohl annähernd ebenso Großes und Braunes neben dem Giganten draußen auftauchte und ihn mit gewaltigen Tentakeln umschlang. Ein wahrlicher Kampf der Giganten entbrannte, der das Wasser aufschäumte und peitschte und das Wasser in die Höhle in heftigen Wellen schwappen ließ. Dabei zog der Neuankömmling den Dämonen von der Höhle weg, dieser wiederum benötigte seine Tentakel gegen den neuen Gegner und zog sich aus der Höhle zurück.

Der gelehrte Herr holte nacheinander unsere Leichname aus dem Wasser und zog und trug uns auf das Sims. Dann stieg er nach oben, um die Seeleute zu suchen (die Achaz-Wächter waren frühzeitig verschwunden, vermutlich von dem Kampfeslärm in die Flucht geschlagen). Han hatte für einigermaßen Ordnung sorgen können, nur wenige waren Richtung Schiff geflüchtet, die meisten hatten sich vor der Pyramide versammelt. Von der Klippe aus war zu sehen, dass die beiden riesigen Kreaturen miteinander rangen und kämpften voll unversöhnlicher Feindschaft. Mit Hilfe der Seeleute wurden wir und die toten Maraskaner nach oben getragen und dort nebeneinander abgelegt.

Was ich sah, fühlte und erlebte, als ich tot war … Und ich war tot, daran kann für mich kein Zweifel bestehen. Ich dachte schon, in jenem wundersamen Brunnen, aus dem unser heilkräftiges Wasser stammt, wäre ich ertrunken, aber Teclador sagte ja hinterher, niemand könne in dem Brunnen sterben. Doch von der niederhöllischen Kreatur Yo’Naho gepackt und an den Wänden der Höhle zerschmettert zu werden, tötete mich, Firudan, Dela und Messana wahrhaftig und es darf durchaus als ein großes Wunder betrachtet werden, dass wir uns nun wieder wohlbehalten unter den Lebenden befinden, um unsere Aufgabe, unsere uns bestimmte Aufgabe, weiter zu führen.

Im Moment meines Todes sah ich meinen toten Körper ins aufgewühlte Wasser sinken, und ich sah darauf hinab. Ich selber war grau und halb durchsichtig. Dann sah ich nicht mehr meinen Körper, sondern vor mir stand eine solch riesige Gestalt, dass ich kaum bis nach oben sehen konnte. Sie hielt eine große Waage in der Hand, auf deren einer Waagschale ein kleiner Edelstein lag und diese Schale ganz nach unten drückte (daher konnte ich überhaupt erst in die tiefe Schale schauen), während die andere ganz oben hing.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine erstaunten Gedanken waren, wie dieser kleine Stein so schwer wiegen kann und alles andere, also wohl meine Taten, mein bisheriges Leben, so wenig. Natürlich, ich war noch jung, und konnte niemals einen Vergleich mit Messana oder Dela aushalten, aber dennoch … So leicht.
Eine Rabe, ein riesiger Rabe, landete auf der Querstange der Waage, schaute auf mich herab, hüpfte auf den Boden und streckte den einen Flügel aus, so dass die Spitze fast den Bodenberührte. Die Gestik war für mich eindeutig: Ich sollte hinauf steigen.
Golgari …
Ich stieg auf des Raben Rücken und er erhob sich in die Lüfte. Unter uns zogen grüne Wiesen, Felder, Wälder dahin. Es war eine sehr schöne Landschaft, aber dann nicht das, was ich mir unter einem der Paradiese vorgestellt hatte. Aber stand es mir denn auch überhaupt zu, in eines der Paradiese einzuziehen?
Ein schwarzer Tempel, aus Basalt, wie ich erkannte, erschien unter uns, wir hielten darauf zu, flogen, hinein und hindurch. Unter seinem Säulengang gingen und standen graue, schemenhafte Gestalten, ebenso grau, wie ich es war. Doch durch diesen Tempel flogen wir hindurch und wieder hoch hinauf. Dann erschien etwas Blaues vor uns, das Meer, und wir flogen auch darüber hinweg und eine Insel erschien, von dichtem Grün bedeckt mit einem Gebirge in der Mitte. Maraskan, wusste ich sogleich, obwohl ich die Insel natürlich noch nie von oben gesehen hatte.
Der Rabe wandte seinen Kopf zu mir um, und dann packte mich sein Schnabel und er schleuderte mich von sich herab. Ich fiel, doch nicht schnell und unkontrolliert wie ein Stein, sondern mehr so wie ein Vogel (nehme ich an), nur ohne Flügelschlag, ich fiel wirbelte und nicht zu schnell, aber immer weiter nach unten. Ich konnte Details erkennen, dass ich über der Südostküste war, über einer großen Bucht, Mangrovensümpfe, eine schwarze Pyramide auf einer Klippe, ich sah menschliche Gestalten um diese Pyramide herum stehen … Ich fiel, und ich landete in meinem eigenen Körper und fühlte einen Schmerz, der über alles hinaus ging, was ich jemals verspürt hatte, aber zugleich war es ein wunderbares Gefühl, denn ich wusste, dass dieser Schmerz, so furchtbar er auch war, zugleich bedeutete, dass ich lebte. Ich spürte, wie Knochen, Muskeln, Fleisch und Sehnen sich zusammenfügten und an ihre Plätze schoben, und es war grausam, und es war wunderbar.
Darüber hörte ich eine Stimme, die sich sogleich erkannte, obwohl ich sie damals nur wenige Worte hatte sagen hören, es war die des Raben von Punin. Und diese Stimme sprach zu mir: „Boron sei mit euch, er möge euch seine Gnade gewähren.“

Ich schlug die Augen auf.
Ich blinzelte und hatte Probleme, scharf zu sehen. In mir wirbelte alles, ich fühlte noch einen Nachhall des Schmerzes. Ich bekam mit, dass die anderen sich aufrichteten und mühte mich, dies ebenfalls zu tun. Ich öffnete den Mund, doch es kam nur ein Krächzen heraus. Die anderen drei erhoben sich, auch noch etwas unsicher, während ich gerade mal mühsam saß. War ich gerade …? Aber ich lebte wieder …?
Und dann überkam mich eine unbändige Freude bei dem Wissen, dass, was immer tatsächlich geschehen war, ich lebte, ich soweit vermutlich heil und gesund war, und Messana, Dela und Firudan lebten ebenfalls!
Taumelnd kam ich auf die Beine und umarmte sie ebenfalls. Dela und Messana umarmten sich, Messana legte Firudan einmal freudig die Hand auf die Schulter, Dela und Firudan umarmten sich und sie alle mich und ich sie … Es war wundervoll.
Und dann fand ich mich plötzlich wieder auf dem Hosenboden sitzend und fuhr mir mit der Hand über das Gesicht und versuchte zu begreifen, was geschehen war.

Der gelehrte Herr stand nahebei und schaute uns erstaunt an, von den Seeleuten war nichts zu sehen. Ich hörte bis hier auf der Rückseite Wasser, das aufgepeitscht wurde, fühlte gar, wie der Felsboden zuweilen unter uns leicht wankte und vor allem hörte ich ein mörderisches Gebrüll. Was war das?
Das Erscheinen der riesenhaften Kreatur, unser Helfer, hatten wir ja gar nicht mehr mitbekommen. Ich erhob mich wieder und wir gingen um die Pyramide herum. Messana trat bis nahe an die Kante, um besser sehen zu können. Ich sah weiß schäumendes Wasser, unzählige Tentakel, die miteinander rangen und sich und die beiden riesenhaften Körper umschlangen. Die Bewegungen ihres Kampfes und ihr Kampfgebrüll erschütterten den Fels an der Küste!
Vom gelehrten Herrn erfuhren wir, dass die andere Kreatur erschienen war und den Dämonen angegriffen hatte.

Wir zogen uns an die Seite der Pyramide zurück. Der gelehrte Herr wollte wissen, was uns widerfahren war. Firudan erwiderte kurz, dass es auch Borons Gnade war, die uns unser Leben wiedergegeben hatte, und Messana erwiderte, dass unsere Zeit noch nicht gekommen war.
Also hatten auch sie, ähnlich wie ich, etwas … gesehen und erlebt. Ich konnte verstehen, dass sie nicht mehr davon erzählten, denn es ist zweifellos ein sehr persönliches Erlebnis. Und ich für meinen Teil musste zu jenem Zeitpunkt und auch jetzt noch darüber sinnen..

Vom gelehrten Herrn erfuhren wir, dass Kapitän Han und seine Seeleute von ihm fortgeschickt worden seien, um Holz für Bahren zu suchen, denn Han hatte uns hier nicht begraben wollen. Wir schauten ihn mehr unangenehm berührt an, denn diese Formulierung besagte ja, dass jemand anders (also wohl der gelehrte Herr) uns hier, in den Sumpfen, an einem solch unheiligen Ort, ohne Zeremonie und richtige Grablegung, im Gegenzug hatte verscharren wollen!
Firudan war es, der fragte, ob er uns denn hier hatte begraben wollen. Der gelehrte Herr beeilte sich, vielleicht etwas zu hastig und zu betont, zu beteuern, dass er uns wohl eine Feuerbestattung hatte geben wollen, aber nicht hier beerdigen wollen.
Ich glaube, ich werde da mal Kapitän Han fragen.
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#68
Fortsetzung des Eintrages "4. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan""



Wir sahen eine Gestalt in einer grauen Kutte den Hang hinab eilen, und ich erinnerte mich, dass ich sie vorhin hatte hier oben stehen sehen als wir wieder zu uns kamen, zwischen zwei Matrosen, die nun noch vor ihm den Hang hinunter rannten.
Dela, Messana, Firudan und der gelehrte Herr jagten ihnen gleich nach, ich blieb sitzen und fühlte mich noch zu benebelt. Die leichtfüßige Dela hatte ihn auch bald eingeholt, gefolgt von Messana und Firudan. Sie brachten den Mann wieder nach oben. Er redete auf sie ein, dass er ja nur ein Trommler gewesen war, das Geld gebraucht hatte, er von nichts gewusst hatte … Der gelehrte Herr hatte ihn bereits verhört, wie sich gezeigt hatte. Er war ein Maraskaner aus Tuzak, den ein Oberst des KGIA namens von Rallerau angeheuert hatte, gegen 50 Dukaten bei einem echsischen Ritual eine Trommel zuschlagen, und da seine Geschäfte schlecht liefen, hatte er das angenommen und sich nichts weiter bei gedacht
Einen Gefangenen hatten wir, von 29, bzw. 33 Kultisten, wenn man auch die vier Achaz vor der Tür und die Untoten mitzählte. Und bedauerlicherweise war er nur ein Handlanger, der unter Vorspiegelung falscher Tatsachen angeheuert worden war und von den Hintergründen nichts wusste.

Firudan, fiel mir nun auf, sah wieder ganz normal aus. Er war wieder so groß, wie ich ihn kannte und auch seine Haut sah in ihrer Farbe nicht verändert aus.
Und Dela trug am rechten Arm eine silbern glänzende Armschiene, die vorne die Hand mit bedeckte und hinauf bis zur Schulter reichte und den Arm komplett bedeckte. Die Fingerspitzen endeten in Klauen und das ganze Stück war ab dem Handgelenk mit fein gearbeiteten Schuppen bedeckt, so dass es aussah wie ein Kunstwerk und durchaus, wie ich mir eine Drachenklaue in Klein vorstelle. Dabei saß es sehr eng und bewegte sich zugleich mit Delas Armbewegungen mit. Aus Silber war die Armschiene nicht, auch wenn sie so glänzte. Befestigt wurde sie mit Klippschnallen.
Firudan sprach sie darauf an und Dela erwiderte, dass Teclador ja prophezeit hatte, es würde ein Kultist mit so einer Ausrüstung da sein und sie solle es für sich erkämpfen.
Da warf unser Gefangener ein, das Rüstungsstück hätte Oberst von Rallerau gehört.
So wissen wir nun, was aus ihm geworden ist und von einem der Kultisten, wer es ist.

Des weiteren erfragten wir von dem Gefangenen, dass von Rallerau nicht auf dem Schiff gekommen war, sondern zu Fuß mit einem Banner von Tuzak aus über den südlichen Pass (mit einem, wie ich meine, recht unaussprechlichen Namen). Wo nun die Soldaten sind, wusste er jedoch nicht zu sagen, denn er selber war mit einer Gruppe anderer Leute, die übrigen Trommler, erst vor etwa einer Siebenspanne hier angekommen. Ihr Führer war unter den Toten.

Wir fesselten unseren Gefangen und da fiel uns auf, dass es vom Meer her still geworden war. Wir sahen nach und erblickten den gewaltigen, braunen Körper im Wasser schwimmen, er machte leichte Bewegungen und trieb nicht tot daher. Von dem Dämon war nichts zu sehen.
Ich fühlte den kurzen Impuls, vorzutreten, ein lautes „Danke!“ zu rufen und ihm zuzuwinken, unterdrückte ihn aber. Doch im Stillen dankte ich dem riesigen Wesen.
Dafür setzte das schwarze Segelschiff gerade Segel und machte sich daran, aus der Bucht zu segeln. Sehr bedauerlich, aber wenn ich an die Bewaffnung und Besatzung denke, bezweifle ich, dass wir mit unseren zum Teil verletzten Seeleuten und kleinerem Schiff eine Chance gegen sie gehabt hätten.

Kapitän Han, durch das panische Auftauchen seiner zwei Matrosen aufmerksam geworden, erschien mit einigen seiner Seeleuten. Auch er schaute nicht schlecht drein, als er uns lebendig und am Stück sah. Messana sprach ihn an, um ihn zu beruhigen, aber nachdem er zuvor selber noch gegen Untote gekämpft hatte, kam er nur vorsichtig näher. Doch wir konnten ihn bald überzeugen, dass es zwar ein Wunder war, aber darüber hinaus mit rechten Dingen. Er sah unser Wiederauferstehen als „Wiedergeburt“ an.

Wir versorgten die schlimmsten Verletzungen der Matrosen mit unserem Heilwasser.

Nachdem sich Messana Köcher und Bogen hatte zurückgeben lassen, brachen wir wieder in die Pyramide auf, denn unsere Waffen lagen dort noch. Die toten Matrosen, acht an der Zahl, waren ja bereits geborgen worden. Aber die toten Paktierer und Kultisten waren noch dort.
Messana trug das dämonische Schwert in ihren Gürtel geschoben und Firudan das Szepter.

Wir gingen die Treppe in die Pyramide hinein und dann jene hinab in die Höhle. Mit einem gewissen Unbehagen schaute ich mich um. Die Stellen, an denen Firudan, Dela, Messana und ich gestorben waren, waren gut zu erkennen dank der riesigen Blutflecke. Dela blieb vor dem ihren einen Moment stehen und starrte darauf. Ich dagegen eilte mich, da nicht länger als nötig darauf zu sehen und als ich Ar’Kan’Thos fand, wandte ich mich schnell ab.

Von den Portalen stand das auf der linken Seite, halb offen, denn hinter dem grauen, unbestimmten Wabern war Schnee und Eis zu erkennen, die beiden anderen ganz offen.
Zu nah gingen wir nicht dran, zumal dann vor dem auf der linken Seite auch eine merkliche Kälte ausging und das Wasser bereits gefror.
Fast vermeinte ich die Bösartigkeit, die von ihnen ausging, zu spüren.

Wir bargen auch die toten Kultisten. Von Rallerau trug seine Uniform unter der grauen Kutte. Eine Frau, die der gelehrte Herr erschossen hatte, trug das Hautbild einer Spinne auf der linken Gesichtshälfte, die so aussah wie die Zeichnung in der Höhe nahe des Dorfes des Haranydads. Und eine weitere Frau trug ein Siegel in der Handfläche, das der gelehrte Herr als das Siegel der grauen Akademie zu Grangor erkannte, die sich auf Illusionen spezialisiert hatte. Der Zwerg war nicht wieder hinein gespült worden und ein paar der Leichen waren nicht aufzufinden. Ob sie nun herausgezogen oder gespült worden waren, oder hatten flüchten können, war nicht mehr feststellbar.
Wir brachten sie alle, die wir finden konnten, samt der nun leblos zerteilten Untoten hinauf in die Schmiede. Wir verteilten Kohle und Öl, dazu noch die meisten Strohsäcke aus dem Schlafraum und kurz entschlossen holten wir die vier Beutel mit den unheiligen Ritualgegenständen und zündeten alles an.
Der Tote in dem anderen Raum dagegen war nur noch ein Haufen Staub. Vorsichtshalber warfen wir da auch Stroh drauf und zündeten dies an.

Messana erklärte, sie würde später nach Möglichkeit noch mal herkommen mit anderen Geweihten, oder wenigstens eine ausreichende Anzahl an Geweihten herschicken wollen, um diesen Ort zu reinigen. Der gelehrte Herr dagegen meinte, statt dessen Magier zu schicken wäre besser. Bevor es zu einem Streit führen konnte, warf Firudan ein, dass gegen beides sicherlich nichts einzuwenden wäre und damit alle Möglichkeiten abgedeckt.
Messana fragte auch, ob jemand wüsste, was das für Portale seinen. Der gelehrte Herr sagte, dass es Zugänge zu erzdämonischen Domänen seien.

Kapitän Han wollte seine Toten mit nach Boran nehmen und ihnen dort eine angemessene maraskanische Bestattung geben.
Den Kürass aus Endurium, die drei Barren Endurium, die Schwerter und den Zweihänder der Paktierer, die Mappe mit den Schriften, das Szepter und das dämonische Schwert wie auch unseren Gefangenen nahmen wir ebenfalls von hier mit. Dazu hatten wir einen der Wappenröcke mitgenommen und einen Ring von Rallerau um weitere Beweise zu haben.

Auf dem Weg zurück durch den Mangrovensumpf fragte Firudan Dela danach, wie sich der Armschutz anfühlte. Dela bewegte ihn und sagte, dass er sehr anschmiegsam sitzen würde. Er würde sie fast gar nicht behindern, nur ein wenig bei den Fingerbewegungen. Im ersten Moment hätte es sich sehr kühl angefühlt, dann jedoch plötzlich warm. Von Rallerau hätte damit unglaublich schnelle und zielgerichtete Bewegungen machen können, die sie ihm so als Kämpfer nicht zugetraut hätte.
Der gelehrte Herr fragte, ob er es magisch untersuchen dürfte, Dela meinte, wenn auch ein wenig zögerlich, später und nur in ihrem Beisein.
Messana wandte sich an Firudan, wie er sich nun fühlen würde. Er sprach davon, wie er von dem Zauber getroffen worden war, sich vor die Wahl gestellt fühlte und die Verschmelzung angenommen hatte. Er fühlt sich dem Zeichen zu Dank verpflichtet, denn ohne es, da war er sich sicher, hätte er den Kampf nicht überstehen können.
Messana fragte nach etwaigen nachteiligen Wirkungen, die Teclador ja mal erwähnt hatte. Firudan gab zu, dass, wenn das Blut eines starken Gegners floss, es ihm ein wohliges Gefühl gegeben hatte.

Wieder auf dem Schiff, legte Firudan alles ab und sprang über Bord ins Wasser. Messana und ich wuschen uns, ohne ins Wasser zu springen. Danach beteten wir für uns und auch Dela sah ich später an einer ruhigen Stelle sitzen.
Die „Parder von Maraskan“ lichtete den Anker und setzte die Segel, die Bucht am Friedhof der Seeschlangen zu verlassen. Die Stimmung war durchaus gedrückt, denn trotz des Sieges waren Kameraden gefallen und Opfer gebracht worden. Viele waren nicht von den Toten wieder auferstanden und einer weiteren Aufgabe für würdig befunden worden.
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#69
Fortsetzung des Eintrages "4. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan" (allerdings Sitzung vom 5.5.2012)"



Während die „Parder“ Fahrt aufnahm, wandte sich Messana an den gelehrten Herrn und fragte ihn, ob er nachsehen könnte, ob unter oder bei der Pyramide auch Kraftlinien verlaufen würden. Er sagte, das könne er nicht, denn so viel magische Reststrahlung wäre dort, dass sie alles andere überlagern würde. Messana erinnerte sich an den Nachtschattenturm, in dem zwei Kraftlinien, magische Artefakte und Personen gewesen und ein großes Ritual durchgeführt worden waren und dennoch die Kraftlinien zu erkennen gewesen waren, aber der gelehrte Herr war überzeugt, dass hier nichts durch die magische Kraft des Rituals oder des Ortes hindurchleuchten könnte, weil hier deutlich mehr Magie wirken würde.

Dela nahm wieder das Diadem ab und Messana fragte den gelehrten Herrn, ob er Diadem und das Szepter analysieren könnte, was er gerne später tun möchte.

Messana nahm das eroberte schwarze Schwert zur Hand und wir alle betrachteten es. Es war genau genommen kein Langschwert, sondern ein Anderthalbhänder, dessen Griff, Knauf und Parierstange einem Kraken samt Tentakeln nachempfunden waren. Damit war klar, welchem Erzdämonen es geweiht war.
Ich empfand eine instinktive Abneigung, gar Widerwillen gegen diese Waffe, und ich sah ähnliches auf den Gesichtern der anderen. Messana, die es in Händen hielt, sah mit besonderem Abscheu darauf. Unwillkürlich machte ich einen Schritt zurück, dann noch einen.
Messana erklärte entschlossen, ohne den Blick abzuwenden, dass sie diese Waffe nicht aus den Augen lassen dürfe. Firudan sagte, die Waffe sei verdorben und feindselig.

Sie legte es ab, sagte, sie wolle etwas zum Umhüllen suchen und kam bald darauf mit einem großen Stück Segeltuch zurück und einigen Seilresten. Sie wickelte die unheilige Waffe mehrmals darin ein und knotete es oben und unten sorgfältig zu. Mit einem weiteren Stück Seil machte sie eine Schlaufe, die sie sich schräg über den Oberkörper hängte und befestigte daran das Paket.
Bis sie damit fertig war, waren wir alle um sie herum etwas zurück gewichen und dieses Phänomen war den Rest des Abends zu beobachteten: Niemand näherte sich Messana, besonders stark war dies bei den Freibeutern zu beobachten, die sie, so gut es ging, mieden.
Es konnte nur der Anderthalbhänder sein, von dem das Gefühl der Feindseligkeit ausging, ein Gefühl, als wenn jeden Moment ein Streit ausbrechen würde, aber auch so wie etwas, das man einfach meiden möchte, ohne weiter drüber nachzudenken.

Da mir das, was der gelehrte Herr über Beerdigungen gesagt hatte, nicht aus dem Kopf gehen wollte, suchte ich Kapitän Han auf. Ich fragte ihn danach, dabei, wie ich merkte, meinen Tod und den der anderen drei unbeholfen umredend, denn aus irgendwelchen Gründen wollte ich es nicht direkt so benennen.
Für eine Begriffe war er sehr diplomatisch, aber gerade seine Wortwahl war es, die meine Überlegungen eher bestätigte denn zerstreute, denn er sagte, dass aus seiner Mannschaft niemand uns hatte dort bestatten wollen.
Ich bedankte mich und dachte kurz darüber nach. Vielleicht war es die instinktive Meidung Messanas, die mich zu Dela führte. Ich legte es ihr kurz dar und sie meinte, dass wir mal mit dem gelehrten Herrn darüber sprechen sollten, aber erst später, wenn wir Maraskan wieder verlassen hätten, das hielt sie für besser, statt es jetzt sofort zur Sprache zu bringen. Aber mit Firudan wollte sie das sofort besprechen, daher gingen wir zu ihm und gingen mit ihm ebenfalls etwas abseits. Dieser meinte, dass es ihm auch aufgefallen war, aber vielleicht wäre der gelehrte Herr durch sein Auge abgelenkt. Dela wandte ein, dass das Auge sich bislang eher durch Paranoia und Misstrauen bemerkbar gemacht hätte, und ich, dass der gelehrte Herr seit Siebenspannen sich hat nichts mehr anmerken lassen oder auch nur etwas darüber angesprochen hätte.
Aber Firudan fand ebenfalls, dass wir später mal mit dem gelehrten Herrn sprechen sollten, auch wenn er weiterhin überzeugt war, dass der gelehrte Herr entweder verwirrt gewesen war, oder es anders gemeint war, als gesagt. Das würde ich keineswegs grundsätzlich absprechen wollen, aber dann war da diese Hast und Nachdruck gewesen bei der Antwort des gelehrten Herrn, und Firudans Frage war recht eindeutig gewesen.
Aber es wird sich dann wohl noch zeigen.
Dela will beizeiten Messana davon unterrichten, damit sie das nicht von sich aus einmal anspricht. Aber nicht jetzt.

Unser Gefangener war gleich unter Deck gebracht worden, und wir zerstreuten uns, soweit es das kleine Schiff zuließ. Firudan und Dela gingen unter Deck, der gelehrte Herr setzte sich an eine halbwegs ruhige Stelle an Deck. Messana stand ohnehin allein und blickte auf das Meer hinaus. Ich nahm mein Waffenpflegeset, suchte mir auch eine Stelle, an der ich nicht störte, und begann, Ar’Kan’Thos und meine Krötenhaut zu säubern und zu pflegen. Es war schon dunkel. Ich bemühte mich, mich dadurch abzulenken, statt über das, was mir widerfahren war (selbst im Tagebuch wähle ich unwillkürlich Umschreibungen), nachzudenken. Ich will einfach nicht über meinen Tod nachdenken (und das zu schreiben, fällt mir schwer).
Dennoch schweiften meine Gedanken wären meiner Tätigkeit doch wieder dazu ab, doch zugleich war ich mit meinen Händen und einem Teil meiner Konzentration mit der Waffenpflege beschäftigt, so dass ich ein wenig Ablenkung fand.
Ich schaute zu Messana, in Erwägung ziehend, mit ihr darüber zu reden, und jedes Mal wieder beschloss ich sofort, dies auch später tun zu können.

Ich sah, wie Messana die eingewickelte Waffe vor sich ablegte, sich etwa einen Schritt davon entfernt im Schneidersitz hinsetzte und die Augen schloss.
Etwas später erhob sie sich und bat vernehmlich zum Gebet. Sie entfernte sich dabei von dem Paket, und sowohl mir als auch manch anderen fiel es auf einmal leicht, sich in ihrer Nähe zum Gebet einzufinden.
Sie stand mit Blick auf das Paket, aber weit genug war, dass es in unseren Halbkreis um sie nicht eingeschlossen war.
Zu einem Teil war das Abendgebet auch die Andacht für die Gefallenen. Sie nannte sie namentlich und sprach über jeden ein paar Worte und zuletzt ein Gebet für sie. Zum anderen Teil sprach sie über die Geschehnisse, die, wenn auch kein Endsieg oder ein voller Erfolg, so doch ein kleiner Teilsieg waren und wir einmal mehr gegen unseren Gegner vorgegangen waren.
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5. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan“


Es war schon spät, als wir uns in die Hängematten legten, ich war wohl die letzte (bis auf die nächtliche Wache), da ich lang am Tagebucheintrag gesessen hatte. Wirklich gut hatte ich nicht geschlafen, Träume von durch die Luft schleudern, gewaltigen Tentakeln, einem heftigen Aufprall, zu fliegen und grauen Gestalten …

Als ich erwachte, war Messanas Hängematte leer. Ich fand sie an Deck, aber mehr als einen Gruß aus der Entfernung vermochte ich ihr nicht zuzurufen. Ich stutzte jedoch, als ich sah, dass sie Leuintatze gerade auf das Paket aus Segeltuch band. Dela, die mit Firudan direkt nach mir herausgekommen war, sah dies ebenfalls. Sie blieben ebenfalls in einiger Entfernung stehen, während sich aber Firudan schnell wegdrehte, rief Dela über die Strecke hinweg die Frage zu, was Messana dort tat.
Messana erwiderte, dass sie hoffte, dass dies gegen die Wirkung der Waffe helfen würde, aber das würde es nicht tun, wenigstens nicht ausreichend (denn es kam ja niemand zu ihr hin).
Ich suchte mir einen Platz von Messana entfernt und sagte mir, dass sie mich schon zu sich rufen würde, wenn etwas sein sollte.

Der gelehrte Herr erschien erst später, er sah übernächtigt aus. Auf Firudans Frage hin, ob etwas gewesen wäre, erzählte er, dass er einen Traum gehabt hätte und dessen Ende er immer wieder geträumt hätte, in dem er gestorben war.
Drüber reden, was ihm Firudan anbot, wollte er nicht unbedingt, sagte er, fuhr dann aber doch fort. In seinem Traum hatte er etwas für jemanden, den er sehr mochte, getan, aber dann hatte er von dieser Person einen Dolch zwischen die Rippen bekommen.

Dela erkundigte sich später, wieder über Entfernung, bei Messana, ob sie eine Besserung durch die Nähe der geweihten Waffe bemerken würde, doch Messana rief zurück, wenn sie das wissen wollte, müsste sie schon zu ihr hinkommen. Dela tat dies, wenn auch nach kurzem Zögern.
Beide verschwanden kurz darauf unter Deck und als sie wieder heraufkamen, hatten sie zusätzlich noch einen eher kurzen, aber breiten Gegenstand dabei, der ebenfalls in Segeltuch verpackt war.
Messana kniete neben dem eingewickelten Anderthalbhänder nieder, ließ sich das andere Paket geben und sie streckte die Hände aus, um es auf die Waffe zu zubewegen. Selbst über die Entfernung sah ich, wie ihre Hände zitterten und gut anderthalb Spann vor Erreichen der verpackten Waffe legte sie es ab.
Sie setzt sich einen halben Schritt entfernt hin, schloss die Augen und suchte sich zu entspannen, während Dela daneben stand.
Was taten sie da nur?
Als ich Dela etwas später danach fragte, sagte sie mir, dass sie Messana vorgeschlagen hatte, ein weiteres karmales Artefakt an die Waffe zu befestigen, den Kelch Siebenstreichs, ein Vorschlag, den Messana sofort gerne angenommen hatte. Und damit niemand den Kelch erkennen konnte, war er sogleich eingeschlagen worden.
Messanas „Kampf“, den Kelch an die Dämonenklinge zu binden, ging weiter. Sie rückte wieder näher an das Schwert heran, doch erneut schaffte sie es nicht, den Kelch darauf abzusetzen. Ich sah, wie ihre Armmuskeln zitterten und sich ihr Gesicht vor Anstrengung und Entschlossenheit straffte.
Wieder setzt sie sich kurz davor hin, konzentrierte sich, gut die Hälfte einer Stunde lang, doch erneut gelang es ihr nicht, den Widerstand der Waffe zu überwinden. Ich sah nur ihre Anstrengung, sonst nichts, was für mich sichtbar gewesen wäre. Und dem Willen Messanas Widerstand entgegen zusetzen … Über was für Kräfte mochte diese unheilige Klinge verfügen?
Messana stand der Schweiß auf dem Gesicht. Dela stand die ganze Zeit neben ihr, und als Messana es erneut versuchte, zum vierten Mal und gewisslich eine Stunde oder länger nach dem ersten Versuch, legte sie ihre Hände auf Messanas Schulter und sprach ihr stärkend zu. Obwohl ihre Arme und Hände wieder zitterten, gelang es ihr diesmal, den Kelch darauf abzulegen und ihn mit Seilstücken sicher daran festzubinden.
Sie atmete tief aus und wich etwas zurück.

Dela schlug noch vor, eine möglichst massive Kiste zu nehmen und das ganze hinein zu tun. Sie selber fragte Han, ob es so etwas auf der „Parder“ gab, was der Fall war. Sie besaß sogar ein Schloss. Messana steckte den Schlüssel ein und Dela zurrte noch zusätzlich ein Seil drum herum und verknotete es, nachdem sie das Schloss untersucht hatte.

Firudan kam währenddessen zu mir und bot mir an, mit ihm, solange Messana beschäftigt war, ein paar Übungen aufzunehmen, oder mit ihm über unsere gestrigen Erlebnisse (auch er benutzte Umschreibungen, fiel mir auf) zu reden. Dieses Bedürfnis hatte ich nicht, aber die Übungen nahm ich gerne an. Schon deshalb, um mich etwas abzulenken, nicht, weil ich so recht in Stimmung dafür war.
Wir fanden, dass etwas waffenlose Übungen uns beiden entgegenkommen würden, ihm, weil er das kann und mir, weil ich darin besser werden muss. Dela kam etwas später auch noch dazu, was ganz gut war, denn obwohl mir Firudan so manchen Griff, Ausweichbewegung und Schlag zeigte und wie ich ihn ausführen musste, verstand er es deutlich weniger als Messana, so etwas tatsächlich zu vermitteln. Aber ich war ja auch schon über Grundlagen hinaus, und als Dela dann manchmal mit unterstützte, ging es gut.

Messana hielt sich in Sichtweite der Truhe auf, ging nicht weit weg, aber auch nicht gänzlich nah heran und sah uns teilweise zu.

Dela testete nachfolgend mit Firudan auch ihre Armschiene, in dem sie mal in der linken Hand und dann in der rechten Hand, wo ja das Rüstungsteil getragen wurde, die Waffe führte, um etwaige Unterschiede festzustellen. Ich wurde Zeugin, wie ihre Paradebewegungen mit dem Arm immens schnell wurden. Sie ließ sich auch von Firudan angreifen und wehrte nur mit dem Arm ab, erst nur ganz leicht, dann aber wurden die Schläge schnell jeweils mit etwas mehr Kraft geführt bis hin zu dem was, bei Firudan mit seiner Rubinklaue wohl als normale Schläge gelten dürten. Die Krallenhand bekam nicht einen Kratzer, aber Dela stellte fest, dass es in ihrer Schulter zunehmend zog durch die Anstrengungen.

Messana versenkte sich später ins Gebet (nahm ich an) und später am Tag kam der gelehrte Herr, der zuletzt unter Deck gewesen war, herauf und lief rastlos auf und ab. Firudan fragte ihn, ob etwas war. Der gelehrte Herr erklärte, für seine Verhältnisse nachgerade heftig, dass er ihn (das „ihn“ betonte er sehr) zur Strecke bringen will. Firudan meinte, das wäre unser alle Aufgabe, der gelehrte Herr aber stellte richtig, dass er es gerne ganz persönlich tun würde und das letzte Quäntchen aus ihm herausquetschen (genau das waren seine Worte) möchte. Firudan wies ihn darauf hin, dass es ein jeder von uns sein könnte, der so etwas wie einen finalen Schlag führen würde, oder wir alle. Der gelehrte Herr jedoch sagte, dass er es sich herbei sehnen würde, außerdem, dass er glaubt, dass wir in der Pyramide zu spät gekommen waren und keinen Teilsieg dort gehabt hätten, sondern gar überhaupt keinen Erfolg. Firudan hielt dagegen, dass wir ja den Anderthalbhänder hätten und ein Portal nur halb geöffnet wäre. Der gelehrte Herr meinte, es würde sich noch zeigen, was draus erwachsen würde, er hätte so ein Gefühl und lief danach weiter auf und ab.

Um mich weiter abzulenken, und weil die „Parder“ ja auch Ausfälle hatte, half ich bei einfachen Tätigkeiten an Bord mit, während Firudan und der gelehrte Herr ihre Kochkünste in der Kombüse anboten.

Da Messana am Abend wieder Abstand zur Kiste hielt, hielt es niemanden von der Teilnahme am Abendgebet ab.

Des nachts band sie ein Seil von der Kiste zu ihrem Bein, stellte die Kiste in die hinterste Ecke und nahm die nächste Hängematte, die aufgrund der Enge nur zwei bis drei Schritt entfernt war.



6. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan“

Messana hatte sich in der Nacht Gesicht, Hände und Unterarme blutig gekratzt. Hässliche Striemen überzogen ihre Haut und getrocknetes und frisches Blut war an den meisten Stellen zu sehen. Der gelehrte Herr bot sofort, als er das sah, einen Balsam an, der alles verschwinden ließ, so dass erst niemand von den Seeleuten da groß etwas mitbekam. Dela schlug vor, dass Messana sich in den nächsten Nächten ihre dünnen Lederhandschuhe anzog, was Messana sich vornahm.

Nach dem Frühstück untersuchte der gelehrte Herr das Szepter. Er ging dazu unter Deck, um mehr Ruhe und Ungestörtheit zu haben.
Dela suchte Messana zu überzeugen, mehr Abstand zu der Kiste mit der unheiligen Waffe zu haben, aber Messana verwies auf die Enge des Schiffes und dass sie nicht zu weit weg wollte, um jederzeit ein Auge drauf zu haben, da sie Auswirkungen der Waffe auf die Besatzung fürchtete. Sie sprach von Träumen, die sie in der vorletzten Nacht gehabt hatte, ohne diese näher zu beschreiben, außer dass es böse Träume gewesen waren. In der letzten Nacht keine gehabt zu haben, wertete sie als positiv, die zerkratzte Haut dagegen natürlich nicht.

Dela trainierte an diesem Tag viel und vehement, und ich nehme an, dass es nicht nur der Wunsch war, die Klauenhand besser kennen zu lernen, sondern auch ihre Art, sich von den Erlebnissen unter der Pyramide abzulenken. Firudan, diesmal auch Messana und ich gesellten uns teilweise mit dazu, Messana ein wenig halbherzig, weil sie sich verpflichtet sah, auf die Kiste und ihren gefährlichen Inhalt zu achten, Firudan half zwischendurch wieder beim Essen machen und sah nach dem gelehrten Herrn.

Dieser kam erst Stunden, nachdem er begonnen hatte, mit Firudan wieder an Deck. Er wirkte erschöpft und musste erst einige Mal nach Atem schöpfen, eher er sagte, dass das Szepter ein sehr mächtiges Artefakt sei (wie es der Achaz gesagt hatte) altechsischer Herkunft. Er hatte darin die chaotisch-dämonische Macht gesehen, die der Gegenspielerin Efferds zuzuordnen war. Zur Zeit sei es jedoch inaktiv, es könnte ein Fokus sein oder einen versteckten Auslöser haben. Seinem Verständnis nach ist es zum Be- und Entschwören nutzbar und wurde zuletzt eben auch dazu genutzt (Firudan erinnerte daran, dass es ja geleuchtet hatte). Außerdem, konnte der gelehrte Herr noch sagen, würde das Szepter Richtung Friedhof der Seeschlangen weisen, oder zu einem bestimmten Ort dort (also wohl die Kavernen da runter).
Das Diadem würde er erst morgen untersuchen wollen, dazu sei er heute zu müde und hätte vor allem nicht mehr ausreichend astrale Kräfte.
Ich betrachtete das Szepter mit einiger Abneigung. Also dies war vermutlich genutzt worden, um den Yo’Naho-Dämonen zu rufen. Der Achaz hatten etwas vom Gefüge der Macht gesagt und dass das Szepter nicht verdorben werden solle. Aber wenn es dämonisch war, dann war es doch wohl schon verdorben? Und so einen Gegenstand hatten wir gerettet? Sollte es nicht auch besser vernichtet werden?
Ich behielt diese Gedanken jedoch für mich.

Ich sah Firudan und den gelehrten Herrn etwas später zu einem Gespräch unter vier Augen zur Seite gehen, aber das dauerte nur ganz kurz, wohl kaum eine Minute.



7. Efferd 26 Hal, an Bord der „Parder von Maraskan“

In der Nacht hatte Messanas sich wieder an Gesicht, Armen und Händen gekratzt, aber dank der Handschuhe, gab es nur wieder schwindende rote Striemen und keine richtig aufgekratzte Haut.

Der gelehrte Herr untersuchte das Diadem ebenfalls sehr lange und war danach wieder erschöpft.
Er konnte es als metamagisch und ebenfalls echsicher Herkunft einordnen und ist mit einem Gardianum-ähnlichen Zauber in der Variante Körperschild belegt, der aktiviert wird, wenn man das Diadem aufsetzt. Es hat maximale Kapazität, regeneriert sich von selbst, wie lange dieses regenerieren dauert, weiß er aber nicht und er war sich sicher, dass keine dämonische Komponente drin ist.
Er fragte, ob es noch etwas gäbe, dass er untersuchen könnte, und mir fielen die Medaillons ein, die wie das Diadem und das Halsband aus dem Tempel unter dem Brunnen stammten. Eines soll morgen untersucht werden.

Messana betete viel in kleinem Abstand vor der Kiste, und über den Tag verteilt machten wir wie gestern gemeinsame Übungen, halfen auf dem Schiff oder beim Essen machen und der Tag endete mit dem traditionellen Abendgebet.
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#71
8. Efferd 26 Hal, Boran

Wieder trug Messana an diesem Morgen Spuren nächtlichen Kratzens im Gesicht und wir brachten den Tag auf die nun schon bekannte Art und Weise herum.

Der gelehrte Herr untersuchte heute mein Medaillon und stellte fest, dass auch hier alte echsische Magie wirkte. Ein Zauber, in seiner Wirkung ähnlich dem Sanftmut-Effekt (ein anderer Zauber), liegt darauf. Allerdings meinte er, dass aufgrund der schwer erkennbaren astralen Signatur sich lediglich noch hat herleiten lassen, dass es nur auf ein bestimmtes Wesen Wirkung zeigt.

Am frühen Abend ereichten wir, dicht unter der Küste, um außer Reichweite der Blockadeschiffe zu bleiben, Boran.
Von Yo’Naho, dem anderen Kraken oder auch dem schwarzen Schiff hatten wir seit Verlassen der Bucht nichts mehr gesehen.

Wir legten an und schafften unsere Ausrüstung und unseren Gefangen an Deck, dann traten wir zu Han. Messana reichte ihm als erstes die Hand und bedankte sich bei ihm für seine Tatkraft und Unterstützung, die uns sehr wichtig und hilfreich gewesen war. Er meinte, er wolle die Hälfte der Bezahlung zurückgeben, doch Dela sagte, er solle das behalten und an die Angehörigen der Toten geben, ein Vorschlag, den er gerne annahm.
Mit einem „Für Maraskan. Preiset die Schönheit, Bruderschwester“ verabschiedeten wir uns endgültig voneinander.
Die Kiste blieb hier zurück, die Segeltuchreste konnten wir haben, denn der Kürass war auch in einige eingewickelt, damit das Endurium, aus dem er gefertigt war, nicht zu sehen war. Messana hatte sich das eingewickelte Doppelpaket wieder umgehängt und wie von Geisterhand bewegt, wichen ihr alle frühzeitig aus dem Weg, so dass wir über den eigentlich belebten Kai gänzlich ungehindert gehen konnten.

Wie mit dem Gefangenen zu verfahren war, hatten wir uns vorher überlegt, und während Messana mit dem gelehrten Herrn und mir den direkten Weg durch und aus der Stadt einschlug (denn ein Zimmer würden wir wohl kaum bekommen), gingen Dela und Firudan mit dem Gefangen zur hiesigen Wache. Wir hatten uns darauf geeinigt, ihn des Verrats an den 12en anzuklagen, das wäre eindeutig genug, dazu nichts, was die hiesige Gerichtsbarkeit betraf und enthob uns der Erklärung näherer Hintergründe, die ja nicht publik werden sollten. Außerdem wollten wir ihn nach unserer Rückkehr wieder abholen, um ihn in Tuzak oder spätestens der Gerichtsbarkeit der mittelreichischen Gerichtsbarkeit überstellen.

Zwischen Stadt und Dschungelrand suchten wir uns eine Stelle, die geeignet war, hier zu nächtigen. Messana grub das Paket ein für die Nacht, eine volle Seillänge von ihrem Schlafplatz entfernt. Als Firudan und Dela kamen, machten wir uns ein Abendessen.
Morgen sollten Dela und der gelehrte Herr Proviant für uns kaufen und noch je einen Satz robuster Kleidung für uns (außer für Messana, die auf dem Schiff und in der Pyramide nicht die neu gekaufte Kleidung unter ihrer Rüstung getragen hatte und die daher nicht durch Verletzungen ruiniert war).
Der Kürass sollte am Dschungelrand vergraben werden, damit wir ihn auf dem Rückweg mitnehmen konnten, das Endurium würden wir mit uns nehmen (was Firudan tragen kann, ist einfach unglaublich) und die Schwerter der Paktierer wollten wir im Dschungel vergraben, auf dass sie auf ewig jedem Zugriff entwunden waren.



9. Efferd 26 Hal, Lager im Dschungel

Messana hatte sich nicht gekratzt, jedenfalls gab es keine Hinweise darauf und von den Wachenden hatte auch niemand so etwas beobachten können. Je mehr Entfernung man zu der Waffe hielt, desto besser war es wohl.

Während Dela und der gelehrte Herr in die Stadt gingen, gruben wir das Paket aus, suchten unsere Sachen zusammen und wählten schon mal einen Platz aus, an dem der Kürass vergraben wurde, schließlich sollte er später wieder gefunden werden können, ohne dass ein Jeder, der zufällig daher kam, sie entdecken konnte.
Diese Stelle zeigten wir den beiden, dann brachen wir - wieder einmal – auf in den Dschungel. Wie beim letzten Mal, folgten wir erst ein kleines Stück weit der Dschungelstraße, verließen sie aber recht bald, nach wohl an die zwei Stunden, denn wir wollten ja direkt nach Westen, Messana übernahm die Führung, denn sie hatte den besten Orientierungssinn und kannte sich im Dschungel auch aus. Sie hatte am Morgen Leuintatze von dem Segeltuchpaket gelöst, im Dschungel wollte sie den Säbel schnell zugriffsbereit haben.
Der grüne, heiße, feucht-warme Dschungel. Es gibt einen Ort auf dem Dererund, der mir wirklich mehr zutiefst verhasst ist und hier zu wohnen oder all dies auf sich zunehmen, um hier mondelang eine Expedition zu machen, ist etwas, das sich mir gänzlich entzieht.

Nach wenigen Stunden hielten wir an, schoben altes, totes Astwerk zur Seite und gruben ein langes und vor allem tiefes Loch, in das wir den Zweihänder und die beiden Schwerter der Paktierer hinein legten und schaufelten es wieder zu. Darüber Äste und Blätter verteilen und niemand würde an dieser willkürlichen Stelle im maraskanischen Dschungel die Waffen finden können. Nicht einmal wir.

Am Mittag regnete es und wie immer, wurde es danach noch schwüler und drückender.

Abends schlugen wir unser Lager auf, in dem wir Bäume für die Hängematten aussuchten und Wasser abkochten. Das Paket mit der Waffe wurde begraben, allerdings nicht weit weg von Messanas Hängematten, dafür bot der undurchdringliche Dschungel nicht genügend Raum.

Nun, nach dem Essen und Abkochen von Wasser für den morgigen Tag, legen sich die ersten schon zur Ruhe. Die Wacheinteilung ist wieder aufgenommen worden und ich schreibe kurz noch etwas für diesen Tag.
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#72
11. Efferd 26 Hal, Lager in Sel’Althach

Am gestrigen Tag kamen wieder die ersten Anstrengungen des Dschungelmarsches. Obendrein bin ich völlig übermüdet, weil ich jetzt zwei Nächte hintereinander nicht geschlafen habe. Der Dschungel ist so infernalisch laut …

In beiden letzten Nächten hatte Messana sich mit Handschuhen angekratzt, denn obwohl der Anderthalbhänder begraben war, war es dennoch zu nah. Welche Wirkung auch immer der Kelch haben mochte, gewisse Auswirkungen unterdrückte er nicht. Die Ausstrahlung etwa. Vielleicht war es eine Form der Gewöhnung, dass wir alle Messana folgten, ohne den Abstand zu groß werden zu lassen (was im Dschungel schon wenige Schritt sind), oder vielleicht hatte sie abgenommen, aber ich war mir der Ausstrahlung dennoch beständig bewusst.

Am heutigen Mittag - gestern hatte es da geregnet, heute nicht – sagte Firudan plötzlich, dass er das Gefühl hatte, dass wir nicht auf dem richtigen Weg waren. Messana fiel ein, dass es ja geheißen hatte (oder wir es so verstanden), dass das Szepter den Weg nach Sel’Althach weisen würde. Firudan nahm das Szepter zu Hand und hielt es in die verschiedenen Richtungen, doch stellte er fest, dass da nichts wäre. Aber er selber hatte das Gefühl, dass wir eher nach Südwesten müssten.
Da wir ja ohnehin nicht genau wussten, wo die Ruine lag (westlich von Boran kann nun doch so manche Meile meinen), war leicht südlich so gut wie weiter nach Westen oder leicht nördlich, und so übernahm er nun die Führung.

Es vergingen wieder Stunden, in denen wir eigentlich nicht weit kamen, aber es war noch hell, auch wenn es bis zu Dämmerung nicht mehr lang dauern konnte, als wir plötzlich eine Lichtung betraten. In deren Mitte befand sich ein Tempelbau, der mich ein wenig an einen Obelisken erinnerte: gute 10 Schritt hoch, und von ähnlicher Grundfläche im Rechtschritt.
Das Eingangsportal war riesig, es erreichte fast die halbe Höhe des Gebäudes. Steinerne Statuten, die Echsen mit spitzen, krokodilartigen Mäulern zeigten, mindestens noch mal zwei Köpfe größer als Firudan, standen rechts und links vom Tor. Sie sahen den Steinfiguren im Tempel unter dem Brunnen sehr ähnlich.
Es gab Spuren von Ruß auf den Statuten, der Wand und dem Tor.
Um den Bau herum gab es die zerfetzten Überreste von einem Lager: Kisten, Zelte, Tische und Werkzeug waren in zerstörten Resten auszumachen. Und Tote … wir entdeckten mehrere Leichen und dazu noch Teile von Leichen.
Seit von Rallerau in die Katakomben eingedrungen war und der Wächter-Leviathanim die Soldaten und Expedition angegriffen hatte, war niemand her gekommen, um die Toten zu bestatten. Und dazwischen waren die gewaltigen Abdrücke eines Echsenfußes zu erkennen, nur an wenigen Stellen und nicht gut, weil viel Zeitvergangen war. Jeder menschliche Abdruck war winzig dagegen.
Frische Spuren gab es nicht, aber wir blieben trotzdem wachsam, denn von dem Wächter wollten wir nicht überrascht werden.

Da das Szepter aus den Katakomben stammte, musste es dort auch wieder hin. Firudan und ich nahmen unsere Langwaffen zur Hand. Womöglich würde es innen dafür zu eng sein, aber wenn da so eine große Kreatur wie der Wächter durchpasste, könnte doch Platz für große Waffen sein.
Der gelehrte Herr klappte seine Augenklappe hoch, doch konnte er keine Magie entdecken.

Wir traten durch das Tor und sahen, dass wir kein Licht machen brauchten, denn in die Wände des Ganges, der vor uns lag, waren Gwen Petryl-Steine eingelassen. Es gab Wandmalereien, die Echsenmenschen zeigten. Der Gang war leicht abschüssig und wurde im Vergleich zu der Hitze draußen bald kühler. Aus der Tiefe und Dunkelheit vor uns war eine Art Knurren zu hören … Doch wie weit entfernt und es war abseits davon nichts zu hören oder sehen, was auf eine unmittelbare Gefahr schließen ließ.

Wachsam und vorsichtig gingen wir weiter. Wir gelangten in einen Raum, in dem es ein rundes Wasserbassin gab. Vier Sockel standen dort, auf denen mal etwas aus Kristall gestanden hatte, denn die Splitter waren auf und neben den Sockeln verstreut. Es roch leicht danach, als wenn es hier einmal gebrannt hätte.
Es gab noch einen Durchgang außer jenem, durch den wir eingetreten waren, Trümmer eines Tores lagen darin und die Seiten des Steins waren mit Runen verziert. Nach den von Rauch teilweise schwarz gefärbten Bruchstücken zu urteilen, war das Tor gewiss mindestens anderthalb Spann dick gewesen. Und es war zertrümmert!
Firudan berührte mit der Hand einige der Runen und sagte, er würde sie zwar nicht verstehen, aber ein Gefühl sagte ihm, dass sie eine Warnung beinhalteten.

Aber da der Durchgang der einzige weiterführende Weg war, gingen wir hindurch. Dahinter erstreckte sich wieder ein leicht abwärts führender Gang. Vereinzelte Wasserrinnsale liefen an den Wänden herab und machten den Boden feucht und leicht rutschig.

Das Knurren war zuweilen immer noch zu hören, es klang immer wie weit entfernt und weiter unten. Andere Geräusche hörten wir nicht außer unseren Schritten und irgendwelche Bewegungen vor uns waren auch weiterhin nicht auszumachen.

Einige Menschenlängen später betraten wir einen weiteren Raum, dessen Boden mit Wasser bedeckt war (obwohl wir draußen keinen Bachlauf gehört oder gesehen hatten). Ein Torbogen führte hinein, auf dem Boden sah ich die Überreste geborstener Kristalle. In der Mitte des Raumes stand ein großer Sockel im Wasser, der mit Runen und Gwen Petryl-Steinen bedeckt war, die einzige Lichtquelle im Raum, abseits vom Sockel verschwand alles bald in Dunkelheit.

Aus der Entfernung sagte Firudan, die Runen würden sowohl Warnung als auch Lobpreisung darstellen. Ist schon seltsam, was für einen Echsensinn (oder Krötensinn?) er neuerdings entwickelt.

Wir alle sahen die kleine Öffnung auf dem Sockel, eine Öffnung, in die das Szepter durchaus passen mochte. Firudan, mit seinem Zweihänder in der einen Hand und dem Szepter in der anderen, trat in das Wasser und watete vorsichtig darauf zu. Das Wasser ging ihm nicht ganz bis zu den Knien.
Er war noch nicht beim Sockel angekommen, als er uns mitteilte, dass tote Achaz im Wasser treiben würden.
Der gelehrte Herr schnippte einmal mit den Fingern und ein Lichtball erschien über seiner Hand.

Ich zuckte unwillkürlich zusammen – im Hintergrund des Raumes schälte sich in den letzten Ausläufern des Lichtes eine riesige Gestalt heraus, grüne Schuppen, scharfe Zähne im hervorspringenden Maul, mehrere Schritt hoch, auf den muskulösen Hinterbeinen sitzend, aber gänzlich reglos. Der Wächter!
Ich sah, dass er eine Art von Rüstung trug, die aussah, wie aus Schuppen und Flechten gefertigt. So reglos es auch da saß, dass Knurren, was wieder zu vernehmen war, ging von ihm aus.

Messana und Dela, ohne ihre Waffen tatsächlich zu heben, machten sich unwillkürlich kampfbereit, ich bemerkte die Anspannung, leichte Gewichtsverlagerungen, die Bereitschaft, blitzschnell zu agieren.
Ich fasste meine Waffe fester und musste mich zusammennehmen, sie nicht hochzunehmen.

Firudan tat die letzen Schritte auf den Sockel zu und steckte das Szepter in die Öffnung. Der Leviathan straffte sich und wurde dadurch noch größer. Er blickte aus seiner Höhe auf Firudan herab, der sagte: „Wie wir es gesagt haben.“
Ein paar Herzschläge später nickte er – dabei war nichts zu hören - und drehte sich dann erst zu uns um, als er sagte, dass wir gehen sollten.
Er selber war der letzte in unserer Reihe.

Wir waren noch nicht einmal bei dem anderen Raum angelangt, als er plötzlich gepresst „Halt!“ rief. Er hatte seinen Arm ausgestreckt und krempelte hastig den Ärmel hoch, ich musste erst an Messana und dem gelehrten Herrn vorbei schauen, um näheres zu erkennen: Das Geflecht an der Stelle, an der er von der Schlange gebissen worden war, war zwar nicht größer geworden, aber dicke Adern zeichneten sich darunter ab und so etwas wie dicke Knubbel darunter bewegten sich den Arm hinauf. Es sah sehr widerwärtig aus, und sehr schmerzhaft, was es auch war, wie ihm anzumerken war. Messana, die direkt vor ihm gegangen war, war mit einem Schritt bei ihm und drückte ihre Hand kräftig oberhalb des Geflechts auf die Haut, doch die wandernden Erhebungen waren dadurch nicht aufzuhalten.

Firudan wollte wieder zurück und den Wächter danach fragen. Wir alle folgten ihm. Firudan fragte, was mit ihm geschehen würde. Der Wächter antwortete (für uns vernehmbar) nichts, aber dann fragte Firudan, ob es ein Zeichen der Verschmelzung sei und kurz darauf gab er ein „Ah ja“ von sich. Irgendwie kommunizierte die riesige Echse mit ihm. Dann schaute er wieder auf seinen Arm. Ich sah im Lichte des Flim Flams, wie die letzten Knoten unterhalb seiner Rüstung verschwanden.
Firudan sagte, dass der Schmerz jetzt nachlassen würde, aber er nun Probleme hätte zu atmen und Schmerzen in der Brust bekommen würde.
Das hatte er doch schon mal gehabt, vor der Verschmelzung, aber nach dem Schlangenbiss der Noralecotter.

Wir gingen nach oben, in der Hoffnung, dass die dort frischere (aber wärmere) Luft helfen würde. Als Dela ihn den Weg hinauf stützen wollte, lehnte er dies ab, aber Dela ging dennoch nah bei ihm.

Draußen drängten wir ihn, sich zu setzen. Er sagte, der Schmerz wäre noch da, würde aber im Moment gehen.
Messana fragte ihn, was das Wesen anfangs zu ihm gesagt hatte (ich war also nicht die einzige gewesen, die rein gar nichts gehört hatte). Er antwortete, dass es gesagt hätte, dass das Szepter da sei und Akrabaal damit wieder sicher und dass das Szepter vom Bruder unter den Menschen zurück gebracht worden war.
Anschließend äußerte Messana ihre Besorgnis, dass Firudan einmal so aussehen könnte, wie die beiden Wächter, die wir bislang gesehen hatten. Als Firudan da sagte, ihm sei gesagt worden, der Schmerz solle sein Freund sein, schauten wir ihn alle skeptisch an.
Er zog seine Krötenhaut aus und das Hemd. Das Geflecht war da, nicht größer, aber die Adern zeichneten sich noch immer dick und dunkel ab, zwei von ihnen zogen sich sichtbar zur Schulter hoch. Von wandernden oder still liegenden Knoten war nichts zu sehen.
Die Erkundigung, was ihm beim Zurückgehen gesagt worden war, lag nahe, und Firudan sagte, dass es ihn stärken würde und er den Schmerz umarmen sollte.
Wieder schauten wir ihn einträchtig in Sorge und Bedenken über diese Eröffnungen und Entwicklungen an.

Die Dämmerung brach schon herein. Im zerstörten Lager fanden wir noch halbwegs brauchbares Werkzeug und hoben ein großes Grab für die Toten aus, die morgen hier bestattet werden sollen.
Wir hatten Firudan angetragen, zu ruhen, aber er stand mit auf und beteiligte sich beim Graben.

Unser Lager schlugen wir am Rande der Lichtung auf. Plötzlich wollte Firudan wissen, ob wir das auch riechen würden. Nun, der Rauch des Feuers, der modrige Geruch des Dschungels, aber das war nicht neu oder unerwartet und das meinte er auch nicht. Er nahm einen irgendwie würzigen Geruch wahr, dann stand er auf, schnuppert hier und dort und stellte schließlich fest, dass besonders der gelehrte Herr danach riechen würde, etwas schwächer aber auch die anderen. Wir rätselten kurz, bis der gelehrte Herr wissen wollte, ob Firudan vielleicht seine Magie roch?
Dass man Magie sehen kann mit entsprechenden Zaubern, das weiß ich ja, aber Magie riechen? Es wir eine im ersten Moment gänzlich unmögliche Vorstellung, aber dann roch Firudan an seiner Rubinklaue, an Delas Drachenklaue und stellte fest, dass sie auch diesen speziellen Geruch verströmten.
Magie riechen? Unglaublich.

Der Schmerz, gab er zu, als wir ihn wieder fragten, wäre noch immer da, aber würde zunehmend schwächer werden. Der Vorschlag, auf seine Wache zu verzichten und durchzuschlafen, wollte er ablehnen, aber Dela und Messana blieben fest und schließlich willigte er ein, durchzuschlafen.

Wir besprachen noch, wie wir weiter vorgehen sollte. Nach Tuzak, fand Messana, denn dort saß die Quelle des Übels nach allem, was wir wussten.
Dela verwies darauf, dass wir sehr wenige wären, um dort hinzugehen und etwas erreichen zu können. Messana schlug vor, dass wir in Boran Kontakt zu einem der Blockadeschiffe aufnehmen könnten, um dessen Offiziere zu überzeugen, uns zu unterstützen, oder aber dies in Tuzak tun sollten bei den dort stationierten Soldaten.
Die Idee, es vor Boran zu versuchen, wurde abgelehnt, sie erschien ihnen zu riskant, mit einem Boot aus der Rebellenstadt hinauszufahren, zu leicht könnten wir versenkt werden oder erst gar kein Hören finden, auch nicht mit weißer Flagge.
Es in Tuzak zu versuchen erschien erfolgversprechender.
Das führte zu der Frage, wie wir nach Tuzak gelangen sollten. Entweder über den südlichen pass zu Fuß, sagte Messana, oder in Boran ein Schiff finden, das uns in die Nähe (nicht direkt nach) Tuzaks bringen würde, um dann noch ein oder zwei Tage zu laufen. Der Weg zum und über den Pass und danach nach Tuzak würde uns vermutlich zwei bis drei Wochen abnötigen. Per Schiff würde es sicherlich schneller gehen, auch wenn wir uns nicht zu viel Zeit nehmen sollten, eines zu suchen oder auf eines zu warten (höchstens wenige Tage, sonst würde sich der Weg über den Pass anbieten, auch wenn uns dieser sehr anstrengen würde).
Nach Boran sollten wir schon deshalb, um dort den Gefangenen abzuholen und den Kürass mitzunehmen, von hier aus zum Pass würde sich nicht anbieten, das wäre quer durch den Dschungel und würde zusätzliche Zeit und Anstrengungen benötigen.
Wenn wir in Tuzak waren, sprach Dela an, sollten wir auch überlegen, wie mit dem dämonischen Anderthalbhänder zu verfahren sein sollte, der würde eine Kontaktaufnahme und Verhandlungen mit Offizieren schwierig, wenn nicht eher gar unmöglich machen. Messana erwiderte, sie würde ihn kurz vor oder in Tuzak verstecken.
Um in Boran eine Schiffspassage auf einem Freibeuter oder Händler aber überhaupt bezahlen zu können, würden wir versuchen, doch noch ein paar Steine zu verkaufen.
Außerdem sagte Messana, dass sie ein Schreiben zum Festland schicken wollte, um Unterstützung anzufordern, und der gelehrte Herr schlug vor, es nach Khunchom zu schicken, von dort könnten es seine Leute in der Karawanserei weiter leiten. Eine gute Idee, so sollte es gemacht werden.
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#73
12. Efferd 26 Hal, Lager im Dschungel

Die dritte Nacht in Folge, in der ich doch nicht erschöpft genug war (auch wenn mir das unmöglich vorkam, so müde fühlte ich mich), um im lauten Dschungel zu schlafen. Ich bekam heute morgen kaum die Augen auf, nachdem ich im stiller werdenden Dschungel eingeschlafen war, kurz bevor geweckt wurde.
Messana Gesicht war wie an jedem der letzten Morgen rot zerkratzt, aber die Handschuhe taten ihren Dienst.
Firudans Schmerzen waren verschwunden.

Wir begannen, die Toten zusammen zu tragen. Es war eine sehr unangenehme Angelegenheit, denn in der Tat gab es neben vier weitestgehend kompletten Skeletten auch etwa ein Dutzend, von denen nur einzelne Teile übrig waren, die wiederum zum Teil noch zusammengetragen werden mussten. Dazu waren sicherlich noch einige oder Teile von Tieren in den Dschungel gezerrt worden, doch die würden wir nie finden.

Messana sprach den Grabsegen, den wir alle geeint mitsprachen.

Dann machten wir uns auf den Rückweg gen Boran.



14. Efferd 26 Hal, Boran

Zum Glück dauerte auch der Rückweg nicht so lange, als dass die Anstrengungen des Dschungelmarsches harte Auswirklungen hätten haben können.

Heute erreichten wir wieder Boran. Auf dem Weg in die Stadt gruben wir den Kürass aus. Wieder wichen uns alle aus, so dass wir kein Problem hatten, durch die betriebliche Stadt zu gelangen.
Am Hafen wollte sich Messana umschauen, ob sie ein ihr bekanntes Schiff oder Gesicht ausmachen konnte. Dann wandte sie sich an Dela, die, bevor Messana noch etwas hatte sagen können, erklärte, sie würde es nehmen. Dennoch streckte sie nur unwillig und nach kurzem Zögern die Hände aus, um das Paket anzunehmen. Messana atmete unwillkürlich aus, als sie es übergeben hatte und verschwand zwischen den Leuten, die ihr nun nicht aus dem Weg gingen.
Es dauerte aber gar nicht so lange, vielleicht die Hälfte einer Stunde, bis sie wieder zurückkam. Sie berichtete, dass die „Seeschwalbe“ von Admiral Shansujin vor Anker liegen würde. Sie hatte ihrem Freund die wichtigsten Eckdaten erzählt und er würde uns an Bord nehmen und morgen in See nach Tuzak stechen. Danach würde er den Brief weiter nach Khunchom bringen. Die dämonische Waffe an Bord zu bringen würde in Ordnung gehen und wir würden eine Kiste gestellt bekommen, allerdings sollten wir gegenüber der Mannschaft kein Wort darüber verlauten lassen, was es war, dass sie so wegtrieb. Wir durften sofort an Bord gehen, was wir taten.
Die Götter waren mit uns, keine Frage.

Auf der „Seeschwalbe“ war umgehend Betrieblichkeit ausgebrochen, für letzte Erledigungen ging der Admiral an Land und kurz darauf wurden Proviant und Wasser an Bord gebracht.
Dela ging, unseren Gefangenen zu holen, wir anderen halfen beim Beladen des Schiffes.

Da es noch nicht ganz Abend war, fragte der gelehrte Herr, nachdem Ruhe eingekehrt war, ob er Delas Drachenklaue untersuchen dürfe.
Nach nicht ganz so langer Zeit wie bei Diadem und Szepter kam er wieder. Er sagte, Dela hatte dort ein sehr mächtiges Artefakt (eine Feststellung, die nun niemanden überraschte, angesichts seiner Bedeutung und Herkunft), das er aber nicht entschlüsseln kann, da er dazu ungleich viel mehr Zeit benötigen würde und gar weitere Magier, die ihn dabei unterstützten.

Messana hatte sich in der Zeit mit Shansujin in dessen Kajüte zurückgezogen, um ihm alle Einzelheiten über die Geschehnisse der letzten zwei Monate (so lange war es fast genau auf den Tag her, dass er uns nach Boran gebracht hatte) zu erzählen.

Ich werde gleich schlafen gehen und freue mich bereits jetzt darauf, ganz gewiss durchschlafen zu können, auch wenn es schon wieder in einer Hängematte sein wird.



15. Efferd 26 Hal, an Bord der „Seeschwalbe“

Heute stachen wir früh in See. Shansujin hielt sich nicht so nah unter Land wie Kodnas Han, so dass bald eines der Blockadeschiffe auf uns aufmerksam wurde und die Verfolgung aufnahm. Doch Shansujin wusste seine Thalukke zu führen, und während die Bugwelle immer höher schäumte, blieb das schwerfälligere mittelreichische Schiff zunehmend zurück.
Ich schüttelte den Kopf, vor den eigenen Leuten wegzulaufen ist etwas, dass mir noch immer seltsam erscheint, obwohl ich irgendwie die Maraskaner zunehmend auch als eigene Leute ansehe. Marech, mit dem wir siebenspannenlang durch den Dschungel gezogen waren, die Bewohner des Haranydad-Dorfes, die Kinder, mit denen ich dort mich unterhalten und meinen Spaß gehabt hatte, Kodnas Han und seine Besatzung, die uns mit jeglicher Tapferkeit und Selbstlosigkeit am Friedhof der Seeschlangen zur Seite gestanden hatten, Shansujin, der uns nach Boran gebracht, einen Führer besorgt und uns wichtige Hinweise und Denkanstöße gegeben hatte und uns nun nach Tuzak brachte … Solche Leute kann ich nicht als Feinde des Reiches und damit als die meinen ansehen, ganz im Gegenteil.

Als wir nach Süden segelten und das verfolgende Schiff längst wieder verschwunden war, zog sich Messana an eine ruhige Stelle zurück, darauf bedacht, die Kiste mehrere Schritt weit entfernt zu haben, und zog sich in sich und Konzentration zurück. Ich achtete darauf, ohne sie zu stören, dass sie auch ungestört blieb, weil sie die nächsten Stunden beten wollte.

Ich selber machte einige langsame Waffenübungen, pflegte meine Ausrüstung und half, so wenig ich auch zu tun vermochte, auf dem Schiff, soweit man mich ließ.
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#74
27. Efferd 26 Hal, Tuzak

Die Fahrt verlief ereignislos. Immer nach Süden, vorbei am nun ruhig daliegenden Friedhof der Seeschlangen, dann nach Westen um die Südspitze Maraskans herum. Die Winde waren uns meist günstig gesinnt, so dass wir keine Flaute hatten und keinen Sturm.

Messana verbrachte viel Zeit, wenn sie nicht gerade betete, um ihre Gabe Rondras für Tuzak zu stärken, mit Shansujin. Ich war wieder erstaunt, welch gute Freunde sie waren, bei Messana ein ungewohnter Anblick. Bei Shansujin kann ich es verstehen, er hat diese gelassene, starke Ausstrahlung innerer Ruhe, auch wenn mich seine Gewohnheit, Probleme und Fragen mit Fragen und Gegenfragen zu kontern, und so den Fragenden dezent auf den rechten Weg anzuleiten, immer wieder überraschten.

Ich betätigte mich auch weiterhin ein wenig als Leichtmatrosin, so ich nicht verstärkt meine Übungen aufnahm, weiter führte und von Messana unterrichtet wurde.

Messana setzte auch mehrere Briefe auf, die dann doch nicht nach Khunchom, sondern Perricum gebracht werden sollten, wie sie umentschied, Shansujin wollte ihrer Bitte nachkommen, nach Perricum zu segeln. Es war einmal ein Schrieb an das Reichsmarineamt, von dem es sicherlich ein Büro dort geben würde, da Perricum ein Kriegshafen war, dann an Ayla von Schattengrund, Schwert der Schwerter und persönliche Freundin, und ein Brief an den Reichsbehüter, der an ihn weiter geleitet werden sollte. Sie siegelte zusätzlich mit dem Siegel des Ringes, den der Reichsbehüter ihr gegeben hatte, um in seinem Namen und Willen zu agieren, und forderte Truppen an, die so schnell wie möglich nach Tuzak übersetzen sollten, bzw. informierte den Reichsbehüter grob über die Lage, unser Vorhaben und was wir erlebt hatten. Das Schwert der Schwerter bat sie um so viele Geweihte wie möglich, die mit den mittelreichischen Truppen oder unabhängig schnellst möglich nach Tuzak sollten.
Bedauerlicherweise würden die Briefe Perricum erst Tage erreichen, nachdem wir bereits in Tuzak waren, was bedeuten würde, dass es selbst bei schneller Reaktion noch einige wenige Siebenspannen dauern würde, bis die gewünschten Truppen eintreffen würden.
Ob wir so viel Zeit hatten, war fraglich. Doch ein Versuch war es wert.

Südlich von Tuzak gab es eine Steilküste, an der wir schwerlich abgesetzt werden konnten, daher lautete Shansujins Vorschlag, weiter nach Norden zu segeln und uns dort an Land zu setzen.

Am 25. Efferd kam dann Tuzak in Sicht, und noch etwas: weiter auf See hinaus, wohl an die fünf bis zehn Meilen vom Land entfernt, lagen dicht beieinander mehrere große Schiffe, vor ihnen quer und wie den Weg versperrend drei Blockadeschiffe.
Wir müssten sie auf dem Weg nach Norden in großen Bogen umfahren, dabei kamen wir nah genug, um zu erkennen (denn natürlich waren sämtliche beiden Fernrohre der Thalukke auf die Schiffe gerichtet), dass das größte der Schiffe (mit einem Rammsporn vorne) über der mittelreichischen Flagge eine mit gelben Sonnenbanner gehisst hatte - es war also auch im Namen der Praios-Kirche unterwegs.
Messana erkannte in dem Schiff die „Seeadler von Beilunk“, das Flaggschiff der mittelreichischen Perlenmeerflotte, nahe bei lagen noch zwei Schivonen beigedreht und zwei Karracken, wie ich den Bemerkungen entnehmen konnte, dazu noch die drei Blockadeschiffe. Die Schiffe wiesen mit dem Bug gen Tuzak, kamen also nicht dorther, sondern wollten vielmehr dorthin.

Wir überlegten kurz, ob wir Kontakt aufnehmen sollten, zogen es aber vor, es nicht zu tun. Die „Seeschwalbe“ war im Vergleich zu der Geschützkraft der versammelten Schiffe dort ein Nichts und nur auf ihre Schnelligkeit allein sollten wir nicht setzen, denn auch eine Galeasse (wie die „Seeadler“ eine ist) kann sehr schnell sein. Wir befanden uns auf einem maraskanischen Freibeuter, die Feindbilder von mittelreichischen Seeleuten waren.
Wir hofften also, schnell genug um sie herum zu kommen und nicht interessant genug zu sein, warum auch immer die Schiffe dort so nah beieinander lagen.

Doch unsere Hoffnung sollte sich nicht erfüllen – zum Glück, wie ich wohl bemerken darf.
Plötzlich blitzten helle Lichtzeichen von der „Seeadler“ herüber und Shansujin stellte fest, dass es Signale an uns waren mit der Aufforderung, uns zu sprechen. Er sagte, dass er dem nachkommen wolle.

Nun denn, Messana schickte mich unter Deck, meine und ihre Sachen zu packen und an Deck zu bringen. Sie selber beobachtete mit einem Fernrohr die Schiffe, während wir uns näherten. Plötzlich sagte sie, sie würde Admiral Sanin erkennen, ebenso Inquisitor da Vanya und Ucurian Jago, den Bannstrahler. Dazu diverse Soldaten und Bannstrahler.

Da Shansujin Befehlshaber war, würde sie ihm das erste Wort überlassen, stellte sich aber neben ihn. Ich sah, dass sie sich den Ring des Reichsbehüters an den Finger steckte.
Immer näher kamen wir, Segelfläche wurde weggenommen, und dann lag die kleinere Thalukke neben der vor Rudern und Geschützen starrenden „Seeadler von Beilunk“. Eine Planke wurde zu uns herüber geschoben und Messana folgte Shansujin dicht auf, wir wiederum Messana. Immerhin wurden drüben keine Waffen gegen uns gezogen, wenn auch so einige Hände von Soldaten und Bannstrahlern auf Waffenknäufen lagen, aber wirklich ruhig war ich nicht, denn auch, wenn es unsere Leute waren, so wurden wir, wenn auch fälschlich, wegen Hochverrats gesucht.
Dela und Firudan baten Messana noch vorher schnell und leise, sich zurückzunehmen und nach Möglichkeit sie reden zu lassen. Das wünschte ich mir auch, hatte aber die Befürchtung, dass der Anblick so vieler weißer und goldener Ornate eher den gegenteiligen Effekt haben würden.

Noch bevor wir das Deck der „Seeadler“ betreten hatten, hörte ich die mir bereits wohlbekannte Stimme Ucurian Jagos, der sich darüber ereiferte, wie unverschämt er es fand, dass ihnen die Einfahrt nach Tuzak verwehrt wurde.
Nanu, dachte ich, als eine schon fast weinerliche Stimme versuchte, sich zu verteidigen und darauf verwies, dass er seine Befehle hatte, die er auszuführen hatte, und nicht erstellte.
Der Bannstrahler stand vor einem Offizier und redete sich in Rage, womöglich seine bevorzugte Emotion, denn in der schien er sich meist zu befinden. Hochwürden da Vanya stand daneben und sah irgendwie resigniert drein. Ich erkannte auch Admiral Sanin, weil ich ihn auf dem Ball in Gareth gesehen hatte, der neben dem Inquisitor stand und ein betont unbeteiligtes Gesicht zeigte.
Während Jago noch wetterte und der Offizier sich unbehaglich und wenig überzeugend zu verteidigen suchte, warum er die Flottille nicht passieren lassen durfte, trat da Vanya mit dem silberweißem Haar auf uns zu. Er erkannte uns zugleich und daher fiel seine Begrüßung höflich, geradezu freundlich aus, ich suchte allerdings vergeblich nach Anzeichen, dass er verwundert war, uns hier anzutreffen.
Wir grüßten freundlich zurück. Da er mit Praios gegrüßt hatte, ließ es sich Messana nicht nehmen, mit Rondra und deren elf Geschwistern zurückzugrüßen, aber von so etwas hatte er sich noch nie provozieren lassen.
Firudan, der den Inquisitor nicht kannte und umgekehrt ebenso, stellte sich mit vollen Namen vor. Messana stellte Shansujin als „Admiral Shansujin“ vor, was doch ein Heben der Braue des Inquisitors zur Folge hatte und einen deutlich skeptischeren, aber auch neugierigen Blick Sanins, der sich im Hintergrund hielt, den Messana kurz und namentlich begrüßte. Warum da Vanya gar nicht überrascht war, stellte sich heraus, als er nach den Begrüßungen das Wort ergriff. Er sagte nämlich, er hätte uns in Tuzak erwartet und die Flottille von fünf Schiffen sei gerade selber auf dem Weg dorthin, um nach Zeichen und Informationen zu suchen. Die Gefahr des drohenden Bürgerkriegs, dass Delian von Wiedbrück Berater Fürst Herdins ist, statt den Nachforschungen weiter nach zugehen, die zu sammeln er den Auftrag hatte und auch der Verlust des Enduriums hatte da Vanya aufmerksam gemacht. Er hatte daraufhin mit dem Reichsbehüter korrespondiert und dieser hatte ihm die fünf Schiffe zur Verfügung gestellt.
Abwechselnd berichteten wir von den wichtigsten Ereignissen, die wir erlebt hatten, ganz knapp nur, und den Folgerungen, die wir daraus gezogen hatten. Das sicher gestellte Endurium und wie das 4. Banner damit zu tun hatte, von Rallerau, dem abtrünnigen KGIA-Oberst und Paktierer, den Pforten zu den Niederhöllen am Friedhof der Seeschlangen und dem gestörten Ritual und den dortigen, uns gänzlich unbekannten Dämonen, die aussahen wir aus Bäumen und Spinnen zusammengesetzt, den drei unheiligen Klingen, von denen wir eine haben erobern können zusammen mit einigen Unterlagen und auch dem Erscheinen Yo’Nahos (allerdings ohne unsere Nahtod-Erfahrungen mit zu erwähnen). Und, natürlich, das hinter all dem Borbarad steht.
Da Vanya hörte aufmerksam zu, nickte verstehend, schaute sorgenvoll drein, sagte aber nur, dass er bei Zeiten gerne in diese Unterlagen schauen würde.
Auch, dass wir wegen Reichsverrat gesucht wurden, sprachen wir an, was dann doch einige Überraschung auslöste, tatsächlich scheint dies auf dem Festland gänzlich unbekannt gewesen zu sein, um uns zu behindern oder gar gänzlich aufzuhalten und wie erstaunlich es war, dass die Steckbriefe vor unserer Ankunft auf der Insel aushingen und jemanden mitsuchten, die Maraskan gar nicht lebend erreicht hatten.
Zwischenzeitlich hatten es Jago und der Offizier es aufgegeben, Vorwürfe und Verteidigungen vorzubringen. Jago musterte uns unfreundlich und bei der Erwähnung der Steckbriefe blickte er drein, als würde er das gerne als Vorwand nehmen, uns festzunehmen. Der Offizier schaute unbehaglich drein, als hätte er das Gefühl, uns festnehmen zu müssen, würde es sich aber nicht trauen. Da Vanya bemerkte das auch, denn er wandte sich an den Offizier und stellte klar, dass wir im Auftrag von Reich und Kirche unterwegs seien und auf gar keinen Fall verhaftet werden dürften. Der Offizier nickte unbehaglich.
Ich dagegen war außerordentlich erleichtert, dass der Inquisitor unsere Reputation keinesfalls in Frage stellte, und ganz offen sich dafür aussprach, dass jegliche Vorwürfe falsch seien.

Jago nutze den Moment, dann doch noch eine wenn auch unfreundliche Begrüßung an uns auszusprechen und es dauerte nur Herzschläge, bis sich Messana und er jähzornig anschrieen, nachdem der Bannstrahler uns als „Personen“ in abfälligen Tonfall bezeichnet hatte und er sich weigerte, sie mit Hochwürden anzusprechen und dann auch noch in Frage stellte, dass Messana tatsächlich geweiht war.
Nun, ich hätte ihn an ihrer Stelle dafür auch gefordert, daher hatte sie meinen vollen Rückhalt.
Da Vanya suchte Jago zurückzuhalten, der große Firudan stellte sich zwischen die beiden. Messana schüttelte die Hand, die er ihr auf die Schulter legte, wieder ab, machte aber ohnehin keine Anstalten, näher auf Jago zuzugehen. Sie hatte ihn gefordert, er wollte ein Treffen vor Geicht und sie nannte ihn einen Feigling, erst recht, als er sich auch auf seinen Orden berufen wollte. „Jederzeit, Jago“, sagte sie noch.

Als die Lage zwar nicht tatsächlich beruhigt war, aber auch nicht weiter eskalierte und da Vanya uns an Bord der „Seeadler“ eingeladen hatte, kündigte Shansujin an, er werde an Bord seines Schiffes zurückkehren. Sanin schaute etwas unwirsch drein und öffnete schon den Mund, als da Vanya dies bestätigte und Messana fast zugleich darauf verwies, dass Shansujin uns im Namen des Reichsbehüters mitgenommen hatte.
Messana streckte die Hand aus, um sich von ihm zu verabschieden und bedankte sich noch einmal vernehmlich für all seine Unterstützung.
Der Offizier von dem einen Blockadeschiff willigte ein, die Schiffe passieren zu lassen und er würde den anderen Blockadeschiffen signalisieren, dass sie folgen sollten.
Auch wir kehrten auf die „Seeschwalbe“ zurück, um unsere Sachen und den Gefangenen zu holen. Messana bat Shansujin, doch nach Khunchom zu segeln, da sich Perricum nun soweit erst mal erledigt hatte und wollte das Schreiben an den Reichsbehüter noch kurz um ein paar Zeilen ergänzen. Sie bat den gelehrten Herrn, seinerseits kurz ein paar Zeilen an seine Angestellten in Khunchom nieder zuschreiben, damit diese den Schrieb entsprechend schnell und sicher weiter sandten. Die anderen beiden Schreiben steckte sie wieder ein, sie waren überflüssig geworden. Die Zeilen waren schnell ergänzt und der Brief neu gesiegelt und Messana entfernte noch den verpackten Kelch und reichte ihn Dela zurück.
Minuten später waren wir mit Sack und Pack an Bord der „Seeadler von Beilunk“.
Es war direkt ungewohnt, dass nicht alle zurückwichen, als Messana mit dem verpackten dämonischen Anderthalbhänder hinüber wechselte. Matrosen und Soldaten ja, auch einige Bannstrahler, aber da Vanya, Jago, der Admiral und einige Bannstrahler blieben, wenn auch mit verkniffenen Gesichtern, stehen.

Hochwürden und Jago wollten die Waffe sehen, Messana ging mit ihnen dazu unter Deck, während die „Seeadler“ und ihre vier Begleiter Fahrt aufnahmen. Die drei Blockadeschiffe folgten und signalisierten an weiter draußen stehende Blockadeschiffe, ebenfalls zu folgen.
Sie kam kurz darauf ohne die Waffe an Deck, ging zu Admiral Sanin, sprach kurz mit ihm und kam dann zu uns. Sanin hätte eine abschließbare Kammer, sie würde die Waffe dort lassen, um sich bei der Landung in Tuzak damit nicht zu belasten, und auch mit Kürass und der Mappe so verfahren und sie schlug Firudan vor, dass Endurium ebenfalls dort zu verstauen, was dieser tat und Dela, den Kelch dort zu lassen, wenn sie dies möchte, was sie ebenfalls annahm.

Wir näherten uns Tuzak und alle Fernrohre und Augen waren auf die Stadt gerichtet.
Ich sah die Steilklippe südlich und oberhalb der Stadt, auf der sich der Palast erhob. Es war keine militärische Festung, sondern eher ein Palast, der auf Bequemlichkeit und schöne Architektur ausgerichtet war. Es gab eine Mauer, die das weitläufige Gelände umfasste, aber die war nun nicht besonders wehrfähig. Es gab keine Wehrtürme oder Geschützstellungen und die Gebäude des Palasts erhoben sich kaum über die Mauer, nur vereinzelt waren ein paar Kuppeldächer auszumachen. Es waren jedoch außerordentlich viele Bewaffnete auf der Mauer auszumachen.
Ebenso sammelten sich im Hafen viele Bewaffnete in geordneten Reihen, es waren sowohl Soldaten als auch Söldner. Der Hafen war dazu schwer mit Geschützen bestückt, auch diese wurden klar gemacht.
Wir selber hatten, wie ich erfahren hatte, als danach gefragt worden war, auf den fünf Schiffen etwa 100 Bannstrahler und 400 Soldaten. Also eine nicht zu unterschätzende Streitmacht, was etwa der Zahl entsprach, die Messana ursprünglich aus Perricum als Mindestzahl hatte angefordert. Aber in Tuzak waren auch diverse Truppen stationiert, zuletzt waren andere Truppen her gezogen worden und noch diverse Söldner angeheuert, so dass nicht abzuschätzen war, mit wie viel Truppen wir es zu tun haben würden.

Firudan nutzte noch die Zeit, bevor wir in den Hafen einliefen, um auf seine mögliche Verwandlung hinzuweisen. Er fing mit der Prophezeiung an, die dem Inquisitor bekannt war an und leitete dazu über, dass sich diese bestimmte Zeile auf ihn bezog und es unter Umständen sein könnte, dass er sich in einem Kampf verändern könnte, größer werden und grüne Schuppen bekommen.
Das löste doch Staunen und fragende Blicke aus, und da Vanya meinte, dass dies eine wichtige Information sein, damit unsere Seite darauf eingestellt sein könnte und dies nicht falsch verstehen würde.
Dela erwähnte die Begegnung mit Teclador und dass dieser gesagt hatte, auch alte Rassen würden sich in den Konflikt einmischen und ihre Drachenklaue von den Drachen stammte. Jago überraschte uns alle, in dem er sie als Drachenklaue bezeichnete und sagte, von der hätte er mal gelesen. Als Messana wissen wollte, in welchen Buch, regte er sich sofort wieder auf, dass er so viele Schriften und Bücher lesen würde, dass er sich nicht alles merken könne. Ein erneut aufflammender Streit wurde aber sogleich von da Vanya unterbunden.
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#75
Fortsetzung des Eintrages "27. Efferd 26 Hal, Tuzak (allerdings Sitzung vom 10.5.2012)"


Messana erkundigte sich bei Admiral Sanin, der den militärischen Oberbefehl hatte, nach den geplanten Vorgehensweisen, wenn wir einmal angelegt hatten. Er wollte erst einmal mit dem Kommandant der Soldaten, die sich im Hafen versammelten, reden. Die Schiffe sollten im Hafen als unser Brückenkopf verbleiben. Er selber, da Vanya und Jago würden mit den Soldaten sprechen und Messana erklärte, sie würde ebenfalls mitkommen.
Messana schlug noch vor, mit den hiesigen Geweihten Kontakt aufzunehmen, da diese den Hiesigen als Vertauenspersonen durchaus bekannt sein dürften und dies bei den Gesprächen, falls es Probleme geben sollten, hilfreich sein könnten, so wir sie von unserer Rechtmäßigkeit überzeugen könnten. Sie selber wollte aber nicht gehen, wie Sanin ihr vorschlug, sondern wollte lieber, dass jemand zu ihnen geschickt werden würde, um sie zu holen, damit mit ihnen gemeinsam gesprochen werden konnte, was dann auch getan werden sollte.

Während die „Seeadler“ durch die kurze Hafenmündung segelte und sich schnell den Kaianlagen annäherte, waren mehr Einzelheiten zu erkennen. Zivilisten sah ich fast gar keine, die hatten sich wohl vorsorglich zurückgezogen. Aber einige hundert Soldaten und Söldner, 400-500, hatten sich dort aufgestellt. Die Geschütze waren bemannt, die Schwertkämpfer hatten sich hinter den Pikenieren positioniert und die Bogenschützen hinter ihnen.

Die Segel wurden eingezogen und mit der letzten Fahrt legte die „Seeadler“ an die Fender des Kais an. Umgehend wurde eine Rampe an Land gelegt und vier Soldaten bezogen daneben Posten. Jago war der erste, der sich schon nachgerade unziemlich vordrängte, um der erste zu sein (was ich unhöflich fand, da Seine Hochwürden und der Admiral im Rang höher waren), der seinen Fuß an Land setzte. Messana folgte dem Inquisitor und dem Admiral, nachdem sie mich angewiesen hatte, zurückzubleiben, und hinter ihr fielen sechs Bannstrahler in den Gleichschritt.
Auch Dela und der gelehrte Herr folgten, aber in kurzem Abstand.

Ein im Gesicht narbiger, kampfgezeichneter Offizier im Wappenrock mit dem Emblem Herdins löste sich aus den gegnerischen Reihen und trat in Begleitung von einem Dutzend Soldaten ihnen entgegen.
Messana schloss neben Sanin und da Vanya auf und ich sah, dass sie wohl etwas zu ihm sagte, dieser drehte sich um und bedeutete den Bannstrahlern, wieder zum Schiff zu gehen.

Da es weitestgehend still war, sowohl in den Reihen der hiesigen Soldaten, als auch auf unseren Schiffen, auf dem die Soldaten warteten, die Schiffe zu verlassen, konnte ich das Gespräch ein Stück voraus verfolgen, wobei da Vanya öfter mal Jago zurückhalten musste, wenn dieser wegen irgend etwas hitzig auffahren wollte.
Der Kommandant grüßte höflich mit Rondra, was zu einer merklich aufgebrachten Begrüßung im Namen Praios’ von Seiten Jagos führte. Da Vanya grüßte mit Praios freundlich zurück, Sanin und natürlich Messana grüßten mit Rondra.
Dann wollte der Kommandant wissen, was uns herführte. Sanin erklärte, dass wir im Auftrag des Reichsbehüters hergekommen wären, der eine Kontrolle wünschte, da zuletzt so viele Truppen in Tuzak versammelt worden waren. Er wolle auch wissen, warum dies geschehen würde.
Der Kommandant, der sich als Oberst von Bergelstein vorgestellt hatte, verneinte ihm bekannte Feinde, Herdin hätte dies angeordnet, vielleicht war dies aufgrund zu erwartender Rebelleaktivitäten zu erwarten, da ja Herdins Erlasse so einige Aufruhr nach sich gezogen hatten. Sanin ließ sich dies für einen Moment durch den Kopf gehen und fragte dann, ob auch in anderen Städten Truppen zusammen gezogen worden waren, oder nur in Tuzak (die Antwort wusste er sehr wohl, daran zweifelte ich nicht). Von Bergelstein bestätigte natürlich, dass es nur in Tuzak so war.
Nun ergriff auch da Vanya nennenswert das Wort, als er von Bergelstein fragte, was dieser nun zu tun gedenke. Jeglicher Bedrohung entgegen treten, wie es seine Befehle vorgaben, antwortete der. Da Vanya wies sanft darauf hin, dass die „Seeadler“ wohl keinerlei Bedrohung darstellte, was von Bergelstein dann auch nicht bestreiten konnte. Er wollte allerdings seine Truppen soweit erst einmal stehen lassen, und da Vanya sagte, dass wir unsere Truppen entladen wollten. Von Bergelstein entgegnete, dass Herdin befohlen hatte, keine feindlichen Truppen an Land zu lassen, woraufhin da Vanya wieder richtig entgegnete, dass wir, da im Auftrage des Reichsbehüters hier, wohl kaum feindliche Truppen wären, was ganz offensichtlich wieder wahr war und nicht zu von Bergelsteins Behagen beitragen konnte. Er betrachtete die kleine Gruppe vor ihm kurz, nickte und sagte, dass es wohl in Ordnung ginge.
Hochwürden winkte seine sechs Bannstrahler herbei und gab ihnen die Anweisung, die Entladung der Soldaten zu beginnen, sie selber wollten zum Fürstenpalast, um mit Fürst Herdin zu sprechen.
Doch dann hob von Bergelstein plötzlich die Hand, schaute erst Messana und dann Dela und den gelehrten Herrn scharf an und fragte da Vanya, warum die Reichsverräter nicht in Ketten gelegt worden seien. Messana fuhr gleich auf, dass sie keine Verräter seien, sondern dies eine falsche Anschuldigung war, uns in unserem Auftrag zu behindern. Dela und der gelehrte Herr traten näher und Dela sagte, dass auch wir im Auftrag des Reichsbehüters hier seien, Hochwürden bestätigte dies, und er müsste es ja wissen, schließlich kam er vom Festland und würde daher am besten wissen, wer dort gesucht werden würde.
Von Bergelstein nahm dies hin, erklärte aber, er wollte mitkommen, um sich bei Herdin abzusichern (da ihm, Befehle hin oder her, so einiges wohl mittlerweile suspekt erschien).

Firudan und ich schlossen uns auch noch an, und während hinter uns unter den Befehlen ihrer Offiziere die ersten Soldaten und Bannstrahler die Schiffe verließen, schritten wir mit den sechs Bannstrahlern und vier Soldaten hinauf zum Fürstenpalast. Von Bergelstein und sein Dutzend kamen mit, nachdem von Bergelstein kurz seine Leute davon informiert hatte.

Aus dem Hafen führte eine kurvenreiche Straße nach Süden hinauf auf ein Plateau das oben auf der Steilküste lag, nicht durch die Stadt, denn die erstreckte sich nach Osten und Norden. Auf dem letzten Stück spannte Messana ihren Bogen und steckte ihn wieder in den Hüftköcher zurück.
Es war ja schon vom Meer aus zu erkennen gewesen, dass dies eher eine Art „Lustschloss“ war, denn eine Wehranlage gab es nict, aber gänzlich ungeschickt angelegt war der Palast auch nicht. Es führte nur diese eine Straße unter vielen Windungen hinauf, und oben war das Plateau bar von jeglichem höheren Bewuchs gemacht worden, gute 300 Schritt Fläche, bis die Mauer des Palasts anfing.
Seltsamerweise lag ausgerechnet das Hauptgebäude, das wie ein eckiges Hufeisen geformt war, dessen Öffnungen außerhalb der Mauer lagen, nicht komplett innerhalb der Mauer. Die fünf Schritt hohe Mauer entspross aus ihm zur Linken und rechts war das Felsmassiv.
Auf der Mauer jedoch wimmelte es förmlich vor Bewaffneten, und die meisten hielten derzeitig Bögen in Händen.
Das Tor lag neben dem linken Flügel des Hauptgebäudes, und es sah mit seinem Holz- und eisernen Beschlägen neu und stark aus und wollte so gar nicht zu dem sonst wenig wehrhaften Auftreten der Anlage passen. Es war geschlossen und niemand machte Anstalten, es zu öffnen.
Admiral Sanin forderte vernehmlich Einlass und meldete uns als Delegation des Reichsbehüters, die eine Audienz bei Fürst Herdin wünsche. Nichts regte sich. Die Bewaffneten schauten zu uns runter und beobachteten uns, doch weiter reagieren sie auf uns. Jago bekam bereits wieder einen roten Kopf und beschwerte sich darüber, dass wir so missachtet wurden. Oberst von Bergelstein äußerte, dass ihm dies Verhalten sehr seltsam erschien.
Der gelehrte Herr hob seine Augenklappe und sagte nach einigen Herzschlägen, in denen er zur Mauer hinauf blickte, dass viele der Bewaffneten beherrscht werden würden, und zwar stark beherrscht. Firudan hob die Nase in den Wind, schnüffelte herum und meinte, er würde nichts riechen. Von Bergelstein trat vor und forderte nun seinerseits Einlass, doch das Tor blieb geschlossen.

Da trat jemand oben auf die Zinne, gehüllt in eine Kutte, deren Kapuze das Gesicht verbarg. Dann erschien eine Hand aus dem weiten Ärmel und schob die Kapuze zurück, darunter kam ein gebräuntes, tulamidisch anmutendes Gesicht zum Vorschein mit einem haarlosen Schädel, der von einigen Narben gezeichnet war.
Von Bergelstein teilte uns mit, dass dies Rayo Brabaker war, und drückte seine Überraschung aus, dass er überhaupt im Palast war.

Rayo Brabaker, der Novadi (mit dem gar nicht novadischen Namen, wie ich wusste), der von den Maraskanern als „Auserwählter“ verehrt wurde, den aber noch niemand, den wir bislang nach ihm gefragt hatten, selber gesehen hatte.

Dela rief fragend hinauf, was hier vorginge.
Brabakers Antwort fiel sowohl von Wortwahl wie Tonfall eindeutig spöttisch aus, als er erwiderte, was wohl, wir würden nicht herein gelassen werden, der Fürst würde uns nicht sehen wollen.
Jago setzte für eine hitzige Erwiderung an, aber Brabaker erkannte ihn namentlich und spottete über ihn und seinen Zorn, was den Bannstrahler zornig kurz stammeln ließ.
Messana rief hinauf, ob es tatsächlich der Fürst sei, der uns nicht hinein lassen wollte. Ob das nun gelogen war oder nicht, Brabaker bestätigte dies ungerührt und wies die Bogenschützen im selben Atemzug an, auf uns zu schießen!

Messana rief ein „Auseinander“ und „Hinter das Haus!“ und schon spritzten wir auseinander. Firudan bewegte sich rückwärts und dafür langsamer, um die Schützen im Auge zu haben, und griff zugleich nach Rubinklaue, wir anderen liefen so schnell es ging los, nach rechts, um hinter der Hausecke des linken Flügels des Hauptgebäudes Schutz zu suchen.
Messana hatte da Vanya an den Schultern gepackt und lief mit ihm, ihn dicht vor sich haltend, ebenfalls, aber da sie zu zweit waren, nicht ganz so schnell, ebenfalls zur Hauswand.
Ich hörte das Schnalzen, als die Pfeile von den Sehnen flogen. Ich versuchte mich darauf einzustellen, dass auch mir sich einer in den Rücken bohrte, aber nichts derartiges geschah. Ich sah jedoch aus so manch anderen Rücken, der nicht verfehlt worden war, Pfeile ragen. Weiter rannte ich, schon nahe an der Hausecke. Wieder das Schnalzen, wieder spannte ich mich unwillkürlich an, doch wieder ging zum Glück dieser Kelch an mir vorbei. Ein letzter Satz und ich war um die Ecke und damit außer Reichweite der Schützen. Einige der Soldaten und Bannstrahler waren schon da, andere kamen binnen Herzschlägen. Firudan und Messana mit da Vanya als die langsamsten erreichten den Schutz zuletzt. Messana hatte zwei Pfeile abbekommen, Firudan einen. Auch Dela und der gelehrte Herr waren getroffen worden.
So schnell es ging, zogen sie ohne viel Federlesens heraus, oder brachen sie wenigstens ab, um bei weiteren Bewegungen nicht so sehr behindert zu werden.
Ein Soldat und ein Bannstrahler waren von den Pfeilen tödlich getroffen worden. Sie waren die ersten, aber nicht die letzten Opfer dieses blutigen Tages.

Hier an der Schmalseite des Flügels gab es je drei Fenster auf zwei Etagen. Da Vanya bedankte sich bei Messana, dass sie ihn mit ihrem Leib geschützt hatte, Messana nickte nur und wies unsere Bannstrahler an, die alle mit einem Schild gerüstet waren, sich damit nach Außen und vor allem nach rechts zu stellen, von wo am ehesten Angreifer zu erwarten waren, so sie aus dem Tor kommen sollten. Dann nahm sie auf grund der beiden Pfeile, die sie abbekommen hatte, zwei Schlucke von dem Heilwasser.
Ich bemerkte, dass von Bergelstein und seine 12 Soldaten mit uns zur Hausecke gelaufen waren, aber hier nicht stehen blieben, sondern weiter auf das Felsmassiv zu, das den Palast nach Nordosten hin schützte. Sie wollten sich wohl in etwaige Kämpfe erst einmal nicht einmischen, obwohl sie ganz eindeutig ebenfalls mit beschossen worden waren.
Dela war die erste, die sich hinauf zog, ein Fenster zerschlug und sich gewandt in den dahinterliegenden Raum schwang.

Von oben und drinnen vernahm ich ein „Sie sind drinnen!“ und es war nicht Delas Stimme.
Ich hatte zwischenzeitlich meine Waffe gezogen. Messana zog sich als nächstes durch das daneben liegende Fenster hoch, zerschlug ebenfalls Fensterglas und Fensterkreuz und verschwand nach Innen. Firudan hob mich und die nächsten an, damit wir leichter ebenfalls hinein gelangen konnten.
Während ich noch auf dem Weg nach oben war, mit dem Anderthalbhänder nicht ganz einfach, hörte ich Messana jemanden zurufen, in Deckung zu bleiben und dass jemanden nichts geschehen würde.
Als ich endlich etwas sehen konnte, war Messana auf dem Weg zur gegenüberliegenden Tür, wo Dela einem Soldaten gerade den Knauf ihres Säbels gegen den Kopf schlug und dieser zusammenbrach.
Messana zog ihren Bogen, steckte den Kopf zur Tür hinaus, zog ihn aber blitzschnell wieder zurück. Mit einer Hand schlug sie die Tür zu und rief dabei, dass der Flur voll mit Soldaten war, die schon fast die Tür erreicht hätten. Sie verriegelte die Tür und begann, den nächststehenden Tisch dagegen zu schieben. Ich half ihr, ebenso Dela und ich sah mehr aus dem Augenwinkel, dass zwei Küchenmägde hinter dem großen Herd ängstlich Deckung gesucht hatten und uns mit großen Augen ansahen. Als Firudan durch ein Fenster hinein kam, half er auch noch, dann war die Tür erst einmal gut verrammelt.

Messana sah kurz aus dem Fenster, um sich einen Eindruck der Lage zu verschaffen und blickte dabei auch kurz nach oben. Schnell zog sie ihren Kopf zurück und teilte uns mit, dass unten soweit noch niemand zu sehen oder hören war, aber an den Fenstern über uns Bogenschützen waren.
Da unsere Position hier in der Küche nicht wirklich zu halten war, auch wenn die Soldaten draußen noch keine Anstalten machten, gegen die Tür anzulaufen, befahl Messana, dass wir zum Hafen müssten. Die Schildkämpfer sollten zuerst aus dem Fenster und damit den Ausstieg der Weiteren zu decken, dann sollten wir zu so schnell es ging zum Hafen eilen.
Sie selber ließ sich einen Schild von den Bannstrahlern geben, der gelehrte Herr sagte, auch er würde sich beteiligen und den unten liegenden Schild des gefallenen Bannstrahlers nehmen.
Dela erbat sich einen Moment, blickte sich um und nahm einen Topf mit vor sich hin kochendem Wasser vom Herd, ging zum Fenster, beugte sich hinaus und schüttete den Inhalt des Topfes mit seitlich gedrehtem Oberkörper nach oben. Ein Aufschrei war zu vernehmen.
Dann stiegen Messana, die Bannstrahler und der gelehrte Herr aus dem Fenster und formierten sich so, dass sie nach links und nach oben die Schulde hoben. Wir anderen folgten, so schnell es ging, aus den beiden Fenstern.
Dann liefen wir unter Bogenbeschuss, dessen Pfeile aber von den Schilden aufgefangen wurden, los.

Die Strecke bergab legten wir nun schnell bergab. Von Bergelstein und seine Soldaten schlossen sich uns an. Unterwegs fragte er noch hastig, ob es viele Soldaten gewesen wären, was wir ganz klar bestätigen konnten.

Unsere Soldaten hatten bereits bewaffnet an Land Aufstellung bezogen. Als wir bei ihnen ankamen, fragte Messana von Bergelstein, ob er und die seinen auf unserer Seite nun kämpfen würden. Gerechtigkeit und Recht, sagte sie, würden auf unserer Seite stehen und es waren auch seine Soldatinnen und Soldaten, die vor dem Palast auf ihn geschossen hatten. Loyalität, fuhr sie fort, wäre ein kostbares Gut, und man (sie sagte frau) solle sich schon gut überlegen, an wem man sie vergab und dass man sich auch Loyalität verdienen müsse.
Oberst von Bergelstein erklärte, seine Leute und er würden auf unserer Seite kämpfen.
Damit hatte sich unsere Streitmacht faktisch verdoppelt.
Messana fragte ihn, ob es in den Kasernen Rammböcke gab. Er meinte, es müsse noch etwas geben und lief fort, danach zu schauen.
Kurz entschlossen folgte Messana ihm, ebenso Dela. Ich blieb bei den Schiffen zurück. Ich bekam mit, dass der gelehrte Herr nach einem Gambeson fragte und sich durch einige durchprobierte, bis er einen passenden fand. Den Schild des toten Bannstrahlers behielt er und schnallte sich ihn auf den Rücken. Firudan erbat sich ebenfalls einen Schild.
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#76
Fortsetzung des Eintrages "27. Efferd 26 Hal, Tuzak"


Etwas später kamen von Bergelstein, Dela, Messana und einige Soldaten, die einen kleinen Rammbock zwischen sich trugen, zurück. Messana und Dela trugen mehrere Köcher und Bögen bei sich. Messana reichte mir einen Kompositbogen samt gefüllten Köcher. Dela hatte sich einen Kriegsbogen ausgewählt.

Soweit nötig, tranken wir etwas von unserem Heilwasser und füllten die kleinen Schläuche neu auf.

Dela erkundigte sich beim Oberst, ob er auch das Kommando über die Söldner hatte. Nominell ja, erwiderte er, er wüsste aber nicht, wie loyal sie tatsächlich in dieser Situation seien. Aber wir würden es drauf ankommen lassen müssten.

Es fand eine kleine Offiziersbesprechung statt, bei denen sich die Offiziere nun beider Kontingente einfanden, um sich kurz abzusprechen und vorzustellen. Admiral Sanin war über den Zuwachs unserer Streitkräfte sehr erfreut. Die Vorgehensweise war grundlegend soweit klar: Schildkämpfer nach Außen, um nach Außen und nach oben zu schützen, während wir vor dem Palast aufmarschierten. Hinter ihnen sollten die Bogenschützen Aufstellung beziehen, um auf die Mauer und den Schützen darauf zu schießen. Im Schutze dieser Deckung und weiterer Schildträger würden die Träger des Rammbocks versuchen, das Tor zu stürmen.
Messana, Dela und ich schlossen uns den Schützen an, Firudan und der gelehrte Herr den Schildträgern.

Dann traten unsere Truppen geeint an. Weil es hier keinen Platz gab, an dem sie in Reihen hätten an treten können, bildeten sie am Kai einige wenige, dafür um so längere Reihen. Messana sagte den versammelten Offizieren, sie wollte noch kurz zu den Leuten sprechen. Sie ging das etwa mittlere Drittel der langen Reihen ab und hatte sich vorher mit einer Flüstertüte versehen.
Sie sprach anfeuernd zu den Soldatinnen und Soldaten, dass sie sie, ihren Mut, Stärke und Glauben am heutigen Tag rief. „Und mit euch rufe ich den Sturm, denn wer den Wind sät, wird Sturm ernten“. Stürme gäbe es deren viele, den Rondrikan, den Sturm des Kampfes und den Sturm IHRES wilden Zorns, alle seien der Leuin ureigenstes Element, und zwei der Stürme würden wir heute in den Palast tragen. Mit ihrer Hilfe, rief sie ihnen zu, würden wir siegen, denn wenn auch Schwerter und Schilde brechen würden, würde doch niemals unser aller Kampfgeist, Mut und Wille brechen. „Unser Gegner hat Großes vor, wir aber noch Größeres. Er hat den Wind gesät, nun wird er Sturm ernten, den wir ihm bringen! Seid ihr bereit, mir zu folgen?!“
Ein brausender Jubel folgte ihrem Aufruf und Waffen schlugen lärmend auf Schilde oder gegeneinander.

So traten wir einmal mehr den Weg zum Palast an. Diesmal dauerte es länger, weil wir ein so großer Trupp waren. Als wir an der Spitze vor dem Tor standen, war das Ende unserer Truppen noch unten im Hafen, so viel waren wir!

Womöglich waren nun noch mehr Bogenschützen als zuvor auf der Mauer. Ein Pfeilhagel empfing uns, aber wir hatten außerhalb der Reichweit der hauptsächlich verwendeten Kurzbögen gehalten. Aus dem Schutze der Schilde schossen unser Komposit- und Kriegsbogenschützen zurück, unsere eigenen Kurzbogenschützen rückten erst noch weiter vor. Mit Zielen hielt ich mich nicht auf, dafür war keine Zeit und eine gute Schützin bin ich ja ohnehin nicht. Pfeil um Pfeil ließ ich von der Sehne los, damit die Schützen auf der Mauer selber keine Ruhe hatten und ihrerseits nach Deckung suchen mussten. Andere von uns waren gute Schützen, so dass so mancher Verteidiger, gezielt oder durch Zufall, getroffen wurde.

Währenddessen liefen die Soldaten im Schutze ihrer Schilde mit dem Rammbock gegen das Tor an. Es krachte, doch das stabile Tor (das fester und neuer aussah als fast die Mauer) hielt. Weitere Anläufe benötigte es und in dieser Zeit wurden aus beiden Richtungen Salve um Salve abgeschossen.
Dann, plötzlich, es war abzusehen, dass die Rammversuche Wirkung zeitigten, es aber noch einige Versuche benötigen würde, schwang plötzlich das Tor, wie von Geisterhand bewegt, mit beiden Flügeln auf.

Unsere Soldaten am Rammbock ließen ihn fallen und wollten jubelnd vorstürmen, doch Messana befahl ihnen zu Halten, rannte ihrerseits zu ihnen hin und rief dabei die Warnung, dass es eine Falle sein könnte.
Sie schaute vorsichtig durch das Tor und befahl dann vernehmlich, dass es hinein gehen sollte. Wir quollen förmlich durch das Tor, ich sah dabei zu, nicht den Anschluss an unseren Führungsstab zu verlieren.
Ich hatte hinter dem Tor so etwas wie einen Hof und weitere Gebäude erwartet, und vor allem dort postierte Soldaten, doch ich sah zur Linken nur ausgedehnte Gartenanlagen, schräg voraus eine Hecke, die hoch genug war, dass ich so gerade darüber dahinter noch Dächer entfernter liegende Gebäude ausmachen konnte, und zur Rechten natürlich das Hauptgebäude. Soldaten waren keine zu sehen.
Messana rief einem Offizier die Anweisung zu, die Mauer einzunehmen. Er bestätigte, rief Soldaten zu sich, während unser Stab eilig den Weg zum Hauptgebäude fortsetzte.
Wir kamen in einen kleinen Hof, der sich vor dem Portal des Eingangs erstreckte. Die doppelflügelige Tür stand offen, ich konnte noch einen Blick auf unzählige Soldaten erhaschen, dann wurde die Tür zugeschlagen.

Mir war klar, dass der Kampf gerade erst begonnen hatte, wie viel jedoch tatsächlich noch folgen würde, vermochte ich in jenem Moment nicht einmal zu erahnen.

Firudan rief nach dem Rammbock. Mit brachialer Gewalt wurde er, sobald er eintraf, gegen die Tür gerannt, die nicht darauf ausgerichtet war, so etwas zu widerstehen, und aufbrach. Pfeile flogen uns entgegen, unsere Schilde wurden hoch gerissen.
Ohne zu Zögern stürmten wir hinein. Ich hielt Ar’Kan’Thos in der Hand, den Kompositbogen hatte ich weggesteckt.

Ich sah gerade voraus ein kleines Kontingent Bogenschützen stehen, rechts und links mehrere Reihen Schwertkämpfer, die Eingangshalle selbst war sehr groß. Messana stürmte nach links auf die dortigen Schwertkämpfer zu, Dela und Firudan nach vorn zu den Bogenschützen, der gelehrte Herr, Sanin, Jago und von Bergelstein nach rechts. Ich wandte mich auch nach links, da aber Hochwürden da Vanya, der keine Waffe trug, gleich links von der Tür stehen blieb, stellte ich mich schützend vor ihm. Das war nahe genug für den vorderen Kämpfer des äußeren linken Ende, und wir kreuzten die Klingen.

Mein eigener erster Angriff ging recht fürchterlich daneben, kurz darauf traf er mich, doch zum Glück nicht heftig. Dann verlor ich bei einem nun gänzlich ungeschickten Angriff meine Waffe. Ich bückte mich danach und hatte sie gerade wieder rechtzeitig in den Händen, um einen weiteren Angriff an der Klinge abprallen zu lassen. Dann traf ich, endlich und mit einiger Kraft, den Soldaten. Ich war ganz überrascht, als er mit schmerzverzerrten Gesicht zurück taumelte und zusammenbrach.
Aber der nächste rückte gleich nach.

In der Zwischenzeit hatte Messana, nachdem sie um die eigene Achse gewirbelt war, sehr viel Raum um sich geschaffen und mehrere Schwertkämpfer auf einmal gefällt. Die Schützen bei Firudan und Dela hatten ihre Bögen fallen lassen und ihre Kurzschwerter gezogen (wozu ihnen Dela und Firudan den Atemzug Zeit gelassen hatten), hatten aber auch bereits Verluste zu beklage, ebenso die Schwertkämpfer auf der rechten Seite der Halle.

Auch mein nächster Gegner fiel nach einigen Treffern, während ich noch gut beisammen war.

Dann zogen sich die überlebenden feindlichen plötzlich Soldaten zurück. Sie flüchteten die beiden Treppen (eine links, eine rechts der dem Eingang gegenüberliegenden Wand) hinauf und durch die nach rechts und links führende Tür.
Der Admiral nahm einen Trupp Soldaten und machte sich auf den Weg nach oben links, um dort zu stürmen, Jago nahm die rechte Tür mit einem weiteren Trupp. Da Vanya schloss sich uns auf dem Weg zum Thronsaal an (durch die linke Tür, sagte der Oberst) und von Bergelstein wollte oben rechts sichern.

Mit 30 Soldaten gingen wir durch die Tür nach links. Messana wies vier der Soldaten an, sich um da Vanya zu postieren. Der gelehrte Herr fragte mich, ob er meinen Kompositbogen haben könne und ich reichte ihm Bogen und den Köcher mit den restlichen Pfeilen.
Vor uns erstreckte sich ein Gang, von dem rechts und links je eine Tür abging. Um nicht plötzlich Soldaten in unserem Rücken zu haben, galt es, jede Tür zu öffnen und dahinter zu kontrollieren.
Messana, auf der linken Seite, öffnete die linke Tür, Dela die rechte. Der eine Raum war leer, doch Dela entdeckte zwei Bogenschützen am Fenster, die sich überrascht umdrehten und ihre Bögen fallen ließen und nach den Kurzschwertern griffen. Sie waren schnell bezwungen.
Das war auch gut so, denn vor uns um eine Biegung des Ganges ertönten die Schritte vieler Stiefel.

An der Spitze eines großen Trupps Soldaten kam eine bekuttete Gestalt mit ins Gesicht gezogener Kapuze um die Ecke. Sie warf uns nacheinander zwei gläserne Kugeln entgegen.
Die Soldaten dahinter trugen die Abzeichen der Drachengarde. Und es waren viele, als sie, immer mehr, um die Ecke strömten!
Wir stellten uns ihnen entgegen, denn weiter voran - immer voran! - mussten wir, und verteilten uns nach vorn, damit die hinter uns kommenden Soldaten sich auch in den Kampf stürzen konnten.
Auch ich fand schnell einen Gegner. Aber auch diesmal war mir das Kampfesglück erst einmal nicht hold, denn wieder holte ich zu weit aus und erneut fiel mir meine Waffe aus der Hand!
Ich stellte mich auf das Schlimmste ein und machte mich bereit, meinen Armatruz-Ring zu aktivieren, denn was da an Soldaten nachkam, war einfach immens. Doch – sie eilten an mir vorbei, nahmen mich womöglich gar nicht als Gegnerin wahr und suchten sich andere Gegner. Ich ergriff meine heute gar nicht so treue Klinge eilig wieder, um erneut den Kampf gegen meinen Gegner aufzunehmen, der seine Gelegenheit durchaus erkannt hatte.

Ich sah noch, wie mitten unter den Kämpfenden, also auch zwischen den eigenen Leuten, aus den Kugeln kurz nacheinander zwei der katzenartigen Dämonen entsprangen.
Messana eilte sofort auf den einen zu, Firudan auf den anderen, der sich seinerseits auf einige der Soldaten stürzte, die dank ungeweihter und nicht magischer Waffe keine Chance gegen den Kampfdämon hatten

Ich mühte mich wahrlich gegen den Gardisten, während Messana den einen Dämon vernichtete. Firudan zog die Aufmerksamkeit des anderen auf sich, nach einigen schweren Treffern verschwand dieser jedoch plötzlich und wir wussten, was dies bedeutete: er konnte jederzeit genesen an jedem Orte wieder erscheinen!
Und in der Tat, wenige Schlagabtäusche in dem Massenkampf erschien die Bestie unerwartet genau hinter Dela und griff sie sofort an.

Erneut griff ich meinen Gegner an, und es war wie verhext, denn wieder misslang mir mein Angriff so furchtbar, dass ich glatt zu Boden stürzte! Am Boden liegend riss ich jedoch meine Waffe hoch, gerade rechtzeitig und aus dieser schweren Position heraus, um im Liegen einen Angriff abzuwehren. Ich versuchte sogleich eilig, wieder auf die Beine zu kommen, aber in meiner Hast kam ich erst gar nicht hoch.

Firudan erhielt einen heftigen Treffer von einem der Soldaten, und nachdem er bislang relativ ungeschoren aus den Schlagabtäuschen heraus gekommen war, beschloss er dadurch, die echsischen Kräfte seiner Verschmelzung zu rufen. Binnen eines Herzschlags schoss er eine Spanne in die Höhe und seine Haut überzog sich mit grünen Schuppen, sehr zum Erschrecken seines Gegners, und wütendes Gebrüll entwich ihm. Der Soldat, der ihm die schwere Verletzung beigebracht hatte, überlebte diesen Erfolg nicht lange.

Endlich, in meinem nächsten Versuch, kam ich hoch. Gerade zurecht, denn auf einmal kamen aus Wänden und Boden hässliche Fratzen und Krallen und Pranken an Armen, die wahllos nach allem schlugen und bissen, was irgendwie in Reichweite kam!

Irgendwo hinter mir begann Hochwürden da Vanya, laut und vernehmlich ein Gebet zu intonieren. Inmitten der infernalischen Angriffe durch die dämonischen Erscheinungen, zogen sich unsere wie die gegnerischen Soldaten, so sie nicht in einen Kampf verwickelt waren, jeweils in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren, eine kluge Entscheidung.
Ich fällte meinen Gegner mit einem letzten Schlag. Auch wir zogen uns in die Vorhalle zurück, sobald wir uns aus unseren Kämpfen gelöst, bzw. die letzten Gegner bezwungen hatten.

Nachdem die Drachengardisten um die Ecke verschwunden waren, spurtete Messana bis zu jener Biegung vor, sah kurz um die Ecke und sprintete zu uns zurück. Sie war schon fast bei uns, als einer dieser krallenbewerten Hände erneut nach ihr schlug und sich mit brutaler Gewalt in ihr Bein bohrten, doch die nächsten Schritte brachten sie auch aus der letzten Reichweite.

Unser aller Zustand war nicht mehr so gut, von unseren 30 Soldaten waren 12 gefallen und jeder, der noch auf den Beinen stand, war verletzt (außer Hochwürden, der gut geschützt worden war). Direkt um die Ecke, meldete Messana, sammelten sich die Drachengardisten (die dem 2. Banner angehörten). Wir griffen zu unseren Schläuchen, während Hochwürden seine Liturgie beendete. Ein wunderbar goldenes Licht erfüllte den vor uns liegenden Gang, ein Gefühl der göttlichen Ordnung wogte über uns hinweg, und das niederhöllische Gezücht schwand darunter so plötzlich, wie es gekommen war.

Wir richteten uns erneut auf und marschierten direkt schnellen Schrittes den Gang entlang, bereit, die hinter der Biegung wartenden Soldaten zu bekämpfen. Ich stand mit in der ersten Reihe, neben mir Messana und dann Firudan in seiner erschreckenden Gestalt.

Die Gardisten des 2. Banners erwarteten uns, säuberlich in Reihen aufgestellt, hinter der Biegung.

Ein wahrer Prachthieb meines Gegners fuhr auf mich nieder, doch eine ebenso gute Parade von mir wehrte diesen Angriff noch einmal ab. Ich schlug zu, Kraft wie eine Antäuschung hinein legend, und diesmal war mir die Herrin hold, denn ich traf ihn gut und fügte ihm eine tiefe Verletzung zu. Ich parierte seinen Angriff und wieder traf ich ihn kräftig. Er klappte kampfunfähig zusammen.

Messana war umgehend von vier Gardisten umringt, und das war genau das, was sie gewollte hatte. Wieder drehte sie sich zweimal blitzschnell um die eigene Achse, ihre beiden Säbel blitzten nur noch verschwimmend auf und vier tote Drachengardisten brachen zusammen.

Dies, zusammen mit Firudans markerschütterndem Gebrüll und einem gewaltigen Hieb von ihm, der sein Gegenüber spaltete und Blut und Fetzen herum spritzen ließ, erschütterte die Moral der nachfolgenden Gardisten, dass diese umdrehten und flüchteten!
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#77
Fortsetzung des Eintrages "27. Efferd 26 Hal, Tuzak (allerdings Sitzung vom 12.5.2012)"


Wir fanden uns zu Beginn eines weiteren Gangstückes, von dem rechts und links je zwei Türen abgingen und am Ende auch noch eine. Dort konnte man auch links und rechts um eine Ecke gehen.

Ich stand hinter Messana, als sie rechts die Tür zu einer Schreibstube öffnete. Ein Mann versteckte sich furchtsam hinter dem Schreibtisch und sah uns bang an. Messana riet ihm an, hier drin zu bleiben und sich nicht fort zu rühren, da es auf den Gängen tu gefährlich sei und erklärte noch, wir seien im Auftrag der Kirchen hier. Er nickte nur und sie zog die Tür wieder zu.
Etwa zur gleichen Zeit konnte dann auch Dela, die die gegenüberliegende Tür geöffnet hatte, vermelden, dass nur eine Schreibstube dort sei.

Wir eilten wachsam weiter, Messana wieder zur linken Tür, Dela zur rechten. Messana und ich fanden wieder eine Schreibstube vor, in der sich diesmal eine verängstigte Frau aufhielt. Messana sagte ihr das gleiche wie dem anderen Schreiber, da ertönte Delas Stimme über den Flur, dass sie etwas gefunden hätte.
Mit wenigen Schritten betraten wir das andere Zimmer. Umgestürzte Möbel lagen am Rande des Raumes, in der Mitte des Raums war ein Pentagramm auf den Boden mit Kreide gezeichnet, in dem grünlich-bläulicher Nebel wabernd glühte.
Der gelehrte Herr stellte mit seinem Auge noch fest, dass es ein starkes Pentagramm war. Messana fragte ihn, ob er einen eventuell unsichtbaren anwesenden Dämonen ausmachen konnte, aber das war nicht der Fall. Sie erkundigte sich, ob er oder der Inquisitor es unbrauchbar machen könnten, aber er erwiderte, das würde sehr einfach dadurch gehen, in dem man einfach die Kreide verwischten, was Dela und sie dann taten.

Und weiter ging es. Die nächste Tür war die am Ende des Ganges. Dort drehten sich drei Bogenschützen am Fenster überrascht um, als wir die Tür aufrissen, und ein Schreiber, der in einer Ecke Schutz gesucht hatte. Firudan, Dela und Messana stürzten sich auf sie, Messana sie dabei anrufend, sie sollten sich ergeben. Derjenige, der sich Firudan gegenüber fand, ließ seinen Bogen fallen und hob die Hände, die anderen beiden ließen zwar auch die Bögen fallen, griffen jedoch umgehend nach ihren Kurzschwertern.
Es wurde ihnen der erste Angriff gelassen, dann flog Delas Soldat die Waffe aus der Hand geprellt davon, während Messanas die seine noch einmal festhalten konnte.
Dela machte eine kleine Handgelenksbewegung und schlug ihrem Gegenüber den Knauf an den Kopf, er wankte zwar, aber blieb bei Besinnung, während Messana ihrem Gegner mit ihrem Angriff nun die Waffe endgültig aus der Hand schlug. Dabei rief sie erneut, sich zu ergeben.
Obwohl waffenlos vor Bewaffneten stehend, stürzten sich beide blindwütig auf sie. Auch Messana schlug mit dem Knauf nach seinem Kopf, verfehlte ihn aber. Dela nahm ihre Säbel zur Seite und trat ihr Gegenüber schwungvoll, was ihn zwar taumeln ließ, aber er wollte sogleich wieder vorsetzen. Messana hatte einen Säbel fallen lassen und schlug mit der geballten Faust nach ihrem Gegner, doch war es zu ungenau, so dass er mit Leichtigkeit den Kopf noch wegziehen konnte. Dela trat noch einmal und diesmal ging der Gardist erschöpft zu Boden. Messana traf im Moment darauf ihren doch noch an der Schläfe und er ging besinnungslos zu Boden.

Der gelehrte Herr stellte fest, dass die beiden beherrscht wurden, im Gegensatz zu dem, der sich ergeben hatte. Der gelehrte Herr fragte den Mann, ob sie der gleichen Einheit angehörten und an diesem Tag irgendwie Besuch erhalten hatte, er bestätigte das erste und verneinte das zweite.
Die Beherrschung könne der gelehrte Herr selber nicht brechen, sagte aber, dazu seien andere Zauber nötig, als er sie beherrsche. Messana fragte da Vanya, der die Beherrschung zwar brechen konnte, aber dies nicht jetzt tun wollte, denn das würde zu lange dauern.
Daher wurden die Gardisten mit Vorhangkordeln gefesselt und der Schreiber angewiesen, sie wieder zu entfesseln, noch auf den Gang zu treten. Er nickte dazu, ob er sich da tatsächlich dran halten würde, war natürlich offen. Zusätzlich hatte sich der gelehrte Herr einen der Kurzbögen samt Köcher gegriffen, da ihm die Pfeile für den Kompositbogen ausgingen. Die übrigen Pfeile der Gardisten waren zerbrochen und die Sehnen zerschnitten worden.

Messana schaute nach rechts um die Ecke und kam mit der Auskunft zurück, dass dort eine Treppe nach unten begann. Da wir den Thronsaal ebenerdig und keinesfalls im Keller annahmen und erst diese Ebene absuchen wollten, wandten wir uns daher nach links.
Wir fanden eine Tür auf der rechten Seite, bevor der Gang sich nach links wandte, an dessen einzigem Fenster ein Bogenschütze stand, der sich sogleich ergab und gefesselt wurde. Auch die Sehnen wurden zerschnitten und Pfeile zerbrochen. Die Schreiberin, die sich dort aufhielt (dass sie noch immer in ihren Schreibstuben waren, verwunderte mich schon etwas) wurde wie die anderen an- und hingewiesen, den Raum nicht zu verlassen und dass wir im Namen der 12göttlichen Kirchen hier waren.

Wie waren dabei, den Raum zu verlassen und weiter zu gehen, als Dela und Messana sich wie auf ein Kommando umdrehten und beide gleichzeitig fragten, wo es denn zum Thronsaal ginge. Die Antwort war einfach, denn durch die nächste Tür rechts (das war gleich hinter dem Knick nach links) würden wir dorthin gelangen.

Messana und Firudan, die vorne gingen, waren nur wenige Schritte von jener Tür entfernt, als plötzlich alles schlagartig dunkel wurde und kein Ton mehr zu hören war. Mein eigener Atem, das Scharren vieler Füße, alles war wie fortgewischt – es herrschte eine fast schon ohrenbetäubende Stille.
Vorsichtig streckte ich eine Hand aus und war irgendwie beruhigt, als ich meinen Nebenmann noch spüren konnte. Alle waren unwillkürlich stehen geblieben, alarmbereit, aber es war ja nichts zu hören oder zu sehen. Doch jederzeit könnte ein Angriff erfolgen …

Viele Herzschläge vergingen, fast quälend langsam, jederzeit gewahr, das etwas furchtbares über uns herein brach.

Und es brach etwas über uns herein, unbemerkt und unhörbar, so dass nur jenen, die es betraf, es wussten und es nicht weiter geben konnten.
Hinter uns waren vier jener bekutteten, mit Schwert und Peitsche ausgerüsteten Dämonen erschienen, die die hinterste Reihe angriffen hatten, die im Dunkeln und ohne geeignete Waffen keine Chance hatten. Die Gardisten vor ihnen bekamen gar nichts davon mit und so fielen sie als nächstes den Dämonen zu Opfer, ohne warnen zu können oder gewarnt zu werden.

Auch vor uns waren vier von ihnen erschienen. Messana und Firudan kämpften im Dunkeln mit ihnen, aber sie hatten wenigstens Chancen, wenn auch sie in arge Nöten gerieten, denn die Treffer mit der Peitsche, und waren sie noch so leicht, schwächten sie sogleich etwas. Messana sah sich gezwungen, den Armatruz ihrer Armschienen zu aktivieren, doch noch immer kamen einige der Peitschenangriffe durch.

Dela ihrerseits hatte sich im Dunkeln zu dem Schreibzimmer zurück getastet, in dem zwar auch völlige Stille herrschte, aber wenigstens Licht war. Sie eilte noch mal auf den Gang, tastete sich zu da Vanya durch und holte ihn auch ins Schreibzimmer. Hastig kritzelte sie auf ein Papier, ob er den Zauber aufheben könne. Er nickte, stellte sich in den Eingang und begann eine Liturgie, von der natürlich kein Wort zu hören war.

Währenddessen hatte Messana die Kraft Rondras lautlos angerufen und damit gelang es ihr, den für sie nicht sicht- oder hörbaren Dämon zu vernichten. Wachsam hatte sie ihr Waffe vor sich gehalten. Unbemerkt kämpfte Firudan neben ihr immer noch mit dem seinen.

Dann zeigte Hochwürdens Liturgie Wirkung und mit einem Mal waren Licht und Geräusche wieder da. Vor allem waren es Kampfgeräusche.
Ich war noch eher vorne, als ich mich umdrehte, sah ich die Dämonen, die je zwei hintereinander stehend, denn mehr ließ der Gang nicht zu, unsere Soldaten feige von hinten nieder metzelten!
Vor Messana lag ein einzelnes Schwert auf dem Boden, und die drei Dämonen vor Firudan und ihr wichen bei dem Licht bis an das Gangende zurück. Beide setzten sofort nach und Messanas Sturmangriff vernichtete den ersten, der hinter ihm rückte jedoch sofort auf Messana nach und nutze den Moment für einen freien Angriff, während sie sich wieder sammelte.

Dela und der gelehrte Herr nahmen sich der hinteren Dämonen an, die schrecklich unter unseren Soldaten gewütet hatten. Der gelehrte Herr legte einen Gardianum-Zauber über Dela, die gegen die Dämonen gleichzeitig kämpfte und hauptsächlich damit zu tun hatte, möglichst viele ihrer Angriffe abzuwehren.

Die Dämonen hatten Firudan und Messana nicht viel entgegenzusetzen und als der zweite, der Messana angegriffen hatte, besiegt war, lief sie um die Ecke Richtung Dela. Ich folgte bis zur der Ecke, um auch die Tür zum Thronsaal im Auge zu behalten.

Gemeinsam vernichteten Dela und Messana die Dämonen, während Firudan noch den Dämon vernichtete, der ihn im Dunkeln angegriffen hatte..

Das Resultat des Dämonenangriffs war erschreckend, denn weitere 12 Soldaten hatten ihn nicht überlebt und von den letzten sechs waren zwei so schwer verletzt, dass sie nicht weiter einsatzfähig waren.
Sie sollten sich leidlich versorgen und hier warten. Wir tranken weiteres Heilwasser und stellten uns vor der Tür auf.

Was immer wir erwartet hatten, nachdem wir uns bereits durch Massen von Gardisten und Dämonen hatten kämpfen müssen: Zumindest ich hatte nicht einen Raum (der Thronraum war es nicht, eher eine Art Schreibstubenvorzimmer) voll mit Drachengardisten erwartet. Es waren gewisslich über 30, an jeder freien Stelle stand ein Gardist des 1. Banners und vier Bogenschützen hatten in der Mitte hinter einem umgekippten Tisch Stellung bezogen. Die Tür war noch nicht ganz auf, da schossen sie. Dela und ich wurden getroffen, Dela bekam gleich zwei Pfeile ab, Messana sprang rechtzeitig zurück und entging so der Salve.
Doch es gab kein Zögern bei uns, wir stürmten sogleich in den Raum.
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#78
Fortsetzung des Eintrages "27. Efferd 26 Hal, Tuzak"


Messana sprintete auf den umgekippten Tisch zu, flankte darüber und sprang mit den Beinen voran unter die Schützen. Ganz gut abgestimmt war dies wohl nicht, denn ich sah sie so schnell dahinter nicht wieder auftauchen, wie es hätte der Fall sein sollen, wenn sie auf den Füßen gelandet wäre. Aber ich sah die Schützen auseinander spritzen und einer fiel zu Boden. Dahingehend war sie erfolgreich gewesen, denn auch nur einen weiteren Schuss abgeben konnte damit keiner von ihnen.

Firudan wandte sich gleich nach links und gegen die dort aufgestellten Kämpfer, Dela nach rechts vorne, ich ganz nach rechts, in der dortigen Ecke stand ein einzelner, der mit Leichtigkeit in Delas Rücken hätte gelangen können. Ich aktivierte angesichts der Übermacht den Armatruz-Ring. Unsere letzten vier Soldaten kamen herein, der gelehrte Herr blieb kurz nach der Tür stehen und schoss mit dem Kurzbogen.

Ich ließ dem Gardisten den ersten Schlag, den ich parierte, dann schlug ich mit viel Kraft zu und fügte ihm damit gleich eine schwere Verletzung zu. Und mein darauf folgender zweiter Schlag, nachdem ich seinen Gegenangriff abgewehrt hatte, fällte ihn endgültig.

So gleich rückte ich mit einem schnellen Schritt nach vorne und annähernd neben Dela, die gegen drei Leute kämpfte. Ich machte mich mit einem lauten Ruf bemerkbar, damit der neben ihr sich zu mir umdrehte.

Hier verließ mich mein Kampfesglück zwar nicht wieder gänzlich, aber ich parierte so manchen Angriff nicht, doch mein nun gewissermaßen doppelte Rüstung hielt zum Glück das meiste ab, so dass ich mich dennoch gut halten konnte.

Ich sah nach einigen Herzschlägen Messanas Kopf zwischen den sie umgebenden Bogenschützen, die bereits ihre Kurzschwerter in Händen hielten, auftauchen. Sie hatte wohl Probleme gehabt, wieder auf die Füße zu kommen. Im nächsten Moment fielen vier tote Drachengardisten zu Boden, nachdem Messana unter ihnen gewirbelt war.
Sie fuhr herum und lief weiter nach vorn, unter weitere Gardisten, die sie auch gleich umgeben wollten.

Mitten während des Kampfgetümmels öffnete sich die einzig andere Tür, gegenüber der, durch die wir herein gekommen waren, und die gleiche Person wie vorhin oder jemand, der in einer gleichen Kutte gewandet war, trat in den Durchgang. Sie hielt etwas in Händen und dann flog schon wieder eine der gläsernen Kugeln. Zwischen der Gestalt und den Gardisten, die Messana umkreisten, landete sie.
Jeder von uns, der die Kugeln hatte fliegen sehen, wusste, was dies bedeutete, nämlich, dass binnen Herzschläge ein weiterer Dämon erscheinen würde!

Messana holte die nächsten vier Drachengardisten von den Beinen, aber die dahinter stehenden rückten gleich nach.

Aus der Kugel entsprang unter stinkendem Brodem eine riesige wie hässliche Gestalt, mit einem Schnabel auf dem plumpen Körper und mit 10 langen Tentakeln.
Ich hatte so etwas schon zuvor gesehen, in der Krypta von Arras de Mott und von meinem Unterricht her wusste ich ebenfalls, mit was für einem gefährlichen Kampf-Dämon wir es hier zu tun hatten.

Keine Verbündeten erkennend, griff der Dämon einfach an, was ihm an nächsten war, das waren die ihm den Rücken zuwendenden Gardisten, die Messana angriffen. Unter einem furchtbaren Aufschrei wurde die erster zwei von zwei Tentakelangriffen getroffen, blieben aber auf ihren Beinen.
Immerhin wurden die Gardisten dadurch auf diese Gefahr in ihrem Rücken aufmerksam. Messana rammte einem kurzerhand den Ellenbogen in die Seite und schaffte sich damit den Raum, zwischen zweien durchzugleiten und stand damit vor dem Dämonen, den sie sogleich angriff. Die Gardisten gerieten in (eine nur vernünftige) Panik und setzten sich Richtung der Tür in Bewegung, durch die wir gekommen waren. Auch die Letzten bekamen nun die Anwesenheit des großen Dämonen im Raum mit.

Der Dämon scherte sich nicht darum, dass die Gardisten flüchteten, weitere Tentakel schlugen nach ihnen, zwei weitere nach Messana.

Aus unseren Kämpfen gerissen, wichen Dela und ich zur rechten Wand zurück, um die Soldaten fliehen zu lassen, auch unsere Gegner fielen in die allgemeine Flucht mit ein, denn aufhalten wollten wir sie nicht oder gar in ihrer Flucht von der Seite attackieren. Dela, die schwer angeschlagen war, reichte mir ihren einen Säbel mit dem hastigen Verweis, dass er magisch sei. Ich ergriff die Waffe und reichte ihr im Gegenzug den Anderthalbhänder, denn ihn in Händen haltend würde mich nur stören. Dann setzte ich vor, Richtung Dämonen.

Dabei sah ich, wie die Hand der Kapuzengestalt in einem Beutel an der Seite verschwand und mit einer weiteren Kugel erschien, die dann auch schon etwas weiter rechts (von mir aus also links vorne) als die andere landete.

Ein Pfeil flog auf die Gestalt zu, doch wie von unsichtbarer Hand aufgehalten, prallte er ab. Firudan eilte mit riesigen Sätzen und lautem Gebrüll auf die zweite Kugel zu, aus der ebenfalls ein zweiter Tentakel-Dämon entwuchs.

Messana rief vernehmlich die Leuin an und ihr gewaltiger Angriff vernichtete die niederhöllische Kreatur.

Doch bevor sie sich der Kuttengestalt oder dem Dämon zuwenden konnte, gegen den Firudan und ich fochten, erschien ein weiterer aus einer so eben geworfenen Kugel.

Ich war zwischenzeitlich bei dem anderen eingetroffen, gegen den Firudan stand. Mehrere Tentakel prasselnden auf ihn nieder, doch kaltblütig hob er seinen Zweihänder und schlug in einen der Angriffe hinein, die anderen, die ihn trafen, ignorierend. Im Tentakel klaffte plötzlich eine stinkende Wunde.

Ich schlug zu, nur Kraft und keine Finesse hinein legend, und tatsächlich glitt der Säbel von Dela ganz ordentlich durch die dämonische Rüstung hindurch.

Messana lief in drei Tentakelangriffe hinein und schlug sie alle damit zurück, hässliche Wunden schlagend, so dass bei dem letzten Angriff die Kreatur verging.

Ein Pfeil bohrte sich diesmal in den Leib der berobten Gestalt in der Tür, die die linke Hand an die rechte Schulter gehoben hatte, und die zusammenbrach.

Erneut traf ich den Dämon gut, und Firudan noch besser. Der verschwand von einem Moment auf den nächsten die Kreatur. Verflucht! Denn das bedeutete, dass sie jederzeit wiederkehren konnte.

Wachsam drehte ich mich mit bereit gehaltener Waffe langsam um die eigene Achse. Dela griff gerade noch nach ihrem Schlauch am Gürtel, um ihre schweren Verletzungen zu heilen. Messana lief zu der Gestalt im Türrahmen, schlug die Kapuze zurück (es war nicht Brabaker), prüfte, ob noch Leben in ihm war (ja) und nahm ihm den Beutel ab und noch den Gürtel, an dem verschiedene Phiolen baumelten und drückte das dem herbei eilendem gelehrten Herrn in Händen, der auf die Hände des Mannes schaute, aber kein Akademiesiegel entdecken konnte.

Messana blickte durch die Tür in den angrenzenden Raum und teilte mit, dass dort niemand war. Da Delas Schlauch annähernd leer war, boten der gelehrte Herr und ich ihr etwas von unserem an.

Bevor sie antworten konnte, erschien hinter ihr der Dämon und griff sie zugleich auch schon an. Sie hielt nur einen Säbel und meinen Anderthalbhänder in Händen (den sie fallen ließ) und war dazu schwer angeschlagen. Sie sprang hastig zurück und entging so dennoch den Angriffen, da sie durch den Aufschrei unserer letzten zwei Soldaten gewarnt war, da diese schräg hinter ihr standen. Ich lief zu ihr hin, der kürzeste Weg, um vor sie zu springen, sobald sich Gelegenheit ergeben sollte.
Messana lief zu dem Dämon, musste aber erst um den gestürzten Tisch herum.
Dann griff der Dämon mit zwei Tentakeln Messana an, die sie abwehrte, und mit zwei weiteren Dela. Diesen konnten ihnen nicht mehr entgehen. Ich sah, wie sie heftig getroffen wurde (stand ich doch in fast Griffweite daneben), wie Blut spritzte und sie anfing zusammenzusacken. Ich riss den Mund auf, um erschrocken ihren Namen zu rufen …

Da begann sich ihr ganzer Körper, ausgehend von der Krallenhand- und Armschiene, mit silbern glänzenden Schuppen zu überziehen und mit einem Mal, nachdem sie schon fast am Boden gelegen hatte, stand sie wieder aufrecht und kampfbereit da.
Sie holte mit der Silberklaue aus und schlug dem Dämon mit der Faust gegen den hässlichen Leib. Zu meiner grenzenlosen Verblüffung wurde der Dämon davon merklich durchgeschüttelt und ein Stück zurückgeworfen, und an der Stelle, an der er getroffen worden war, platzte eine Wunde auf. Schmerzvoll und wütend schrie er auf.
Dela setzte sofort nach, holte wieder mit der bloßen Hand aus und verletzte den Dämon erneut heftig.
Messana, die an seinem anderen Ende stand, attackierte ihn mit ihren Säbel, was den nun deutlich angeschlagenen Dämon endgültig vernichtete.

Wir alle starrten wohl völlig überrascht Dela an. Ihre Augen warn komplett eisblau, es gab kein Weiß oder eine dunkle Pupille mehr. Alles an ihren Körper war mit fein ziselierten silbernen Schuppen bedeckt, sogar ihr nun irgendwie glattes Gesicht, aus dem die Wölbung einer Nase unter den Schuppen zu erkennen war, jedoch keine Lippen oder ein Mund. Auf dem Kopf waren unter den Schuppen so etwas wie die Andeutung ihrer Haare zu erkennen, oder die Schuppen amten das angedeutet nach. Nur ihre Augen, bei denen ich das Gefühl hatte, als würden sie leicht von Innen heraus leuchten, waren inmitten des Metalls zu erkennen.

Messana fragte Dela, was das denn wäre. Sie blickte an sich herab und schien erst jetzt die Veränderungen zu bemerken. Sie wüsste es nicht , antwortete sie, und als sie sprach, erschien für den Moment eine Öffnungen, aus der die Stimme kam. Die auch nicht mehr so ganz wie die von Dela klang, hatte sie doch einen metallischen Beiklang und schien etwas nachzuhallen. Und der Dämon hätte es verdient, fügte sie noch gleichermaßen kalt wie endgültig hinzu.

Trotz dieser unerwarteten Veränderung besannen wir uns, Zeit hatten wir nicht zu verlieren. Wir boten Dela Heilwasser an, war sie doch schwer verletzt. Sie bräuchte nichts, ihr ginge es gut, erwiderte sie kurz und damit schien es für sie erledigt.

Es stand aber noch die Frage offen, wie mit dem Magier zu verfahren war. Der gelehrte Herr wollte ihn fesseln und Mund und Augen verbinden, Dela war gegen eine Fesselung, Messana hielt diese Maßnahmen für nicht ausreichend sicher genug. Da Vanya, den wir auch fragten, erklärte, er würde den Magier, dessen blutrote Augen ihn als Paktierer kennzeichneten, verschiedener Verbrechen gegen die göttliche Ordnung für schuldig halten.

Da Vanya seinerseits hatte Dela ausgiebig betrachtet und sich erkundigt, was dies bedeuten würde. Da wir das eigentlich auch alle nicht wussten, gab es darauf keine zufriedenstellende Antwort und sie wurde daher erst einmal verschoben.

Das Schicksal des Magiers, so wir ihn fesseln sollten, war damit sicher. Aber wenn wir ihn fesselten, bestand die Gefahr, dass er sich, auch wenn er nur schwerlich zaubern können würde, befreien könnte und dies sollte nicht sein.
Zu einer Diskussion kam es aber gar nicht, denn für Dela war die Lage eindeutig genug. Sie ballte ihre Silberklaue und schlug zu. Leblos lag der Magier dort.
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#79
Fortsetzung des Eintrages "27. Efferd 26 Hal, Tuzak"


Ich reichte ihr, wenn auch unwillkürlich aus größerer Entfernung als sonst, mit Dank ihren Säbel wieder, den sie ergriff und in seine Scheide steckte. Sie hob meine Waffe auf und reichte sie mir.

Zwischenzeitlich hatte sich der Raum mit Soldaten gefüllt – unseren Soldaten, die nachgerückt waren und uns zur Verstärkung geschickt worden waren, gerade rechtzeitig, denn von unserer ursprünglichen kleinen Streitmacht war nicht mehr viel übrig, nur zwei der vier Soldaten, mit denen wir den Raum betreten hatten, lebten noch.
Ihr Offizier berichtete auf Messanas Frage nach dem Stand der Dinge hin, dass noch immer feindliche Soldaten und Drachengardisten und vor allem niederhöllische Kreaturen durch den Palast streiften, aber soweit alles unter Kontrolle wäre.
Die gerade noch geflüchteten Gardisten des 1. Banners seien sicher gestellt, niemand würde den Palast verlassen können.

Neu verstärkt, gingen wir durch die andere Tür. Doch wieder fanden wir uns nicht im Thronsaal (was mir ohnehin als hochgegriffener Name für den Audienz- und Regierungsraum des Statthalters über Maraskan erscheinen möchte) wider, sondern auf einem weiteren Flur.
Und erneut gab es Türen, die rechts und links abgingen und die zu kontrollieren wir tun mussten.

Messana und ich nahmen die linke Tür, Dela und der gelehrte Herr die rechte. Statt einer Schreibstube schauten wir in eine Bibliothek, wie Regale mit Büchern und Schriftrollen bewiesen, doch es war niemand drin, auch wenn es nach abgestorbenem Rauch roch. Messana schloss die Tür, während Dela und der gelehrte Herr gerade die andere wieder schlossen. Messana vermeldete die Bibliothek, in die der gelehrte Herr darauf hin direkt ging (nicht, das jetzt Zeit für Bücherschauen war) und er sagte seinerseits nur kurz, dass im anderen ein Sandkasten wäre.
Das war eine so seltsame Antwort, dass wir beide glatt die Tür öffneten und reinschauten. Es war ein recht geräumiger Raum mit einem Fenster Auffallenderweise in der Decke. Und unterhalb dieses Oberlichts war tatsächlich eine Grube eingelassen, die mit Sand gefüllt war. Einige Holzförmchen lagen daneben und eine Burg war zur Hälfte aus Sand erreichtet. Nun hatte ich schon von Messana davon gehört, dass manche Militär kleine Sandkästen (die auf einen Tisch passten) nahmen, um Truppenaufstellungen und Gebäude darzustellen, aber dies sah nicht so aus und die Burg stellte auch keine tatsächliche Burganlage dar, sondern war eine Burg der Art, wie man sie als Kinder im Sand errichtet, einfach den Sand immer weiter nach oben aufgeschichtet. Rechts und links vom Sandkasten waren kleine Grünflächen angelegt, sonst gab es hier nichts.
Wir schlossen nach einem kurzen Blick die Tür wieder.

Während der gelehrte Herr noch in der Bibliothek war, gingen Messana und ich schon mal weiter zur nächsten rechts liegenden Tür. Dies war ein kleiner Raum, in dem als Mobiliar lediglich ein Pult stand, auf dem aufgeschlagen ein dickes, schweres Buch lag. Wir beide traten näher und schauten hinein, aber wir sahen nur uns unbekannte Schriftzeichen, auch wenn sie mich von der Art her an jene erinnerten, die wir in den Brunnen eingemeißelt gefunden hatten.
Messana rief nach da Vanya, doch auch er konnte die Zeichen nicht entschlüsseln. Bevor ich den gelehrten Herrn holen konnte, kam er schon selber, er meinte darin altechsische Zeichen zu erkennen, aber die kann er ja bekanntlich auch nicht lesen.

Die Tür links führte zu einem schmalen Gang, an den nach einigen Schritt wieder eine Tür anschloss. Dela wollte weiter geradeaus, doch Messana sich kurz vergewissern, was dahinter lag. Ich folgte ihr wieder und als wir sie öffneten, blickten wir in einen gut gepflegten Rosengarten. Wir kehrten wieder um.

Nach wenigen Schritten kam eine geschlossene doppelflügelige Tür, hinter ihr führte rechts eine Treppe hinab und links eine nach oben hinauf und wenige Schritte weiter geradeaus war noch eine Doppeltür.

Zu dieser gingen wir, doch sie stellte sich als verschlossen heraus. Dela in ihrer Komplettrüstung warf sich dagegen, doch die Tür rührte sich nicht. Messana wies Firudan an, sich dagegen zu werfen. Er schob alle zur Seite (ich hatte ihn nach dem Gestaltwechsel noch nie etwas sagen hören, was nicht unartikuliertes Gebrüll oder Grunzen war), nahm Anlauf und warf sich krachend dagegen. Die Tür wackelte, aber nennenswerte Wirkung gab es weiter nicht, was Firudan missmutig grunzen ließ. Er wiederholte das noch einmal und nun war eine vielleicht minimale Erweiterung im Spalt zu erkennen. Doch es war abzusehen, dass er das womöglich noch Dutzende Male wiederholen musste, bis die Tür weit genug auf war, um sie ganz aufstemmen zu können.

Messana und ich liefen eilig in den Rosengarten, um zu schauen, ob es von dort eine Tür oder ausreichend große Fenster in diesen Thronsaal gab. Eine Türe gab es nicht und die Fenster waren für einen erwachsenen Menschen auch ohne Rüstung schon mindestens sehr eng und lagen gute vier Schritt hoch, so eilten wir zurück.

Dela war in der Zeit nach oben gegangen, aber außer einem Flur, der in die Richtung führte, aus der wir gekommen waren und einige Türen hatte, hatte sie keinen möglichen Zugang zum Thronsaal gefunden und daher die Treppe nach unten genommen und der gelehrte Herr war dahin mit ihr gegangen.
Messana hatte gerade mitgeteilt, dass es durch den Garten keinen Weg gab, als Delas schwacher Ruf von unten ereilte, der uns zu sich rief.

Messana und ich liefen runter, die anderen sollten gemeinsam oben bleiben.
Die Treppe hinab führte in den Kerker. Dela und der gelehrte Herr standen mit einem Schlüsselbund bei der ersten Zelle auf der linken Seite und schlossen sie gerade auf. Ein abgehärmt aussehender Mann in zerlumpter Kleidung war darin noch zusätzlich angekettet. Ich kannte ihn nicht, Messana und Dela schon, denn Messana sprach ihn mit Hochgeboren von Barsigstein an.
Einer der vermissten Vier von der Feste! Der Vertreter des Praios bei dieser bemerkenswerten Versammlung vor Götterläufen auf der Feste der Riesen im Ehernen Schwert!

Sie nahm den Schlüsselbund von Dela und trat zu ihm, um seine Ketten aufzuschließen. Als seine Ketten fielen, reichte sie ihm ihre Hand, um ihn beim Aufstehen zu helfen. Er sah sie überrascht und dann aufmerksam und interessiert an und sie erklärte in einem Tonfall, wie ich sie selten so glücklich etwas habe sagen hören: „Sie hat mir verziehen.“ Er nickte und machte einen zufriedenen Eindruck und erklärte, dass dies ihrer Sache nur dienlich sein würde.
Während Messana ihn aus der Zelle begleitete, nahm Dela die Schlüssel und schloss schon die nächste Zelle auf. Von Barsigstein sagte, er und die anderen seien von von Wiebrück damals festgenommen worden unter der fadenscheinigen Begründung, gegen die göttliche Ordnung verstoßen zu haben.

In der nächsten Zelle war ein ehemals beleibter Mann, dem dies noch in Resten anzusehen war, angekettet. Messana begrüßte ihn namentlich mit „Herrn Bruckner“, womit dies also der Vertreter der Herrin Travia war.
Wieder trat Messana zu ihm hin, löste seine Kette und hielt ihm die Hand an. Dabei erklärte sie wieder in aller Inbrünstigkeit „Sie hat mir verziehen“.
Nun bekam ich doch irgendwie den Eindruck, dass neben aller Freude und Aufrichtigkeit über diesen Umstand, sie irgendwie doch eine Nachricht übermittelte, die die Angesprochenen durchaus sogleich verstanden, denn auch Bruckner schaute sie überrascht und erfreut an.

Als nächstes fanden wir die Magierin Klara von Elenvina, von Hesinde geschickt, die so geschwächt war, dass sie von selbst gar nicht aufstehen konnte. Messana berührte auch sie mit der Hand und sprach wieder diesen Satz und die Magierin sah erfreut drein.
Der gelehrte Herr setzte ihr seinen Schlauch mit dem Heilwasser an und einige Schlucke gaben ihr doch genügend Kraft, dass sie sich aufsetzen konnte. Er wollte bei ihr bleiben und ihr aufhelfen.

Dela, Messana und ich gingen eine Zelle weiter und fanden dort den Vertreter des Boron, den Untotenjäger Nikolai, vor.
Als Messana seine Ketten löste und ihm die Hand zum aufstehen reichte, er griff er sie, statt aber sogleich aufzustehen, musterte er sie erst prüfend, dann stand er mit ihrer Hilfe auf und nickte. Messana erklärte wieder inbrünstig wie glücklich, dass „sie“ ihr verziehen hatte.

Ich wusste zwar, wen sie meinte, da hatte sie mir genügend über ihr Leben erzählt, ob sich da tatsächlich eine Nachricht hinter versteckte und wenn welche, konnte ich nicht abschätzen. Und es war auch gar nicht der rechte Zeitpunkt, mir über so etwas Gedanken zu machen.

Mit den Befreiten machten wir uns langsam, denn bei Kräften waren sie bei weitem nicht, auch wenn alle außer Klara von Elenvina eigenständig laufen konnten, auf den Weg nach oben. In der vorderen Zelle, der Barsigsteins gegenüber, lagen die toten Überreste eines Toten angekettet. Die Zeit reichte, knapp zusammenzufassen, dass wir sie auf der Insel schon gesucht hatten und heute der Palast im Namen des Reiches und der Kirchen gestürmt wurde mit Unterstützung von Heer und Praios-Kirche.
Der gelehrte Herr schlug vor, dass sie in einem der leeren Räume warten sollten, während Messana nur ankündigte, dass sie einige Soldaten bestimmen würde, die sie beschützen sollten. In einem Raum warten wollten sie auch gar nicht, wie von Barsigstein, ihr Wortführer, sagte, sondern natürlich wollten sie mit dabei sein. Dies wäre der Wille der Götter, erklärte er, und Messana pflichtete ihm bei, dass sie gemeinsam stark wären.
Auf Dela reagierten sie merklich irritiert, aber etwaige Nachfragen verschoben sie wohl auf später.
Dela schickte, als wir wieder oben waren, zwei Soldaten nach unten, um die weiteren Zellentüren zu öffnen und die Eingesperrten zu befreien.

Da weitere Versuche, die Tür aufzubrechen, keinen Erfolg gezeitigt hatten, wurde nach dem Rammbock geschickt. Dies würde etwas dauern, sicherlich durchaus eine willkommene Pause zwischen all dem Kampf und Schrecken für unsere Soldaten. Wir gaben den gerade Befreiten einige Schlucke Heilwasser, was meinen Vorrat durch meinen eigenen Verbrauch schon auf einen kleinen Vorrat reduziert hatte und Messanas Schlauch fast völlig leer zurück ließ. Auch Dela hatte nur noch ein oder zwei Schlucke darin, während Firudan, der erstaunliche Regenerationsfähigkeiten in seiner leicht verwandelten Gestalt hatte, kaum auf seine Vorrate hatte zurückgreifen müssen und dabei ganz unverletzt war, ebenso der gelehrte Herr, der als Schütze sich weitestgehend klug aus Nahkämpfen heraus gehalten hatte.
Den vier Befreiten gab das Heilwasser aber nur wenig Kraft zurück, denn sie litten vor allem an der langen Auszehrung im Kerker brauchten eher etwas zu essen.

Plötzlich erschütterte ein gewaltiges Donnern den Palast. Der Boden, die Wände, alles erzitterte. Besorgt sahen wir uns an. Was das wohl sein mochte? Es schien vom anderen Ende des Palastes zu kommen, aber dass wir überhaupt noch so viel spürten, war besorgniserregend. Und erneut spürten wir das Beben und hörten ein weiteres lautes Krachen. Wir liefen in den Rosengarten, aber dessen hohe Mauer versperrte uns den Blick auf die weiteren Teile der Anlage.
Kurz entschlossen eilten wir gemeinsam mit den Soldaten den Weg zurück, den wir gekommen waren. Unterwegs stießen wir auf die Soldaten, die den Rammbock hatten holen sollen, hießen sie, den Rammbock abzusetzen und mit uns zu kommen.
Messana fiel einmal mit den vier Befreiten etwas zurück, was sie aber kurz besprachen, war nicht zu vernehmen.
Vorbei an den Toten, die uns und die Gegenseite der Herweg gekostet hatte, oder auch über sie hinweg, führte uns der Weg. Ein Bild des Blutes, des Todes und des Schreckens.
In der Eingangshalle roch es verqualmt und vereinzelte Rauchschwaden zogen hier durch. Wir blieben erst gar nicht dort stehen, sondern liefen hinaus. Wir hörten den Kampfeslärm im rechten Flügel, wohin Jago mit den Seinen gezogen war und sahen an den Fenstern Bewegungen. Offenbar wurde dort noch hart gekämpft. Sollten wir dort helfen? Doch nein, die Wurzel allen Übels war im linken Flügel, bei Fürst Herdin.
Schnell eilten wir durch die Gänge zurück, durch die wir uns zuvor teilweise Schritt für Schritt hatten kämpfen müssen, und ließen den Rammbock wieder mitnehmen.
Firudan, Dela, Messana und ich packten beim Rammbock mit an und liefen gegen die Tür an. Die Tür flog so heftig auf, dass die beiden Flügel gegen die Wand prallten und wieder halb zufielen.

Vor uns lag ein großer Raum, ein Saal, mit prächtigen Intarsien und Wandteppichen verziert. Ein Säulengang führte von der Tür gerade auf den Thron am gegenüber liegenden Ende zu. Zur von uns aus linken Seite lagen die kleinen Fenster zum Rosengarten, nach rechts deutlich größere Fenster, die zur Steilklippe lagen. Zwei Beschwörerkreise waren zu beiden Längsseiten auf den Boden gezeichnet.
Auf dem Thronsessel saß ein Mann, ein alter Mann, ausgemergelt und mit weißem Haar, gewandet in Prunkgewandung aus Brokat und eine Lederrüstung. Sein Brustbereich war voll gesabbert und er kicherte beständig ganz irre vor sich hin.
Vor einem der großen Fenster stand ein anderer Mann, in dem ich Delian von Wiedbrück erkannte, den Mann, den wir in Dragenfeld gerettet hatten.
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#80
Fortsetzung des Eintrages "27. Efferd 26 Hal, Tuzak (allerdings Sitzung vom 2.6.2012)"


Er trug einen roten Wappenrock mit schwarzer Seide bestickt, schaute aus dem Fenster, uns den Rücken zuwendend und dabei die Hände auf dem Rücken verschränkend.
Wir gingen, ohne zu überlegen, auf ihn zu, doch schon nach wenigen Schritten hörte ich eine Stimme in meinem Kopf, die „Steht still, seid still“ sagte. Es war ein zwingender Befehl, gegen den ich nicht ankam. Ich blieb stehen, ebenso Dela und der gelehrte Herr und die Soldaten, die uns folgten, doch Messana, Firudan und Hochwürden gingen weiter, auch wenn es ihnen sichtliche Anstrengung abverlangte.
Messana sagte: „So sehen wir uns wieder“, während da Vanya den Namen „Von Wiedbrück!“ rief und von Firudan ein gutturales, kaum zu verstehendes „Ergebt Euch!“ kam.
Doch die Stimme in meinem Kopf und wohl auch den der anderen ließ nicht nach mit ihrem Befehl und Messana und da Vanya blieben angestrengt stehen, da Vanya brach in die Knie und fasst sich keuchend an den Hals, während Firudan sich noch einige Schritte weiter vorkämpfte und wieder das geknurrte, fast unartikulierte „Ergebt Euch!“ ausstieß, doch dann musste auch er stehen bleiben, schwer nach Atem ringend.
Selbst Herdins Gelächter und Gekicher war erstorben, als wäre auch er von dem Befehl erfasst worden, was gut sein konnte.
„Es liegt fast Schönheit in dem Gedanken, dass nun alles zu Ende wäre. Aber ihr steht erst am Anfang dessen, was man ‚Begreifen’ nennen könnte.“ Dies sprach er tatsächlich, nicht in unseren Köpfen. Da er die Hände auf dem Rücken hielt und wir zu Stille und Bewegungslosigkeit verdammt waren, konnte ich die 6 Finger an jeder Hand sehen, jedoch keinen Buckel.
Dann drehte er sich erst zu uns um, und ich sah in das Gesicht von Wiedbrücks, glattrasiert, blond, wie wir ihn in Dragenfeld gesehen hatten. Er sah uns halb desinteressiert, halb ausdruckslos an. „Ich bin erfreut, endlich eure persönliche Bekanntschaft zu machen, Malträger. Ihr habt zum zweiten Mal meine Kreise gestört, doch es freut mich, dass ihr mich zu neuen Erkenntnissen geführt habt. Natürlich könnt ihr euch die Freiheit nehmen, eure Ideale zu verteidigen.“

Nun fanden wir unsere Sprache wieder, oder er ließ sie uns wieder finden, auch Herdin gibbelte wieder irre vor sich hin.
Der gelehrte Herr stellte die Frage, deren Antwort wir ja eigentlich schon wussten, nämlich, wer er war. Borbarad antwortete, dass dies ganz gleich wäre, denn wichtig wäre nur, was uns definiert.
Dela fragte, was er hier tat. Seiner Bestimmung folgen, antwortete er. Wie wir es auch taten, warf Messana ein, was er ganz ruhig bestätigte, das würden wir in dieser Halle tun.
Was seine Bestimmung wäre, wollte der gelehrte Herr wissen. Das zu verstehen, antwortete der Halbgott, würde unseren Verstand sprengen und dafür würde die Zeit nicht reichen.
Doch der gelehrte Herr ließ nicht nach und fragte, was denn unsere Bestimmung sei.
Ihn zu besiegen, sagte Messana und Firudan knurrte zugleich etwas, aus dem ich ein „vernichten“ herauszuhören vermeinte.
Borbarad meinte, das sei unsere Vorstellung, tatsächlich aber seien wir hier, um eine Übereinkunft zu erreichen, was Messana sofort dementierte, wir seien nicht hier, um uns zu arrangieren. Hochwürden da Vanya warf an dieser Stelle ihm entgegen, er sei verhaftet wegen Verrat an Reich und Kirche.
Dies ließ nur so etwas ähnliches wie ein feines, amüsiertes Lächeln auf dem Gesicht von Wiedbrücks, der nicht von Wiedbrück war, erscheinen. Wir sollten zurücksegeln und ihm Maraskan überlassen, sagte er.
Messana lehnte dies strikt ab und fragte, was er mit der Insel überhaupt vorhabe. Es wäre Teil des Ganzen, erwiderte er, doch würde es auch andere Orte geben.
Wir würden ihn überall finden, drohte Dela, und Messana schloss sich dem mit einem „Wer den Wind sät, wird Sturm ernten, und Ihr werdet den Sturm ernten!“ an.
„Wie vor 500 Götterläufen“, stellte er sanft fest und der gelehrte Herr hakte sogleich nach, was denn da gewesen wäre, stockte aber mitten im Satz abrupt. Ich dachte schon, ihm sei der Mund verboten worden, aber dann sprach er mit einem anderen Satz weiter, ganz und gar zornerfüllt: „Da bist du, Assarbad, endlich habe ich dich gefunden! Nun erfährst du Gerechtigkeit!“ Und sein Rubinauge begann, in tiefem Rot zu glühen.
Borbarad blieb jedoch gänzlich unbeeindruckt und fragte: „Kennen wir uns?“ Der gelehrte Herr, der so zornig gar nicht mehr nach ihm selber klang, setzte zu einer geharnischten Antwort an, als Borbarad sich mit einer Hand an den Hals griff und sich nicht nur die Kleidung, sondern gleich eine ganze körperliche Hülle vom Leib zog!
Darunter kam eine schwarze Robe mit roten Stickereien zum Vorschein und das Gesicht eines älteren Mannes mit weißem Haar und Bart. Unter seiner Haut glänzten seltsame metallene Einschlüsse (oder es sah so aus), wie es der Magier Puspereiken über den verstorbenen Borotin Almachios, von Wiedbrücks Assistenten, erzählt hatte. Von einem Buckel war auch jetzt nichts zu sehen, ebenso wenig von dem jungen und schönen Gesicht des Körpers, der im Nachtschattenturm zu sehen gewesen war, aber sechs Finger an jeder Hand besaß er auch in dieser Gestalt. In seiner einen Hand hielt er einen roten Stab.
Ein alter Mann mit Bart – war dies das Antlitz, das Messana und Velea vor 500 Götterläufen in der Gor gesehen hatte, als sich die Zwillingsbrüder gegenüber standen? Er sah jedenfalls schon so aus wie die vielen Abbildungen Rohals des Weisen, nur dass sein Haar und Bart etwas wilder waren.

In dem Moment brach hinter uns ein Tumult aus und Ucurian Jagos Stimme kündigte ihn im Vorfeld an, als er ein „Lasst mich durch!“ rief und mit einem geschmetterten „Lux Triumphat“ eintrat. Er sah blutbespritzt, angekämpft und erschöpft aus, doch in seinen Augen funkelte sein altbekannter Zorn. Ihm folgten einige Bannstrahler in ähnlichem Zustand.

Messana warf Borbarad entgegen, dass Nichts und Niemand uns aufhalten würde, keine Drohung und keine falsche Anschuldigung und dass Götterglaube und Gerechtigkeit sich durchsetzen und siegen werden. Das Gebrüll der Leuin hätte noch jeden Gegner hinweggefegt.
Firudan knurrte etwas Drohendes.
Egal, wohin er gehen wird, wir würden ihn finden und bekämpfen, solange, bis er besiegt sein wird, sprach Messana weiter.

Borbarad antwortete darauf nichts, sondern hob seinen Stab und schlug ihn mit dem einen Ende nach unten.
Zu meiner Überraschung bohrte sich sein Stab in den Boden, der aus Steinfliesen bestand, der darunter barst und splitterte. Der Stab blieb stecken und stand gerade, während in unserer Mitte sich ein finsterer Schlund auftat, aus dem nacheinander immer mehr Skelette mit Waffen in den Händen heraussprangen! Zugleich erschienen überall im Raum Dämonen, tentakelbewehrt, mit massigen Körpern, vier Hörnern und einem Schnabel und dazwischen einige der großen gestreiften raubkatzenartigen, die für mich nur eine Schändung des heiligen Tieres der Rondras sein konnten.
Drei von diesen waren es, sechs der anderen und 10 Skelette, und das war, wie sich zeigen sollte, nur der Beginn eines ungeheuren Kampfes.

Die Katzenartigen sprangen auf Dela, Messana und Firudan zu, bevor diese noch reagieren konnten, Messana rief mir noch zu, mich an die Skelette zu halten.

Was ich auch tat, zu einem der Dämonen wäre ich auch gar nicht in dem ausbrechenden Kampfe hingekommen, mit einem Schritt nach vorn stand ich dem ersten gegenüber. Da Vanya zog sich zurück und ich hörte einen Moment später seine Stimme, die sich zu einem liturgischen Gebet zu Praios erhobt. Die Soldaten verteilten sich gegen Skelette und Dämonen und da Jago nicht allein gekommen war, folgten noch viel mehr herein. Dela ließ ihre Säbel in den Scheiden und hob ihre Hände kampfbereit, noch immer ganz in filigrane, aber massive silbrige Schuppen gerüstet. Der gelehrte Herr versuchte nach vorn, Richtung Borbarad, zu eilen, kam aber auf grund des heftigen Getümmels nicht voran.
Borbarad blieb hinter seinem Stab vor den Fenstern stehen und betrachtete sich gelassen das, was da kommen sollte.

Mit seinem ersten Hieb, der einer Urgewalt glich, zerteilte Firudan einen der schnellen vierbeinigen Dämonen. Ich parierte den Angriff meines Skelettes, das tatsächlich schneller zum Angriff ansetzen konnte als ich (und da hieß es, Skelette und Untote sollten langsam sein), und schlug dann selber zu. Ich verzichtete auf jede Form von Finesse, ich legte einfach nur viel Kraft hinein und schlug gerade zu. Das Skelett zerbarst. Doch mir blieb keine Zeit zum Triumph oder Atmen schöpfen, denn ich war umgeben von Skeletten und es kamen noch immer welche aus dem Schlund.

Ich sah einen roten Blitzstrahl (wie ich später erfuhr, aus dem Auge des gelehrten Herrn), der in einen der Dämonen einschlug, einer der nun beiden Viergehörnten, zwischen denen Firudan stand. Dann nahm er seinen Stab und schlug auf jenen Dämonen auch noch ein, aber dabei flog ihm sein Stab aus den Händen, doch gelang es ihm, ihn schnell wieder aufzuheben. Dela stand zwischen Skeletten und Dämonen und ich zerschlug mit einem wuchtigen Schlag das nächste Skelett. Messana zerschlug mit ihrem Wirbelwindangriff mehrere Skelette auf einmal, was ihr Raum verschaffte, weiter vorzusetzen, doch einen Dämon musste sie erst gar nicht suchen, denn einer näherte sich ihr bereits.

Es war mir wie ein ewiger Kampf. Manches sah ich nur am Rande, anderes wurde mir hinterher erzählt. Ich stand zwischen den Skeletten und kämpfte. In der Regel reichte ein Treffer, und sie zerfielen, doch, bei Rondra, sie wurden nicht weniger, ich sah sie auch rechts und links von mir unter den Hieben der Soldaten, Bannstrahler und Delas gewaltigen Faust- und Schlagangriffen zerbersten, doch es rückten immer mehr nach.

Übertönt wurde ihr Knochenknirschen (sonst gaben sie keinen Laut von sich) von der tragenden Stimme da Vanyas, den Rufen der Soldaten (Schmerzenslaute, Todesschreie, sich Hilfe oder Unterstützung zurufend) und dem Gebrüll der niederhöllischen Kreaturen und immer wieder das wilde, gutturale Gebrüll Firudans.

Ich wurde von Skeletten getroffen, es waren so viele, das jeder zwischen mehreren stand, auch wenn ich so einige Angriffe abwehren konnte. Aber ich teilte mehr aus, bei Rondra!

Ich sah Dämonen verschwinden, unter den gnadenlosen Angriffen von Firudan, Messana und Dela, die stets im dichtesten Getümmel der Dämonen standen, auch die Soldaten, wenn sie nur in genügender Anzahl gegen welche standen, hatten ihre Erfolge, aber, oh, was für einen schrecklichen Blutzoll sie dafür zahlen mussten!

Ich hörte Messana einige Male Rondra anrufen und konnte mir sicher sein, dass weitere Dämonen vernichtet wurden. Weitere rote Strahlen schossen aus dem Auge des gelehrten Herrn und auch darunter verschwanden immer wie Dämonen. Doch wie viel auch vernichtet wurden: Überall im Raum erschienen wieder die mit den Tentakeln und stürzten sich wahllos auf alles, was sich bewegte.

Ich spürte meine Verletzungen kaum noch, oder die Anstrengung, Ar’Kan’Thos, immer wieder mit aller Kraft auf diese Kreaturen wider Boron zu schlagen, es gab immer nur das jeweilige Skelett vor mir und noch die neben mir, die ich zu zerstören trachtete.
Wenn es manchmal die Sicht für einen Herzschlag zuließ, konnte ich Dela sehen, die umringt war, aber deren Rüstung fast kaum etwas durchdringen konnte und die mit der bloßen Hand einen Schaden austeilte, den ich kaum abzuschätzen wusste, der aber Skelette zerstörte und Dämonen Wunden zufügte.

Und doch, jeder von uns wurde immer wieder getroffen. Firudan vermochte sich selbst zu heilen, selbst Dela hatte diese Fähigkeit, wie sie später sagte, aber auch auf sie prasselten immer wieder viel und auch harte Treffer ein, so dass sie mehr Verletzungen erhielten, als sie wegheilen konnten. Zeit, an die Schläuche zu fassen, war nicht im Entferntesten, jedenfalls für jene im Getümmel.

Messana hatte sich am weitesten nach vorn durchkämpfen können, doch zwischen ihr und Borbarad und vor allem dessen Stab, der beständig die Dämonen beschwor, standen gleich vier der Viergehörnten und es war mit noch deutlich mehr zu rechnen.
Firudan nahte, ihr zu Hilfe zu eilen, doch war er selber einige Schritte entfernt von mehreren Dämonen umgeben und kam so erst einmal nicht voran.

Der gelehrte Herr zog sich mit wenigen Schritten an eine Wand zurück und trank aus seinem Schlauch, aber kurz darauf zuckten auch schon wieder rote, vernichtende Blitze aus seinem Auge.
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#81
Fortsetzung des Eintrages "27. Efferd 26 Hal, Tuzak"


Obwohl der Kampf noch nicht wirklich lange dauern konnte, spürte ich nun doch die Auswirkungen der diversen Treffer und dass meine Bewegungen schwächer wurden. Lange würde ich nicht mehr stehen können, und doch, kann ich mit Stolz sagen, es kam mir nicht der Gedanke aufzugeben oder mich gar zurückzuziehen. Wie es auch bei sonst niemandem der Fall war.
Alle kämpften wir, wir hatten vorher ausgerufen, wir würden folgen und kämpfen, und wir kämpften, denn wir brachten den Sturm und wir wollten siegen.

Plötzlich, nachdem ich ein Skelett zerschlagen hatte, stand ich vor einem der katzenartigen Dämonen, dem letzten, der von diesen noch beschworen war. Ich wusste, dass ich eher wenig gegen sie ausrichten würde, aber hier kämpfte gegen jeder gegen das, was gerade in Waffenreichweite war. Ich setzte noch immer mehr auf Kraft, versuchte nun aber auch den Dämon zu täuschen, denn dies war ein Kampfdämon und kein tumbes Skelett. Tief drang meine Klinge nicht ein, aber ich gab nicht nach.

Firudan verlor er einmal selber seine Waffe, auch wenn er sie schnell wieder in Händen hielt und er kämpfte weiter gegen die ihn umgebenden Dämonen, deren Angriffe er teils ignorierte, so er sie nicht abwehrte, oder sie mit einem wuchtigen Konter gegenangriff, immer im Bestreben, eigentlich weiter nach vorne zu kommen.

Dela teilte gewaltige Faustschläge aus, und doch war sie beständig von Dämonen umgeben, von denen zwar nur wenige Angriffe durchkamen, doch einige waren stark genug, ihr trotz ihrer Rüstung merklichen Schaden zuzufügen.

Jago, noch blutiger und abgekämpfter als zu Beginn, kämpfte sich als nächstes zu Messana durch und der gelehrte Herr schoss wechselweise rote Blitze aus seinem Auge und schlug mit seinem Stab zu.

Messana blutete aus diversen Wunden und auch ihre Bewegungen waren nicht mehr so schnell und sicher wie zuvor.

Es war ein Kampf gegen eine Übermacht, die bestand, weil mehr von ihnen nachrückte, frisch und unverbraucht und wir nur auf unsere schwinden Kräfte zurückgreifen konnten. Es waren einfach zu viele, solange der Stab stand, würden immer welche nachkommen und der Stab wurde von immer wieder nachbeschworenen Dämonen verteidigt, so dass mindestens jeweils vier von ihnen davor standen.
Mir dämmerte, dass wir diesen Kampf nicht gewinnen konnten, ganz gleich, wie ehern unser Wille war, denn unsere Körper würden unter dem Blutverlust und den Verletzungen nachgeben.
Aber wir kämpften weiter.

Da erhob Messana ihre Stimme über den Kampfeslärm hinweg: „Wilde Löwin! Himmlische Leuin, Herrin des Kampfes wider des Unheiligen! Gewähre uns, die wir in deinem Namen streiten, Kraft und Ausdauer, bis das letzte Gezücht der Unheiligen darniederliegt, auf dass wir in deinem Namen siegen!“ Und dann schmettert sie ein „So sei es!“ hinterher.

Und ich wusste, dass die Göttin und ihre Geschwister mit uns waren, dass sie uns und unser Anliegen nicht vergessen hatten und wir wahrlich in ihrem Namen stritten.

Ich fühlte mich wie von einer schützenden wie heilenden Hand berührt, spürte DAS Gefühl der allgöttlichen Ordnung, wie einige meiner Wunden sich schlossen und wie sich eine unsichtbare Rüstung über meinen gesamten Körper legte.
Mit frischer Kraft und noch mehr Mut, griff ich weiter meinen Katzendämon an, dabei „Rondra!“ rufend, und es ging wie eine Welle durch unsere zerstreuten Reihen, denn wahrlich, Rondra war mit uns!

Ein weiterer Hieb von mir und der Dämon vor mir löste sich auf.
Ich blinzelte mir Schweiß und Blut aus den Augen: ich stand allein, noch relativ nahe an der Tür, alle anderen Kämpfe hatten sich in der Zwischenzeit von mir wegbewegt.
Ohne zu Zögern, eilte ich auf eine abseits stehende Gruppe von Soldaten zu, die gegen einen der Dämonen standen.

Delas Rüstung bildete sich plötzlich zurück und es blieb die Drachenklaue, die von der Hand bis zur Schulter reichte. Sie zog daraufhin ihre beiden Säbel und kämpfte mit diesen weiter.

Ich spürte, wie sich weitere meiner Wunden schlossen, fast war ich schon wieder völlig geheilt. Auch die Soldaten sahen recht gut und leidlich unversehrt aus, gut für uns und unsere Sache!

Hochwürden beendete seine Liturgie mit einem „Es sei“, als ich den Tentakeldämonen angriff. Goldenes, warmes Licht durchflutete den Saal und erfüllte die Fenster, gleißend, aber zugleich mich nicht blendend, und es fühlte sich gut an. Die Dämonen heulten schmerzerfüllt auf. Als das Licht nach einigen Herzschlägen schwand, waren alle verbliebenen Skelette auf der Stelle zu Staub zerfallen und der Schlund, aus dem sie beständig nachgerückt waren, war geschlossen. Jubel brach unter unseren Soldaten aus.

Doch noch immer erschienen neuen Dämonen, doch nun hatten wir die Kraft und frische Kräfte, unsere Stellungen zu behaupten und weiter auszubauen..
Der Dämon vor uns war mit uns mehreren Angreifern gut beschäftigt, das bot mir die Gelegenheit, zuweilen zweimal zuzuschlagen. Tiefen Schaden machten wir alle nicht, aber wir machten Schaden, immer wieder.

Die Reihen vor dem Stab lichteten sich unter nun Jagos, Messanas und Firudans (der endlich hatte aufrücken können) Angriffen, unterstützt durch die tödlichen Blitze aus dem Rubinauge, erhielten aber ihrerseits Herzschläge später auch schon wieder Verstärkung. Doch es gab zwischenzeitlich kurze Lücken.
Durch eine davon fuhr der bislang gewaltigste rote Blitzschlag auf Borbarad zu.
Der gelehrte Herr brach in die Knie, doch Borbarad – er schrie auf, vor Schmerz, als der Schlag ihn traf, auch er wankte und brach in die Knie, und dann verschwand er von einem Moment auf den nächsten.
Er war geflüchtet!
Ein wütender und enttäuschter Schrei entrang sich dem gelehrten Herrn, dann brach er gänzlich zusammen.
Doch im nächsten Moment robbte er auf den Stab zu, der noch immer im Boden steckte, aber auch ihn heilte Rondras Wirken mit jedem Herzschlägen, so dass er sich mühsam aufrichten konnte und den Stab ergriff. Er ‚rang’ mit dem Stab und brauchte einige Versuche, bis er ihn mit einem Aufschrei aus dem Boden ziehen konnte.
Damit schwanden die Dämonen nicht, die noch da waren, aber es kamen keine mehr nach.
Und die, die noch da waren, konnten wir mit vereinten Kräften besiegen.

Ich atmete heftig ein und aus, fand mich aber gänzlich unverletzt, sämtliche Verletzungen waren weggeheilt und auch alle anderen standen nun oder wenige Herzschläge später ohne Verletzungen da. Doch waren wir alle bedeckt mit Blut und ekligem Schleim von Dämonen, und standen in zerrissenen Rüstungen und Wappenröcken. Der Boden war ebenfalls mit Blut und widerwärtigen Überresten von Dämonen bedeckt, dazwischen unsere Toten (denn Verwundeten gab es keine dank der Herrin) – ein Schlachtfeld.

Fürst Herdin saß noch immer gibbelnd, kichernd und sabbernd auf dem Thorn und ob irgend etwas von dem Kampf überhaupt zu ihm durchgedrungen war, wissen allein die Götter. Einige Soldaten hatten sich mit gezogenen Waffen vor ihm aufgestellt, doch er reagierte gar nicht auf sie. Er befindet sich jenseits menschlicher Gerichtsbarkeit.

Messana sank auf die Knie, hob ihre Waffe und den Blick gen Alveran und rief laut und inbrünstrig, dass Rondra mit uns war und sie uns zum Sieg geführt hatte.
Firudan, Dela und ich taten es ihr nach und knieten uns nieder, um Rondra zu danken, Firudan verwandelte sich wieder zurück. Jago fiel auch auf die Knie und dankte laut den 12en, Rondra und Praios. Die Soldaten und der gelehrte Herr folgten, auf die Knie zu sinken, die Soldaten senkten ihre Köpfe und dankten still.
Die Herren von Barsigstein und Bruckner, Klara von Elenvina und Nicolai beteten ebenfalls, Nicolai, als Anhänger Borons, schweigend. Sie hatten sich aus dem Kampf, geschwächt, wie sie waren, herausgehalten und den nachfolgenden Soldaten nicht den Weg hinein versperrt.

Firudan erklärte, es sei ein guter Kampf gewesen, und Messana sagte, dass Rondra wahrlich in unser aller Herzen, Arme und Klingen gewesen war. „Sie hat gezeigt, dass nur eine auf dem Schlachtfeld siegt“, erklärte sie inbrünstig.

Der gelehrte Herr meinte düster, dass es noch nicht zu Ende wäre.
Daran bestand in der Tat kein Zweifel, das wussten wir alle. Borbarad war entkommen. Er hatte nicht gesiegt, aber erwar geflüchtet und es war noch nicht zu Ende.

Hochwürden wähnte es als gute Zeichen, dass die Götter so eindeutig auf unserer Seite seien, weil wir gesiegt hatten.
Jago, sich erhebend, meinte, es wäre ihm eine Freude sein, beim nächsten Mal an unserer Seite zu kämpfen.
Dies aus seinem Munde zu vernehmen war ja fast schon ein Wunder, aber dann ging er zu Messana hinüber und reichte ihr die Hand. Sie schaute, so verzückt sie auch gerade noch gewesen war, erstaunt darauf, ergriff sie aber nach einem kurzen Zögern.
Und vor unser aller Ohren und denen der Soldaten, mit denn sich der Raum füllte, weil noch immer von draußen welche herein strömten, entschuldigte sich Ucurian Jago mit weithin tragender Stimme bei Messana. Er erklärte, dass er falsch gelegen hätte, was unsern Mut und Einsatz anginge, und dass alle Bezeichnungen, die er gegen sie (und im weiteren uns) verwendet hatte und alle Anschuldigungen, die er vorgebracht hatte, falsch seien. Es bestünde kein Zweifel, sagte er noch, dass Messana wahrlich von Rondra auserkoren sei.
Messana musste wohl erst ihre Überraschung verwinden, denn für einen Moment sagte sie nicht, aber ich konnte ihr doch ansehen, dass sie sich etwas überwinden musste, ehe sie ebenso vernehmlich erklärte, dass sie seine Entschuldigung annähme. Sie drückte dann noch ihre Überraschung aus, dies von ihm zu vernehmen.
Er gab zu, dass er unnachgiebig sei, das sei wichtig, bei dem, was er täte, aber es würde auch manchmal alles unnötig schwer machen. Dem konnte Messana zustimmen.
Da hatten sie tatsächlich gar noch Gemeinsamkeiten!

Im Thronsaal gab es nur Tote, doch auf den Gängen und Fluren und den unzähligen weiteren Räumlichkeiten noch viel mehr und dazu viele Verletzte, auf beiden Seiten.
Stunden vergingen damit, die Toten aus dem Palast nach draußen zu tragen und Verletzte zu versorgen, dazu gab es noch Gefangene. Ich gab die letzten Reste aus meinen Schlauch, ebenso Messana den letzten Schluck, Firudans war noch komplett gefüllt, was große Dienste leistete, während Delas Schlauch schon leer gewesen war, bevor wir den Saal erreicht hatten und der des gelehrten Herrn von ihm im Saal ausgetrunken worden war. Wir ließen zum Schiff schicken, große Teile unseres Heilwasservorrats zu holen und wir steuerten auch unseren Roten Pfeilblütentee und Verbände bei.
Der gelehrte Herr ließ den Magierstab Borbarads, für den dieser die Blutulme „Seelenfeuer“ im Tal der Elemente vernichtet hatte, nicht aus den Augen. Er war jedoch bei allem, was noch getan wurde und all dem, was zu sehen war, seltsam gleichgültig.
Die Nacht war weit fortgeschritten, als auch die letzten Toten und Verwundeten gefunden und hinaus gebracht wurden. Die Geweihten Tuzaks hatten mitgeholfen und gerade die örtliche Boroni hatte bedauerlich viel zu tun. Medici und Feldscher aus der Stadt und der Truppen waren im vollen Einsatz und alle, die ein wenig davon verstanden, halfen dabei.
Neben feindlichen Soldaten, die beherrscht wurden oder es nicht besser wussten, was es um so leidvoller machte, hatte es ebenfalls tote Borbaradianer gegeben, wenn auch Rayo Brabaker unter ihnen nicht gefunden worden war. Im linken Flügel, dem Gesindetrakt, waren die größten Zerstörungen angerichtet worden, auch wenn im gesamten Palast kaum ein Raum unangetastet geblieben war. Dort waren Teile eingestürzt, als ein Borbaradianer Flaschen geworfen hatte, die beim aufschlagen explodierten. Das waren die Erschütterungen gewesen, die uns herbei gerufen hatten.

Der ganze Palast war ein einziges Schlachtfeld. Leichen und Leichtenteile, denn die Dämonen (von denen auch der letzte vernichtet worden war) hatten böse gewütet, dazu überall Blut und noch mehr Blut.
Es war ein schrecklicher Anblick, Zeichen unseres Sieges, aber auch, was uns dieser gekostet hatte.
Und nur einige weniger unter jenen, die die Aufräumarbeiten vorantrieben, wussten, dass dies nur der Anfang war und keineswegs das Ende.
Nur der Anfang.

Und doch, die Götter waren auf unserer Seite, wie mehr als einmal sich gezeigt hatte, ganz besonders heute. Dies gab mir Mut und Kraft, denn wir taten das Richtige.
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#82
Fortsetzung des Eintrages "27. Efferd 26 Hal, Tuzak (allerdings Sitzung vom 16.6.2012)"



In den frühen Morgenstunden des 26. Efferd, dem Tag nach der Schlacht, waren der Garten und auch Teile des Plateaus vor dem Palast mit Toten, Verwundeten, Gefangenen und den Unsrigen bedeckt, die Wache hielten oder Verletzte versorgten.
Es zeichnete sich ab, dass ¾ der 100 Bannstrahler gefallen waren, von den weiteren 400 unserer Soldaten waren etwas über die Hälfte gefallen, die Dämonen hatten furchtbar blutige Ernte unter ihnen gehalten, da sie zu wenig gegen Kreaturen der Niederhöllen ohne geweihte oder magische Waffen hatten ausrichten können, und von den ursprünglichen Truppen des Fürsten, zu denen auch von Bergelstein mit seinen etwa 500 Leuten zählte, auch wenn diese auf unserer Seite gekämpft hatten, waren 2/3 gefallen.

Viele der Gefangenen waren beherrscht worden und waren nun desorientiert, konnten sich gar nicht mehr an den Kampf erinnern. Einige konnten sich noch an die Beherrschung erinnern und waren darüber nun ganz entsetzt, was sie getan hatten. Andere hatten einfach stur ihre Befehle befolgt, weil sie das für richtig hielten.

Messana wandte sich an von Bergelstein und Admiral Sanin, die die militärische Oberbefehlshaber waren, dass sie vor unseren Leuten eine Rondra-Andacht halten möchte, ein Ansinnen, das gerne angenommen wurde.

So traten dann auf dem freien Plateau vor dem Palast die Truppen an. Verletzte wurden hinaus geschafft, soweit sie nicht schon draußen lagerten. Firudan, Dela und ich halfen weiteren, hinaus zu kommen.
Blutig, verletzt, müde und erschöpft standen sie da, aber auch stolz auf den Sieg, in strammer Haltung, wer dies noch irgend aufbringen und die meisten bemühten sich drum.
Messana (ich natürlich ebenfalls) hatte sich vorher gründlich gewaschen und auch ihre Rüstung noch gut möglich gesäubert, wie es sich vor einem Göttinnendienst gehörte, ohne den Sapefacta angewendet zu haben.
Ich bezog neben und einen halben Schritt hinter ihr Aufstellung, als sie vor die Soldatinnen und Soldaten trat. Ich bedauerte, dass wie keine Räucherschalen und zu verbrennende Kräuter hatten und auch sonst nichts an Liturgiegegenständen, mit denen wir die Andacht hätten weiter ausgestalten können.
Doch wie sich zeigte, schadete dies gar nicht der Stimmung.

Choräle schallten über das Plateau und hinab zur Stadt, vielleicht nicht schön gesungen und manche Stimme mochte krächzen und schwach sein, und doch, ich hörte Stolz, Festigkeit und Hingabe und wusste, dass die Herrin es mit Freude aufnehmen würde. Inbrünstig sprachen wir die Gebete und wir gedachten der Gefallenen, denn diese sollten nicht vergessen werden und auch ihnen verdankten wir den Sieg. Messana bedankte sich bei allen, dass sie ihrem Aufruf vor dem Sturm gefolgt waren. Am Ende schlugen wir alle mit blank gezogenen Waffen gegen Schilde und andere Waffen, um so ein Schwertergewitter zu erzeugen.

Nach der etwa einstündigen Andacht fühlte ich mich besser, nicht mehr bis so in die Knochen erschöpft und war mir sicher, dass es anderen ebenso ergehen müsste.

Die Aufräumarbeiten, Befragungen von Gefangenen und Untersuchungen von Schriften und Dienstbüchern, würden noch tage-, wenn nicht siebenspannenlang dauern. Wir halfen den Rest des Tages noch, so gut es uns möglich war. Unsere Verbände, Kräuter und Tees waren schon längst aufgebraucht wie das Heilwasser, von dem wir gerade einen kleinen Schlauch voll übrig behalten hatten, aber wir vermochten, Verwundete zu versorgen, mit Verletzten zu reden, gerade Messana, die Rondra noch sehr nahe war, ging die Pflege besonders leicht von der Hand und beständig sprach sie in den inbrünstigsten Worten von der Herrin und ihrem Wirken und auch sonst Hand anzufassen, wo es nötig war.

Der Abend nahte schon, als auch wir Zeit und Muße fanden, uns selber hinzulegen. Dela und ich mussten einige überzeugende Worte aufbringen, auch Messana dazu zu bringen.

Am Morgen des heutigen 27. Efferd suchte Admiral Sanin uns auf und wollte wissen, wie unsere weiteren Pläne aussahen. Es gab noch sehr viel zu tun, das war allen klar, ebenso, dass wir all dies nicht tun konnten, ohne noch Siebenspannen auf Maraskan zu verbringen, eine Zeit, die wir bei Borbarads Flucht und der Berichterstattung in Punin wohl nicht haben würden. Wir sprachen von der Mine und dem dort versteckten Endurium, das abgeholt werden müsste. Der Admiral sagte, er würde einen Trupp unter einem verlässlichen Anführer schicken, dies zu erledigen. Dann ist da noch der Friedhof der Seeschlangen mit den Portalen in die Niederhöllen, doch darum müssen sich Geweihte und Magier kümmern. Des weiteren war da noch die versprochene Ablöse der Besatzung von Fort Passstreich und sicherlich vieler andere Forts und Bastionen auf der Insel, denen es womöglich nicht anders oder zumindest ähnlich ergeht. In diesem Zusammenhang erwähnte Messana, dass sie sich noch direkt an den Reichsbehüter wenden wolle. Sanin bat darum, später das Dienstbuch des 3. Banners lesen zu dürfen.
Wir erfuhren von ihm, dass in von Wiedbrücks Gemächern nichts nennenswertes gefunden worden war und einiges gar so aussah, als wäre es lang nicht mehr benutzt worden (was kein Wunder war, wenn man bedachte, dass von Wiedbrück ab einem Zeitpunkt nicht mehr von Wiedbrück gewesen war). Das Buch mit den echsischen Schriftzeichen, das im Raum nach der Bibliothek aufgeschlagen auf einem Lesepult gelegen hatten, war natürlich sicher gestellt worden, allerdings fehlte es an jemanden, der diese Schrift lesen konnte. Firudan bot an, dieses Buch einmal durchzusehen. Er könne die Schrift zwar auch nicht lesen, sagte er, aber vielleicht könnte er Eindrücke gewinnen, weil ihm das schon zuvor gelungen war.
Messana bat darum, dass sie den Admiral, von Bergelstein und Hochwürden sprechen könnte. Sanin ließ die beiden sogleich holen und Messana fragte nach einem Anteil der eroberten Waffen (die zwar eigentlich zum Teil dem Reich gehörten, da es reguläre Truppen gewesen waren, aber es waren halt Einheiten, die gegen das Reich gekämpft hatten, dazu gab es noch die angeheuerten Söldner) für ihre Kirche. Die drei sahen sich kurz an und erklärten sich einverstanden. Es würde dafür gesorgt werden, dass die Waffen zum Tempel transportiert werden würden.
Als wir sagten, dass wir als nächstes aufs Festland zurück wollten, um in Punin beim Raben Bericht zu erstatten, bot uns der Admiral an, mit auf der „Seeadler“ nach Khunchom überzusetzen, ein Angebot, dass wir gerne annahmen. Hochwürden da Vanya würde auch mit übersetzen, allerdings mit der „Seeadler“ danach weiter nach Perricum segeln und von dort nach Gareth reisen.
Messana fragte ihn, ob er einige Schreiben für sie mitnehmen und überbringen, bzw. weiterleiten würde, was er zusagte.
Um Fürst Herdin werden sich Boroni kümmern, doch die Chancen, dass er noch irgendwie zurechnungsfähig wird, werden als begrenzt eingeschätzt (bisherige Erkundigungen legen nahe, dass sein Geisteszustand sich seit Götterläufen verschlimmert, dies also keine ganz neue Entwicklung ist).
Messana erkundigte sich, wer denn auserwählt sei, zur Mine zu gehen und das Endurium abzutransportieren, es war Ucurian Jago, der dies mit den überlebenden Bannstrahlern tun würde. Messana riet an, auf jeden Fall an einen oder mehrere kundige Führer zu denken und dass Leute in ausreichender Anzahl mitgenommen werden sollten (gab es doch neben den schweren Kugeln die Ausrüstung und Proviant für Hin- und Rückweg zu transportieren), außerdem auch die Boron-Geweihte, um noch etwaige weitere nötige Liturgien zu sprechen, falls nötig.
Da die „Seeadler“ schon morgen in See stechen sollte, würden wir heute also noch Skizzen und Wegbeschreibungen erstellen.
Außerdem sprach Messana noch das kleine Gebäude mit dem Gold und ungeschliffenen Edelsteinen an (eine Erwähnung, die außerordentlich beeindruckte) und dass wir einige wenige Steine genommen hatten, um die weitere Reise und deren Ausgaben zu bestreiten und davon auch die Spende für die Toten und ihren Angehörigen aus Kodnas Hans Mannschaft bezahlt hatten (was als nicht weiter wichtig erwachtet wurde).

Dann wurde die kleine Besprechung aufgelöst, es gab noch viel zu tun.
Oberst von Bergelstein wurde zum neuen Interims-Fürsten auf Maraskan ernannt, bis ein neuer Fürst bestimmt wird.
Messana, noch immer Rondra nahe, begab sich auf die, wie sich zeigen sollte, fruchtlose Suche nach Soldaten, die über oder in der Nähe des Tores zu Beginn des Sturmes gewesen waren und daher vielleicht etwas dazu hätten sagen können, wer oder wie das Tor geöffnet worden war. Doch diese vergleichsweise wenigen Leuten in den Hunderten von Gefangenen zu finden war schon schwierig genug und niemand konnte zu dem geöffneten Tor etwas sagen.
Später fertigten wir noch die versprochenen Skizzen an. Oberst von Bergelstein, als hiesiger Kommandant, kennt natürlich die Lage der Mine, ein Umstand, der es einfacher machte, den Weg von Tuzak dorthin zu bestimmen und zu beschreiben. Hinmmelsrichtungen, ungefähre Entfernungsangaben, einige wenige Landmarken, alles wurde von uns mit groben Strichen gezeichnet und auf einem gesonderten Blatt beschrieben. Gerade das auf- und durchfinden des Labyrinths bereitete uns Probleme, waren wir doch selber einer Führerin gefolgt, aber wir trugen unsere Erinnerungen so gut es ging zusammen. Die Lage des Verstecks von der Mine aus konnten wir wieder sehr gut beschreiben, denn das hatten wir uns ja genau aussuchen und bestimmen können.
Die Blätter überreichten wir Jago.
Messana schrieb noch einen kurzen Brief an Hauptfrau Sommerkorn und bat den Hauptmann, der mit einigen Soldaten nach Fort Passstreich aufbrechen würde, ihn dort der Hauptfrau zu übergeben.

Am Abend lud Messana noch einmal einen jeden, der wollte, zu einer abendlichen Andacht ein. Das Plateau vor dem Tor war wieder sehr gefühlt, als wir beteten, sangen und Messanas feuriger Predigt lauschten.

Danach suchte sie Oberst von Bergelstein auf, sie hatte mir vorher gesagt, was ihr Anliegen war, nämlich noch einmal ausdrücklich auf die Unterstützung der Freischärler aufmerksam zu machen. Wie sie mir später sagte, will er das Verbot der Diskusstafette wieder aufheben (vor allem das hatte ja mit dazu beigetragen, Maraskan an den Rand eines Bürgerkrieges zu bekommen) und sie hatte darauf verwiesen, dass wir und damit alle den Freischärlern und ihren wiederholten Unterstützungen zu Dank verpflichtet seien, was er bedenken will. Aber generell hat er nach eigener Aussage weder Interesse noch ein Händchen für Politik.

Ich nutze die Gelegenheit, am heutigen Nachmittag und Abend meine Tagebucheinträge nachzuholen.
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#83
28. Efferd 26 Hal, an Bord der „Seeadler von Beilunk“

Bevor wir uns zur Ruhe legten, sorgten wir dafür, dass wir heute Morgen pünktlich geweckt werden würden. Die „Seeadler“ stach zur achten Stunde in See.

Ich suchte mir einen Platz am Bug und sah nicht zurück. Es hatte große Momente auf der Insel gegeben, die ich in steter in Erinnerung und zum Teil auch Achtung und Ehre halten werde, ebenso, wie es dort Menschen gibt, denen ich gedenken will. Aber im Grunde war ich nur froh, aus der Hitze, dem mittäglichen Regen und vor allem dem Dschungel zu entkommen.

Messana dagegen suchte sich eine möglichst ungestörte Stelle an Deck und begann, die nächsten Stunden zu beten, ebenso wie da Vanya.

Zur Mittagszeit suchte Firudan Messana auf und fragte sie nach der Technik in den verschiedenen Kämpfen, bei denen sie ich so schnell zweimal um die Achse gedreht und dabei immer mehrere Gegner auf einmal getroffen hatte und ob sie ihn dies lehren könnte. Sie sagte zu, aber natürlich erst an Land, wenn dort Zeit und Platz zur Verfügung stehen würde. Dann würden auch Übungen mit mir wieder verstärkt aufgenommen werden, damit ich auch noch einige spezifische Manöver lernen sollte. Auch möchte sie sich vorher gerne in Meditationen und Gebete zurückziehen, um neue Offenbarungen Rondras zu suchen.

Firudan nahm sich auf der Überfahrt am heutigen Tag das Buch mit den echsischen Schriftzeichen vor, wie er es gestern vorgeschlagen hatte.
Ich sah ihn Stunde um Stunde darin blättern, wieder zurück, manchmal weiter vor, die Stirn runzeln und nachdenklich vor sich hin blicken.

Ich für meinen Teil nutzte die Stunden, niemandem im Weg zu stehen, die frische Seeluft zu genießen, der Dinge zu gedenken, die geschehen waren (und jener, die noch auf uns warteten), zu beten und tatsächlich einige Zeit lang nichts tun zu müssen.

Der gelehrte Herr hatte sich ebenfalls mit dem roten Stab (den er wirklich nicht aus den Augen ließ) eine ruhige Stelle gesucht, blickte oft misstrauisch um sich, als wenn er jeden Moment das Erscheinen Borbarads erwartete oder zumindest, dass einer der Matrosen sich auf ihn stürzen wollte, um ihm den Stab wieder zu entreißen.
Er betrachtet seinen Stab, schaute ganz überrascht und ungläubig drein und versenkte sich dann eine halbe Stunde lang in den Anblick. Er klappte auch die Augenklappe hoch um mit seinem Almadinen Auge zu schauen.
Dann teilte er uns, noch immer ganz ungläubig, mit dass er keinerlei Anzeichen darauf hat entdecken können, dass in dem Stab auch nur der Hauch von Magie inne wohnt.
Da wir uns sicher waren, dass ein Stab aus dem Holz von „Seelenfeuer“, der Stab eines Magiers und erst recht der Stab Borbarads, von dem wir gesehen hatte, wie mit seiner Hilfe Dämonen beschworen worden waren, ganz gewiss magisch war, war dies in der Tat eine überraschende und rätselhafte Entdeckung.

Etwas später trat Firudan zu dem gelehrten Herrn, und da das Gespräch nicht weit von mir stattfand, konnte ich es mithören. Da der gelehrte Herr Echsisch auch nicht lesen konnte, konnte er ihm bei dem Buch nicht weiter helfen. Er fand aber, dass wir vielleicht zurück in den Dschungel hätten gehen sollen, da dort Magister Puspereiken ist und der könnte dies lesen. Auch wenn dieser bestimmt von Borbarad manipuliert worden ist, aber dadurch würde er ja vielleicht wissen, wo er hin geflüchtet ist … Doch der Stab würde bestimmt auch wissen, wo Borbarad ist, der Stab spricht zu ihm (dem gelehrten Herrn), aber leider kann er ihn nicht verstehen. Dann sinnierte er darüber, warum Borbarad den Stab zurück gelassen hatte. Vielleicht wäre es eine Falle? Er nahm sich vor, den Magier Muntagorus zu treffen, der zwar verrückt sei, aber fragen würde ja nichts kosten.

An dieser Stelle verabschiedete sich Firudan von ihm und ich sah, wie er beim weggehen die Augen verdrehte. Ich sprach ihn darauf an, dass der gelehrte Herr sich wieder so seltsam und paranoid verhielt, was er voll und ganz bestätigte. Ich hatte ja gehofft, es sei vielleicht auch durch die Hitze und die Anstrengungen des Dschungelsmarsches so geschehen und würde mit Verlassen de Insel wieder aufhören, immerhin war er vor Erreichen Maraskans nie (bis auf einmal) nie so gewesen.
Firudan erzählte mir, dass er glaubt, dass das Buch von einem echsischen Priester verfasst worden war und sehr alt ist. Irgendwie fühlte sich das Buch sehr vertraut für ihn an. Seiner Auffassung nach hatte sich dieser Priester mehr mit „nicht greifbaren Dingen“ beschäftigt statt mit den Menschen. Magie hat Firudan nicht riechen können.
Aber all das sei für ihn mehr ein Gefühl und alles nicht konkret. Deshalb hatte er auch dann schlussendlich doch nicht mit dem gelehrten Herrn darüber reden wollen, nachdem dieser wieder in so merkwürdiger Stimmung war.
Später erzählte Firudan auch Dela und Messana davon.

Nachdem Messana noch weiter gebetet hatte, begab sie sich am späten Nachmittag zu den Herren von Barsigstein, Bruckner, Nikolai und Klara von Elenvina, um mit ihnen all das zu bereden, was ihnen widerfahren war.
Sie sprachen einige Zeit miteinander, aber es gab sicherlich auch viel zu erzählen.

Währenddessen erkundigte sich Firudan bei Dela, was es mit jenem eingewickelten Gegenstand auf sich hatte, der an den dämonischen Anderthalbhänder gebunden war. Dela ging mit ihm unter Deck, um ihm dort einen ungestörten Blick auf den kostbaren und geheimzuhaltenden Kelch zu gestatten und davon zu erzählen.

Am Abend ging Messana zu Hochwürden, auch der gelehrte Herr kam dazu, denn sie wollten die Unterlagen aus der Pyramide genauer durchsehen.
Die Zusammenfassung daraus war recht übersichtlich: Es war das Tagebuch des Schmieds, der mit Mindorium und Endurium experimentiert hatte mit dem Ziel, drei besondere Klingen zu schmieden. Die drei schwarzen Anderthalbhänder waren das Ergebnis, jeder einer erzdämonischen Wesenheit geweiht (fast erscheint es mir als Frevel, dieses Wort in dem Zusammenhang zu verwenden) und dämonisch beseelt. Außer ihren Fähigkeiten im Kampf (aufgrund des Enduriums, aus dem sich vorzügliche Waffen herstellen lassen sollen, auch wenn es dazu einen sehr guten Schmied erfordert) dienen sie noch als Fokus bei magischen Ritualen (der Dämonologie vor allem). Es lagen Zeichnungen aller drei Schwerter bei, die auch Namen hatten. Wir hatten Yamesh-Aquam erobert, während Athai-Naq und Hyrr-Kanhay auf den Baum-Spinnen-Dämonen davon geschwommen waren. Was dies für Dämonen waren oder warum die Schwerter auf ihnen deponiert worden waren, stand leider nicht darin.

Anschließend erzählte Messana Hochwürden und dem Admiral in Einzelheiten von den Ereignissen auf Maraskan, denn dafür war ja bislang noch keine Zeit gewesen.
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#84
29. Efferd 26 Hal, Khunchom

Am Morgen erbat sich Messana die Gelegenheit, in der Kajüte des Admirals einige Briefe zu schreiben, denn am späten Vormittag sollten wir Khunchom erreichen (wir hatten die Nacht durch gesegelt).

Der gelehrte Herr untersuchte auf magischen Wege die Kugeln und die Phiolen, die wir bei dem Borbaradianer gefunden hatten. Die Kugeln konnten, durch ihr Zerbrechen, Dämonen beschwören und wurden daher da Vanya übergeben, auf dass sie in der Stadt des Lichts ebenfalls zerstört werden mögen. Die Phiolen enthielten zu des gelehrten Herrn größter Freude Astraltränke.

Der Gefangene blieb ebenfalls an Bord der „Seeadler“ und würde mit nach Gareth überführt werden. Die Kugel Endurium, die drei kleinen Barren und der Kürass blieben in unserer Obhut, denn wir wollten nach Punin und die Boron-Kirche würde das entsprechend schon weiter leiten.

(Sitzung vom 14.7.2012)
Am späten Vormittag liefen wir in Khunchom ein. Unser Gepäck stand bereit, das Endurium war eingewickelt und wohl verwahrt. Wir verabschiedeten uns von Hochwürden und dem Admiral und bedankten uns noch einmal, dann verließen wir die „Seeadler“.

Kaum auf dem Kai, fragte Dela, was wir als nächstes tun sollten. Nach Punin reiten und dem Raben Bericht erstatten, da bestand für uns alle keine Frage. Meassana sagte noch, dass sie vorher noch mit dem Ehemann der gelehrten Dame und mit Jeska sprechen wollte und in Khunchom gerne noch einige Nachforschungen bezüglich der Prophezeiungen des Nostria Thamos aufnehmen möchte. Der gelehrte Herr fügte hinzu, dass er auch gerne in die Akademie gehen möchte und Firudan will dann die Gelegenheit nutzen, den hiesigen Peraine-Tempel aufzusuchen, um sich über mögliche Maßnahmen und Heilungsmöglichkeiten für seinen Schlangenbiss zu erkundigen. Dela möchte auch zur Akademie, um ihren Gürtel aufzuladen und ebenfalls erste Nachforschungen in der Stadt über ihr Artefakt anzustellen. Daher einigten wir uns darauf, dass wir den morgigen Tag zu Recherchezwecken nutzen wollten und je nach Ergebnis den Tag darauf auch noch, spätestens dann aber loszureiten.
Neben uns standen von Barsigstein, Bruckner, Nikolai und Klara von Elenvina. Es waren bei den Aufräumarbeiten im Palast einige ihrer Besitztümer wieder gefunden worden, so dass sie ihre Waffen trugen und die gelehrte Dame hatte natürlich ihren Stab. Sie waren auch mit Kleidung und einer Decke ausgerüstet worden, aber sonst besaßen sie so rein gar nichts.
Daher bot Messana ihnen an, ihnen etwas Geld zu leihen. Außerdem trat sie zum gelehrten Herrn und flüsterte ihm zu (ich stand nah genug, um es zu hören), ob er sie nicht in seine Karawanserei einladen wolle. Das tat er sogleich mit großen und herzlichen Worten. Die vier nahmen beides gerne an.
Es stellte sich auch die Frage, was sie als nächstes zu tun gedachten. Wie von Barsigstein sagte, hatten sie nun keine Ansatzpunkte mehr. Die gelehrte Dame erbot, Horoskope zu erstellen, die vielleicht Ansatzpunkte liefern könnten, das würde aber vermutlich einige Tage dauern (und so lange wollten wir nicht warten). Daraus entstand die Idee, dass sie die Horoskope erstellen sollte und die vier dann nach Gareth ziehen würden. Wir wiederum würden schon vorher nach Punin aufbrechen und so uns keine andere Nachricht woanders hinzog, würden wir sie in Gareth treffen.

Dann ging es durch das große, laute, rege Khunchom zur Karawanserei des gelehrten Herrn. Die Sonne schien aus einem blauen Himmel warm auf uns herab, doch es war keine schwüle und drückende Hitze wie im Dschungel. Die Stimmen der Händler und Passanten waren laut, wie ich es nach der langen Zeit im Dschungel gar nicht mehr gewohnt war.
Es war wunderbar!

Von einem Straßenhändler kaufte ich einen kleinen Happen einiger hiesigen Süßigkeit, während Firudan, der gelehrte Herr unhd Dela sich etwas deftiges oder zu trinken kauften.

Messana, Dela und ich hatten gerade unsere Sachen auf die Zimmer gebracht, als wir auch schon in die Ställe gingen. Ich, weil Messana ging und sie es von mir gleichfalls erwartete.
Ich war wieder fasziniert, wie freudig Merssana Valaria begrüßte, während ich zu Reo trat, der mich immerhin kurz beschnupperte. Ob ich auch eines Tages ein Pferd besitzen würde, mit dem ich ein solch ähnliches Verhältnis haben würde? Die Pferde waren anstandslos versorgt worden.
Der gelehrte Herr führte seine weiteren Gäste währenddessen auf ihre Zimmer und sorgte dafür, dass sie auch angemessene Ersatzkleidung bekamen.

Danach suchten wir alle zusammen ein Badehaus auf. Messana trug wieder ihre gewohnte Rüstung und den Umhang, ich dagegen gar keine, trug aber doch meinen Reitersäbel bei mir als Standeszeichen, der gelehrte Herr führte nur seinen eigenen Stab mit sich.
So ein tulamidisches Badehaus hat schon seine Reize, auch wenn es mir schon fast ein wenig dekadent anmutet. Ich bezweifle, dass so etwas in Albernia Bestand haben könnte.
Wir badeten im warmen Wasser, ließen uns massieren und einölen, die Männer ließen auch hier Haar und Bart stutzen. Bei uns Frauen war dies noch nicht nötig, das letzte Haareschneiden hatte vor einem Mond in Boran stattgefunden.
Wir lauschten ein wenig den Gesprächen und Klatsch der anderen Gäste. Immerhin, eine „Kunst“ haben die Maraskaner allen anderen voraus, nämlich die des „Kladj“.
Eine interessante Sache ging doch herum und so hörten wir dies: Jariel Praiotin XII., der (dank Veleas und nach Praios’ Wunsch rechtmäßiger) Bote des Lichts hatte das Siegel der 2. alveranischen Offenbarung von Balträa geöffnet und den Gläubigen kommenden großen Schrecken verkündet.
Das gab mir Gelegenheit, kurz zu erwähnen, dass ich mit Velea auf Baltrea gewesen war und das Orakel von Balträa zwar nicht persönlich gesehen hatte, aber nah dran gewesen war.
Messana sah in dieser Nachricht etwas vergleichsweises positives, denn wenn die Kirchen auch auf diese Art gewarnt werden, würde das unsere Sache noch unterstützen. Zumal ja, wie ich hinzufügen konnte, Jariel Praiotin ohnehin Veleas Warnungen Glauben geschenkt hatte und es nicht abgetan hatte wie Hilberian Praiofold III.

Die vier anderen gingen anderen Dingen nach, wir fünf machten uns auf zum Hafen, um die thorwalsche Otta aufzusuchen.
Wie sich zeigte, hatte Kapitän ibn Mukhadin, wie ihn Messana gebeten hatte, die tzraurige Nachricht bereits überbracht und seitdem war von der Spektabilität auch nichts mehr vernommen worden. Sie (Jeska war auch da) nahmen die Nachricht und den erneuten Bericht mit Trauer auf, behielten aber noch die kleine Hoffnung, dass sie vielleicht doch irgendwo angespült oder von einem Schiff aufgenommen worden war und nur einen langen Weg zurück hatte.
Wir sprachen unser Bedauern und Mitgefühl aus und gingen wieder.

Danach war schon fortgeschrittener Nachmittag.
Der gelehrte Herr wollte in den Tempel des Herrn Boron gehen, Dela ebenfalls und auch zum Rondra-Tempel, Firudan zu dem der Peraine. Messana fragte ihn, ob es ihm Recht oder gar gewünscht wäre, wenn sie mitkäme. Er hatte nichts dagegen und so gingen wir beide mit ihm.

Der Tempel war grün und voller Pflanzen. Malereien bedeckten die Wände, die Feldarbeit und Bereiche und Tätigkeiten der Heilkunst darstellten. Wir legten die Waffen beim Eintreten ab, Messana und ich traten an den Altar, um ein kurzes Gebet zu sprechen, während Firudan einen Geweihten aufsuchte. Wir kamen kurz darauf nach, als der Geweihte erklärte, dass ihm soweit keine endgültige Heilung bekannt sei. Der Krankheitsverlauf des Giftes könnte zwischen Madamalläufen und Götterläufen liegen, einige würden ihm auch gar nicht erliegen. Vielleicht würde bei diesen unterschiedlich starken Auswirkungen auch die Konstitution des Betroffenen mit hineinspielen oder die Menge des Giftes. Zuletzt schlug er noch den Besuch bei einem sehr guten Heilmagier vor, da dies nicht schaden könne. Firudan betonte, dass er gegen das Gift nicht kapitulieren würde und bedankte sich.
Auch er betete am Altar und hinterließ eine Spende, dann verließen wir den Tempel.

Firudan wollte als nächstes zum Boron-Tempel. Auch mich zog es dorthin, aber Messana wollte erst später. Auch wenn sie nichts dagegen gehabt hätte, wenn ich jetzt schon gegangen wäre, fühlte ich mich doch verpflichtet, mich da eher nach ihr zu richten, außerdem wusste ich die Gelegenheit zu schätzen, einige Zeit nur mit ihr zu verbringen.
Und Lust auf den kurzen Ausritt, den sie jetzt machen wollte, hatte ich ebenfalls.

Wir gingen ohne Umwege gleich in die Stallungen, sattelten unsere Pferde und sobald wir die Stadttore hinter uns hatten, konnten wir unsere Tiere antreiben. Ach, es war wunderbar, mal wieder zu reiten und den Boden unter den Hufen dahinfliegen zu sehen und den Wind im Gesicht zu spüren!

Zu bald schon mussten wir umkehren und ritten wieder nach Khunchom hinein. Wir brachten die Pferde wieder in den Stall und versorgten sie, dann gingen wir geruhsam zum Tempel des Boron, denn bei diesem ist Besuch am Abend sicherlich nicht einer zur falschen Zeit.
Wir entzündeten mitgebrachte Räucherstäbchen und versenkten uns in stumme Gebete. Mochte auch Rondra meine höchste Herrin sein, stehen ihre elf Geschwister doch nicht unter ihr und gerade dem Herrn Boron hatten wir (außer dem gelehrten Herrn) sehr viel zu verdanken. Eine zweite Chance, Wiedererhalt unserer Leben, eine Frist zu tun, was wir geschworen hatten zu tun.
Ich war ihm sehr dankbar, mein Leben weiter führen zu dürfen. Wie lange, ist mir unbekannt und das ist auch besser so, aber ich verdankte Boron eine der höchsten Gnaden und dafür bin ich zutiefst dankbar.

Als wir den Tempel verließen, schwiegen wir beide, einträchtig und vermutlich auch in Gedanken daran, dass dies eine der Tugenden Borons ist.

Kurz bevor wir die Karawanserei erreichten, sagte Messana, sie würde im dort im Hof einen Göttinnendienst abhalten und ich nickte dazu.
Wir gingen zu unseren Zimmern, Messana, um die benötigten Dinge zu holen, ich, um meine Rüstung anzulegen. Es fühlte sich sehr ungewohnt an, Unterzeug und Kettenhemd samt dem metallenen Helnm wieder zu tragen, nachdem ich Madamalläufe lang nur die Krötenhaut getragen hatte.

Dela und Firudan erwarteten uns auf dem Flur. Sie hatten schlechte Neuigkeiten: Der gelehrte Herr hatte Borbarads Zauberstab in der Karawanserei gelassen, in einen Holzschrank gesperrt. Als er zurückkam stellte er fest, dass der Schrank von Innen heraus zersplittert worden war und der Stab verschwunden. Borbarad hatte seinen Stab mittels Apport zurück gerufen.
Sie berichteten, dass der gelehrte Herr darüber außer sich vor Wut gewesen war und so etwas gesagt hatte, das der Stabe „sein“ gewesen sei. Sein Auge habe gar rot geglüht.

Messana wollte mit ihm darüber reden, in Sorge, dass sein Auge womöglich wieder die Kontrolle über ihn gewonnen habe, so suchten wir ihn gemeinsam in seinem Arbeitszimmer auf.
Er saß am seinem Schreibtisch und von heftigem Zorn war nun nichts mehr zu bemerken, was gut war, immerhin lag das Ereignis schon einige Stunden zurück. Recht schnell bewegte sich das Gespräch von dem verschwundenen Stab fort. Der Stab war fort und wir würden ihn nicht mehr finden können. Ein Apport reichte normalerweise einige Meilen weit, bei Borbarad mochten es ungleich mehr sein, also musste er nicht einmal in einiger Nähe sein. Den Stab in einen Schrank einzusperren mochte wahrlich nicht die beste Sicherheitsmaßnahme gewesen sein, aber dann wäre es überhaupt schwierig gewesen, ihn zu sichern. Man konnte ihn nicht beständig in Händen halten und selbst aus den kräftigsten Händen hätte er sich wohl früher oder später gelöst.
Der gelehrte Herr sagte auf Nachfragen hin, dass er selber über den verschwundenen Stab sich eher gekränkt gefühlt hatte, der Zorn (dessen Auswirkungen das Gesinde bereits weggeräumt hatte) sei der des Auges gewesen, ebenso das Besitzdenken über den Stab.
Statt dessen sprachen wir bald über die roten Strahlen, die das Auge im Palast verschossen hatte. Der gelehrte Herr sagte, er wäre nur Zuschauer gewesen und hätte keinerlei Einfluss gehabt. Hätte ihm jemand im direkten Weg gestanden, zwischen ihm und Borbarad, sagte er, hätte das Auge wohl auch auf diese Person geschossen, um den Weg frei zu bekommen.
Messana mahnte ihn dringlichst an, da das Auge für jedermann eine Gefahr sein könnte, wie die Ereignisse in Samra und im Palast gezeigt hatten, dass er unbedingt lernen müsse, es zu beherrschen und zu kontrollieren, denn andere Personen dürften nicht in Gefahr kommen.
Er erzählte, dass er mit einem Boroni über das Auge gesprochen hatte und dieser vorgeschlagen hätte, statt mit dem Auge Kontakt aufzunehmen, mit ihm einen Kompromiss abzuschließen, Messana meinte aber, um einen Kompromiss zu schließen, müsse er doch Kontakt mit ihm aufnehmen. Außerdem sei es sinnvoll, den Feind zu kennen, denn wenn er weiß, was das Auge will und aus welchen Motiven heraus es handelt (außer, Borbarad zu vernichten um jeden Preis) und was es vermag, würde dies ihm womöglich etwas in die Hand geben, es zu kontrollieren.
Der gelehrte Herr überlegte, bei Gelegenheit auch einmal nach Perricum zu reisen, da die dortigen Magier sich auf Austreibungen spezialisiert haben. Das Auge und seine Fähigkeiten zu verlieren wäre eher ein Notnagel, fand Messana, denn laut der Prophezeiungen sei es wichtig in unserem weiteren Kampf und auch im Palast hatte sich das ja bewiesen. Aber das größere Übel wäre es, wenn das Auge sich beständig über den Willen des gelehrten Herrn hinwegsetzen würde.
Wer oder was jedoch „Assarbad“ sei, wusste er nicht zu sagen. Wohl ein Name, ein Name einer früheren Inakrnation Borbarads. Auch danach würde er morgen forschen wollen.

Nach der Verabschiedung gingen Messana und ich hinaus in den Garten. Wir verbrannten Kräuter, die kleine Kiste, die die Ritualgegenstände enthielt, diente als kleiner Altar, bedeckt mit blurotem Tuch, das mit Löwinnen bestickt ist und Messana hielt einen Göttinnendienst. Wir sangen zu Ehren der Göttin, sprachen Gebete und dankten ihr für ihr das gezeigte Wohlwollen und die Gunst, die sie uns im Kampf gezeigt hatte, ganz besonders für das Wunder im Palast, als ihr Wirken uns die Kraft und die Möglichkeit gab, weiter zu bestehen und schließlich zu siegen.

Nun sitze ich am Tisch in meinem Zimmer, ganz bequem und bei Lampenschein und ein wunderbares Bett wartet auf mich, draußen ist laue Nachtluft und für heute kann ich schreiben, dass ich mit der Welt zufrieden bin.
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#85
30. Efferd 26 Hal, Khunchom

Messana und ich standen auf, während die andern noch schliefen und machten unseren Göttinnendienst in Verbindung mit der körperlichen Ertüchtigung und den Waffenübungen.
Ich war durchaus etwas überrascht, dass ich die Übungen wirklich gerne wieder aufnahm. Und obwohl auf Maraskan wenig Zeit für solche Übungen gewesen waren, hatten die harten Märsche auf der Insel meinen Körper dennoch gestärkt und gekräftigt, so dass mir so einige der Übungen eher leichter fielen als vorher, trotz der fast zweieinhalb Monde Pause und ich erst wieder Gefühl für das Kettenhemd an meinem Leib entwickeln musste.

Dela machte an diesem Morgen einen Ausritt. Der gelehrte Herr begab sich zur Akademie und Messana und ich tätigten einige Einkäufe und gingen zur Nordlandbank, um die Einkäufe bezahlen zu können. Der Dschungel hatte nicht nur die Rucksäcke unbrauchbar für weitere Verwendung gemacht, denn trotz vielen einfettens war die beständige Feuchtigkeit übermächtig gewesen und uns durch den dichten Dschungel zu kämpfen hatte ihnen auch nicht gut getan, sondern auch so einige Bestandteile unserer Ausrüstung sollten ersetzt werden.
Die Rucksäcke sollen bis morgen fertig sein und noch ein Innenfutter aus Öltuch erhalten, wie es bei unseren alten auch der Fall war.

Dann suchten wir den Tempel der Rondra auf – der bemerkenswert ist, weil er auch der Ingerimm-Tempel ist und beide Götter dort zusammen verehrt werden -, unsere erste Station der Nachforschungen. Doch wie zu erwarten, gab es kein erwähnenswertes Archiv und von Nostria Thamos und seinen Prophezeiungen hatte man hier noch nie gehört. So beließen wir es bei einem Gebet und machten uns dann auf zum Tempel der Allweisen.

Dela war dort bereits schon in der Bibliothek des Tempels und etwas später traf auch Klara von Elenvina ein, die hier nach Material für ihre Horoskope suchen wollte.
Von Barsigstein war schon auf dem Weg zum Praios-Tempel, Bardo Bruckner zu dem der Travia und Nikolai zu dem des Boron, um dort ebenfalls Nachforschungen zu betreiben.

Was wir in der Bibliothek des Hesinde-Tempels fanden, war ein Buch, in dem auch über das Leben des Nostria Thamos berichtet wurde, wenn auch leider nichts über seine Prophezeiungen oder Erläuterungen dazu.
Doch was über Thamos berichtet wurde, war auch ganz interessant. Er soll um 500 BF gelebt und gute 10 Götterläufe an seinen Prophezeiungen geschrieben haben, in der Originalsprache Tulamidya. Er hat in Al’Anfa gelebt, war aber gerüchteweise von Geburt her womöglich ein Maraskaner oder laut anderen Gerüchten direkt dem Orakel von Balträa entsprungen. In Al’Anfa soll er deshalb gelebt haben, weil er weder Rohal dem Weisen noch Tharsonius von Bethana, genannt der Bethanier, gegenüber treten konnte (aber worauf sich das bezog, ob sie sich kannten, oder auch Thamos ein Magier war, dazu fanden wir nichts). Tharsonius von Bethana, den Verweis fanden wir, war der weltliche Name Borbarads.
Thamos hat Zeit seines Lebens über zukünftige und auch weit zurückliegende Ereignisse Visionen gehabt und sie nieder geschrieben, so auch beispielsweise über die Drachenkriege.

Diesen Querverweis teilte Messana Dela mit, da sie sich über Drachen informierte, um vielleicht etwas über die Herkunft ihrer Drachenklaue zu finden.

Ich machte mir fleißig Notizen, dafür hatte ich Papier, Feder und Tinte mitgebracht. Dennoch war es noch weit vor Mittag, als Messana und ich den Tempel verließen, denn über Tahrsonius von Bethana hatten wir auch nichts finden können. Eine Geweihte hatte uns noch angeraten, es in Kusik oder Punin zu versuchen.
Wir hatten mit deutlich mehr Zeit für Nachforschungen gerechnet. Dela und die gelehrte Dame waren damit noch ganz beschäftigt gewesen. Privatgelehrte, die aufzusuchen sich lohnen würde, gab es laut der Geweihten eher nicht, so dass Messana und ich unerwartet viel Zeit hatten.

Da ich den Reitersäbel an der Seite trug und Messana ohnehin ihre Rüstung und Waffen, suchten wir einen kleinen Park auf und machten dort Waffenübungen. Messana zeigte mir, einen ersten Schlag zu setzen und diesen zu nutzen, weiter auf den Gegner einzudringen und zurückzudrängen, ohne ihn zum Gegenschlag kommen zu lassen.

Wir übten dies gerade, als eine Frau auf uns zu kam. Hätte sie nicht so einen merkwürdigen, leeren Gesichtsausdruck gehabt und getaumelt, wäre sie gänzlich unauffällig gewesen. Messana eilte zu ihr, um sie stützen.
Ohne uns eigentlich anzusehen oder auch nur wahrzunehmen, wie ich glaube, sprach die Frau auf Garethi (dem Aussehen nach war sie eine Tulamidin):

„Wenn fünf glänzende Krallen der nicht-Echsen Fluch werden,
wenn nur mehr die Stählerne Stirn den schrecklichen Schatten standhält,
wenn das Geflügelte Geschoss dem Grauen der Götter gilt,
wenn aus sieben Schalen Schärfe schäumt,
dagegen kein Schrecknis gewachsen ist.“

Dann wandte sie sich ab, noch während Messana sich erkundigte, ob es ihr gut ginge. Messana rief mir zu, ich solle die Worte notieren, doch ich holte bereits die Schreibsachen hervor, während sie der Tulamidin nacheilte und schnell eingeholt hatte. Während ich hastig kritzelte, sah ich aus den Augenwinkeln, wie Messana auf die Tulamidin einredete und sie dabei festhielt, aber keine Reaktion bekam, wie mir schien.
Schnell war ich fertig und eilte hin. Messana ließ die Frau los und diese lief, noch immer mit dem leeren Gesichtsausdruck, einfach weiter. Wir folgten neben und hinter ihr, damit ihr nichts geschah, denn leicht hätte sie damit unter ein Fuhrwerk geraten können, doch sicher gelang sie nach Hause, denn einige Straßen weiter betrat sie ein Haus.
Messana klopfte an und zu unserer Überraschung öffnete die Frau selber. Freundlich und fragend blickte sie uns an, aber auch ohne jegliches Wiedererkennen.
Sie sah sogar sehr überrascht aus, als Messana sich erkundigte, ob es ihr gut ginge und sie versicherte uns, auf Tulamidya, dass sie bislang an diesem Tag das Haus noch nicht verlassen hatte. Sie war auf ihre Art genauso überrascht wie wir, nur aus anderen Gründen. Messana fragte noch, ob es ihr schon einmal widerfahren war, dass sie von jemandem woanders gesehen worden war, während sie glaubte, zu Hause gewesen zu sein, aber das war nicht der Fall gewesen.
Bevor sie womöglich über unsere Fragen noch ärgerlich wurde, verabschiedeten wir uns und gingen wieder in den Park zurück.

Wir unterhielten uns über dieses Ereignis und besonders über diesen Spruch, der uns doch sehr den Prophezeiungen des Nostria Thamos zu ähneln schien. Hatte Teclador nicht gesagt, dass die Prophezeiungen uns finden würden?
Wir verglichen unsere Erinnerungen an die Worte miteinander, um sicher zu sein, dass wir wörtlich das aufgeschrieben hatten, was auch gesagt worden war und wir überlegten über die möglichen Bedeutungen.

Am Abend und nach weiteren Übungen holten wir noch das Zelt ab und kehrten zur Karawanserei zurück
Nach einem gemeinsamen Abendessen fanden wir alle uns ein, um über das zu sprechen, was wir herausgefunden hatten.

Dela sagte, dass sie ihren Gürtel habe aufladen und auch den Handschuh noch mal oberflächlich analysieren lassen. Das Ergebnis ist, dass er wirklich uralt sein soll, mindestens so alt wie die Drachen selber und Formen von Heilmagie und Schadensmagie enthält und die Eigenschaften des Trägers verändern vermag. Außerdem enthält es Formen der Elementarmagie mit der Spezialisierung Erz. Es existiert eine eigenständige Artefaktseele in dem Handschuh, eine Seele, die nicht durch die Schaffung des Artefakts entstanden war und eigenständig entscheiden kann, wann einige der Fähigkeiten ausgelöst werden.
Dela konnte ergänzend auch noch erzählen, dass sie in Tuzak sich mächtig, schön und geradezu vollkommen gefühlt habe und daher auf alle, die es nicht waren, herab gesehen hatte.
Sie hofft, dass sie bei späteren und längeren Untersuchungen mehr erfahren wird, der gelehrte Herr meinte jedoch, dass sie da nicht zu viel hoffen solle.
Messana fragte, dass, wenn es ein eigenständiges Bewusstsein ist, eine Kontaktaufnahme damit doch möglich sein sollte. Dela erwiderte, dass sie das schon mehrmals versucht, aber bislang keinen Erfolg gehabt hatte. Daher möchte sie auch mit Drachen Kontakt aufnehmen, um so vielleicht mehr über die Natur und Herkunft der Drachenklaue zu erfahren und um über diesen Wege womöglich Kontakt mit der Seele aufnehmen zu können. Shafir im Horasreich, Apep in den Drachensteinen, ein Höhenlendrache im Weidener Blautann und eine (für einen Drachen) junge Purpurwürmin im Raschtulswall waren ihr vorgeschlagen worden. Auf dem Weg nach Punin oder von Punin aus könnte also die Purpurwürmin vielleicht am ehesten eine Anlaufstelle sein, aber da sie noch jung sein sollte, befürchtete Dela, dass sie eher wenig wissen könnte. Aber es muss ja auch erst herausgefunden werden, wo im Gebirge sie ihren Hort hat.

Der gelehrte Herr hatte über Assarbad recherchiert. Dieser war ein mächtiger Magiermogul und Chimärologe gewesen, der vor über 2300 Götterläufen gelebt und gewirkt hatte. Berühmt sei er für seine Skorpionsmenschen, Fleischgolemiden und vor allem für den „Großen Schwarm“ gewesen. Der „Große Schwarm“ war ein Insektenheer gewesen, wobei die Insekten von riesigem Ausmaß gewesen waren und gar als Reittiere gedient und eine Panzerung hatten, die härter als Stahl gewesen sein soll. Mit diesem Insektenheer war Assarbad gegen die Sklaven gezogen, die Zhamorrah eingenommen hatten. Seinen Stützpunkt hatte er in der Nähe des heutigen Borbra gehabt, er war von Süden gekommen, hatte aber Zhamorrah nie erreicht, da von Osten her Sultan Sulman al’Nassori mit einem Heer und Zuabermacht aus Khunchom gegen Assarbad gezogen war. Die Schlacht zwischen den beiden Heeren hatte die gorische Tiefebene verheert und angeblich sollte man dort noch heute vereinzelt auf Angehörige des Insektenheeres stoßen können.
Laut der Quellen bediente sich Assarbad bestimmter Orte, die seinerzeit Bastrabun genutzt hatte, um seinen Bann zu errichten, der die Echsen aus den alten Tulamidenlanden vertrieben hatte. Der gelehrte Herr nimmt an, dass diese Orte an Kraftlinien liegen und diese Kraftlinien mittlerweile teilweise verlöscht oder ihre Lage gering verändert haben könnten. Nebenbei erklärte er noch, dass ein Ritual wie Bastrabuns Bann heutzutage mit den magischen Kenntnissen nicht mehr möglich wäre.
Außerdem hatte er auch gleich für heute eine Audienz bei der Spektabilität Okharim ausmachen können. Dessen Sterndeuter haben eine Konstellation entdeckt, die die Weissagen des Orakel des Praios unterstützen würde: die Wand zwischen der 3. Sphäre und dem Limbus wird dünner und daher würden in den nächsten Monden und vielleicht auch Götterläufen Dämonenbeschwörungen einfacher werden und Limbusreisen ungleich gefährlicher.
In der Bibliothek hatte er zudem noch eine Art Prophezeiung gefunden und kopiert: Ein recht langer und, wie ich finde, wirrer Text über eine haarige Frau und einen Rurech. Faktisch konnten wir damit gar nichts anfangen.

Messana sagte, als sie mit den vier Befreiten auf dem Schiff gesprochen hatte, hätte sie erfahren, dass Borbarad in der Gestalt Delian von Wiedbrücks vor etwa einem halben Götterlauf nach Gareth gereist war. Das würde bedeuten, dass er dort den KGIA unterwandert, mögliche Geheimnisse in Erfahrung gebracht und Anhänger dort gefunden und ausgeschickt hatte. Das würde wohl auch erklären, warum die Steckbriefe von uns auf Maraskan kursierten, bevor wir dort überhaupt eintrafen. Vor allem wird es bedeuten, dass wir noch mehr als sonst darauf achten müssen, wem welche Informationen zugänglich gemacht werden und dass Anhänger Borbarads überall sein könnten.
Dann berichtete sie über das, was wir über Nostria Thamos’ Leben heraus gefunden hatten und von der Prophezeiung, die uns zugetragen worden war (und wie wir sie erhalten hatten und was danach geschehen war).
Ich trug die Prophezeiung vor.
Anschließend sprachen wir natürlich darüber. In der Reihenfolge tendierten wir dazu, es nach der Strophe über das Auge, Bildnis und Tier mit dem Krötensinn zu setzen und vor die andere Strophe, die wir noch hatten (und mit der wir am wenigstens anfangen konnten). Dass die fünf Krallen sich auf Delas Drachenklaue bezog, war uns eindeutig. Dass sie für alle nicht-Echsen einen Fluch darstellen kann, schien jedoch bedenklich. Hinter der Stählernen Stirn verbirgt sich womöglich etwas Metallenes, das man auf dem Kopf tragen kann (auch wenn eine Liturgie der Rondra ebenso heißt). Das Geflügelte Geschoss ist etwas Fliegendes und die sieben Schalen, nun, die mochten sich auf die sieben Kelche beziehen, zu welchen die Götterklinge Siebenstreich geschmolzen worden war.
Messana fand es jedoch positiv, dass, wenn alle diese Dinge eintreten werden, gegen sie „kein Schrecknis gewachsen“ wäre. Der gelehrte Herr wandte ein, dass das Schrecknis sich eher auf die sieben Schalen beziehen würde, statt auf alle „wenn“-Zeilen der Strophe.
Das war ein guter Einwand. Ich schrieb die Strophe noch mal neu, denn in der Tat war die Zeile so allein stehend etwas kurz im Vergleich zu den anderen und die anderen beschreiben ja nicht nur etwas, sondern auch, was es tut, was diese Zeile nicht tat, und setzte nun das „dagegen kein Schrecknis gewachsen ist“ ans Ende der vierten Zeile. Ich setze auch ans Ende jeder Zeile einen Punkt, wie es in der Zeile davor ebenfalls der Fall war und las es noch einmal vor.
Doch immerhin, wenn es nur Siebenstreich war, gegen das kein Schrecknis bestehen konnte, war das immer noch positiv zu lesen, fand ich.
Der gelehrte Herr meinte, es würde etwas fehlen, ihm würde eine Auflösung aus den vielen „wenn“ fehlen. Messana erwiderte, das würde sich ja vielleicht in der Strophe finden, die dreimal mit „dann“ anfängt.
Außerdem sagte er, er würde gerne wissen, was Borbarads Motivation und Antrieb sei, er möchte ihn verstehen.
Solcherlei ausdrückliche Intentionen hat Messana nicht, aber sie pflichtete bei, dass den Feind zu kennen weitere Möglichkeiten eröffnen würde, ihn zu bekämpfen (wobei sie „bekämpfen“ nicht nur als Kampf mit der Waffe in der Hand versteht).

Nikolai erzählte, dass er im kleinen Archiv des Boron-Tempels gewesen war, als er eine Vision oder eine Art Bild vor Augen hatte: Ein Basaltturm, der wie ein Pfeil aus dem Boden ragte. An seinem Fuß flos Lava entlang und Schatten verstreuten sich von ihm fort im Umland. Diese Schatten waren Nikolai wie Geschwüre und schwer zu heilende Wunden in der Landschaft vorgekommen. Neben dem Turm hatte er noch einen Wald gesehen.
Was genau das bedeutet und worauf es verweisen sollte, wusste er jedoch nicht.

Herr von Barsigstein hatte im Praios-Tempel gar keine neuen Erkenntnise gewonnen. Ebenso wenig Herr Bruckner im Tempel der Travia.

Die gelehrte Dame hatte im Tempel der Allweisen sich mit Sternenkonstellationen und -daten beschäftigt und konnte ebenfalls mittteilen, dass die Sterne gerade in einer ungünstigen Konstellation stehen, die das Bechwören außerderischer Entitäten erleichtern, doch für genauere Aussagen würde sie mehr Zeit benötigen.

So stand denn fest, dass wir fünf am morgigen Tag aufbrechen werden und die anderen vier noch etwas hier bleiben werden, bis die gelehrte Dame ihr Horoskop erstellen konnte, dann werden sie nach Gareth reisen.
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#86
(Sitzung vom 28.7.2012)
1. Travia 26 Hal, Al’Rabat

Bei dem Frühstück erzählte Dela uns noch etwas. Sie hatte gestern Abend noch einmal mit dem Handschuh Kontakt aufnehmen wollen, da ihr der „nicht-Echsen Fluch“ doch einige Sorgen bereitete. Sie hatte dem Handschuh deutlich machen wollen, dass sie für die gemeinsamen Interessen von Mensch und Drachen eintreten, aber über die genaue Intention der Kralle sich klar werden, bevor sie sich weiter mit dem Handschuh beschäftigen und ihn einsetzen möchte.
Die Reaktion darauf war, dass sich die beiden Schnallen des Handschuhe nicht mehr lösen ließen.
Messana äußerte ihr Erstaunen, dass die Kralle sich ohnehin von einem Paktierer hatte nutzen lassen, erst recht, wenn doch zumindest über einige der Effekte das Bewustsein darin eigenständig verfügen konnte. Dela erwiderte, dass dem Bewusstein darin vielleicht Paktierer oder nicht egal wäre. Messana fand auch, dass die Prophezeiung unter Umständen den Spielraum geben würde, dass die „nicht-Echsen“ nicht pauschal auch alle in jedem Fall meinen müssen, oder auch zielgerichtet auf nur bestimmte gelenkt werden könnte, aber dem konnte sich Dela nicht anschließen.
Dass mehr darüber hinaus gefunden werden muss, dies war jedoch in aller Sinne.

Möglichst früh begaben wir uns an die notwendigen Einkäufe, vor allem Proviant und Hafer, Messana stockte auch ihren Pfeilvorrat wieder auf, aber auch die Rucksäcke holten Messana und ich ab. Meine Krötenhaut nahmen wir nicht mehr mit, die wurde noch in Khunchom weggeworfen, weil sie durch die Härten des Dschungels, die Feuchtigkeit und auch durch die Kämpfe viel zu sehr beschädigt war, als dass sich ein Aufbewahren gelohnt hätte. Ich sollte ein Punin – für den Fall der Fälle – eine neue bekommen.

Dann verließen wir Khunchom, um nach Punin zurückzureiten.
Unsere Reiseroute sollte nun etwas anders aussehen als auf dem Herweg. Den Bogen über Rashdul und Mherwed den Mhanadi entlang würden wir nicht schlagen, da flussaufwärts auf einem Flussboot die Reise ungleich länger dauern würde (und jetzt im Spätherbst der Fluss ohnehin streckenweise sehr wenig Wasser führt, was die Flussschiffahrt gefährlich machte). Daher wollen wir den Weg über Anchopal nördlich der Gor nehmen. Ab Samra würden wir unserer letzten Reiseroute ein Stück weit folgen, aber noch vor Erkenstein nach Südwesten abbiegen, Richtung Khom. Denn der Raschtulsstieg ist jetzt im Travia bereits zugeschneit und wir würden kein Durchkommen haben, nördlich um das Gebirge herum würde zu lange dauern, daher würden wir die südwestlichen und tiefer gelegenen Ausläufer überqueren, nahe der Khom. Das war Gebiet der Novadis. Das letzte Stück würden wir dann über die Reichsstraße nach Punin zurücklegen. Insgesamt würde diese Route etwas länger dauern als die Hinreise.

Khunchom lag noch nicht lang hinter uns, als Messana sich neben Dela gesellte und sie nach Tuzak und den Erfahrungen mit der Krallenhand dort befragte. Sie erwähnte dabei auch Delas metallische Stimme und seltsame blaue Augen, von denen sich Dela gar nichts bewusst gewesen war.
Dela erzählte, wie sie den Zorn über das „mickrige Weesen“ (damit meinte sie den Tentakel-Dämon) empfunden hatte, dies aber eher der Zorn des Handschuhs gewesen war und nicht ihr eigener. Sie hatte auch ein Gefühl der Vollkommenheit und der Erhabenheit über sich selber verspürt. Sie war jedioch noch gänzlich Herrin ihrer selbst und ihres eigenen Tuns gewesen, aber es war, als wäre noh etwas (oder jemand) in ihr drin gewesen. Im Moment vor der Aktivierung dieser Ganzkörper-Rüstung hatte sie einen heftigen Treffer erhalten, dann wäre der Zorn da gewesen, der aber nur auf den Dämonen fokussiert gewesen war und nicht allgemein. Was jedoch gewesen wäre, wenn jemand zwischen ihr und dem Dämonen gestanden hätte, wusste sie auch nicht einzuschätzen. Aber den Dämon zu bekämpfen und zu vernichten wäre ohnehin ihr eigener Wunsch und Ziel gewesen.
Messana fand es möglicherweise hilfreich für die Zukunft, so etwas jetzt zu formulieren, dann würden etwaige Veränderungen eher bewusst werden und auch wir anderen würden ein wenig mit darauf achten können. Wenn Dela jedoch irgendwelche Veränderungen bemerken sollte, solle sie das bitte unbedingt gleich anmerken, was sie zusagte.

Fast mein ganzes Leben war mir reiten so vertraut, aber dass ich nun drei Monate mich auf Schusters Rappen fort bewegt habe, macht sich doch ein wenig bemerkbar. Nun, in den nächsten Tagen wird das ganz bestimmt schnell in Vergessenheit geraten.



2. Travia 26 Hal, Birchaluk

Beständig geht unsere Reise voran und wieder einmal wächst die Hochebene der Gor vor uns, oder mittlerweile schon fast neben uns zunehmend auf. Des Nachts sind die Farbenspiele immer besser über ihr zu sehen.

Messana meditiert und betet auch heute abend, um iihre karmalen Kräfte wieder zu stärken.

Sie hatte heute den gelehrten Herrn nach den Schriftrollen gefragt, von denen er ja schon einige Male gesprochen hatte und die die Rückkehr Borbarads vorhergesagt hätten. Sie würden die Zeiten bis zu der Rückkehr vorher sagen, sagte er, nicht darüber hinaus. Etwas über die Zeichen beinhalten sie gar nicht und (eigentlich bedenklich, finde ich) sagen sie mit der Rückkehr auch den sicheren Weltuntergang voraus, dass die Sphären brechen und Dämonen über Dere hereinbrechen werden. Die Rollen sind in einer alten Sprache geschrieben und sollen so ähnlich sein wie die Prophezeiungen des Nostria Thamos.
Jetzt sind die Schriftrollen in Obhut der Boron-Kirche und zwar im Perricumer Tempel.

Ach ja, Perricum … wären wir doch von dort aus gestartet und auch zurückgekehrt, hätten wir die Stadt jetzt wohl schon hinter uns gelassen auf dem Weg nach Punin.

Nun, dann widersprechen sich wohl die Prophezeiungen und die Schriftrollen, denn den Prophezeiungen meine ich doch Hoffnung auf eine Rettung entnehmen zu können.
Das ist auch etwas, das ich einfach glauben MÖCHTE und MUSS. Keine Hoffnung zu haben, keine Aussicht auf Erfolg, das widerspricht einfach allem in mir. Und es widerspricht auch dem, was Teclador andeutete und was ebenfalls die Prophezeiungen andeuten können. Die Götter werden uns nicht in den sicheren Untergang gehen lassen, ohne dass wir nicht uns dagegen stemmen können!


3. Travia 26 Hal, Anchopal

Heute haben wir Anchopal erreicht. Gehört hatte ich von der Stadt schon und ich war überrascht, dass es vergleichsweise ruhig hier war, hatte ich doch unzählige Pilger erwartet. Aber dann erfuhren wir von unserem Gastwirt, dass die Scharen von Pilgern nur von Tsa bis Ingerimm kommen und abseits dieser Zeiten es hier deutlich ruhier zugeht. Immerhin sorgte dies dafür, dass wir kein Problem hatten, Zimmer zu moderaten Preisen zu bekommen.
Den Heiligen Hain der Peraine hatten wir schon vor dem Betreten der Stadt passiert, denn er liegt wie ein schützender Ring um die Stadt und hält den beständig von der Gor her wehenden Staub ab. Ein Wunder der Peraine vor vielen Jahrhunderten, und noch heute hält die Göttin ihre schützende wie eine wohlmeinende Hand über diese Stadt. Es gibt gleich drei ihr geweihte Tempel hier, neben Tempeln anderer der Zwölfe. Einer davon ist ein kleiner Tempel der Rondra, den Messana und ich besuchten. Aber wir suchten auch den ganz aus Holz errichteten Tamarisken-Tempel der Peraine im Heiligen Hain auf, um Peraine an diesem Ort den ihr zustehenden Respekt zukommen zu lassen.



4. Travia 26 Hal, Lager in der Steppe

Eine winzige Ansiedlung ließen wir heute Nachmittag hinter uns und ritten noch etwas weiter.
Am Abend wurde dann erstmals das neue Zelt aufgestellt. Es ist mit Messanas Wappen auf jeder der vier Seiten verziert (vorne sogar zweimal, dafür etwas kleiner, rechts und links vom Eingang) und abseits davon blau. Außerdem trug es, daher auch gold auf blau, ein aufgerissenes Löwinnenmaul.
Ein neues Zelt war ohnehin mal wieder fällig gewesen, aber dieses lässt auch auf einige Entfernung keinen Zweifel darüber, wer darin wohnt.

Für die Abende nahmen wir wieder unsere Übungen auf. Messana hat den recht harten Drill der körperlichen Ertüchtigung und der Waffenübungen mit mir erneut aufgenommen, außerdem üben wir den Ausfall weiter (wie auch den waffenlosen Kampf). Messana lehrt Firudan ihren Wirbelwindangriff und mit dem gelehrten Herrn übt sie den Stockkampf weiter. Dela ist jedoch unmotiviert und beteiligt sich nicht an den Übungen. Überhaupt ist sie sehr in sich gekehrt, fast schon mürrisch zu nennen, seit der Handschuh sich nicht mehr lösen lässt. Der gelehrte Herr sitzt abends oft etwas abseits und meditiert. Vielleicht versucht er ja auch, Kontakt mit seinem Auge aufzunehmen?

Messana hält jeden Morgen und Abend je eine kleine Messe, zu der wir alle uns versammeln.



5. Travia 26 Hal, Ivrinno

Heute haben wir Samra passiert und natürlich auch kurz dort gehalten. Den Leuten dort geht es gut und wir wurden mit aufrechter Freude und Dankbarkeit begrüßt. Man erkundigte sich nach unserem Begehr und dass wir nur auf der Durchreise waren, nicht einmal den Rest des Tages dort verbringen wollten, sorgte für Bedauern. Aber man bewirtete uns für den kurzen Aufenthalt mit Freude.

Auch Ivrinno kennen wir ja schon, wenn wir auch nur kurz durchgeritten waren.



10. Travia 26 Hal, Lager unterwegs

Gestern sind wir von der Straße, die uns auf den Raschtulswall zuführt, nach Südwesten abgebogen. Wir ritten auf einer Straße, die einem Nebenarm des Mhanadi folgt, aber spät heute am Tag veränderte sich das zu einem eher schlechten Weg, doch folgen wir dem Fluss noch immer.
Bislang ist die Reise völlig ereignislos verlaufen und es hat sich wieder so etwas wie eine Reise-Routine unter uns eingerichtet.

Heute hatte uns Dela jedoch wieder etwas mitzuteilen. Sie hat herausgefunden, dass sie mit der Wesenheit in der Kralle mittels Ja/Nein-Fragen kommunizieren kann, in dem sie den Handschuh Schnallen-Signale geben lässt.
Das klang im ersten Monment äußerst suspekt in meinen Ohren, aber als dort innewohnend kann das Bewusstsein tatsächlich, wie wir ja schon wussten, selbsttätig die Schnallen öffnen und schließen und dies benutzte Dela, um ein Ja und ein Nein festzulegen.
Darüber hat sie zum einen heraugefunden, dass es eine männliche Wesenheit ist (ich wusste nicht einmal, dass reine Bewustseinswesenheiten so etwas wie Geschlechter haben), aber vor allem auch, dass das Bewusstsein keinen Groll gegen Menschen oder andere nicht-Echsen hegen würde. Ein Drache würde mit ihm nicht (oder nicht besser) kommunizieren können, es würde aber einen Weg der Kommunikation mit ihm geben. Welcher das genau sein soll, hat Dela jedoch noch nicht heraus finden können. Sie kann den Handschuh aber wieder ablegen, so dass sie diese Kommunikation insgesamt als sehr positiv bewertet und nun mehr herausfinden möchte.
Ihre Stimmung ist daher heute endlich wieder merklich besser. Nun konzentriert sie sich bei den gemeinsamen Übungen sehr auf den waffenlosen Kampf.
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#87
11. Travia 26 Hal, Lager unterwegs

Heute ist Messanas Tsatag. Ich war die erste, die ihr gratulierte und die anderen folgten. Dela und ich umarmten sie. Geschenke hatten wir unterwegs nicht besorgen können, aber das machte nichts.
Bei der Gelegenheit erfragten wir auch die Tsatage von Firudan und dem gelehrten Herrn, die am 20. Ingerimm und am 16. Phex Tsatag haben.



13. Travia 26 Hal, Oase Alam-Terekh

Heute morgen mussten wir den Fluss überqueren, da wir uns nun von ihm als Reisebegleiter getrennt hatten.

Meine erste Oase! Und ich stehe schon fast in der Khom.
Wir wären hier gar nicht eingekehrt, da es einen wenn auch nur kleinen Umweg bedeutete, aber für den langen Weg über den niedrigen Pass sollten wir uns noch einmal mit Vorräten eindecken.
Ähnlich wie in Mherwed war der Aufenthalt gar nicht so dramatisch, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Stamm, der in dieser Oase wohnt, die Beni Ankhara, pflegt sehr viel Kontakt mit Horasiern und im weiteren auch Mittelreichern, so dass sie wohl als deutlich weltoffener gelten können als andere Novadis.
Ich war jedoch überrascht, dass die Beni Ankhara so etwas wie einen Löwen-Kult pflegen. Der (männliche) Löwe ist für Novadis das Symboltier ihres Götzen und gerade dieser Stamm hat eine besondere Affinität zu den Löwen.
So gab es dann doch keine ernsthaften Reibereien mit den Bewohnern, dass wir drei bewaffnete Frauen waren, auch wenn ich doch so einigen Reaktionen entnehmen konnte, dass sie nicht viel von uns hielten.

Hier ist alles grün, hinter mir erhebt sich das Gebirge, aber vor mir sehe ich das riesige Meer aus Sand. Näher als jetzt war ich noch nie heran gekommen, werde ich vielleicht nie, aber die Erzählungen der Obristin und Seiner Gnaden früher haben schon immer eine große Faszination über diese Fremdartigkeit darüber in mir erweckt. Daher bin ich bis an den Rand der Oase und darüber hinaus gelaufen, um zumindest irgendwie doch noch für mich mit Fug und Recht behaupten zu können, ich hätte wenigstens einmal den äußersten Rand tatsächlich betreten.
Ich habe mich hin gesetzt und lange hinaus geschaut. Dass dort tatsächlich Menschen leben und gerne leben, das ist schon faszinierend.




24. Travia 26 Hal, Omlad

Die Passstraße war lang und beschwerlich zu bereisen, daher haben wir für das eigentlich eher kurze Stück, für das wir auf einer guten Straße wohl keine drei Tage gebraucht hätten, fast 11 Tage benötigt (und konnten wohl noch für uns in Anspruch nehmen, gut vorangekommen zu sein). Mit jedem Schritt entfernten wir uns weiter von der Khom. Da dieser Pass weitaus tiefer liegt (daher ist er ja nicht zugeschneit) hatten wir nicht so beeindruckende Ausblicke wie auf dem Raschtulsstieg.
Es war eine ereignislose Reise. Wir begegneten anderen Reisenden, denn die Passstraße wird als Handelsroute viel benutzt und wir erfuhren von den hier oft anzutreffenden Gefahren und Unsicherheiten, von marodierenden Ferkinas, gar seltenen Drachensichtungen oder Novadis, die Menschen fingen, um sie als Sklaven weiter zu verkaufen. Ob erstere und letztere zum Zeitpunkt unserer Reise nicht in der Gegend waren, oder uns heimlich beobachtet und nur beschlossen hatten, dass wir zu stark gerüstet waren und zu wenig potentielle Beute mit uns führten, werden wir wohl nie erfahren, aber behelligt wurden wir von niemanden, obwohl Dela vermutlich gerne eine Drachensichtung gehabt hätte.

Heute haben wir Omlad erreicht, eine Stadt in Almda, aber zu dem novadisch besetzten Emirat Amhallassih gehörend. Die Leute hier haben sich gut mit den Novadis arrangiert und wieder wurde ich an Unterschiede zu meiner Heimat Albernia erinnert. Wir schätzen unsere persönliche Freiheit über alles und Albernia würde sich mit so einer Situation wohl nicht abfinden! Aber hier gibt es Tempel der Zwölfgötter und ein Bethaus ihres Götzen und die Leute wirkten ganz zufrieden.



25. Travia 26 Hal, Lager unterwegs

Heute ist mein Tsatag und zu meiner Freude war er nicht vergessen worden. Dela hatte gar noch gestern in Omlad Süßigkeiten gekauft und mir zu meinerFreude heute geschenkt.
Ein großartiges Geschenk machte mir aber Messana, als sie mir mit wohl gesetzten Worten eröffnete, dass ich mich in jeglicher Hinsicht, besonders auf Maraskan, als reif und würdig erwiesen hatte, dass sie in wenigen Siebenspannen schon meine Schwertleite ansetzen wird!
Die Tradition gibt vor, dass die Ausbildung zum Knappen sechs Götterläufe dauert, zusammen mit der Pagenzeit göttergefällige zwölf Götterläufe und dass die Schwertleite frühens zum 20. Tsatag erteilt wird. Und ich sollte sie schon mit 18 erhalten!
Ich freute mich sehr, erst recht, als mir die anderen, die davon gewusst zu haben schienen, wie mir deucht, mir auch dazu gratulieren und Dela hinzufügte, dass ich ich schon wahrklich mehr erlebt hätte, als manch gestandener Ritter.
Vermutlich hat sie damit sogar Recht, wenn ich recht darüber nachdenke, auch wenn ich mich immer als Art Nesthäkchen gegenüber den anderen und ihren Erfahrungen sehe. Aber ich habe da heute viel drüber nachgedacht und tatsächlich habe ich ja schon viel erlebt und selber auch tatkräftig mit dazu beigetragen, anfangs nicht so viel (aber hat nicht das auch mich dazu befeuert, schnell besser zu werden?), aber zunehmend mehr? Ja, das habe ich wohl und ich zweifle nicht daran, dass mir Messana diese besondere Auszeichnung angedeihen lassen würde, wenn nicht sie, die von sich und anderen immer besonders viel erwartet, nicht restlos von der Angemessenheit überzeugt wäre (auch wenn es irgendwie einen Bruch der Traditionen darstellt, die im Rittertum ja sehr hoch gehalten und gewertschätzt werden).
Mein Ritterschlag naht! Ich freue mich so sehr, dass mir dafür die Worte fehlen.

Heue morgen hatten wir als erstes den Yaquir überquert und damit waren wir wieder im mittelreichischen Almada, auch wenn dieser Streifen wohl zuweilen von räuberischen Novadis überfallen wird.
Am Nachmittag haben wir das Dorf Cumrat passiert, in dessen Nähe sich gerade eine gewaltige Wehranlage im Bau befindet. Was für ein gewaltiges Bauwerk diese Kaiserpfalz sein wird, wenn sie in einigen Götterläufen ferig gestellt sein wird!



27. Travia 26 Hal, Punin

Heute am späten Vormittag haben wir Punin erreicht.
Schon nach den ersten paar Tagen auf der Reise hatte ich mich an mein Kettenhemd längst wieder gewöhnt.
Wir suchten das Hotel „Madasee“ in Tiefenbrunn auf, in dem wir auch Zimmer beziehen konnten, außer dem gelehrten Herr, der vor hatte, in seiner Akademie Quartier zu beziehen.
Messana setzte sofort ein kurzes Schreiben auf, in dem sie von einer soweit erfolgreichen Rückkehr kündete und schickte sie mit einem Boten zum Boron-Tempel.

Dann brachen wir auf, uns in einem Badehaus zu entspannen. Unsere Wahl fiel auf die berühmten Mada-Thermen, ebenfalls in Tiefenbrunn. Der Eintritt von gleich drei Silberlingen pro Gast kam mir zwar gewaltig vor, aber es gab mehrere Quellen, Bade- und Massageräume, vorzügliches Personal und überhaupt alles, was man sich an Bequemlichkeit nur wünschen konnte.
Messana trug Dela an, mit dem gelehrten Herrn die von den Achaz erhaltenen Edelsteine zu verkaufen. Dela sagte, dass sie das machen würde, sich aber eher empfahl, das nach und nach auf verschiedene Städte zu verteilen.
Mir sagte Messana, ich solle mir überlegen, wen ich noch auf die Gästeliste für meine Schwertleite setzen wolle, denn sie würde in den nächsten Tagen die Einladungen versenden. Wen sie ihrerseits plant einzuladen, wollte sie mir nicht verraten.

So kamen wir entspannt, gesäubert, massiert und geölt wieder heraus und die Haare hatten wir uns auch noch schneiden lassen.
Als wir zurück kamen, wurde Messana ein Kuvert überreicht – der Tempel hatte überraschend schnell geantwortet und wir haben eine Audienz morgen bei Sonnenaufgang.
Wir schickten eine Nachricht darüber zur Akademie, damit auch der gelehrte Herr informiert ist. Ich nutzte den Abend, Messanas und meine Kleidung und Rüstungen durchzusehen und in Ordnung zu bringen, während Messana einen Brief an Velea schrieb und bei der Beilunker Botenstation aufgeben ließ, dann wir gingen aber früh schlafen, nachdem wir dafür gesorgt hatten, rechtzeitig geweckt zu werden.
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#88
28. Travia 26 Hal, Punin

Der Platz des Schweigens war schon ein Stück entfernt, aber Tempelholf grenzte nun auf der anderen Seite direkt an Tiefenbrunn, so dass es es gut zu gehen war.
Wir überquerten den Platz des Schweigens, wo wir uns mit dem gelehrten Herr vor dem Tempel trafen und betraten gemeinsam den Tempel. Ein Geweihter erwartete uns, wie es sich gehörte, sprachen wir ihn nicht an und er bedeutete uns nur stumm, ihm zu folgen. Wir folgten durch mehrere Gänge und über Treppen und standen schließlich wieder vor einer unauffälligen Tür.
Ich glaube, es war sogar der gleiche Raum wie beim letzten Mal, zumindest stand hier auch so ein U-förmiger Tisch.
An diesem saß der Rabe von Punin – und neben ihm saß tatsächlich Velea! Ich unterdrückte einen freudigen Ausruf. Velea strahlte uns stumm an, besonders Messana.
Der Golgarit Gernot von Mersingen und die al’anfanische Kommandanta dagegen waren diesmal nicht zu sehen.
Stumm bedeutete uns Seine Erhabenheit, Platz zu nehmen, was wir taten, dann begrüßte er uns und wir ihn, wie es sich gehörte.
Messana fasste unsere Erlebnisse zusammen. Sie beschränkte sich auf die wichtigen und relevanten Dinge, dennoch war es ein langer Bericht. Seine Erhabenheit hörte meist stumm zu und seinem Gesicht waren wenig Reaktionen anzumerken. Velea schon eher, besonders an der Stelle, an der Messana davon sprach, dass wir (bis auf den gelehrten Herrrn) im Kampf gefallen waren und dank des Raben Segen und Borons Gnade wieder unter den Lebenden weilen, schaute sie ganz entsetzt drein.
An den entsprechenden Stellen ihres Berichs hatte Messana das Dienstbuch des 3. Banners der Drachengarde, die mitgebrachte Enduriumkugel, die drei kleinen Barren und den Kürass hervor geholt.

Als sie geendet hatte, schwieg der Rabe einige Herzschläge lang. „Schicksalhafte Dinge geschehen“, sagte er dann, „und ihr werdet noch gebraucht. Doch was schlussendlich geschehen wird, liegt in den Nebeln der Zukunft.“
Messana ergänzte noch, als sie sicher war, dass er nicht noch fortfahren wollte, dass sie auf dem Gelände der Mine getan hatte, was ihr mit dem Grabsegen möglich gewesen war und es vorsichtshalber besser wäre, erfahrene Boronis dorthin zu schicken. Auch die nötige Reinigung des Friedhofs der Seeschlangen und die Schließung der Portale sprach sie an und dass dies vielleicht am ehesten die Erfahrung und Kraft vieler Kirchen benötigen würde.
Er nickte und sagte, es würde geschehen, was nötig wäre und er würde die anderen Kirchen kontaktieren, dies wäre aber nicht mehr unsere Aufgabe (was ich durchaus bedaure, denn ich wäre gerne am Friedhof der Seeschlangen dabei und ich zweifel nicht, dass es Messana noch mehr so empfand).
Zuletzt erbat sich Messana noch die Erlaubnis, in den Archiven des Tempels nach Schriften über die Prophezeiungen suchen zu dürfen, was uns gestattet wurde.

Wir verabschiedeten uns, da nun alles gesagt und übergeben war.
Da wir im Tempel noch immer respektvoll schwiegen, ergriff Messana nur stumm Veleas Hand, als wir durch die Gänge und über den Platz des Schweigens gingen. Kaum aber hatten wir einen Fuß von ihm gesetzt, als Velea schon auf ihre für sie typische Art an Messana hochsprang, ihr die Arme um den Hals und ihre Beine um ihre Hüfte schlang und sie sich nun endlich ungehindert begrüßen durften.
Irgendwann lösten sie sich soweit voneinander, dass auch wir Velea begrüßen konnten.
Messana strahlte für ihre Begriffe nachgerade und war sichtlich sehr glücklich, mit Velea wieder vereint zu sein.

Gemeinsam suchten wir ein Gasthaus auf, in dem wir zu der frühen Stunde frühstücken konnten (obwohl wir schon im „Madasee“ gespeist hatten) und miteinander reden.
Velea erzählte, wo es sie in den vergangenen Monden hingeführt hatte. Sie hatte eine Audienz mit der Fürstin Araniens, Sybia, bekommen, die gegenüber Veleas Anliegen offen gewesen war und ihm Gehört schenkte. Auch mit Vertretern dern Weißen und Grauen Gilde und mit den Spektabilitäten der Akademien von Zorgan und Khunchom hatte sie gesprochen. Die Gilden legten dabei eine eher abwartende Haltung an den Tag, Khadil Okharim war dabei eher zurückhaltend in seinen Reaktionen und etwaigen Zusicherungen gewesen, während die Zorganer Spektabilität zwar Glauben geschenkt und auch zugesichert hatte, wachsam zu sein, aber ebenfalls auf die beschränkten Möglichkeiten einer auf Illusion ausgerichteten Akademie in einem solchen Kampf verwiesen hatte.
Vor allem war sie jedoch im Horasreich gewesen und hatte ohne monatelanges Warten eine Audienz mit der Horas-Kaiserin Amene Horas bekommen. Sicherlich war ihr Titel als Geliebte der Göttin dabei hilfreich gewesen.
Das Ergebnis dieser Audienz war gemischt: Die Horas-Kaiserin wähnte sich weit weg von jeder Gefahr, ließ sich aber nach langen Gesprächen doch dazu bewegen, im Fall des Falles Truppen schnell in Bewegung zu bringen und dieser daher auch ab jetzt schon in einem gewissen dafür benötigten vorbereitenden Zustand zu versetzen und zu halten.
Nun aber wird sie sich uns wieder anschließen, was mich erfreute, Messana aber noch viel mehr.

Nach dem sie dies, ohne in Details zu gehen, zusammengefasst hatte, lehnte sie sich zurück, betrachtete uns der Reihe nach eingehend und schmunzelte. Dela fragte, was denn wäre und Velea erklärte uns, dass sie nicht hatte widerstehen können, sich unsere Seelentiere anzuschauen. Seelentiere, sagte sie, hat jeder Mensch und jedes denkende und fühlende Wesen und das richtet sich nicht etwa nach dem Aussehen und auch eher weniger nach körperlichen Eigenschaften, sondern nach charakterlichen Gemeinsamkeiten.
Dela, sagte sie, hatte einen Gepard als Seelentier, weil er schnell und stark ist. Der gelehrte Herr hat eine Smaragdnatter, Firudan einen Firunsbären, durchaus passend bei seiner Größe und Stärke.
Ich, sagte sie, habe einen Nivesischen Steppenhund. Nicht nur, dass ich nicht mal wusste, was das für ein Hund war, fühlte ich mich irgendwie enttäuscht. Ein Hund?
Hunde, führte sie aus, wären treu und pflichtbewusst. Der Nivesische Steppenhund, wie der Name schon sagte, ist ein Hund, der von den Nivesen im Norden gezüchtet wird. Er ist ausnehmend treu und zuverlässig, klug und genügsam, dazu ein Hütehund, der auch, wenn es notwendig wäre, ein wilder Kämpfer sein könnte.
Ich überlegte innerlich noch, wie ich zu einem Nivesischen Steppenhund als Seelentier stand, da ein Hund nun nicht das war, was mir wohl eingefallen wäre. Aber ich schätze, ein Hund erscheint mir akzeptabler als etwas womöglich gänz unkriegerisches.
Zuletzt nannte Velea das Seelentier von Messana. Silberlöwin, sagte sie, unbändiger Stolz und Stärke, Eleganz und Schönheit.
(Auch wenn ich glaube, dass die beiden letzten Charakterisierungen eher ihrer eigenen Sichtweise auf Messana entsprangen, auf der anderen Seite sind ja allen Raubkatzen Eleganz zuzuschreiben.)
Messana lächelte überrascht und meinte, dass es dann wohl kein Wunder wäre, dass sie sich die Silberlöwen damals ausgesucht habe. Ich fragte sie, was sie meinte und sie erwiderte, dass sie früher einmal Oberarmreifen getragen hatte, die Silberlöwen gezeigt hatten.
Velea erzählte noch auf Nachfragen hin, dass sich das Tier für sie über den Menschen legte und dass sie dies mittlerweile willentlich aktivieren kann. Ich wollte natürlich wissen, was für Seelentiere denn die hohen Persönlichleiten hatten, mit denen sie gesprochen hatte. Sie wollte nur das vom Raben von Punin (wenig überraschend: ein Rabe) und von Khadil Okharim nennen, einen Moosaffen. Nachdem ich mir kurz hatte erkären lassen, was für ein Affe das ist, musste ich prusten: Ein mächtiger Magier, der so ein possierliches Äffchen als Seelentier hatte?
Ich wollte wissen, inwieweit ihr das Seelentier zu erkennen helfen würde, mit Menschen umzugehen, wie sie es erwähnt hatte. Wenn das Tier für Loyalität stehen würde, erwiderte sie, würde sie wissen, dass Zusicherungen vertraut werden könnte, stünde das Tier für Falschheit, wüsste sie, dass sie Vorsicht walten lassen sollte, wäre Stolz die Assoziation, würde das einen Anhaltspunkt für den rechten Umgang geben, und so fort. Das leuchtete mir ein.
Dela wollte noch wissen, wie Velea diese Fähigkeit bei sich entdeckt hatte und sie erzählte, dass sie bei der Auflösung des Schismas der Praios-Kirche bei beiden Anwärten auf den Thron des Boten des Lichts ein Seelentier entdeckt hatte, das bezeugte, dass beide von aufrechter und guter Gesinnung waren. Seitdem hatte sie daran gearbeitet, um eben leichter Einblicke in die Natur der Menschen, mit denen sie es zu tun hat, zu bekommen.
Ich fragte sie, ob sie auch ihr eigenes Seelentier erkennen könnte, aber das ginge nicht, sagte sie. Sie weiß also nicht, was ihr Seelentier ist.

Der gelehrte Herr entschuldigte sich, er hatte einen Termin an der Akademie mit dem Gildenrat. Wir anderen zogen etwas später in eine Weinstube um in der wir einen großen Teil des Tages verbrachten mit Gesprächen und Plaudereien. Messana hielt sich an Traubensaft, ich durfte etwas Wein trinken.
Ich wollte wissen, wie das Schloss der Horas-Kaiserin aussah und sie selber, was Veleas Eindrücke von dort waren, wie es in Aranien war und bei der Fürstin, sie erfragte noch Details unserer Erlebnisse und hauptsächlich Dela, Firudan und ich berichteten davon (Messanas Berichte sind zwar stets sehr akkurat, aber auch staubtrocken). Ich erzählte, dass in einigen Siebenspannen ich meine vorgezogene Schwertleite erhalten sollte und Velea gratulierte mir. Messana kündigte an, dass dieses Ereignis in Delas Baronie stattfinden sollte, da Delas angeboten hatte, ihr Haus und Kapelle zur Verfügung zu stellen. Velea erklärte sich sofort bereeit, bei den Vorbereitungen des Festes zu helfen und ich schätze, es kann mir nichts Besseres widerfahren, als wenn die Geliebte der Göttin persönlich ein Fest mir zu Ehren ausrichtet! Auch Firudan bot seine Unterstützung dafür an, namentlich seine Kochkünste.
In Punin war derzeitig gerade, weil sie mit Seiner Erhabenheit hatte sprechen wollen und so war es Zufall, dass wir zum gleichen Zeitpunkt zurückgekehrt waren. Zufall? Oder schicksalhafte Verflechtungen, die uns weiter zu unserer Bestimmung führen?

Auch die nächste Zukunftsplanung wurde schon einmal umrissen: Dela wollte in ihrer Baronie nach dem Rechten sehen und Velea dabei mitkommen, um sich mit der Örtlichkeit vertraut zu machen und dadurch gezielter später die Vorbereitungen durchführen zu können. Außerdem will Dela in der Stadt des Lichts Nachforschungen durchführen und wir wollten uns dort mit den Vier von der Feste (von denen wir Velea, die sie ja selber von damals kannte, natürlich erzählt hatten) treffen. Messana möchte sich hier außerhalb Punins in der Abgeschiedenheit in Kontemplation und Meditation zurückziehen, um Rondras Nähe zu suchen und sich neue Liturgien anzueignen, wofür sie Tage oder eher einige Siebenspannen benötigen würde. Velea hätte sicherlich lieber Zeit mit ihr vebracht, aber da das dabei nicht geht, will sie mit nach Gareth kommen.
Für mich, da gab es keine Frage und auch für die anderen nicht, war es klar, dass ich bei meiner Schwertmutter, Tempelvorsteherin und Kirchenoberhaupt bleiben würde, denn irgend jemand würde sich um das Essen kümmern müssen und die nötigen Handreichungen durchführen, die eine rondranahe Messana nicht mehr wichtig sein würden. Außerdem hätte ich diese Aufgabe ohnehin an niemand anderen abtreten wollen.
Firudan bleibt auch erst einmal in Punin, da er noch ein paar eigene Nachforschungen bezüglich seiner Verschmelzung durchführen möchte, dazu noch Zeit im Boron-Tempel verbringen und will dann mit Dela und Velea zusammen nach Gareth reiten.

So vergingen die Stunden wie im Flug und es war schon fortgeschrittener Nachmittag, als wir schließlich aus der Weinstube aufbrachen. Der gelehrte Herr war bis dahin nicht zurückgekehrt, offenbar fielen die Gespräche, um was auch immer sie sich drehten, umfassend aus.
Messana, Firudan, Dela und ich suchten den Boron-Tempel auf. Zwar hatten wir schon in Khunchom zum Schweigsamen gebetet, aber was wir ihm zu verdanken hatten, ist mit einem Dankesgebet nicht getan. Wir beteten und Messana und ich verbrannten mit gebrachten Weihrauch als Gabe und spendeten Geld, nicht, um es als Bezahlung für unser Leben anzusehen – wie sollte dies gehen! - , sondern ebenfalls als Zeichen unserer Dankbarkeit.

Danach entschuldigten sich Messana und Velea, die gerne Zeit miteinander verbringen wollten, was wir voll und ganz verstanden.

Am Abend erreichte uns eine Nachricht vom gelehrten Herrn, dass wir heute nicht mit seiner Gesellschaft zu rechnen hätten, da er an der Akademie noch eingebunden sei.
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#89
29. Travia 26 Hal, Punin

Messana, Dela und ich kauften heute die noch gegenseitig ausstehenden Geschenke zu den Tsatagen ein und dann beschenkten wir vier uns gegenseitig.
Dela und der gelehrte Herr verkauften einen ersten Anteil der edlen Steine der Achaz.
Firudan suchte einen Hautstecher auf, er möchte sich gerne eine aufgewickelte Noralec-Otter mit erhobenem Kopf auf die linke Wade stechen lassen und auf die linke Hüfte einen Leviathan.
Ich kaufte mir den aktuellsten Boten, um etwas Lesestoff zu haben.
Überrascht las ich vom 100. Duell des Schwertkönigs, ausgetragen an drei aufeinander folgenden Tagen im Rondra in Winhall in Albernia, gegen Melcher Dragendot. Ich staunte, als ich las (und es waren unglaubliche elf Seiten, die der Bote diesem Ereignis widmete), dass Melcher Dragendot im Kampf mit den Zweihändern immerhin ein Unentschieden hatte herausholen können, wenn er auch im Kampf zu anderthalb Händen und dem beidhändigen Kampf unterlegen war. Der Titel des Schwertkönigs war der Einsatz des lang geplanten Duells gewesen, das schon einige Male verschoben worden war, bevor es nun vor den Augen vieler Zuschauer ausgetragen worden war. Dragendot hatte im Kampf mit den Zweihändern seine berühmte Smaradlöwin geführt und der Graf zu Winhall seine beiden berühmten Enduriumschwerter.
Ach, einerseits hätte ich es gerne gesehen, doch weiß ich, dass ich an etwas ungleich Gewichtigerem teilgenommen hatte.

Außerdem suchte ich den Reporter Federigo Furlani im Goldacker auf, aber der hatte leider immer noch nichts über den Mord an Frau Assireff herausgefunden und hatte mir daher erneut keine Neuigkeiten diesbezüglich mitzuteilen. Würde die arme Seele denn ewig ungerächt bleiben und ihr dadurch der Eingang in die Paradiese unmöglich?

Messana setzte diverse Einladungen zu meiner Schwertleite, die auf den 15. Hesinde festgesetzt worden ist, auf.
Ich hatte gründlich überlegt, wen ich einladen wollte. Meine Familie natürlich, aber an die hatte Messana mit als erstes gedacht, wie sie sagte. Lessandro kam mir in den Sinn, aber wir hatten zu lange keinen Kontakt und uns zu lange nicht mehr gesehen, als dass noch die Gefühle in mir waren, die ich einst für ihn empfunden hatte. Ich war in Versuchung geraten, Eilif einzuladen. Aber nicht nur, dass ich nicht wusste, wann, wie und ob überhaupt eine Einladung bei ihr landen würde, war ich mir sehr sicher, dass eine Flusspiratin, erst recht der burschikosen Art wie sie, sich auf meiner Schwertleite unter den anderen Gästen nicht gut machen würde.
Connair ui Finbair und Lita Bachental einzuladen erschien mir nur höflich, ebenso Messanas Familie väterlichseits. Ragadun aber wollte ich auf jeden Fall einladen, denn ihn würde ich wohl tatsächlich als Freund bezeichnen und er würde sich darüber, das hoffte ich wenigstens, sehr freuen. Auch wenn er nur ein Müller ist, als jemand, der eigentlich aus einer Jahrhunderte zurückliegenden Vergangenheit stammt, war er besonders genug, um auf jeden Fall her zu passen. Außerdem sind wir befreundet.
Ich dachte auch an Ala’Lian, die Fee aus dem Gundelwald, die dieses Band mit mir geschlossen hatte. Aber Punin war gewiss weiter als einen „halben Flugtag“ entfernt, so dass sie von meiner Freude über dieses Ereignis nicht erfahren würde.

Des weiteren schrieb Messana einige Briefe, von denen sie Dela einen mit der Bitte übergab, sie in Gareth für sie abzugeben, bzw. umgehend weiter zuschicken. Dafür gab sie auch Geld mit.



30. Travia 26 Hal, Punin

Heute ist einer der drei Feiertage der Leuinherz-Kirche, der Tag der Kirchenverkündung. Heute vor vor zwei Götterläufen hatte Messana die Vision Rondras erhalten, in der ihr aufgetragen wurdem, eine eigene Kirche zu gründen.
Entsprechend hatte sie schon in den letzten Tagen angekündigt, dass sie heute eine so angemessene Feier plante, wie es die Umstände zuließen.
Wir standen alle früh auf, wuschen uns gründlich, aßen aber nichts, denn heute wurde gefastet. Dann ritten wir aus Punin hinaus, gerade nach Osten.
Dort suchte sich Messana eine Stelle aus, die ihr zusagte, weit und breit weder Haus noch Straße zu sehen. Wir banden die Pferde an und sattelten sie ab, während Messana ihren kleinen Altar aufbaute und vorbereitete.

Zusätzlich zu der Waschung des Morgens wurde wir alle mit Weihrauch und verbrannten Kräutern noch „gesäubert“.
Wir sprachen Gebete und sangen Choräle, wir zelebrierten Waffentänze und Waffenübungen und unsere Waffen wurden gegeneinander oder an Rüstungen geschlagen, um einen symbolischen Donner zur Bekräftigung zu erzeugen. Ich opferte symbolisch das Schwert, das ich im Zweikampf im Gundelwald gegen den Feenentführer errungen hatte, der Göttin, denn es wird später einmal seinen Platz an der Wand des Tempels von Síoigín Garrán einnehmen als Opfergabe und Zeichen meines Sieges. Wir alle gaben unser eigenes Blut, das zeremoniell verbrannt wurde als Gabe an die Herrin.
Der Höhpeunkt der Zeremonie war jedoch die Einbindung Veleas in den Schwur, den wir am Tag des Schwurs wider Borbarad geschlossen hatte.
Wieder sprach sie jene Worte über die Einheit und Einigkeit und ihre Bedeutung und mich überlief ein Schauder. Sie erhob die Stimme, uns alle zu fragen, ob wir bereit waren, gemeinsam und geeint gegen Borbarad zu kämpfen, und wir alle hoben unsere Waffen, auch Velea, und beschworen unseren Willen. Unser Blut floß in diesmal eine echte Schale, deren heiliger Zweck einzig das Aufnehmen des heiligen Blutes ist. Wir standen im Kreis drum herum, unsere Waffenspitzen berührten sich (ich hatte meinen Anderthalbhänder heute nehmen wollen, aber Messana hatte mir wieder Ar’Kan’Thos gegeben), während wir die linke Schwurhand hoben und den Schwur nachsprachen: „Ich schwöre im Namen der Sturmherrin und vor der Sturmherrin, im Glauben an sie, mit meinen Worten, Taten und Denken, wider Borbarad zu kämpfen und meinen Gefährtinnen und Gefährten beizustehen, Seite an Seite, Rücken an Rücken. Ihr seid ich und ich bin ihr. Nie werde ich meine Klinge gegen die euren richten, denn unsere Klingen kennen nur ein Ziel. Für jetzt und immerdar! Dieses heilige Blut besiegelt unseren Schwur. So sei es!“
Unser Blut wurde heute mit den rechten Kräutern zusammen über der kleinen Kohlepfanne verbrannt. Als auch der letzte Tropfen in die Flammen fiel geschah es wieder, das Zeichen Rondras! Ein Donnerschlag krachte aus blauen Himmel hernieder. Die Göttin hatte erneut unseren Schwur angenommen und Velea mit akzeptiert.

Messana sprach danach noch enthusiastischer und fanatischer über Rondra und fand mitreißende Worte, um ihren Glauben in Worte zu fassen.
Und ich fühlte mich wieder Rondra nah und war überzeugt, dass alles gut werden würde, dass wir langfristrig siegen würden.



1. Boron 26 Hal, Punin

Heute brachen Velea und Dela nach Artesa auf. In ein paar Tagen würden sie herkommen und nach Gareth mit Firudan und dem gelehrten Herrn reiten, aber dann wären Messana und ich schon an einem stillen Ort außerhalb der Stadt und wir würden uns erst in Gareth wieder sehen. Bis dahin hatten sie vielleicht schon die erhoffte Audienz beim Reichsbehüter, um ihn persönlich über die Geschenisse in Kenntnis zu setzen.
Wir verabschiedeten uns also erst einmal für einige Siebenspannen voneinander.

Messana, Firudan, Kasim und ich gingen schon früh in den Tempel des Boron, um dort im Archiv zu recherchieren. Heute ist Tag der Toten. Wenn auch vorwiegend ins Archiv, gingen wir damit dennoch in den Tempel und beteten erst und ausgiebig, bevor wir die Nachforschungen in Angriff nahmen. Ich verließ dazu den Tempel des Boron, um mit Papier, Feder und Tinter ausgerüstet ähnliche Nachforschungen im Tempel der Allweisen durchzuführen.

Ich fand nichts über Nostria Thamos und seine Prophezeiungen, aber über den Namen Tarsonius von Bethana wurde ich fündig. In den Tulamidenlanden war dieser Mann seinerseits als Bel’Ghor bekannt und auch unter dem wohl unrühmlich gemeinten Namen Bor-Barrad. Vor etwa 500 Götterläufen war er ein berühmter wie auch gefürchteter Magier, dem viele tulamidische Herrscher freiwillig zu Diensten waren, einige standen aber auch unter seinem magischen Bann.
Zu einigen dieser Herrschern fand ich auch Informationen, aber da sie schon seit Jahrhunderten nicht mehr leben, habe ich da nur oberflächlich zu Notizen gemacht.

Abends erfuhr ich, dass die drei im Boron-Tempel ganz andere Entdeckungen gemacht hatten, wenn diese uns auch nicht unbedingt sofort weiter brachten.
Sie fanden zwar ebenfalls nichts über Nostria Thamos und seine Prophezeiungen oder gar Ausführungen dazu, aber eine Abschrift der sogenannten Orakelsprüche von Fasar. In denen wird Borbarad oder einer seiner anderen Namen gar nicht erwähnt, aber ihr Inhalt, so seltsam und verquer sie sich lesen, hat mit „Gezeichneten“ und auch einigen der Metaphern genügend Parallelen zu den Al’Anfanischen Prophezeiungen und was wir somst noch in Erfahrung gebracht hatten.
Es war eine Lose-Blatt-Sammlung, das erste Blatt mit der 1. Strophe fehlte und die übrigen Blätter waren teilweise beschädigt, eingerissen und an anderen Stellen mit verblasster oder verwischter Schrift. Die verwendete Sprache ist Tulamidya.
Ein Autor, so teilte der Archivar mit, war unbekannt, ebenso ein genaues Datum, zu dem sie entstanden. Erläuterungen und Interpretationen zu ihnen waren ihm ebenfalls unbekannt.
Ob sie älter oder jünger waren als die Al’Anfanischen Prophezeiungen, so konnte der gelehrte Herr beisteuern, ist auch nicht bekannt und ob sie auf gar auf den Prophezeiungen basieren, oder die auf den Orakelsprüchen, oder ob sie gänzlich unabhängig voneinander entstanden. Er fügte hinzu, dass er annimmt, dass sie ursprünglich vermutlich sogar in Ur-Tulamidya verfasst wurden.

Ich habe mir eine Übersetzung ins Garethische geben lassen:

„II. Spruch
Wenn der geblendete Blender die verblendete Blenderin trifft, wird ihr gieriger Blick fallen auf die Gier der Menschen und auf IHN, und was ihr zuteil ward, das soll auch IHM zuteil werden.
Wenn die gespaltene Zunge die Schwerter und die geflügelte Zunge die Szepter führt, werden Drachen wieder kreisen und Greifen wieder reisen, alte Partner wieder streiten und alte Gegner wieder zusammenfinden.
Wenn der Schlaf des Hüters gestört wird und sein Heim in dunkle Klauen fällt, wird ein alter Pakt erfüllt, eine alte Schuld getilgt, ein altes Geheimnis gelüftet und ein alter Plan vollführt werden.
Wenn die Ketzerin den Ketzer knechtet, wird der weiße Pelz des Bären rot sein von Blut, und es wird ihr Blut sein und doch nicht ihres, und das formlose Grauen wird annehmen grausame Form.
Dann wird erscheinen der Zweite der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein die Kreatur und das Wissen um SEINE Gestalt.

III. Spruch
Wenn zwiefach Offenbarungen sich zwiefach offenbaren, werden Zwei eins und ungeschlagen, Eins zwei und untrennbar sein, und SEINE Feinde werden ihre Freunde sein, und SEINE Freunde ihre Feinde.
Wenn von allen einer ahnt, was die Ahnen aller mahnen, werden sich die erwählten Stämme erheben, und zu erheben einen Erwählten, auf dass der Eine alle acht über sich, alle sieben um sich, alle sechs in sich und alle fünf unter sich vereine.
Wenn das Rund des Frevlers in der Runde der Frommen ruht, wird er den Größten gehören und die Größten ihm, und es wird sich schließen der Kreis, um einst zu beenden, was einst beginnt.
Wenn Mönch und Meuchler den Platz für die Nacht teilen, werden die Bannlande erbeben und drei Tore aufgestoßen, und es werden wahre Pforten des Grauen sein für alle die, die da aufrecht sind im Geiste.
Dann wird erscheinen der Dritte der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein die zweite Haut und das Wissen um SEINE Macht.

IV. Spruch
Wenn die alte Tochter eine neue Mutter gefunden hat, wird die Betrügerin betrogen und die alte ewiggebärende Herrin wird sich gebären eine neue ewige Dienerin, und sie wird IHN erwarten in Unrast und IHM aufwarten in Undank.
Wenn vier Hörner und acht Beine die Wasser teilen und die Bäume verbünden, werden sich erschöpfen die Wasser und begraben die Lande vor den Teilenden und Verbündenden.
Wenn alter Herrscher vergangener Zeiten sich der neuen Alter sorgen, und sich alte Freunde neuen Feinden stellen an den Grenzen der Welt, werden Verrat und Vertrauen vergolten auf allen Seiten im gerechten Lohne.
Wenn der Erschleicher bestraft der Wogen Opfer, der Wurm der tausend Schwertklingen die Gärten in seiner Wut zertrampelt und im wallenden Sykarian unter SEINEN Augen vergeht
Dann wird erscheinen der Vierte der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird die fünfstrahlige Welt sein und der Schild wieder SEINER Macht.


V. Spruch
Wenn der unheilige Verführer Einzug hält in die heiligen Hallen der Verführung, wird sich die stetig Entfesselnde mit dem stets Gefesselten verbinden, und die Ketten werden gelockert werden, auf dass SEINE Stunde schlage und SEINE Zeit komme.
Wenn die Finsterkrone in der Weltenwunde bohrt und siebenstrahlig Schatten wirft, wird die Schwester ihrer Königin folgen und glorreich Einzug halten in die hehren Hallen, und ihr geflügelter Retter wird ihr Schicksal sein.
Wenn der Boden unter toten Schritten schreit und der Himmel in den Schwingen des Untodes kreischt, werden die versprengten Glieder der sphärensprengenden Bestie zucken, die Luft roten Samen spucken und die Erde ihre Kinder schlucken.
Wenn dem größten Grauen Tür und Tor geöffnet werden, wird die Not groß sein und die Zeit knapp, und der Nehmer der Welt wird dem Geber der Gestalt weichen, und es wird sein ein Jubeln und Triumphieren unter denen, die da siegreich waren und grimmiger Trotz unter denen, die da das Erbe für den Spross des Gefallenen tragen.
Dann wird erscheinen der Fünfte der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein die Stirn und das Wissen um SEINEN Frevel.

VI. Spruch
Wenn die Meister der Sechs ihre Tore öffnen, werden die Sphären in Aufruhr sein und ihre Herren in Zorn geraten, und ihre Diener werden durch die Lande streifen, um Ausschau zu halten nach IHM und sich bereit machen für IHN.
Wenn der Ruf des Falschen Goldes lockt und der Reif der Niederhöllen das Land erdrückt, wird die Kalte Kuppel bersten unter der Last und kalter Hass wird geschürt, kaltes Grausen gespürt und kalte Rache geübt werden, wenn die Schar der Geflügelten verheert das Heer der Gezeichneten.
Wenn der Hüter des Verbotenen Wissens den Hüter des Verbotenen Ortes stürzt, wird der gerupfte Balg des Wächters den Zweien künden von der Dritten, und das Lied des Friedens wird unerreicht erklingen in unerhörten Höhen.
Wenn der Geifer der Siebten in den Nabel der Dritten tropft, wird der Anbeginn der Schöpfung das Ende der Welt schauen, und der nimmermüde Blick des Schöpfers wird erschöpft in den Kerker fallen und mit sich reißen all das, was seine Kinder Ordnung heißen.
Dann wird erscheinen der Sechste der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein die Lanze und das Wissen um SEINEN Plan.

VII. Spruch
Wenn die Horden des bleichen Fleisches wieder dem Kreuz des Nordens folgen und der gesprengkelte Schlächter wieder nächtens wandelt, werden die Länder erzittern und ihre Herren erschaudern ob der Macht, die sie gekostet, und gewappnet werden sie SEINER harren, um gerüstet zu sein für die Größe SEINES Geistes.
Wenn die Sterbende gepfählt wird mit Nadeln aus kaltem Schmerz und sich die Schwarzfaulende Brut an ihrem Blute labt, wird das Wasser brennen, die Luft glühen und der Boden schmelzen, und vereint, was die Götter zu trennen befahlen.
Wenn Raschtuls Kinder ihren Frieden machen, wird ihr Urteil fallen und ihre Stunde schlagen, und es wird von ihnen genommen werden, was ihnen zusteht, und sie werden zur Letzten Waffe greifen und erwecken den Letzten Feind der Götter, dem Grauen zum Gräuel.
Wenn die Schatten der Zwölfe den Himmel sprengen und auf die Erde fallen, werden sie die Verräter verraten und die Verdammten verdammen, doch Niemand wird IHN aufhalten, weil Nichts IHM widerstehen kann, wenn erst der Rausch der Ewigkeit über die Schöpfung weht bis ans Ende aller Zeiten.
Dann wird erscheinen der Siebte der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein der Streich und das Wissen um SEINE Zeit.“
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